Dieser Auspuff pfeift nicht mal mehr aus dem letzten Loch. (Bildquelle: IMAGO / Berit Panthermedia / Bearbeitung: GIGA)
Während die Welt längst in die Zukunft fährt, schaut die deutsche Politik nur in den Rückspiegel.
Ein Kommentar von Felix Gräber
Während viele Teile der Welt noch nach vorn blicken, legen Teile der deutschen Politik den Rückwärtsgang ein. Die Debatte um das Ende des Verbrennungsmotors wird mit einer Inbrunst geführt, als verteidige man ein Kulturgut gegen eine feindliche Übernahme – da ist es kaum ein Wunder, dass führende Unionspolitiker in Berlin und Brüssel jetzt schon wieder daran werkeln, die bereits abgeschwächten Neuzulassungsbeschränkungen für Verbrenner ab 2035 noch weiter aufzuweichen (Quelle: Handelsblatt via Elektroauto-News).
Doch dieser reflexhafte Zwang zur Rückbesinnung im konservativen Lager auf die vermeintlich guten alten Zeiten ist nicht nur kurzsichtig – er ist eine Gefahr für genau den Wohlstand, den er zu bewahren vorgibt.
E-Autos sind objektiv besser – da hilft auch keine noch so große Verbrenner-Liebe
Warum ist das so? Nun, einerseits ist der Verbrennungsmotor dem Elektroantrieb technisch schlicht unterlegen. Während ein E-Auto den Großteil der Energie direkt in Bewegung umsetzt, verpufft bei einem Benziner oder Diesel mehr als die Hälfte als nutzlose Abwärme.
Dazu kommt die absehbare Kostenentwicklung: Ein stetig steigender CO₂-Preis verteuert den Unterhalt eines Verbrenners Jahr für Jahr. Nun gut, geschenkt, könnte man meinen. Geht es nach ein paar extremeren Stimmen aus dem konservativen Spektrum, könnte man die CO₂-Steuer schließlich auch gleich mit abschaffen.
Und wer einmal die ansatzlose, leise und trotzdem selbst beim Kleinwagen wagemutig-sportliche Beschleunigung eines E-Autos erlebt hat, weiß, dass der Fahrspaß eindeutig für diese Zukunft spricht.
Jobs von morgen sichert man nicht mit der Technik von gestern
Der entscheidende Punkt ist aber die wirtschaftliche Realität. Die deutsche Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise. Diese löst man nicht, indem man sich an eine Technologie klammert, die auf den Weltmärkten schon jetzt an Bedeutung verliert. Das wird auch hierzulande passieren, wenn auch offensichtlich nicht ganz so schnell.
Im Gegenteil, dieser kurzsichtige Fokus darauf, bloß alles beim Alten zu lassen, um die konservative Wählerschaft in der trügerischen Sicherheit ihres Weltbildes zu wiegen, verschärft die Lage nur.
Wer glaubt, den globalen Wandel aufhalten zu können, indem man in Europa auf die Bremse tritt, riskiert, dass die ehemaligen Aushängeschilder unserer Industrie das Nokia-Schicksal ereilt – einst stolze Marktführer, heute nur noch eine Erinnerung. Diese Jobs in der deutschen Autoindustrie wiederzufinden, wenn sie erst einmal weg sind, dürfte sich als Ding der Unmöglichkeit herausstellen.
Auf E-Autos zu setzen, heißt, auf morgen zu setzen
Es ist daher höchste Zeit, nicht länger eine überholte Technologie künstlich zu beatmen. Stattdessen sollten die Autobauer mutig in eine krisensichere Zukunft investieren und ihren offensichtlich erheblichen Einfluss in der Politik dafür nutzen, das Ruder noch einmal herumzureißen.
Das bedeutet mehr Forschung, Batterieproduktion, einen entschlosseneren Ausbau der Ladeinfrastruktur. Auch der Abbau überflüssiger Bürokratie gehört dazu – so haben sogar die konservativen Politiker etwas davon, dass ihre Reizthemen bedient werden. Vor allem aber bedeutet es, die Zweifel an der Elektromobilität im Straßenverkehr abzulegen und Petrolheads ihren rußgeschwärzten Spiegel vorzuhalten. Die Zukunft wartet nicht, bis wir für sie bereit sind. Sie passiert einfach – mit uns oder ohne uns.