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Nach einer langen Sommerpause, während der Rasha unter anderem an ihrem neuen Buch gearbeitet hat, kehrt Fempire nun endlich zurück. Den Anfang im September macht die britisch-zyprische Schriftstellerin Katerina Vasiliou, die im Gespräch mit Rasha die in Deutschland kaum bekannte, weil kaum übersetzte schottische Schriftstellerin Janice Galloway vorstellt.
Katerina ist in Großbritannien geboren, besitzt inzwischen einen zyprischen Pass und lebt in Hamburg. Über Grenzen, Nationalismus und Herkunft dreht sich auch ihr Memoir „Komm, komm“, das von Christine Koschmieder aus dem Englischen übersetzt und diesen Sommer veröffentlicht wurde. In ihrem komischen und melancholischen Buch setzt sich Katerina schriftstellerisch mit ihrer Familiengeschichte auseinander, zeigt auf wie diese von den politischen Gegebenheiten geformt wurde und wie Politisches und Familiäres wiederum die Konstituierung des eigenen Selbst beeinflusst haben und immer noch beeinflussen.
Auch die von Katerina mitgebrachte, 1955 in Schottland geborene Autorin Janice Galloway hat ein Memoir geschrieben, dem sich Katerina und Rasha in ihrem Gespräch besonders widmen werden. Wie der Titel des 2008 veröffentlichten autobiografischen Werks „This is Not About Me“ schon verrät, geht es dabei, ebenso wie in Katerinas Memoiren, um so vieles mehr als um die Erinnerungen der Autorin. Galloway wirft darin einen Blick auf Frauen der schottischen Arbeiterklasse in den 1960er Jahren und beschreibt ihre eigene besondere Familienkonstellation zwischen Mutter und großer Schwester. Für ihren 2002 erschienen Roman „Clara“, den Rasha und Katerina ebenfalls besprechen, hat sich Galloway dagegen die biografischen Details einer anderen, historischen Figur, der Pianistin und Komponistin Clara Schumann (1819-1896) genommen und damit ein ganz anders erzähltes Werk geschaffen. Trotzdem die beiden Bücher der schottischen Autorin so unterschiedlich sind, vereint sie doch, wie Katerina im Gespräch bemerkt, dass beide eine Frau im Zentrum haben, der nicht erlaubt wird, sich in die von ihr angestrebte Richtung hin zu entwickeln.
Neben diesen beiden Büchern hat Galloway weitere Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und kollaborative, multimediale Werke veröffentlicht und wurde dafür bereits mit mehreren Preisen bedacht. Ins Deutsche übersetzt wurden bisher jedoch nur ihr Debütroman „Die Überlebenskünstlerin“ (1993; original mit dem Titel „The Trick is to Keep Breathing“ 1989 erschienen) sowie ihr zweiter Roman „Fremde Länder“ (1996; original mit dem Titel „Foreign Parts“ 1994 veröffentlicht), die beide auch nicht mehr aufgelegt werden. Katerina und Rasha sprechen über Galloways Vielseitigkeit als Schriftstellerin, creative non-fiction und die Grenzen des Genrebegriffs.
Als Produzentinnen standen Rasha auch in dieser Folge wieder Kathrin Albrecht und Asya Kurtuldu zur Seite.
Erwähnt wurden:
Katerina Vasiliou, Komm, komm: Memoir, 2026. Aus dem Englischen von Christine Koschmieder.
Janice Galloway, This is Not About Me, 2008.
Janice Galloway, Clara, 2004. Original 2002 erschienen.
Der LRB-Podcast mit Janice Galloway und Jenny Diski.
Die Fempire-Folge mit Asal Dardan über Jenny Diski.
Janice Galloway, All Made Up, 2011.
Janice Galloway, Die Überlebenskünstlerin, 1993. Aus dem Englischen von Christine Frick-Gerke.
Sofka Zinovieff, Eurydice Street: A Place in Athens, 2005.
Noreen Masud, A Flat Place, 2023.
Jack Karouac, On the Road, 1957.
Erwähnt wurden außerdem Clara Schumann, William Faulkner, Thomas Mann und Etel Adnan.
Falls ihr es nicht nach Köln geschafft habt oder alles nochmal nachhören wollt: wir freuen uns, dass wir am Sonntag endlich den live-Mitschnitt von Rashas Gespräch mit der grandiosen Terézia Mora in der Comedia in Köln mit euch teilen können. Dort haben die beiden am 26. Februar vor einem voll besetzten Publikum im Rahmen des Literaturfestivals ‚kindly invited‘ über das Werk der Schweizer Schriftstellerin Adelheid Duvanel gesprochen. An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön für die Einladung und Organisation an das ganze ‚kindly invited‘-Team und das Literaturhaus Köln!
Die Schriftstellerin und Übersetzerin aus dem Ungarischen Terézia Mora hat schon mehrere viel gelobte Romane geschrieben. Auch ihr letzter 2023 erschienener Roman „Muna oder Die Hälfte des Lebens“, in dem die junge Protagonistin aus der ostdeutschen Provinz einem Mann verfällt, der nicht gut für sie ist, wurde für die Shortlist des Deutschen Buchpreises ausgewählt. Neben ihren Romanen hat Terézia Erzählungen, Essays und Drehbücher verfasst, bereits zwei Poetik-Vorlesungen veröffentlicht und sie wurde schon mit so ziemlich jedem Preis, mit dem man im deutschsprachigen Literaturbetrieb ausgezeichnet werden kann, geehrt. Darunter sind der Ingeborg-Bachmann-Preis, der Georg-Büchner-Preis für ihr Gesamtwerk und der Deutsche Buchpreis für ihren 2013 erschienen Roman „Das Ungeheuer“.
Für ihr Gespräch mit Rasha hat sich Terézia gewünscht, über die 1936 geborene und 1996 verstorbene Schweizer Autorin und Journalistin Adelheid Duvanel zu sprechen. Ähnlich wie die Beziehung Munas, der Protagonistin von Terézias letztem Roman und wie ihr in der Folge hören werdet, hatte die Ehe der Schweizer Autorin Adelheid Duvanel toxische Züge. So soll ihr Mann, ein Maler, sie davon abgebracht haben, selbst in seiner Disziplin künstlerisch tätig zu werden. Das Schreiben hat sie jedoch nicht aufgegeben, sodass wir heute ihre jüngst vom Limmat Verlag in einer Gesamtausgabe gesammelten sehr kurzen, dafür aber sehr dichten Erzählungen, Feuilletons, Kolumnen und Briefe nachlesen können. In der Folge widmen sich Rasha und Terézia besonders der Entschlüsselung einiger von Duvanels Erzählungen, die Rasha als „dunkle, kleine Diamanten“ bezeichnet, sprechen über das Verhältnis von Biografie und Text, die Voraussetzungen fürs Schreiben sowie über das Entdecken, Wiederentdecken und Vergessen von Autorinnen.
Als Produzentinnen standen Rasha auch für diese Folge wieder Kathrin Albrecht und Asya Kurtuldu zur Seite.
Erwähnt wurden:
Rasha Khayat, Weil wir längst woanders sind, 2016.
Rasha Khayat, Ich komme nicht zurück, 2024.
Terézia Mora, Das Ungeheuer, 2013.
Terézia Mora, Muna oder Die Hälfte des Lebens, 2023.
Adelheid Duvanel, Fern von hier: Sämtliche Erzählungen, 2021. Herausgegeben von Elsbeth Dangel-Pelloquin.
Adelheid Duvanel, Es gibt Tage: Feuilletons, Kolumnen, Rezensionen, 2025. Herausgegeben von Christine Weder.
Adelheid Duvanel, Nah bei Dir: Briefe 1978-1996, 2024. Herausgegeben von Angelica Baum.
Toni Morrison, Salomons Lied, 2026. Aus dem Englischen von Tanja Handels. Im englischen Original 1977 erschienen.
Das Radio-Feature über Adelheid Duvanel: „Von Träumern, Spinnern, Außenseitern – Meistererzählerin Adelheid Duvanel“, WDR 3 Kulturfeature, 2024.
Die Literaturzeitschrift „Literaturen: Die Zeitschrift für Leser“.
Erwähnt wurden außerdem die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, die Wiener Poetin Elfriede Gerstl, Franz Kafka, Ernest Hemingway und Ernst Jandl.
Bevor ihr unsere Live-Show des Gesprächs zu hören bekommt, das Rasha mit Terézia Mora im Rahmen des Literaturfestivals „kindly invited“ letzte Woche in Köln geführt hat, dürfen wir euch noch eine im Vorfeld aufgenommene ebenso spannende Unterhaltung präsentieren. Gästin ist die Autorin Theresia Enzensberger, die Ursula K. Le Guin, die Grande Dame der Science-Fiction, als Heldin dieser dritten Folge der dritten Staffel erwählt hat.
Theresia Enzensberger lebt als freie Autorin in Berlin. Neben Beiträgen für Zeitungen und Magazine hat sie zwei Romane veröffentlicht sowie einen Langessay über Schlaf und Schlaflosigkeit („Schlafen“, 2024). Ihr erster Roman „Blaupause“ (2017) wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt und erhielt die Alfred Döblin-Medaille, während „Auf See“ (2022) für den deutschen Buchpreis nominiert war. „Auf See“ handelt von Yada, die auf einer in die Jahre gekommenen künstlichen Insel in der Ostsee erwachsen wird. Diese Insel wurde von ihrem Vater als visionäres utopisches Projekt und als Zuflucht vor dem gesellschaftlichen Zusammenbruch konzipiert. Mit Ursula K. Le Guin verbindet sie nicht nur das Genre der Speculative-Fiction, sondern, wie aus dem Gespräch hervorgehen wird, auch ein großes Interesse am Politischen.
Die US-Schriftstellerin wurde 1929 als Tochter einer Anthropologin und eines Anthropologie-Professors geboren und verstarb 2018. Während ihres langen Lebens war sie literarisch äußerst produktiv und hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, das von Romanen und Kinderbüchern über Kurzgeschichten bis hin zu Gedichten und Essays reicht. Für ihr Gespräch mit Rasha über Anarchismus, Feminismus und politische Literatur hat sich Theresia zwei Prosatexte von Le Guin ausgesucht. Über Utopien in der Literatur sprechen die beiden anhand des Romans „The Dispossessed“ (1974), der als „Planet der Habenichtse“ oder „Die Enteigneten“ ins Deutsche übertragen und zuletzt 2017 als „Freie Geister“ von Karen Nölle neu übersetzt wurde. In diesem im Universum von Le Guin‘s Hainish-Zyklus angesiedelten Roman wechselt der Protagonist Shevek zwischen zwei Planeten, Urras und dessen Mond Anarres, sowie zwischen zwei Gesellschaftssystem, einem kapitalistischen und einem anarchistischen. Außerdem sprechen die beiden über Literatur allgemein und ziehen dazu Le Guin’s „Tragetaschen-Theorie der Literatur“ heran, die sie in ihrem Essay „Carrier Bag Theory of Fiction“ (1986) formuliert hat. In deutscher Übersetzung kann das Essay und die Theorie im Sammelband „Feministisches Spekulieren: Genealogien, Narrationen, Zeitlichkeiten“ (2020) nachgelesen werden.
Als Produzentinnen standen Rasha auch für diese Folge wieder Kathrin Albrecht und Asya Kurtuldu zur Seite.
Erwähnt wurden:
Theresia Enzensberger, Auf See, 2022.
Ursula K. Le Guin, The Dispossessed, 1974. Als „Planet der Habenichtse“ und „Die Enteigneten“ ins Deutsche übertragen und 2017 als „Freie Geister“ von Karen Nölle neu übersetzt.
Ursula K. Le Guin, The Left Hand of Darkness, 1969. Ins Deutsche 2023 als „Die linke Hand der Dunkelheit“ von Karen Nölle neu übersetzt.
Ursula K. Le Guin, Steering the Craft, 2015. Erstmals 1998 erschienen.
Ursula K. Le Guin, The Carrier Bag Theory of Fiction, 1986. Der Essay ist in deutscher Übersetzung im Sammelband „Feministisches Spekulieren: Genealogien, Narrationen, Zeitlichkeiten“ (2020), herausgegeben von Marie-Luise Angerer und Noam Gramlich.
Sarah Shin und Mathias Zeiske, Hrsg., Carrier Bag Fiction, 2021.
Dorothee Elmiger, Aus der Zuckerfabrik, 2020.
Moritz Baßler, Der Neue Midcult, Pop-Zeitschrift, 2021.
Erwähnt wurden außerdem u.a. der Anthropologe und Autor David Graeber und der Science-Fiction-Autor William Gibson.
Für die zweite, wunderbare Folge der neuen Staffel hat Rasha sich Meral Kureyshi zu einem Gespräch eingeladen. Die schreibende Protagonistin über deren Werk sich Meral gewünscht hat, mit Rasha zu sprechen ist die ungarisch-schweizerische Schriftstellerin Ágota Kristóf.
Außerdem möchten wir nochmal auf die Fempire-Liveshow aufmerksam machen: am 26. Februar, von 18:00-19:30 Uhr wird Rasha beim Literaturfestival 'kindly invited' mit der wundervollen Terézia Mora über eine ihrer liebsten Schriftstellerinnen sprechen. Tickets gibt es auf der 'kindly invited' Website zu erwerben. Kommt zahlreich!
Wie ihre Wahlheldin für diese Folge schreibt auch Meral nicht in ihrer Erstsprache. 1983 in Prirzen im damaligen Jugoslawien, heute Kosovo, geboren, kam sie 1992 mit ihrer Familie in die Schweiz. Dort lebt sie in Bern als freie Autorin von kürzeren Prosatexten und bereits drei Romanen. Sowohl ihr Debüt „Elefanten im Garten“ (2015) als auch ihr zweites Buch „Fünf Jahreszeiten“ (2020) wurden hoch gelobt und ausgezeichnet. „Im Meer waren wir nie“, Merals dritter Roman über Freundschaft, Fürsorge und Familie, der erst letztes Jahr erschienen ist, hat es auf die Shortlist des Schweizer Buchpreises geschafft.
Ihr umfangreiches Werk von Romanen, Theaterstücken, Novellen und Gedichten hat die 1935 in Ungarn geborene Ágota Kristóf hauptsächlich auf Französisch verfasst, nachdem sie 1956 im Zuge der Revolution in die Schweiz floh. Für ihre Romane und ihr Gesamtwerk wurde sie mehrfach ausgezeichnet, bevor sie 2011 in Neuchâtel verstarb. Rasha und Meral widmen sich besonders den Romanen „Die Analphabetin“ (2004 im französischen Original erschienen) und „Das große Heft“ (im französischen Original 1986 veröffentlicht), in denen es, wie die Unterhaltung von Meral und Rasha zeigen wird, auch immer wieder um zu überwindende Distanzen geht, von einer zur anderen Sprache, von Gedachtem zu Geschriebenem, von einem Land zum anderen. Daneben geht es um Wahrheit und Lüge im Schreiben und über die Erfahrung in der Öffentlichkeit, auf einer Bühne zu sein.
Als Produzentinnen standen Rasha auch in dieser Folge wieder Kathrin Albrecht und Asya Kurtuldu zur Seite.
Erwähnt wurden:
Ágota Kristóf, Die Analphabetin, 2007. Aus dem Französischen von Andrea Spingler. Im Original 2004 erschienen.
Ágota Kristóf, Gestern, 1996. Aus dem Französischen von Carina von Enzenberg und Hartmut Zahn. Im Original 1995 erschienen.
Ágota Kristóf, Das große Heft, 2013. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Im Original 1986 erschienen.
Ágota Kristóf, Der Beweis, 1991. Aus dem Französischen von Erika Tophoven-Schöningh. Im Original 1988 erschienen.
Ágota Kristóf, Die dritte Lüge, 1993. Aus dem Französischen von Erika Tophoven. Im Original 1991 erschienen.
Ágota Kristóf, Irgendwo, 2007. Aus dem Französischen von Carina von Enzenberg. Im Original 2005 erschienen.
Wir gehen mit einer sehr besonderen Folge ins neue Jahr und in die nun schon dritte Staffel von Fempire. Aber davor noch eine kleine Ankündigung: am 26. Februar, von 18:00-19:30 Uhr ist Fempire live zu sehen und hören beim Literaturfestival 'kindly invited', wo Rasha mit der wundervollen Terézia Mora über deren Literaturheldin sprechen wird. Tickets gibt es auf der 'kindly invited' Website zu erwerben. Kommt zahlreich!
Für diese erste Folge im neuen Jahr hat sich Rasha mit ihrer guten Freundin und Kollegin, der grandiosen Autorin Rumena Bužarovska zusammengetan, um das Mikro diesmal umzudrehen. Rasha lädt erstmals eine Co-Hostess ins Studio und sitzt selbst im Gästinnensessel, um über eine ihrer großen Idole, die ägyptische Autorin, Ärztin und Aktivistin Nawal El Saadawi zu sprechen.
Nawal El Saadawi, 1931 in Ägypten geboren und 2021 dort verstorben, hat ein sehr umfangreiches Werk hinterlassen. Viele ihrer Bücher wurden teilweise verboten oder zensiert. Nur sehr wenige ihrer Werke wurden bisher ins Deutsche übersetzt und wenn, dann werden sie nicht mehr aufgelegt. Trotz alledem sind Saadawi’s Bücher vor allem in der arabischen Welt aktueller, einflussreicher und gefragter denn je unter jungen Feministinnen, zumal da Saadawi in den letzten Jahren eine Art Renaissance durch Social Media erlebt, wo immer wieder Ausschnitte aus ihren starken Interviews als Clips auftauchen.
Rasha kennt ihr als Hostess von Fempire, aber sicher auch als Autorin. Sie wuchs in Jeddah, Saudi-Arabien, auf und lebt als freie Autorin und Übersetzerin im Ruhrgebiet. Ihr erster Roman „Weil wir längst woanders sind“ kam 2016 heraus und hat viel Aufsehen erregt. 2024 folgte dann endlich ihr zweiter Roman „Ich komme nicht zurück“. Daneben veröffentlicht Rasha Essays und Kurzgeschichten und arbeitet zurzeit an ihrem dritten Buch. Rasha’s Freundin, Kollegin und diesmal Co-Hostess Rumena Bužarovska ist eine bekannte Autorin und Aktivistin aus Mazedonien. Kürzlich wurde sie von Harper’s Bazaar als eine der einflussreichsten Frauen der Balkanregion ausgezeichnet. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter auch den Erzählband „Mein Mann“ (2022, im mazedonischen Original 2014 erschienen), der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und ihr internationale Berühmtheit bescherte.
Rasha und Rumena widmen sich vor allem Saadawis Roman „Woman at Point Zero“ (im arabischen Original 1973 erschienen) und ihrem großen Werk „The Hidden Face of Eve“ (1977 auf Arabisch erschienen). Sie sprechen über Feminismus, starke Frauen, Saadawi’s erfrischende Direktheit und Klarheit sowie ihre Freude daran, in ihrem Werk und ihren englischen Interviews immer wieder den vermeintlichen ‚Westen‘ zu destabilisieren. Außerdem kommt Rasha nicht darum herum, die Frage zu stellen, die bisher alle Fempire-Staffeln durchzogen hat: Warum gibt es keine aktuellen Übersetzungen von Saadawi ins Deutsche?
Als Produzentinnen standen Rasha auch für diese Folge wieder Kathrin Albrecht und Asya Kurtuldu zur Seite.
Erwähnt wurden:
Nawal El Saadawi, The Hidden Face of Eve: Women in the Arab World, 2024. Aus dem Arabischen ins Englische von Sherif Hetata. Mit einem Vorwort von Joumana Haddad. Im arabischen Original 1977 erschienen.
Nawal El Saadawi, Woman at Point Zero, 2024. Aus dem Arabischen ins Englische von Sherif Hetata. Mit einem Vorwort Selma Dabbagh. Im Arabischen Original 1973 erschienen.
Die Göttin Isis, als deren Tochter Nawal El Saadawi sich in ihren Memoiren bezeichnet.
Nawal El Saadawi, A Daughter of Isis: The Early Life of Nawal El Saadawi, In Her Own Words, 2024. Aus dem Arabischen ins Englische von Sherif Hetata. Mit einem Vorwort von Adele Newson-Horst. Auf Englisch erstmals 1999 erschienen.
Einige der Interviewausschnitte, die über Instagram viral gegangen sind:
Nawal El Saadawi, Memoirs from the Women’s Prison, 1994. Aus dem Arabischen ins Englische von Marilyn Booth. Im Arabischen Original 1983 erschienen.
Rashas erstes Buch: Rasha Khayat, Weil wir längst woanders sind, 2024. Erstmals 2016 erschienen.
Aus Anlass der dunkler werdenden Tage bietet Folge 8 der 2. Fempire-Staffel ein ‚Halloween-Spezial‘. Zusammen mit ihrer Gästin Kathrin Blum wird sich Rasha darin einer in der ‚Grusel-Saison‘ allgegenwärtigen Figur zuwenden: der „Hexe“. Da uns die Figur der „Hexe“ in Texten aller Art und über Jahrhunderte hinweg immer wieder begegnet – ob bei Shakespeare oder Ottfried Preißler – scheint eine Beschäftigung mit dieser Figur im Rahmen eines feministischen Literatur-Podcasts überfällig. „Hexen“ wurden verfolgt, verehrt, verbrannt. Um zu verstehen, warum, und welche Rolle dabei Christianisierung, Klimawandel und Misogynie gespielt haben, werden Rasha und Kathrin besonders den historischen Ursprüngen und Mythen der „Hexe“ nachgehen und die Wirkmächtigkeit der Figur bis heute in den Blick nehmen.
Als Autorin, Wildnispädagogin und Coachin für naturzyklische Prozessbegleitung ist Kathrin die perfekte Gesprächspartnerin für dieses Unterfangen. Denn in ihrem jüngst erschienen Buch „Hexen: Geheimnisse und Schicksale weiser Frauen“, das letzten Monat in der Reihe „99 Dinge, die zu wissen lohnt“ bei Thorbecke erschienen ist, hat sich Kathrin bereits eingehend dem Thema „Hexen“ gewidmet. Von Kathrin sind außerdem die Bücher „Raunächte“ (2024), „Vögel verstehen“ zusammen mit Paul Wernicke (2023) und „Der Baumsammler“ (2020) veröffentlicht worden. Entsprechend Kathrins Werk und Praxis als Coachin wird es in diesem „Hexen“-Spezial auch immer wieder um die Verbindung zur Natur gehen. Jenseits von Halloween-Trend und Schauermärchen sprechen Rasha und Kathrin über die Virulenz von Hexenprozessen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, über Othering der am Rande der Gesellschaft Stehenden, Aufklärung und die Wiederbelebung der Welt.
Als Produzentinnen standen Rasha auch für diese Folge wieder Kathrin Albrecht und Asya Kurtuldu zur Seite.
Erwähnt werden:
Kathrin Blum, Hexen: Geheimnisse und Schicksale weiser Frauen, 2025.
Die 'Schamanin von Bad Dürrenberg'.
Der Archäologe und Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale Harald Meller, der Bücher zur 'Schamanin von Bad Dürrenberg' geschrieben hat, z.B.: Harald Meller und Kai Michel, Das Rätsel der Schamanin: Eine archäologische Reise zu unseren Anfängen, 2025.
Robert Macfarlane, Is the River Alive?, 2025.
Monica Black, Deutsche Dämonen: Hexen, Wunderheiler und die Geister der Vergangenheit im Nachkriegsdeutschland, 2021.
Philipp Blom, Die Unterwerfung, 2022.
Außerdem der vom Dominikanermönch Heinrich Kramer 1486 veröffentlichte "Hexenhammer".
Nach einer längeren Weile gibt es nun wieder eine Fempire-Folge auf Englisch mit der wunderbaren Schriftstellerin, Kuratorin, Moderatorin und Literaturvermittlerin Lubi Barre. Für das Gespräch hat sich Lubi die französische Autorin Constance Debré gewünscht und hat Rasha mit ihrer Begeisterung für Debré gleich angesteckt.
Lubi Barre verfasst Gedichte und Kurzgeschichten, die bisher in den Sammlungen und Anthologien „My Old Man“ (2016), „Here and There“ (2020) und „Kontinentaldrift: Das Schwarze Europa“ (2021) veröffentlicht wurden. Zu den von ihr initiierten Projekten gehören die Lesereihen „Sprachlos“ und „FRAMED“, sie hat einige Festivals kuratiert, darunter das erste „Black Writers Book Festival“ in Hamburg 2024, lehrt kreatives Schreiben an verschiedenen Universitäten und wurde mit mehreren Schreib- und Kurationsstipendien ausgezeichnet. Darüber hinaus wird die von ihr gegründete erste englischsprachigen Buchhandlung in Hamburg „Davenport Books“, die gleichzeitig als ‚cultural hub‘ fungieren soll, bald ihre Eröffnung feiern.
Bevor sich die 1972 geborene Constance Debré ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Anwältin und Strafverteidigerin und hat bereits zwei Bücher veröffentlicht, den Roman „Un peu là beaucoup ailleurs“ (2004), für den sie mit dem Prix Contrepoint ausgezeichnet wurde, sowie ihr „Manuel pratique de l’idéal“ (2007). Sie wurde jedoch vor allem durch die Veröffentlichung ihrer letzten vier Bücher bekannt – „Play Boy“ (2018), „Love Me Tender“ (2020), „Nom“ (2022) und „Offenses“ (2023) – die sie im Zuge ihres radikalen Bruchs mit ihrem früheren bourgeoisen Pariser Leben veröffentlichte und von denen bisher nur „Play Boy“ (2025) und „Love Me Tender“ (2024) ins Deutsche übersetzt wurden.
Es ist vor allem dieser letzte Roman „Love Me Tender“, dem sich Rasha und Lubi in ihrem Gespräch widmen. Die beiden gehen aber auch auf das schmale und kraftvolle Werk Debrés insgesamt ein und streifen dabei Themen wie Konformität und Befreiung, die Institution der Ehe und Mutterschaft und befassen sich mit den Gefahren, die vom persönlichen Bücherregel ausgehen. Daneben sprechen die beiden über Lubis mühevolle Arbeit, die Hamburger Literaturlandschaft mit ihren Lesungs- und Workshop-Formaten zu bereichern und für ein nicht primär deutschsprachiges Publikum zu öffnen. Nicht zuletzt geht es, wie in Debrés Büchern auch, darum, das eigene Leben zu verändern.
Erwähnt wurden:
Constance Debré, Love Me Tender, 2024. Aus dem Französischen von Max Henninger. Das Original erschien 2020.
Aurelius Augustinus, Bekenntnisse, 1989. Aus dem Lateinischen von Kurt Flasch und Burkhard Mojsisch. Entstanden Ende 4. Jahrhunderts v. Chr.
Deborah Levys „Living Autobiography“-Triologie: Things I Don’t Want to Know (2013), The Cost of Living (2018), Real Estate (2021).
Constance Debré als Samuel Fischer im Gespräch mit Miryam Schellbach (2025).
Die von Lubi erwähnte Serie „Law and Order: Special Victims Unit“ mit dem Charakter Detective Olivia Benson.
Die englischsprachige Buchhandlung, die bald von Lubi in Hamburg eröffnet wird: „Davenport Books“, „a meeting place for Brave conversations“.
Rachel Yoder, Nightbitch, 2021.
Frisch aus der Sommerpause zurück, freuen wir uns mit Folge sechs der zweiten Staffel wieder ein sehr starkes und für Rasha bedeutsames Fempire-Gespräch präsentieren zu können. Zusammen mit der wunderbaren Schriftstellerin Heike Geißler widmet sich Rasha dem Werk der palästinensischen Autorin Adania Shibli, die beide sehr schätzen.
Die Schriftstellerin, Übersetzerin und Herausgeberin Heike Geißler wurde 1977 in Riesa geboren. Ihr literarisches Schaffen umfasst verschiedenste Textformen, darunter Romane und Essays sowie Theaterstücke und Hörspiele, für die sie mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet wurde. Von ihr sind mit „Verzweiflungen“ und „Arbeiten“ dieses Jahr gleich zwei tolle essayistische Bücher erschienen, in denen sie über die Verwertungslogiken im Kapitalismus, Menschenfeindlichkeit und, wie der Titel schon verrät, über das Verzweifeln schreibt. Da es gerade an Anlässen zum Verzweifeln nicht mangelt, konnte Heikes kluge literarische Bearbeitung dieses Gefühls zu keinem passenderen Moment erscheinen.
Ein Grund zum Verzweifeln ist auch der Umgang des deutschen Literaturbetriebs mit der 1974 geborenen palästinensischen Autorin Adania Shibli. Ihr 2022 erstmals auf Deutsch erschienener Roman „Eine Nebensache“ (2017 auf Arabisch erschienen) wurde vor allem durch die Absage von Shiblis Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2023 bekannt. Ohne um eine Besprechung dieses Vorfalls herumzukommen, lenken Rasha und Heike in ihrem Gespräch jedoch die Aufmerksamkeit zurück zum Wesentlichen: dem literarischen Werk Shiblis. Neben journalistischen Beiträgen, Essays, Kurzgeschichten und Theaterstücken sind von ihr bisher drei schmale Romane erschienen. Vor dem bereits erwähnten Roman „Eine Nebensache“ erschienen die zwei noch nicht in deutscher Übersetzung erschienenen Bücher „Touch“ (2010, im arabischen Original 2001 veröffentlicht) und „We Are All Equally Far from Love“ (2012, im arabischen Original 2004 veröffentlicht).
Anhand dieser Romane sowie eines in der Berlin Review erschienenen Essays von Shibli, befassen sich Heike und Rasha mit der zurückgenommenen, spartanischen Sprache der palästinensischen Autorin, die es dennoch schafft, Weichheit und Zärtlichkeit zu transportieren, sowie der Namens- und Gesichtslosigkeit ihrer Figuren. Außerdem sprechen sie über den Stand der arabischen Sprache im deutschen Literaturbetrieb, sich selbst entlarvende Literaturkritik und die Sehnsucht nach einem guten Ende.
Erwähnt wurden:
Heike Geißler, Arbeiten, 2025.
Heike Geißler, Verzweiflungen, 2025.
Adania Shibli, Eine Nebensache, 2022. Aus dem Arabischen von Günther Orth.
Die nie gehaltene Preisrede für den LiBeraturpreis von Adania Shibli: Adania Shibli, Das Buch als Feind, 2024.
Adania Shibli, We Are All Equally Far from Love, 2012. Aus dem Arabischen ins Englische von Paul Starkey. Das Original erschien 2004.
Die von Heike erwähnte und verehrte Autorin Annett Gröschner.
Die erwähnte taz-Rezension über Shiblis Roman: Carsten Otte, Schatten auf der Buchmesse, 2023.
Beispiele der von Rasha erwähnten Besprechungen von 2022, die Shiblis Roman sehr gewogen waren (Rasha hat das den Schweizer Literaturclub mit dem Literarischen Quartett verwechselt):
Shiblis auf Deutsch und Englisch erschienener Text in der Berlin Review: Adania Shibli, Als das Monster freundlich war, 2024.
Die Solidaritätslesung aus Adania Shiblis Roman auf der Frankfurter Buchmesse 2023.
Heike erwähnte die Autorin und bildende Künstlerin Andrea Scrima.
Adania Shibli, Touch, 2010. Aus dem Arabischen ins Englische von Paula Haydar. Das Original erschien 2001.
Das von Rasha empfohlene Gespräch zwischen Adiana Shibli und Hisham Matar auf dem Hay Festival: Writing from Elsewhere, 2024.
Tanja Maljartschuk, Wie man über die Unmöglichkeit des Schreibens schreiben kann, 2022.
Das Interview der Übersetzerin aus dem Arabischen Sandra Hetzl mit Nadia Abdel Aziz in der Zeit: „Viele Verlage haben Angst“, 2025.
Außerdem der Text von Sandra Hetzl in der Berlin Review: Sandra Hetzl, Arabische Black Boxes, 2024.
Die Essayreihe von Maha El Hissy in der Berlin Review: Maha El Hissy, Literature of Unsettlement, 2025.
Heike erwähnte zudem die Philosophin, Autorin und Filmemacherin Eva Meyer, den Künstler, Autor, Hörspiel- und Filmemacher Eran Schaerf sowie den Autor und Musiker Thomas Meinecke.
Die 5. Folge der 2. Fempire-Staffel bringt zwei der für unsere Zeit wichtigsten Denkerinnen zusammen. Mit der großartigen und inspirierenden Philosophin und Autorin Eva von Redecker spricht Rasha über die kanadische Schriftstellerin, Journalistin, Aktivistin und ‚public intellectual‘ Naomi Klein.
Eva von Redecker wurde 1982 in Kiel geboren. Nach ihrer 2018 erschienen Doktorarbeit „Praxis und Revolution: Eine Sozialtheorie radikalen Wandels“ veröffentlichte Eva von Redecker 2020 mit ihrem Buch „Revolution für das Leben“ eine „Philosophie der neuen Protestformen“. In ihrem langen 2023 veröffentlichten Essay „Bleibefreiheit“, der seit Anfang dieses Jahres auch als Taschenbuch erworben werden kann, lädt sie dazu ein, den Freiheitsbegriff im Hinblick auf Kapitalismus, Klimakrise und Kriege neu zu denken. Neben ihren Büchern schreibt Eva außerdem regelmäßig Beiträge für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen.
Naomi Klein, 1970 in Montreal geboren, ist die Verfasserin mehrerer in über 30 Sprachen übersetzter Bestseller-Sachbücher, darunter „No Logo“ (1999) und „The Shock-Doctrine“ (2007). Außerdem lehrt sie als ‚Professor of Climate Justice‘ an der University of British Columbia. Mit ihren Werken, Berichten und Artikeln für verschiedene Sender und Zeitungen ist Naomi Klein eine der bedeutendsten linken Intellektuellen und Kapitalismuskritikerinnen unserer Gegenwart.
Das Werk, dem sich Rasha und Eva widmen, ist Kleins neuestes Buch „Doppelgänger“, 2023 im Original auf Englisch und 2024 auf Deutsch erschienen, für das sowohl Rasha als auch Eva einen Instant Crush entwickelt haben. Ausgehend von einer sich häufenden Verwechslung zwischen ihr und der feministischen Liberalen turned Verschwörungstheoretikerin Naomi Wolf stellt die kanadische Autorin darin dar, wie sich das Umschlagen von Gesellschaften in Faschismus und spezifisch in Verschwörungserzählungen vollzieht. Außerdem besprechen Rasha und Eva einen vor kurzem von Naomi Klein und Astra Taylor verfassten Beitrag im Guardian: „The rise of end times facism“. Neben den Umschlägen und Verkehrungen der Gegenwart, die von Klein in „Doppelgänger“ beleuchtet werden, sprechen Rasha und Eva über Phantombesitz, das optimierte Selbst, den aktuellen deutschen politischen Diskurs seit dem 7. Oktober 2023, und das, was Naomi Klein ‚End Times Facism‘ nennt. Dabei bewundern Eva und Rasha Kleins schriftstellerische Fähigkeit zur Kritik, ohne dabei oberlehrerhaft zu sein, bekräftigen das Beharren der kanadischen Autorin, auf der Erde zu bleiben, und betonen die Wichtigkeit Kraft spendender Bücher und Gespräche.
Erwähnt wurden:
Eva von Redecker, Bleibefreiheit, 2023. Anfang 2025 als Taschenbuch erschienen.
Eva von Redecker, Revolution für das Leben: Philosophie der neuen Protestformen, 2020. 2023 als Taschenbuch erschienen.
Naomi Klein, Doppelganger: A Trip Into the Mirror World, 2023.
Naomi Klein und Astra Taylor, The rise of end times fascism, The Guardian, 13. April 2025.
Der von Rasha genannte Guardian-Podcast mit Naomi Klein:
Ein Beispiel für die von Rasha erwähnten Äußerungen von Naomi Klein zum deutschen Diskurs:
Noami Klein, The Shock Doctrine: The Rise of Disaster Capitalism, 2007.
Wendy Brown, In the Ruins of Neoliberalism: The Rise of Antidemocratic Politics in the West, 2019.
Michael Ende, Momo, 1973.
Weitere im Gespräch gefallene Namen sind u.a.: Judith Butler, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Susan Neiman, Masha Gessen, Joan Didion. Außerdem erwähnte Rasha das Oud-Trio Le Trio Joubran.
Für die vierte Folge der zweiten Fempire-Staffel hat Rasha die Theater- und Prosaautorin Luna Ali als Gästin eingeladen. Lunas großartiger Debütroman „Da waren Tage“ erschien letztes Jahr, in dessen Kapiteln wir den Protagonisten Aras jedes Jahr am Jahrestag der Syrischen Revolution von 2011 an einem anderen Punkt seines Lebens antreffen. Dabei erleben wir nicht nur, wie die Ereignisse in Syrien sich auf Aras‘ Wahrnehmung von Realität und Fiktion auswirken, sondern wie Sprache beim Erzählen zwischen Deutschland und Syrien an ihre Grenzen gerät und immer wieder nach neuen Formen sucht.
Auf Lunas Wunsch hin wagen sich die beiden mit Hannah Arendt an eine der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts heran. 1906 in Linden bei Hannover geboren und in Königsberg aufgewachsen, studierte sie Philosophie, Theologie und Klassische Philologie und promovierte bei Karl Jaspers. Von der Gestapo verfolgt, flüchtete Arendt 1933 nach Paris und wegen des Vorrückens der Nazis 1941 ein zweites Mal in die USA, wo sie nach achtzehn Jahren Staatenlosigkeit 1951 die Staatsbürgerschaft erhielt. In New York, wo sie bis zu ihrem Tod 1975 lebte, lehrte sie an verschiedenen Universitäten, vor allem aber schrieb sie an einem so bedeutenden wie umfangreichen Werk politischer und philosophischer Texte.
Um die Annäherung an die Werke der politischen Denkerin und Philosophin zu erleichtern, konzentrieren sich die beiden auf Arendts 1951 erstmals unter dem Titel „The Origins of Totalitarianism“ und 1955 auf Deutsch veröffentlichtes Opus magnum „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus“ sowie auf ihren deutlich schlankeren Essay von 1943 „We Refugees“ („Wir Flüchtlinge“). Rasha und Luna sprechen über die schreckliche Aktualität von Arendts Werken, über Aktivismus und die Frage nach politischem Handeln, die sowohl Luna wie Arendt in ihren Texten beschäftigt. Außerdem erzählt Luna in einem kleinen Exkurs von ihrer Reise nach Syrien Anfang dieses Jahres. Bei alldem fragen sich Rasha und Luna immer wieder: was hätte wohl Hannah Arendt dazu zu sagen?
Erwähnt wurden:
Margarethe von Trotta (Regie), Hannah Arendt: ihr Denken veränderte die Welt, 2012.
Hannah Arendts 1943 im Menorah Journal veröffentlichter Essay „We Refugees“: Hannah Arendt, Wir Flüchtlinge, 1986. Aus dem Engl. von Eike Geisel.
Das Theaterstück an dem Luna mitgewirkt hat: andcompany&Co., Café Casablanca: Everybody Comes To Stay!, 2017.
Michael Curtiz (Regie), Casablanca, 1943.
Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft: Antisemitismus, Imperialismus, Totalitarismus, 1955. Das Werk erschien erstmals auf Englisch 1951 unter dem Titel „The Origins of Totalitarianism“. Luna und Rasha beziehen sich im Podcast vor allem auf Kapitel 9: „Der Niedergang des Nationalstaates und das Ende der Menschenrechte“.
Hannah Arendt, Wahrheit und Lüge in der Politik: zwei Essays, 2013. Der Band enthält die Essays „Die Lüge in der Politik“ (1971 mit dem Titel „Lying and Politics“ und 1972 in deutscher Fassung erschienen) und „Wahrheit und Politik“ (1967 unter dem Titel „Truth and Politics“ und 1969 auf Deutsch veröffentlicht).
Der von Rasha erwähnte close-reading-Podcast zu Hannah Arendts Werken: Hannah Arendt Center, Reading Hannah Arendt with Roger Berkowitz.
Das andere von Luna erwähnte Theaterstück an dem sie als Co-Autorin beteiligt war: andcompany&Co., FAKE YOUTH, 2019.
Der New Yorker-Essay, der die Kontroverse um die Verleihung des Hannah-Arendt-Preises für politisches Denken an Masha Gessen ausgelöst hat: Masha Gessen, The Shadow of the Holocaust, 2023.
Hannah Arendts vermutlich um 1967 verfasster, erst posthum veröffentlichter Essay: Hannah Arendt, Die Freiheit frei zu sein, 2018. Aus dem Engl. von Andreas Wirthensohn.
Günter Gaus im Gespräch mit Hannah Arendt: Zur Person: Hannah Arendt, die politische Denkerin, 1964.
Die von Rasha erwähnten Beiträge in denen Eva von Redecker über Hannah Arendt spricht: SRF Kultur Sternstunde Philosophie, Eva von Redecker über Hannah Arendt: Wir müssen lernen zu streiten, 2018 und UM Politics Talk, Eva von Redecker: Hannah Arendt als Zeitgenossin, 2023.
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