(Bildquelle: IMAGO / Bihlmayerfotografie / Bearbeitung: GIGA)
Markus Söders Feldzug gegen die E-Mobilität dürfte genau das bewirken, was er zu verhindern versucht: eine Schwächung des Standorts.
Ein Kommentar von Felix Gräber
Markus Söder, CSU-Chef, ist kein großer Freund von Elektroautos. Der bekennende Verbrenner-Fan arbeitet seit Jahr und Tag auf ein Ziel hin: Die EU muss ihr Verbrenner-Aus ab 2035 zurücknehmen. Auch in einem seiner jüngsten Facebook-Posts bekräftigt Söder genau das – und offenbart, wie falsch er liegt.
Söder zieht gegen E-Autos vom Leder, wie nur er es kann: glasklar und substanzlos
Markus Söder sagt: „Das Verbrennerverbot der EU muss gekippt werden.“
Diese Forderung ignoriert, dass die europäischen Hersteller längst Milliarden in die Elektromobilität investiert haben und eigentlich vor allem Planungssicherheit bräuchten, statt politischem Hin und Her. Sie ignoriert in altbekannter Manier außerdem die Fakten: Ein echtes Verbrennerverbot gab es nie.
Die Emissionen ab 2035 neuzugelassener Autos sollten null betragen. Das kommt einem Zulassungsverbot für neue Verbrenner zwar nah, ist aber keines. Die oft von Söder und Co. beschworenen, angeblich dringend nötigen Ausnahmen für E-Fuels etwa, waren von Anfang an nicht ausgenommen.
Ganz nebenbei haben die Spitzen von CDU und CSU sowie diverse andere Politiker in Europa den ursprünglichen Plan der EU bereits verwässert. Die harte Kante wird ab 2035 nicht kommen, stattdessen wird eine prozentuale Regel vorgeschrieben – und an diesen Vorgaben arbeiten sich Herr Söder und seine Leidensgenossen nun weiter ab.
Markus Söder sagt: „Europa muss die richtige Entscheidung treffen, um das Auto zu stärken.“
Die richtige Entscheidung wäre es, die Weichen für die Zukunft zu stellen, statt eine Technologie von gestern zu konservieren. Der Weltmarkt dreht an entscheidenden Stellen wieder entgegen der batterieelektrischen Fahrzeuge – politisch motivierte Entscheidungen, die eines ignorieren: Der Elektroantrieb ist faktisch die bessere, weil effizientere Technik. Ein Festhalten am Verbrenner schwächt die europäische Autoindustrie im globalen Wettbewerb und auf lange Sicht, anstatt sie zu stärken.
Markus Söder sagt: „Es ist unser wichtigster Industriezweig.“
Genau aus diesem Grund muss sich die Automobilindustrie transformieren, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Wer aus Angst vor Veränderung am Status quo festhält, gefährdet den Wohlstand von morgen, die Arbeitsplätze von morgen, die wirtschaftliche Stärke und Bedeutung Europas in den kommenden Jahrzehnten. Die Geschichte ist voll von Branchen, die den technologischen Wandel verpasst haben.
Technologieoffenheit als Trugschluss
Markus Söder sagt: „Wir dürfen diese Schlüsseltechnologie nicht anderen überlassen.“
Doch die Schlüsseltechnologien der Zukunft sind nicht mehr Kolben und Zylinder, sondern Batteriezellen, Software und autonomes Fahren. Indem Söder den Verbrenner zur „Schlüsseltechnologie“ verklärt, lenkt er davon ab, dass Europa in den wirklich entscheidenden Zukunftsfeldern den Anschluss zu verlieren droht – ihn in einigen längst fast uneinholbar aufgegeben hat.
Die Batterien von heute werden in China gebaut, die von morgen ebenfalls. Software ist nicht die Stärke europäischer Autobauer, sondern ihre Achillesferse. Beim autonomen Fahren können einige Hersteller immerhin noch Achtungserfolge verbuchen. Regulatorisch aber sind auch hier die Hürden enorm hoch.
Markus Söder sagt: „Bayern soll Autoland bleiben.“
Das wird es nur, wenn es ein modernes Autoland wird, das führend in nachhaltigen Antriebstechnologien ist. Autoland Bayern, das ist allen voran BMW. Der Autobauer hat es derzeit relativ gut. Als einziger in Deutschland hat BMW den E-Auto-Bereich kontrolliert und langsam hochgefahren und damit bisher richtig gelegen.
Doch auch bei BMW will man den Lebenszyklus des Verbrenners künstlich in die Länge ziehen, obwohl die bessere Alternative inzwischen bereitsteht. Wie Söders Ideen ist auch BMWs Doppelstrategie mittel- bis langfristig ein Risiko für Bayern als Innovationsstandort. Sie setzen mehr aufs Spiel, als sie zu gewinnen hoffen können.
Markus Söder sagt: „Deshalb gilt: Innovation und Technologieoffenheit statt Verbrenner-Aus!“
Das ist ein Widerspruch in sich, denn sich vom Verbrenner abzuwenden, ist der größte Treiber für Innovation in der Autobranche seit langem. Der Slogan „Technologieoffenheit“ dient hier vor allem als Chiffre, um den ineffizienten und teuren E-Fuels eine Tür offenzuhalten und den Abschied vom Verbrenner zu verzögern. Die vermeintliche Technologieoffenheit, die Söder als Verbrenner-Freund vor sich herträgt, gepaart mit Druck und Drang zu mehr Innovation, hat erst zum Elektroauto geführt.
Söders Eigentor mit Ansage
Markus Söder sagt: „Ein Verbrennerverbot aufrechtzuerhalten, wäre das größte industriepolitische Eigentor der europäischen Geschichte.“
Mal abgesehen davon, dass es von einer gehörigen Portion Unverfrorenheit zeugt, irgendetwas als Superlativ der Geschichte zu bezeichnen, ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Das größte Eigentor wäre es, den globalen Wandel zu ignorieren, die europäischen Hersteller in eine technologische Sackgasse zu führen und die Klimaziele in den Wind zu streichen, mit denen Europa in den letzten Jahren ausnahmsweise mal wieder eine internationale Führungsrolle eingenommen hatte.
Das Festhalten am Verbrenner ist der wahre Fehler und ein Eigentor will sich Söder ganz offenbar selbst schießen. Wenn er dabei nur nicht das ganze Team mit reinreiten würde.