EVOMENTIS - Neurodivergenz, ADHS, Autismus und darüber hinaus

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EVOMENTIS - Neurodivergenz, ADHS, Autismus und darüber hinaus episodes

  • Anker, Chunks und Referenzen
    • Mathias Küfner

        Gedächtnis ist heute Thema und knüpft dabei auch an die Episode über Erinnerungsstücke an und die Frage warum wir mit Gegenständen zusammen manchmal auch unsere Erinngerungen an ein Ereignis entsorgen.
        Anker , Referenzen und Begriffe, ermöglichen uns in unserer mentalen Gedächtnisbibliothek die Regalreihen und Bände wiederzufinden in denen sich eine bestimmte Erinnerung wiederfindet. Oft ist es aber genau die Referenz die uns abhanden kommt, während die Erinnerung selbst durchaus noch vorhanden ist.

        1 hr 9 min
      • Schatz lass mich das machen!
        • Mathias Küfner

            Heute gehts mal um Beziehungen, Konflikte über das Maß der Ordentlichkeit, die Frage ob man mit Glaubenssätzen verhandeln kann und sollte und die Frage, was passiert wenn sich zwei Menschen versuchen gegenseitig immer glücklich zu machen.

            1 hr 30 min
          • Erinnerungsstücke
            • Mathias Küfner

                Heute wird das Thema Haushalt fortgesetzt und die Frage behandelt, wieso man oft so große Schwierigkeiten hat Dinge wegzuwerfen und wieso das auch mit Trauma und einer besonderen Art der Gedächtnisorganisation zusammenhängen kann.

                Daneben geht es noch um ziemliche viele Dingen in denen ich jetzt auch gerade komplett den Faden verloren habe, aber hört gerne selbst und werft einen Blick ins Transkript.

                1 hr 9 min
              • Haushaltstribbles und ADHS-Haushalte
                • Mathias Küfner

                    Es gibt durchaus auch Menschen im Neurex A und mit ADHS, die sehr penibel, sauber aufgeräumte Haushalte haben, aber auch das Gegenteil ist allgemein bekannt und meist dadurch geprägt, dass sich sehr viele Dinge ansammeln und die Haushaltsführung nicht so gelingen will, wie bei Neurotypischen und Neurex M Menschen.

                    Deshalb wird es in dieser und der nächsten Folge einmal verstärkt um das Thema Haushalt, Unordnung, Sammlung von vielen Dingen gehen. Es wird kurz erklärt was Roomba Cleaning ist und das Timeboxing und die Pomodoro Technik wieder aufgegriffen.

                    Wer nicht weiß was „Tribbles“ sind, kann das mal hier anschauen:
                    https://www.youtube.com/watch?v=gw0PlDR-SJ8

                    So ähnliche ist das auch manchmal mit dem Gruscht, den Dingen, die sich im Haushalt akkumulieren, oft auch bedingt durch Hobbies denen man kurzzeitig nachgeht.

                    Die spezifischen Eigenheiten bei manchen Neurodivergenzen können auch dazu führen, dass es ein wenig länger dauert, bis man jeweils wieder im Bilde ist, wieviele Vorräte von was man wirklich noch hat.

                    Das und noch vieles mehr in dieser Episode, die eigentlich eher ein Zweiteiler ist, denn die Folgeepisode wird nahtlos daran anschließen.



                    1 hr 16 min
                  • Chronos Rhei
                    • Mathias Küfner

                        Zeit hat eine besondere Bedeutung im Neurodivergenzbereich. Es gibt hier Unterschiede in der Wahrnehmung. Man könnte aber auch sagen, dass die heute als neurotypisch betrachteten Menschen die Zeit in ihrem starren Raster erst erfunden haben und es früher eine viel mehr mit dem Moment verwobene Empfindung für Zeit gab.

                        Während neurotypische, sesshafte, Neurex M Menschen Zeit als etwas klar strukturiertes erleben, das stetig voranschreitet und objektiviert ist, erleben es die Menschen mit mehr Wildbeuter Genen, im Neurex A Bereich nur durch den Kontext. Zeit ohne Kontext existiert dabei nicht. Zeit passt sich immer der aktuellen Situation an und ist Teil von ihr. Sie fließt gewissermaßen, aber ist dabei auch flexibel und geschmeidig. Zeit die man nicht wahrnimmt existiert nicht. Es gibt keinen externen Taktgeber der unerbitterlich den Tag in immer gleiche Stunden einteilt.

                        Aus dem Neurodivergenzbereich gibt es die Beschreibung dass man nur zwei Arten von Zeitpunkten kennt: Jetzt und Nicht-Jetzt. Ein weitergehendes intuitives Gefühl besteht meist kaum. Entsprechend muss man sich alles andere mühsam über explizite bewusste kognitive Prozesse, also handwerkliche Planung, erarbeiten und zugänglich machen. Tut man dies nicht und gibt man sich dem intuitiven Erleben hin, so fließt alles nur und man weiß vorab nicht wo man zeitlich landen wird, wann man zu einem Termin erscheinen wird, wann man mit einer Arbeit fertig werden wird oder wann man ins Bett gehen wird.

                        Dieses Fließen der Zeit ist aber leider inkompatibel mit dem strikten Zeitraster einer neurotypischen Neurex M Welt, die ihre strikten Zeitpunkte aus einer Notwendigkeit zur Kollaboration heraus erfunden und durchgesetzt hat. Erst dadurch wurde es möglich, dass viele Menschen gemeinsam und gleichförmig die gleiche Arbeit gemeinsam und ineinander greifend erledigen konnten.

                        1 hr 39 min
                      • I am out of spoons, I come with knives
                        • Mathias Küfner

                            Die Löffel-Theorie ( bei Wikipedia ) stammt von Christine Miserandino und kann man hier als PDF herunterladen.

                            Dabei stehen Löffel symbolisch für die Menge an Energie (im Sinne von Willenskraft / Disziplin) die man für den Tag zur Verfügung hat. Als Neurodivergenter hat man weniger Löffel zur Verfügung und muss mehr ausggeben um scheinbar einfache Dinge zu bewältigen, wodurch man früher dann keine Löffel mehr hat.

                            Der Ausdruck „keine Löffel haben“ oder „nicht die Löffel dazu zu haben“, ist allgemein gebräuchlich bei „Spoonies“ (also quasi den Anhängern der Theorie) um auszudrücken, dass man nicht mehr die Energie aufbringen kann.

                            Dies hängt auch stark mit der Episode 21 zur „Kompensation“ und der Episode 9 zur „Konformität“ zusammen. Wenn das Verhalten für das man intuitiv Motivation aufbringen kann, nicht zu dem passt was die Gesellschaft (aka das soziale Umfeld) von einem erwarten, dann muss man allein dafür schon stetig Löffel investieren, die anderen (Neurotypischen) dann noch für andere Dinge zur Verfügung stehen. Gibt man ständig alle seine Löffel aus, fehlen einem diese auch wieder am nächsten und folgenden Tag, während andere Löffel sparen können und immer genug Löffel haben.

                            In diesem Kontext wichtig sind auch die Begriffe „Shutdown“ und „Meltdown“ die ursprünglich aus dem Autismus Spektrum stammen. Dabei beschreibt der Shutdown eine völlige Abkapselung von äußeren Reizen, Eindrücken, Anforderungen und ein Einstellen von Kommunikation und Handlungen, da man mit der Situation vollständig überfordert ist. In diesem Moment ist keine Kapazität für rationale Entscheidungen, Handlungen oder Verständnis mehr vorhanden und das einzige das hilft ist, sich der Situation entziehen zu können.

                            Der Begriff „Meltdown“ hingegen bezeichnet einen Zustand von reaktiver Wut, um sich gegen die bedrängdte existenziell bedrohlich empfundene Situation wehren, bei der man sich in die Enge getrieben fühlt und nicht mehr in der Lage ist mit Willenskraft, Disziplin und Löffeln dagegen zu halten, sondern man nur noch durch eine sehr ursprüngliche Stressreaktion darauf reagieren kann. Meltdown ist ein Art Notfallprogramm, in dem man ebenso nicht mehr rational und komplex agieren kann. Während der Meltdown also eher die Fight Response ist, ist der Shutdown eher die Freeze Response.

                            Knives bezeichnet in dieser Analogie den Meltdown, die Wut und die Fight Response. Allerdings muss man hier klar unterscheiden zwischen Wut und Aggression, also zwischen dem Messer und dem problematischen Gebrauch. Die Wut selbst ist das was deutlich signalisiert, dass hier eine existenzielle Bedrängung empfunden wird und Wut kümmert sich um die wichtigsten Bedürfnisse in einem. Sofern dies nicht zur Aggression führt ist Wut etwas wichtiges und oft sogar sehr heilsames, hilfreiches.

                            1 hr 15 min
                          • DMN vs. TPN
                            • Mathias Küfner

                                Default Mode Network (DMN) vs. Task Positive Network (TPN)

                                „Networks“ (also Netzwerke) sind Verbünde von Gehirnregionen, die in bestimmten Fällen und für gewisse Situationen zusammenarbeiten und gemeinsam aktiv werden. Es gibt dazu mehrere unterschiedliche Modelle und es ist keineswegs schon alles bekannt und sortiert.

                                Am spannensten dabei ist das Default Mode Network (DMN) (siehe wikipedia), das man lange übersehen hat, weil es dann aktiv wird, wenn wir keine konkrete extern erkennbare Aufgabe bearbeiten. Im Sinne der Idee, dass der Mensch sowas wie ein Reizverarbeitender Automat wäre, der Außenreize verarbeitet und darauf reagiert, war es schwer vorstellbar, dass das Gehirn bei Fehlen von Außenreizen irgendeine Aktivität haben könnte. Nun ist das Modell des Reizverarbeitenden Automaten als extrem unvollständig weitgehend verworfen und dazu hat auch beigetragen, dass man erkannt hat, dass das DMN immer dann aktiv ist, wenn wir ansonsten eigentlich nix tun und also quasi langweilen oder dem Mühsiggang fröhnen. Zumindest ist das bei Neurotpyischen so.

                                Wenn das DMN aktiv ist, dann ist das TPN inaktiv und umgekehrt. Das ist das neurotypische Modell. Bei Neurodivergenten aber können auch beide gemeinsam aktiv sein nd das DMN ist deutlich stärker, das TPN dafür weniger dominant. Damit lassen sich eine ganze Reihe von Dingen erklären die mit Aufmerksamkeit, Hintergrundprozessen, Assoziationsfähigkeit und Kreativität einher gehen.

                                Ob der Gegenspieler des DMN nun das TPN ist oder ob das nur Teil des „Anti Correlated Network“ ist das auch das „Central Executive Network“ (CEN) beinhaltet, das teilweise auch „Frontoparietal Network (FPN)“ genannt wird, ob das TPN nun eher als „Dorsal Attention Network“ (DAN) oder „Dorsal Frontopartietal Network“ (D-FPN) bezeichnet wird oder noch ganz anders, hängt stark von der jeweiligen Literatur, dem zugrunde gelegten Modell und der Betrachtungsweise ab, spielt aber für diese Episode erstmal keine so genaue Rolle. Letztlich sind es auch alles nur Modelle und die Sammlung der verschiedenen Networks ist ohnehin noch weitaus umfassender.

                                Spannend hier für den Einstieg ist wirklich der Gedanke dass es mit dem DMN und TPN hier zwei Antagonisten gibt, die bei Neurodivergenz auch parallel agieren können und die verschiedene spannende Eigenschaften und Fähigkeiten von Menschen repräsentieren.

                                Das Default Moden Network gilt dabei als neuester Bestandteil der wichtige soziale Fähigkeiten mit sich gebracht hat und überhaupt das Durchdenken, Abstrahieren und Reintegrieren von Hypothesen erlaubt hat.

                                53 min
                              • Kompensation
                                • Mathias Küfner

                                    Diesmal geht es um eine Reihe von Aspekten, bei denen zentral die Kompensation steht, mit der wir Dinge die nicht zusammenpassen, doch irgendwie passend machen. Das können Konflikte sein, die wir mit unserem sozialen Umfeld haben, also Aspekte bei denen unsere Bedürfnisse und Fähigkeiten nicht zu dem passen was unser Umfeld von uns verlangt und uns bieten kann.

                                    Jeder Mensch hat eine gewisse Schwelle bis zu der er kompensieren kann, wird diese Kompensationsschwelle aber langfristig oder drastisch überschritten, kommt es zur Erschöpfung und verschiedenen damit zusammenhängen Symptomen.

                                    Neurodivergente (NeurexA) haben einen chronisch erhöhten Kompensationsbedarf um gesellschaftlichen Normen genügen zu können. Kommen weitere Belastungsfaktoren hinzu wird die Kompensationsschwelle schneller überschritten als bei Neurotypischen (NeurexM) Menschen.

                                    Ist die Schwelle überschritten und tritt Erschöpfung ein und man funktioniert nicht mehr so gut in der Gesellschaft. Die Symptome von ADHS und Autismus kommen deutlicher zum Audruck. Gleichzeitig entsteht ein Konflikt mit dem sozialen Umfeld und ein Leidensdruck. Sowohl das „nicht funktionieren“, als auch der Leidensdruck sind wesentliche Säulen der Diagnose, damit man überhaupt von ADHS bzw. Autismus sprechen kann.

                                    Erteilt werden darf die Diagnose nur von bestimmten Fachpersonen, weshalb man sich auch nicht selbst diagnostizieren kann. Dadurch dass aber die Kompensationsschwelle manchmal erst in höherem Alter überschritten wird, wird somit auch die Diagnoseschwelle erst später erreicht und mit erfolgreicher Therapie kann sie auch wieder unterschritten werden. Hat man dann also erst später ADHS bekommen und wird es dann quasi geheilt. Hier genau bräuchte es eigentlich präziserer Begrifflichkeiten oder gleich anderen Begriffen, die nicht nur die Diagnostik adressieren.

                                    VAST (Variable Attention Stimulus Trait) ist ein solcher Begriff im Umfeld von ADHS, wobei es an einem Begriff fehlt der auch das Autismus Spektrum mit einschließt, aber gleichzeitig eine Abgrenzung gegen anderen Neurodivergenzen schafft. Neurex A und Neurex M hier zu verwenden ist ein Vorschlag aus diesem Podcast heraus.




                                    1 hr 5 min

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