FIESEMADÄNDE On Air

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FIESEMADÄNDE On Air episodes

  • Aus dem Bauch heraus: Sebastian Reich & Amanda packen aus!
    Mit Sebastian Reich & Amanda über Bauchreden, Bühnenalltag und Figurenmagie

    Willkommen zurück bei FIESEMADÄNDE On Air und diesmal widmen wir uns einer Kunstform, die Carsten erstaunlich oft zugeschrieben wird, obwohl er sie gar nicht ausübt: dem Bauchreden.

    Denn Puppenspiel und Bauchreden werden gerne in einen Topf geworfen, dabei funktionieren beide Bühnenformen ganz unterschiedlich.

    Deshalb starten wir diesmal nicht direkt mit unserem Gast, sondern schauen zunächst ein wenig zurück:

    Woher kommt Bauchreden eigentlich? Und warum glaubten Menschen früher tatsächlich, Stimmen kämen aus dem Bauch? Vom antiken Griechenland über Orakel, vermeintliche Geisterstimmen und dämonische Zuschreibungen bis hin zur Unterhaltungsform auf Jahrmärkten und in Salons hat das Bauchreden eine ziemlich ungewöhnliche Entwicklung hinter sich.

    Mit der Zeit entstand daraus die Bühnenform, die wir heute kennen: Bauchredner und Figur führen einen Dialog miteinander und meistens ist es ausgerechnet die Figur, die frecher, anarchischer und unberechenbarer sein darf. Während der Mensch versucht, halbwegs Ordnung ins Programm zu bringen, sorgt die Figur dafür, dass genau das nicht funktioniert. 😄

    Und dann wird es technisch: Denn natürlich kommt die Stimme nicht wirklich aus dem Bauch.

    Lippen, Kiefer, Zunge, Gaumen und Kehlkopf müssen so zusammenspielen, dass beim Sprechen möglichst keine sichtbaren Lippenbewegungen entstehen. Gerade bestimmte Laute machen das besonders schwierig und müssen durch andere Lautbildungen ersetzt werden. Dazu kommen Figurenmechanik, Text, Timing, Publikumsreaktionen und der permanente Wechsel zwischen Künstler und Figur. Kurz gesagt: Bauchreden ist Hochleistungssport für Kopf, Stimme und Hände.

    Und wer könnte darüber besser sprechen als Sebastian Reich?

    Carsten hat ihn bei einem Gastspiel im Figurentheater Mottenkäfig spontan vor das Podcast-Mikrofon gesetzt. Eigentlich sollte Sebastian dort bei einem Sommer-Open-Air auftreten, bis mehrere Wetter-Apps plötzlich Regen ankündigten und das komplette Setup für rund 120 Außenplätze wieder umgebaut werden musste. Während das Team draußen beziehungsweise drinnen alles rettete, verschwanden Carsten und Sebastian kurzerhand ins Büro und genau dort entstand dieses Gespräch.

    Sebastian erzählt von seinem Weg zur Bühne, der zunächst überhaupt nicht mit Bauchreden begann.

    Zur Bühnenwelt kam Sebastian schon als Kind und zwar zunächst über die Zauberei.

    Den Schritt zum Bauchreden ging Sebastian nicht mal eben nebenbei. Rund drei Jahre trainierte er, bevor sein Onkel ihm erlaubte, damit überhaupt öffentlich aufzutreten. Viel davon passierte zu Hause vor dem Spiegel oder unterwegs im Rollerhelm auf dem Weg zur Arbeit, wo niemand sehen konnte, dass er gerade wieder die Technik übte.

    Heute blickt er auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung zurück und arbeitet ständig weiter an Stimmen, Gesang, verschiedenen Stimmlagen und natürlich an der Routine.

    Und dann kam Amanda. 🦛

    Amanda ist heute ganz klar der Headliner im Figurenensemble: für Sebastian gleichzeitig „Fluch und Segen“, weil sie aus seiner Arbeit kaum noch wegzudenken ist. Trotzdem sind über die Jahre viele weitere Figuren hinzugekommen: unter anderem ein Marzipanschweinchen, eine Ratte, Amor, ein Esel, eine Elefantendame und ein Maulwurf.

    Wir sprechen außerdem darüber, wie sich sein Arbeitsalltag hinter der Bühne anfühlt.

    Natürlich geht es auch um Tourprogramme. Normalerweise ist Sebastian ungefähr drei Jahre mit einem Programm unterwegs, das aktuelle Programm „Purer Zufall“ bekommt sogar eine vierte Spielzeit. Auch deshalb, weil sich der Tourradius immer weiter vergrößert und es mittlerweile deutlich weiter durch Deutschland geht.

    Besonders spannend wird es beim Thema Live versus Fernsehen. Sebastian ist regelmäßig im TV zu sehen und schätzt diese Erlebnisse durchaus, doch sein Herz hängt klar am Live-Auftritt.

    Ganz zum Schluss taucht dann natürlich doch noch jemand auf, der beim Gespräch erstaunlich lange gefehlt hat: Amanda. Sie kommt von draußen zurück: mit Schokolade, die ihr offenbar vorher noch nicht gehört hat.

    Wenige Sekunden später entdeckt sie auch noch Gummibärchen. Also eigentlich alles wie immer… 🍫

    Viel Spaß mit der Folge!

    📣 Hinweis: Wer Carsten und seine Kolleg*innen zwischenzeitlich live erleben möchte, schaut am besten in den aktuellen Spielplan des Theater FIESEMADÄNDE im Figurentheater Mottenkäfig in Pforzheim: www.fiesemadaen.de/events

    44 min
  • Kasperltheater ist kein Trullala – Sprechstunde bei Dr. Döblinger
    Mit Josef Parzefall & Richard Oehmann sprechen wir über Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater

    Willkommen zurück bei FIESEMADÄNDE On Air und diesmal nehmen wir euch mit nach Bayern.

    Genauer gesagt zunächst nach Hinterwieselharing, wo es Berge wie den Karwenzmann gibt, der Gasthof Ruhetag täglich geöffnet hat, im Badeweiher Baden verboten ist und irgendwo natürlich auch noch ein Krokodil namens Chantalle herumläuft. Klingt seltsam?

    Willkommen in der wunderbar absurden Welt von Dr. Döblingers geschmackvollem Kasperltheater. 😄

    Hinter diesem Namen stecken Josef Parzefall und Richard Oehmann – und Carsten hat die beiden in München besucht und sich mit ihnen ganz stilecht in Josefs Küche zum Ratschen getroffen.

    Herausgekommen ist ein Gespräch über Kasperl und Seppl, blöde Witze, erfundene Welten, Hörspiele, Tourleben und die Frage, warum man manchmal gerade dann besonders gutes Theater macht, wenn man nicht versucht, daraus eine große Wissenschaft zu machen.

    Dabei war Kasperltheater für die beiden ursprünglich gar nicht der große Lebensplan. Josef und Richard wurden unabhängig voneinander für ein kleines reisendes Theater engagiert und spielten dort Stücke, die sie selbst zunächst eher langweilig und klischeebeladen fanden. Also begannen sie, diese Klischees zu übertreiben, Szenen zu verändern und immer mehr zu improvisieren. Irgendwann merkten sie: Wir können gemeinsam Geschichten erfinden und Dialoge entwickeln. Und nach den ersten eigenen Stücken war klar – dann machen wir eben unsere eigene Bühne auf. 🎪

    Seit 1994 gibt es Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater. Und auch der herrlich bedeutungsschwere Dr. Döblinger selbst bleibt dabei ein Mysterium. Er steht irgendwie über allem, ist eine Art unsichtbarer Schirmherr – nur persönlich getroffen haben ihn Josef und Richard offenbar bis heute nicht.

    Ein wichtiger Teil ihres Erfolgs ist die besondere Interpretation von Kasperl und Seppl. Denn ein Kasperl, der einfach nur der strahlende Held ist, die Prinzessin rettet und immer alles richtig macht, wäre den beiden viel zu langweilig. Ihr Kasperl ist schlau und schwer hinters Licht zu führen, gleichzeitig aber auch faul und alles andere als perfekt. Und auch Seppl ist nicht einfach nur der naive Sonnenschein, sondern hat seine ganz eigenen Ecken und Macken.

    Genau darin steckt eine Haltung, die sich durch das Gespräch zieht: Jeder muss seinen eigenen Kasperl finden. Figuren dürfen widersprüchlich sein. Selbst vermeintliche Bösewichte müssen nicht einfach nur böse sein. Der Zauberer Gottlieb Wurst beispielsweise hält sich gerne für ausgesprochen fies, ist dabei aber eigentlich ziemlich blöd, irgendwie ganz nett und manchmal sogar versehentlich nett. 😂 Und selbst ein König kann sich am Ende als deutlich unangenehmer herausstellen als der vermeintliche Bösewicht.

    Über die Jahre ist rund um diese Figuren eine komplette eigene Welt entstanden.

    Orte, Berge, Nachbarorte, Wohnungen und sogar Hobbys der Figuren tauchen immer wieder auf. Manches entstand aus einem spontanen Witz während einer Vorstellung und wurde später einfach Teil dieser Welt. Besonders die Hörspiele bieten dafür Freiheiten, die das klassische Puppentheater nicht hat: Plötzlich kann man problemlos einen Berg besteigen, Schauplätze wechseln oder sogar ein UFO landen lassen – das Bild entsteht schließlich im Kopf.

    Und gerade diese Hörspiele haben Dr. Döblingers Kasperltheater noch einmal ein ganz neues Publikum gebracht. Seit Mitte der 2000er entstanden Produktionen, bei denen auch bekannte Gäste und Sprecher mitwirkten. Im Gespräch erzählen Josef und Richard unter anderem von einer Hörspielaufnahme mit Josef Hader. Durch die Hörspiele kamen schließlich immer häufiger Veranstalter und Eltern ins Theater, die selbst längst Fans der Figuren waren.

    Trotzdem bleibt für die beiden das Entscheidende immer die Geschichte. Keine riesigen Effekte, kein stundenlanger technischer Aufbau – sondern Charaktere, Dialoge und gute Geschichten. Oder wie es im Gespräch sinngemäß heißt: Vielleicht wäre das auch etwas, was Hollywood mal wieder lernen könnte. 😉

    Natürlich geht es auch um den Unterschied zwischen Kinder- und Erwachsenenpublikum. Josef und Richard spielten schon früh gezielt Kasperlprogramme für Erwachsene, in denen all die Witze, Absurditäten und Parodien Platz finden konnten, die man sich im Kindertheater eben verkneifen muss. Gleichzeitig verstehen sie ihre Vorstellungen für Kinder als Familienprogramme: Spaß sollen nicht nur die Kinder haben, sondern genauso die Erwachsenen.

    Und dann wäre da noch die weniger romantische Seite des Puppenspielerlebens: Touren. Stundenlang fahren, aufbauen, spielen, abbauen und wieder zurückfahren – manchmal für gerade einmal 45 Minuten Vorstellung. Nach vielen Jahren verändert sich deshalb auch der Blick auf die Figuren in der Kiste: Nach der Vorstellung sind sie manchmal eben nicht mehr beseelte Theaterwesen, sondern vor allem das „Gerät“, das man endlich nicht mehr hochhalten muss. 😅

    Und wie entstehen eigentlich neue Geschichten? Manchmal ganz klassisch beim gemeinsamen Schreiben, manchmal beim Autofahren oder beim Spazierengehen. Wenn die Handlung einmal steht, gehen die Dialoge schnell – schließlich kennen Josef und Richard ihre Figuren nach all den Jahren ziemlich genau. Und manchmal kennen die Zuschauer bestimmte Sätze aus den Stücken sogar besser als ihre Erfinder selbst.

    Am Ende landen wir bei einer Lebensphilosophie, die hervorragend zu Kasperl und Seppl passt: nicht ständig alles planen, sondern sich auch einmal treiben lassen. Oder, wie es in einem ihrer Hörspiele heißt: „Wir müssen nichts müssen.“ Vielleicht gar kein so schlechter Gedanke – auch außerhalb des Kasperltheaters.

    Damit schließen wir zugleich unseren bisherigen kleinen Themenbogen rund um die lustige Figur im Puppen- und Figurentheater ab. Und wenn ihr Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater bisher noch nicht kennt:

    👉 Mehr zu Dr. Döblingers geschmackvollem Kasperltheater: https://www.dr-doeblingers-kasperltheater.de/,

    Zu den Hörspielen geht es über diesen Link: https://dr-doeblingers-kasperltheater-shop.de/hoerspiele/?p=1

    Viel Spaß mit der Folge!

    📣 Hinweis: Wer Carsten und seine Kolleg*innen zwischenzeitlich live erleben möchte, schaut am besten in den aktuellen Spielplan des Theater FIESEMADÄNDE im Figurentheater Mottenkäfig in Pforzheim: www.fiesemadaen.de/events

    48 min
  • Und das kann man studieren?! – Teil 1
    Mit Ronja Bemmann und Luisa Ilisch über ihren Studienalltag an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin

    🎭 „Und das kann man studieren?! – Teil 1“

    Ja, das kann man tatsächlich studieren! Für diese Folge von FIESEMADÄNDE On Air fahren Adrian und Carsten an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und besuchen die Abteilung für zeitgenössische Puppenspielkunst. Dort treffen sie die Studentinnen Ronja und Luisa, die sich zum Zeitpunkt des Gesprächs im zweiten Studienjahr befinden und uns einen ausführlichen, ehrlichen und unterhaltsamen Einblick in ihren Studienalltag geben. 🎓

    Carsten kehrt damit gewissermaßen zu seinen eigenen Anfängen zurück – wenn auch nicht an denselben Ort.

    Er erinnert sich an seine Studienzeit zwischen einem Asbestgebäude am Ostkreuz, einer zwischenzeitlichen Fabriklösung und den Räumen an der Parkaue. Heute befinden sich die verschiedenen Abteilungen der Ernst Busch gemeinsam in einem neuen Gebäude und für Carsten ist schnell klar: Die Hochschule hat sich verändert, doch einige Erfahrungen im Puppenspielstudium scheinen zeitlos zu sein.

    Ronja und Luisa erzählen, wie vielseitig ihr Studium aufgebaut ist. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Sprechen, Gesang, Körper-Stimm-Training, Akrobatik, Bewegung, Theatergeschichte, Theatertheorie, Werkstattlehre und Puppenführungstechnik. Dazu kommen wechselnde Hauptfächer und Szenenstudien: von Schauspielgrundlagen über Animation und Objekttheater bis zur Maske, Handpuppe und später weiteren Puppenformen.

    Dabei geht es längst nicht nur darum, eine Figur irgendwie hochzuhalten. Die Studierenden beschäftigen sich intensiv mit dem eigenen Körper, mit Bewegungsabläufen, Haltung, Stimme und der Frage, wie sich menschliche Bewegungen auf eine Puppe übertragen lassen. Ronja und Luisa beschreiben, wie viel Zeit es braucht, bis das Gelernte wirklich im Körper ankommt – und wie faszinierend es ist, plötzlich im Alltag eine neue Beweglichkeit und ein anderes Bewusstsein für den eigenen Körper zu entdecken.

    Natürlich sprechen wir auch darüber, wie die beiden überhaupt zum Puppenspiel gekommen sind.

    Ein wichtiger Teil des Gesprächs ist auch die Aufnahmeprüfung. Ronja und Luisa erzählen von Schauspiel- und Puppenszenen, Liedern, Texten, Improvisationen und spontanen neuen Aufgaben. Denn es reicht nicht, eine vorbereitete Szene gut zu spielen: Die Prüferinnen und Prüfer möchten sehen, wie flexibel jemand reagiert, ob neue Impulse angenommen werden können und wie ensemblefähig die Bewerberinnen und Bewerber sind.

    Auch die Zukunft nach dem Studium spielt eine Rolle. Beide können sich vorstellen, zunächst in einem festen Ensemble zu arbeiten. Dabei sprechen sie über die Sicherheit eines festen Hauses, die fehlende feste Puppentheatersparte in Berlin und die vielen weiteren Möglichkeiten, die Puppen eröffnen. Ronja interessiert sich beispielsweise auch für die Wirkung von Figuren außerhalb klassischer Theaterräume – etwa in der sozialen Arbeit, der Gewaltprävention oder im Umgang mit Menschen, die über eine Puppe leichter einen Zugang zur Kommunikation finden.

    Und braucht es Puppen in der heutigen Zeit überhaupt noch? Für Ronja und Luisa ist die Antwort klar.

    Diese Folge zeigt, wie viel hinter einem Studium steckt, das Außenstehende noch immer mit einem überraschten „Und das kann man studieren?!“ kommentieren. Es geht um Handwerk, Kunst, Selbstzweifel, Körperarbeit, Fantasie und die Freiheit, mit Figuren wirklich alles erzählen zu können.

    Ihr habt Fragen zum Studium der zeitgenössischen Puppenspielkunst, zur Aufnahmeprüfung oder zum Alltag an der Ernst Busch? Dann schreibt uns gerne – vielleicht greifen wir eure Fragen in einer weiteren Folge auf. 🎧✨

    Viel Spaß mit der Folge!

    📣 Hinweis: Wer Carsten und seine Kolleg*innen zwischenzeitlich live erleben möchte, schaut am besten in den aktuellen Spielplan des Theater FIESEMADÄNDE im Figurentheater Mottenkäfig in Pforzheim: www.fiesemadaen.de/events

    54 min
  • Lasst uns über PT reden – Wenn es weh tut, ist es richtig!
    Mit Regina Menzel über PT: Haltung, Technik, Training – Puppenspiel ist mehr als „Arm hoch“.

    Wir sind in Berlin – und tauchen diesmal richtig tief ein in das Handwerk hinter der Leichtigkeit: Puppenführungstechnik (PT). Gemeinsam mit Regina Menzel sprechen wir darüber, warum Puppenspiel körperlich ist, warum Training dazugehört – und was es braucht, damit eine Puppe wirklich „lebt“.

    Willkommen bei FIESEMADÄNDE On Air – heute aus Berlin und mit einem Thema, das nach außen oft so leicht aussieht, innen aber ganz schön in die Arme, Schultern und den Kopf geht: Puppenführungstechnik, bei Carsten im Studium liebevoll-abgekürzt als PT. Und ja: Wer bei PT sofort an „Personal Training“ denkt, liegt gar nicht so falsch, denn genau darum geht’s auch. Körper, Haltung, Ausdauer, Präzision. Und manchmal eben auch: Muskelkater.

    Carsten und Adrian treffen Regina Menzel – eine echte Koryphäe, die Generationen von SpielerInnen geprägt hat. Carsten bringt’s gleich auf den Punkt: PT hat ihn als Spieler „gemacht“ und wenn er heute Workshops gibt, denkt er mehrfach an das, was er bei Regina gelernt hat. Dazu kommt der typische Einstieg, den vermutlich alle kennen, die jemals eine Puppe länger als zwei Minuten oben halten mussten: „Arm hoch… und jetzt bleib da.“ Denn Puppenspiel sieht charmant aus, aber hinter dieser Leichtigkeit steckt Training – wie beim Tanz: Handwerk, das sich in den Körper einschreibt.

    Regina erzählt, wie sie selbst zum Puppenspiel kam – ganz früh, über eine Freundin und ein Kinderangebot, das damals dafür sorgte, dass man „nicht zu viel auf der Straße“ ist. Daraus wurde bei ihr ein nahtloser Weg: Puppenspiel als Kind, später Studium, viele Jahre praktische Spielzeit und irgendwann der Schritt an die Hochschule, wo sie lange unterrichtet hat. Und genau da wird’s spannend: Sie spricht darüber, wie sehr Puppenspiel von Körperbewusstsein lebt und warum man Dinge trainieren muss, die man als „normaler Mensch“ im Alltag schlicht nicht macht.

    Dann geht’s richtig in die Technik rein: Regina erklärt, welche typischen Baustellen am Anfang auftauchen – vor allem Hohlkreuz, hochgezogene Schultern und eine fehlende „Grundhaltung“. Sie beschreibt das Prinzip einer stabilen körperlichen Homebase, aus der heraus man spielt, sich zentriert, wieder Kraft findet und warum das entscheidend ist, wenn man lange spielen will. Dazu kommen Übungen und Routinen, die viele hassen, aber alle brauchen: diese berüchtigten „Käferübungen“, das Halten, das Zittern, das „Kirschen pflücken“ und genau da passt der Folgentitel so gut: Wenn es weh tut, ist es richtig. Nicht im Sinne von „kaputtmachen“, sondern im Sinne von: Der Körper merkt, dass er gerade etwas Neues lernt.

    Ein weiterer Ausblick der Folge: Regina arbeitet an einem Buch, das sich bewusst auf die technischen Aspekte konzentriert – wie man Puppen bewegt, wie unterschiedliche Puppenformen funktionieren und wie die Bühnenbedingungen den Kontext liefern (Position von Puppe und Spieler im Raum, Zusammenhänge, Abhängigkeiten). Das Buch soll nicht nur für Studierende sein, sondern für alle, die Puppenspiel besser verstehen wollen: auch für Laiengruppen, Leitungen und RegisseurInnen, die Puppen ins Schauspieltheater integrieren – damit klarer wird, was man von Spielerinnen erwarten kann und was eben nicht „mal schnell nebenbei“ geht.

    Kurz gesagt: Diese Folge ist ein liebevoller Reality-Check fürs Puppenspiel – mit viel Humor, viel Körper und viel Respekt fürs Handwerk.

    Viel Spaß mit der Folge!

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    47 min
  • Vom Max, dem Kasper und seinem Haus – auf zum Hohnsteiner Puppenspielfest!
    Über den Hohnsteiner Kasper und Max Jakob: ein kleiner Ausflug nach Hohnstein mit mehreren Stimmen

    Heute wird’s geschichtsträchtig und ganz persönlich: Wir sprechen über den Hohnsteiner Kasper, über Max Jakob als prägende Figur des modernen Kaspertheaters und machen mit mehreren Stimmen einen kleinen Ausflug nach Hohnstein. Mit dabei sind Interviews vor Ort plus Festival-Ausblick fürs nächste Hohnsteiner Puppenspielfest.

    Willkommen zurück bei FIESEMADÄNDE On Air – dem Puppentratsch für Anfänger… und für alle, die inzwischen längst tiefer drin sind, als sie je gedacht hätten.

    Denn heute geht’s nicht einfach nur um „Kasper“, sondern **um den Hohnsteiner Kasper **– und um den Mann, den wir ganz unbescheiden den „Godfather auf Kasperle“ nennen: Max Jakob.

    Diese Folge ist eine direkte Fortsetzung unserer Reise rund um die lustige Figur – nur diesmal mit richtig Wurzeln, richtig Geschichte und einer ordentlichen Portion persönlicher Carsten-Nostalgie. Denn Carsten hat die Kassette „Kasper wird König“ nicht nur gehört – er kann sie gefühlt auswendig. Und genau diese Kassette war für ihn ein Startschuss: fürs Figurenspiel, fürs Akkordeonlernen – und am Ende irgendwie auch dafür, dass wir heute hier sitzen und diesen Podcast machen.

    Und weil Hohnstein eben nicht nur „Kasper-Kult“ ist, sondern ein Ort, der lebt, gibt’s in dieser Folge gleich mehrere Stimmen: Carsten war vor Ort und hat seine ersten Interviews geführt – unter anderem mit Anna Kadalla von der Hohnsteiner Tourismusgesellschaft, mit Karl Pavlicek vom Traditionsverein Hohnsteiner Kasper e.V. und zugeschalten via Zoom mit Detlef Heinichen vom Theatrium Steinau.

    Wir schauen uns an, warum Hohnstein überhaupt so eng mit dem Puppenspiel verbunden ist – inklusive Burg-Geschichte: Die Arbeiten an der Burg begannen 1924, zwei Jahre später wurde sie als Jugendburg eingeweiht, und der damalige Botwart Konrad Hanewald holte die Puppenspieler zur Eröffnung. Gespielt wurden damals Dr. Faust und Till Eulenspiegel – und aus „einmal eingeladen“ wurde schnell „ihr müsst ständig herkommen“. 1928 kam es zur Übersiedlung: eine ganze Etage für die Puppenspieler, und die Miete war… sagen wir mal sehr theaterfreundlich: 30 Veranstaltungen im Jahr.

    Natürlich geht’s auch ums Kasperhaus – das historische Gebäude in der Max-Jakob-Straße 3. Es existiert noch, ist heute Privatbesitz, und die Wohnung, in der Max Jakob mit seiner Frau lebte, kann man sogar als Ferienwohnung mieten. Und ja: Dort „schwebt“ der Hohnsteiner Kasper irgendwie immer noch. Dazu passt auch der Name Marie Jakob, die dort bis 1991 lebte.

    Und weil es nicht nur um Geschichte geht, sondern um das, was heute noch passiert, machen wir auch direkt Lust auf das nächste Puppenspielfest: Das 38. Hohnsteiner Puppenspielfest findet vom 29. bis 31. Mai statt – mit 19 Bühnen, 9 Spielstätten und 50 Vorstellungen (nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene).

    Also: Wandern, gut essen, Theater gucken – Hohnstein kann genau das.

    Und wenn ihr euch fragt, was man dort noch alles machen kann: In der Folge kommen auch echte Touri-Tipps vor – von der Bastei bis zu Zielen wie Festung Königstein, Dresden, Sebnitz (Kunstblume) und weiteren Orten in der Region…

    Weitere Infos zu den diesjährigen Hohnsteiner Puppenfestspielen findet ihr auf der offiziellen Webseite der Burgstadt am Fels Hohnstein: www.hohnstein.de/puppenspielfest

    Viel Spaß mit der Folge!

    📣 Hinweis: Wer Carsten und seine Kolleg*innen zwischenzeitlich live erleben möchte, schaut am besten in den aktuellen Spielplan des Theater FIESEMADÄNDE im Figurentheater Mottenkäfig in Pforzheim: www.fiesemadaen.de/events

    41 min
  • Die lustige Figur im Puppentheater
    Carsten Dittrich über die lustige Figur: Vom Jahrmarkt-Rebell zum Kinderfreund

    Willkommen zurück bei FIESEMADÄNDE On Air! Heute wird’s lustig – und gleichzeitig überraschend grundlegend, denn wir sprechen über eine Figur, die so ziemlich jeder kennt, aber kaum jemand wirklich „einordnen“ kann: die lustige Figur im Puppentheater.

    Carsten und Adrian starten bewusst mit diesem Thema, weil es der perfekte Einstieg ist, um euch Schritt für Schritt tiefer in die Welt des Figurenspiels mitzunehmen. Und ja: Das ist erst der Anfang, denn nach dieser Folge geht’s in den nächsten Episoden weiter mit unterschiedlichen Puppenformen und mit Expert*innen-Interviews. Sogar eine kleine Reise nach Berlin steht an, bei der das Aufnahmegerät natürlich mitläuft.

    Aber zurück zur „lustigen Figur“: In Deutschland ist das erstmal ganz klar der Kasper – früher auch mal Hanswurst genannt. Und genau hier wird’s spannend, denn diese Figur war nicht immer der „Kinderfreund mit Zipfelmütze“, den viele heute im Kopf haben. Im Mittelalter war sie deutlich derber, auf dem Jahrmarkt wurde sie zum politischen Stachel, der die Obrigkeit verspottet hat – also Könige, Polizisten und Autoritäten. Sie war nicht nur zum Lachen da, sondern auch als Stellvertreter fürs Publikum: frech, direkt und manchmal mit sehr deutlichen Mitteln.

    Und das ist auch der Punkt: Die lustige Figur ist eben nicht einfach nur Quatschmacher, sie ist oft „der Sprecher des Volkes“, ein Ventil, ein Freiraum, ein kleiner Anarchist mit Charme. In dieser Folge wird klar, warum das so zeitlos ist: Diese Figur steht für Resilienz (nach jedem Rückschlag wieder aufstehen) und für Anpassungsfähigkeit. Sie hat sich immer wieder verändert – von der groben Jahrmarktfigur über den Kinderfreund (später auch stark geprägt durch die Hohnsteiner Tradition) bis hin zu dem, was sie heute sein kann: nostalgischer Klassiker, satirischer Kommentator oder moderne Figur, wenn man ihr den Freiraum lässt.

    Und weil das Ganze nicht nur in Deutschland existiert, werfen Carsten und Adrian auch einen Blick in die internationale Verwandtschaft: In England etwa der Mr. Punch, deutlich ruppiger, historisch weit entfernt von „lieb“. Und genau diese Vergleiche machen klar: Die „lustige Figur“ ist kein Zufallsprodukt, sondern ein Kulturphänomen – in vielen Ländern, mit vielen Namen, aber oft ähnlicher Funktion.

    Diese Folge ist also eine Mischung aus Einstieg, Einordnung und Ausblick: Warum die lustige Figur so mächtig ist, warum sie nie weg war und warum sie auch heute noch alles sein kann, wenn man sie lässt.

    Viel Spaß mit der Folge!

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    1 hr 3 min
  • Echs und Hopp - Vom Michael, seinen Tieren und anderem Gemüse
    Michael Hatzius, Puppenspieler, Comedian und Schauspieler

    Willkommen bei FIESEMADÄNDE On Air – heute mal mit echtem „Unterwegs-Feeling“, Hotelraum-Vibes und einem Gast, bei dem man sich kurz fragt: Sind wir noch im Puppentratsch… oder schon mitten in einer Live-Show? Denn wir treffen Michael Hatzius – Figurenspieler, Comedian und der Mann hinter einer Figur, die inzwischen wirklich Kultstatus hat: die Echse.

    Michael erzählt, wie er unterwegs ist mit seinem Soloprogramm für Erwachsene und was da alles mit auf Tour darf. Neben der Echse sind nämlich auch die Schweine Steffi und Thorsten dabei (das dauerhaft streitende Schweinepärchen), außerdem eine Zecke, ein Einhorn, die Möhre (als Security – sehr klar in der Ansage) und ein Huhn, das so ziemlich das Gegenteil der Echse verkörpert: schüchtern, komplex beladen, Tiefstatus-Tierchen und gerade deshalb herrlich.

    Und zwischendrin wird’s richtig nerdig-schön, wenn Michael erzählt, wer welche Figuren gebaut hat und warum ihn bei manchen Puppen genau das fasziniert, was andere wegwerfen würden – weil „wenn etwas anfängt zu verwesen, kriegt es was Menschliches“,Willkommen bei FIESEMADÄNDE On Air – heute mal mit echtem „Unterwegs-Feeling“, Hotelzimmer-Vibes und einem Gast, bei dem man sich kurz fragt: Sind wir noch im Puppentratsch… oder schon mitten in einer Live-Show? Denn wir treffen Michael Hatzius – Figurenspieler, Comedian und der Mann hinter einer Figur, die inzwischen wirklich Kultstatus hat: die Echse.

    Michael erzählt, wie er unterwegs ist mit seinem Soloprogramm für Erwachsene – und was da alles mit auf Tour darf. Neben der Echse sind nämlich auch die Schweine Steffi und Thorsten dabei (das dauerhaft streitende Schweinepärchen), außerdem eine Zecke, ein Einhorn, die Möhre (als Security – sehr klar in der Ansage) und ein Huhn, das so ziemlich das Gegenteil der Echse verkörpert: schüchtern, komplex beladen, Tiefstatus-Tierchen – und gerade deshalb herrlich. Und zwischendrin wird’s richtig nerdig-schön, wenn Michael erzählt, wer welche Figuren gebaut hat und warum ihn bei manchen Puppen genau das fasziniert, was andere wegwerfen würden – weil „wenn etwas anfängt zu verwesen, kriegt es was Menschliches“, so Michael.

    Carsten und Michael kennen sich aus dem Studium – Berlin, Parkaue, „Zauberschloss von Verrückten“-Vibes und dieses familiäre Gefühl, wenn man sich dauernd über den Weg läuft, Parties feiert und sich gegenseitig Aufführungen reinzieht. Dazu kommt eine herrlich absurde Erinnerung ans Puppenspielfestival Hohenstein, wo aus „Carsten“ irgendwann „Kasten“ wurde – und seitdem bei dem Wort „Kasten“ sofort „Kasten Dietrich“ im Kopf aufploppt.

    Und dann wird’s plötzlich überraschend tief: Michael spricht darüber, wie Kunst in der Corona-Zeit einen Moment geschafft hat, an den man sich erinnert. Eine Szene, in der die Echse mit Enten die Corona-Krise nachspielt, hat sich millionenfach verbreitet – und das Verrückte war: Ein Freund erzählte Michael, dass ihm ausgerechnet dieses Enten-Video sowohl von seiner sehr „Corona-ängstlichen“ Mutter als auch von einem „Verschwörungstheoretiker“-Freund geschickt wurde – beide fanden es lustig. Ein seltener Moment, in dem man merkt: Manchmal geht Verbinden mit Figuren magischer, als man denken würde.

    Viel Spaß mit der Folge & DANKE an Michael Hatzius, dass du bei uns zu Gast warst!

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    1 hr
  • Magie aus Warendorf – Film-Premiere-Special "Die fantastischen Geschichten des Professor Kluck"
    Stimmen aus Figurenspiel, Kostüm, Musik, Kamera/Regie und natürlich mit Norman Schneider, dem „Figurenschneider“

    🚨 TRAILER-HINWEIS: Bevor ihr gleich reinhört – schaut euch unbedingt den Trailer zum Film an:

    https://www.youtube.com/watch?v=z3CCd1b0zpg

    Danach macht diese Folge doppelt Spaß, versprochen.

    Willkommen bei FIESEMADÄNDE On Air – und zwar mitten in unserem **Premiere-Special **zu einem Projekt, das man eigentlich kaum glauben kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat:

    „Die fantastischen Geschichten des Professor Kluck und die magische Glocke“ – Warendorfs erster Märchenfilm mit Figuren in der Hauptrolle. Und ja: Das ist kein „mal eben so“-Projekt, sondern ein Kinomärchen, das über drei Jahre hinweg von rund 80 Menschen in ihrer Freizeit umgesetzt wurde – von der ersten Vision bis zum fertigen Film.

    Adrian war stellvertretend vor Ort in Warendorf – ursprünglich „nur“ als Gast für Einblicke hinter die Kulissen für FIESEMADÄNDE On Air. Und wie es manchmal so kommt, wenn Theater und Herzblut ins Spiel kommen:

    Am Ende durfte er die interne Premiere am 24. Januar und die öffentliche Premiere am Sonntag, 25. Januar 2026 moderieren und durch beide Abende begleiten. Eine große Ehre – und genau daraus ist diese Folge entstanden: aus Eindrücken, Begegnungen und Interviews direkt vor Ort, die uns einen echten Blick hinter die Kulissen geben.

    Wir sprechen in dieser Special-Folge unter anderem mit Jürgen Tombers, der als Figurenspieler eine „tragende Rolle“ hatte – im wahrsten Sinne, denn Figurenspiel im Film heißt: unterstützen, wechseln, helfen, Arme bewegen, Situationen lösen – ohne Eitelkeiten, sondern als Team.

    Jürgen erzählt, warum ihn die Idee so gepackt hat („endlich mal einer, der was Eigenes macht“) – und wie sehr ihn manche Drehtage gefordert haben, inklusive Momenten, in denen es eng, kalt, körperlich und trotzdem unglaublich erfüllend wurde. Sein Wunsch: Dass der Film nicht nur ein einmaliges Kino-Erlebnis bleibt, sondern auch andernorts gezeigt wird. Darüber hinaus war er auch für die Geräusche zuständig.

    Dann tauchen wir in die Welt der Kostüme ein – mit Tina Hempel, Kostümdesignerin aus Kiel.

    Sie spricht darüber, wie wichtig Proportionen, Schnittführung, Farbkonzept und Charakterarbeit sind, damit ein Kostüm bei Figuren nicht „drüber“ ist, sondern die Figur stärkt. Ihr größtes Mammutprojekt: der Fährmann – ein Naturwesen, zwei Meter hoch, kreativ „pur“. Und ihr persönlicher Spaßfaktor? Ganz klar: der Teufel.

    Wir hören außerdem Stimmen von Menschen, die gleich mehrere Rollen übernommen haben – wie Melanie Meulenberg und Roger Meulenberg: schminken, Statisten, Räuber, Dorfbewohner, Modellierarbeiten an Puppennasen, kleine Handgriffe beim Puppenspiel – und das alles nebenbei, weil man an das Projekt glaubt.

    Sie erzählen von Drehtagen bei Hitze, Kälte, Wartezeiten „bis die Sonne weg ist“ – und davon, wie unfassbar es ist, den fertigen Film im Kino zu sehen und dabei plötzlich alles Anstrengende zu vergessen.

    Ein riesiger Teil dieser Magie entsteht aber auch durch das, was man nicht sieht, aber sofort fühlt: die Musik. Klaus Dziomba erzählt, wie Filmmusik Stimmungen trägt, Schnitte punktgenau unterstützt und warum ihn besonders der Fährmann inspiriert hat – als Figur und als Atmosphäre. Musik kommt oft spät dazu, muss sich aber ständig an neue Schnitte anpassen – und am Ende soll genau das rauskommen, was Film, Szene und Emotion zusammen erzählen.

    Auch die Perspektive hinter der Kamera ist dabei: Christian Confer (Kluck Kola), der als Kamera/Schnitt/Regie erklärt, warum das Filmen von Figuren völlig anders funktioniert als bei Menschen – keine Totalen, keine Mastershots, kaum mehrere Figuren gleichzeitig, weil schlicht nicht genug Puppenspieler da sind. Dazu kommt: Puppen gucken oft „ins Nichts“, weil der eigentliche Spielpartner nicht dort steht – das muss alles sitzen. Und trotzdem war sein Anspruch klar: Kino-Look, bewegte Bilder, große Einstellungen – auch wenn das Equipment auf dem Papier nicht nach Kinofilm aussieht. Und dann kommt dieser Satz, der das Projekt eigentlich perfekt beschreibt: Man wollte etwas Kleines – „und dann ist die Lage eskaliert“.

    Natürlich darf in dieser Folge der zentrale Kopf nicht fehlen: Norman Schneider, der „Figurenschneider“. Ihr kennt ihn bereits aus unseren beiden Folgen beim Besuch seines Ateliers in 2025 in Sassenberg. Carsten und Adrian haben ihn dort besucht und so entstand auch unser Kontakt, der diesen Einblick für uns heute wieder möglich macht.

    Norman erzählt von der Ursprungsidee, von der Warendorfer Sage als Grundlage, von 16 gebauten Figuren, von Regiearbeit mit Figuren, von Schnittlösungen, wenn Figuren nicht greifen können – und von Momenten, in denen plötzlich Statisten, Straßen-Drehs, Rollenverteilung, Wetter, Kostüm, Schminke und Requisiten zusammenkommen. Er sagt selbst: Stunden lassen sich kaum zählen – über alle gerechnet sprechen wir von 30.000 bis 50.000 Stunden. Und das „eigentliche Wunder“ ist für ihn, dass so viele Menschen einfach gesagt haben: „Ich bin dabei. Am Wochenende. Unentgeltlich. Ich glaube an das Projekt.“

    Besonders beeindruckend: Wie viele Personen oft nötig sind, damit eine Figur lebendig wirkt. Beim Teufel waren es teils vier Personen plus Licht von unten für die Augen. Beim Fährmann war es körperlich extrem: eng im Boot, Monitor unter dem Bauch, innen „nichts sehen“, nur Kamerabild – zwei, drei Minuten drehen, dann Luft holen. Und trotzdem: Wenn man sich kennt, verschmilzt man irgendwann „zu einer Figur“. Gedreht wurde teils bei Minusgraden, über zwölf Stunden, zwei Tage – und dann kam jemand mit einer Suppe, alle wurden wieder warm und es ging weiter. Genau diese kleinen Dinge machen dieses Projekt zu dem, was es ist.

    Und genau deshalb sagen wir an dieser Stelle nicht nur „Respekt“, sondern:

    ❤️ DANKE.

    Ein riesiges Dankeschön an Norman Schneider – und an alle Beteiligten, die über drei Jahre hinweg mit so viel Herzblut, Zeit und Liebe diesen Traum möglich gemacht haben. Rund 80 Menschen haben vor und hinter den Kulissen geholfen, organisiert, gespielt, gebaut, geschminkt, getragen, gestaltet, Strom geliefert, Essen gekocht, Suppe gebracht – kurz: Sie haben geglaubt, unterstützt und durchgezogen. Ohne diese Menschen gäbe es diesen Film nicht – und er würde uns heute nicht so verzaubern.

    Zudem gibt es in Warendorf im Westpreußischen Landesmuseum auch noch die begleitende Ausstellung zu sehen. Ein Besuch lohnt sich also und wir hoffen natürlich sehr, dass dieses wunderbare Projekt auch Süddeutschland erobern darf!

    👉 Mehr zum Projekt & den Beteiligten:

    – Norman Schneider (Figurenschneider): www.figurenschneider.de

    oder auf seinem Instagram-Kanal: @figurenschneider

    – Kluck Kola / Projekt-Infos: www.kluck-kola.de

    oder auf Instagram: @kluck.kola

    – Instagram-Kanal "Die fantastischen Geschichten": @fantastischegeschichten

    – WDR Making-of (YouTube): https://www.youtube.com/watch?v=YrJT4Js-5U8&t=18s

    – Trailer (YouTube): https://www.youtube.com/watch?v=z3CCd1b0zpg

    Viel Spaß mit der Special-Folge und lasst euch verzaubern in der "fantastischen Welt des Professor Kluck und seinen Geschichten"…

    Euer Carsten & Adrian

    55 min
  • Es war einmal – Zwischen Grimm & Gegenwart
    Es wird märchenhaft – im wörtlichen Sinn: mit Katrin Bamberg, SpinnradMärchen & Anna Rampe, Theater Anna Rampe & künstlerische Leiterin des Theater Zitadelle Spandau

    **Es wird märchenhaft – im wörtlichen Sinn. **

    Carsten und Adrian holen Märchenerzählerin Katrin Bamberg ans Mikro und erkunden, warum Märchen zugleich einfach, zeitlos und voller Wirkung sind. Katrin erzählt, wie sie frei und publikumsnah erzählt (statt vom Blatt), Kinder aktiv mitnimmt und warum Gefühle – vor allem die Freude, wenn die Geißlein wieder zusammen sind – stärker hängen bleiben als jede Moralpredigt.

    Dass Märchen klare Kanten haben (gut/böse) und genau deshalb Orientierung geben, gehört für sie zum Kern – ohne die Ambivalenz unserer Gegenwart zu leugnen.

    Parallel wirft Carsten den Vorhang für sein kommendes Projekt auf: „Der Wolf und die sieben Geißlein“ als Koproduktion von Theater Fiesemadände und dem Südwestdeutschen Kammerorchester – mit 15 Musiker*innen, Musik von Alexander Litwinowski, Flachfiguren (gebaut von Matthias Hensel) und Zeichentricksequenzen der HfG Pforzheim. Erzählerisch wird’s zur True-Crime-Spurensuche…

    Katrin ordnet ein: Märchen funktionieren weltweit, die Grimms haben „nur“ gesammelt und fixiert – deshalb gibt es viele Varianten desselben Motivs; Zahlen wie „3“ und „7“ tragen Bedeutung (Ordnung, Vollständigkeit). Und ja: Brutalität in Märchen irritiert eher Erwachsene – Kinder begreifen klar „der Böse wird bestraft“.

    Im Alltag hilft Märchenlogik sogar beim Gegenwartsvergleich („Pfoten-Check“ als Identitätsabgleich – sprich: Passwort/Pin statt weißer Pfote). I**hre Quintessenz: Hoffnung bewahren und weitergeben. **

    Im der zweiten Hälfte der Folge wird’s diskursiv: Von Ernst Bloch („Philosophie der Hoffnung“) über Simone Weil bis Walter Benjamin – Märchen als Ratgeber gegen „mythisches Schicksal“, als Raum für List, Mut und Natur-Komplizenschaft.

    Und zum Schluss kommt natürlich auch Puppentheaterpraxis ins Spiel: Anna Rampe vom Theater Anna Rampe und künstlerische Leiterin des Theater Zitadelle Spandau berichtet, wann sie Märchen sanft adaptiert, um überholte Rollenbilder nicht unkommentiert zu lassen (z. B. „Schneeweißchen & Rosenrot“, „Rumpelstilzchen“, „Dornröschen“ – jeweils mit klugen Drehungen, ohne den Grundstrang zu zerstören). Carsten ergänzt mit eigenen Regie-Erfahrungen – und beide bleiben sich einig: Kulturgut bewahren, heutig erzählen.

    Ein märchenhafter Jahresabschluss bei FIESEMADÄNDE On Air und wir sagen DANKE für eure Treue und die schönen Rückmeldungen zum Podcast in 2025. Danke an alle, die 2025 ein Teil von diesem für uns besonderen Format waren und noch zu Gast sein werden!

    📣 Hinweis: Wer Carsten und seine Kolleg*innen zwischenzeitlich live erleben möchte, schaut am besten in den aktuellen Spielplan des Theater FIESEMADÄNDE im Figurentheater Mottenkäfig in Pforzheim: www.fiesemadaen.de/events

    Einen guten und gesunden Start in das Neue Jahr 2026 und wir freuen uns, wenn ihr auch im Neuen Jahr wieder mit dabei seid.

    Euer Carsten & Adrian

    1 hr 28 min
  • Tourleben, Teil 3: Das Mädels-Special (Teil 2)
    FIESEMADÄNDE on Tour

    Willkommen zurück beim FIESEMADÄNDE On Air Tourleben Mädels-Special!

    In Teil 2 treffen wir zuerst **Inga Schmidt von Die Artisanen (Berlin) **– seit 1999 mit Carsten verbunden (u. a. „Ronja Räubertochter“ und Puppenbau für „Die kleine Hexe“) – und tauchen ein in Geschichten zwischen besetztem Haus in Berlin, Burgruinen-Bühnen und dem sehr eigenen Ökosystem „Gastspiel“. Für Inga ist Touren „ein bisschen wie Urlaub, ohne zu wissen, wohin“ – abwechslungsreich, überraschend und bei Festivals fast wie ein immer anderes Klassentreffen. Gleichzeitig benennt sie nüchtern, wo’s hakt: lange Strecken (oft aus Berlin in den Süden), gestiegene Ansprüche und der Reality-Check, wenn Techniker automatisch den Mann ansprechen – bis klar wird: Licht & Ton macht Inga.

    Spannend ihr Blick auf Publikumsreaktionen: von norddeutscher Zurückhaltung über Österreichs frühere „Applaus-Etikette“ bis zu Situationen, in denen gar nicht reagiert wird – und es trotzdem gefallen hat.

    Tourleben hat Höhen und Tiefen. Auf die Frage „Was liebst du, was hasst du?“ antwortet sie klar: neue Erfahrungen vs. das Endlos-Gefühl. Ihr Rat an Nachwuchs: „Überleg’s dir gut – dickes Fell, langer Atem, viel Eigenverantwortung.“ Ein festes Haus? „Auf keinen Fall.“

    Dann Roberta Ascani (marotte Karlsruhe): Ex-Diplom-Clown (u. a. Klinik-Clown bei Eckart von Hirschhausen), die während Corona konsequent ins Figurentheater wechselte – zunächst als Tourspielerin, erste Vorstellung im Vorderhaus Freiburg. Sie liebt das Unterwegssein (ja, sie ist nebenbei auch Reiseleiterin), verschweigt aber nicht die Härte: „Spielen ist Beilagensalat“ – der eigentliche Job heißt Tragen, Schleppen, Flure, Tische, Stative, Technik; nach Stunden im Auto auf die Bühne und freundlich aussehen.

    Eine Hüftgeschichte machte klar: Fitnessstudio & Muskeln sind Pflicht. Und ja, Tourpannen gibt’s: Orangenspritzer aufs Funkmikro oder die Lasagne-Laktose-Nummer kurz vor Show – „durchspielen“ inklusive. Zur Rolle der Frau spürt sie im Theater keine Benachteiligung; Unterschiede sieht sie eher in der Energie.
    Ihr Fazit: Tun. Gehen. Machen. Dem Ruf folgen.

    Zum Ausklang meldet sich **Harald Richter (Partner von Christiane Weidringer) **mit der Mitreisenden-Perspektive: gemeinsam Höhen & Tiefen, Off-Days in der Therme, viel Nähe – und bessere Stücke, weil Technik & Regie-Blick der Spielerin den Rücken freihalten. Und Carsten verabschiedet das Special mit einem Zitat aus „Herz aus Glas“…

    📣 Hinweis: Wer Carsten und seine Kolleg*innen zwischenzeitlich live erleben möchte, schaut am besten in den aktuellen Spielplan des Theater FIESEMADÄNDE im Figurentheater Mottenkäfig in Pforzheim: www.fiesemadaen.de/events

    55 min

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FIESEMADÄNDE On Air – Puppentratsch für Anfänger!