(Bildquelle: IMAGO / Westend61 / Bearbeitung: GIGA)
Willkommen in der neuen Zwei-Klassen-Gesellschaft der Mobilität: Günstig stromern oder teuer tanken?
Ein Kommentar von Felix Gräber
Die Realität an deutschen Tankstellen ist für Millionen Autofahrer bitter. Wer einen Benziner oder Diesel fährt, ist zur Party nicht eingeladen, die gut gelaunte E-Auto-Fahrer gerade schmeißen können. Schuld sind die extrem gestiegenen Spritpreise der letzten Tage, die Stromerfahrern gerade bei der Kostenbilanz gerade voll in die Karten spielen.
16 Euro für 100 km sind für Autofahrer längst kein Albtraum, sondern bittere Realität
Die Zahlen malen ein brutales Bild der Ungleichheit: Während eine 100-Kilometer-Strecke im Benziner bei Preisen über zwei Euro pro Liter schnell 10 bis 16 Euro kostet (je nach Verbrauch) und im Diesel durchschnittlich bei 14,60 Euro liegt, surren E-Autos für einen Bruchteil davon über den Asphalt. Wer zu Hause lädt, zahlt oft nur 5 bis 6 Euro für die 100 km. Selbst an teuren Schnellladern bleibt es mit acht bis zehn Euro in den meisten Fällen günstiger.
Diese Kluft ist kein Zufall. Sie zeigt vielmehr ganz klar, dass die Regierung sehenden Auges in die falsche Richtung steuert – und wie fatal die Folgen dieser Fehleinschätzung sind. Der Preis an der Zapfsäule explodiert nicht nur wegen internationaler Krisen. Ein gewaltiger Teil davon sind staatliche Abgaben wie der CO₂-Preis und die Energiesteuer, auf die dann noch einmal die Mehrwertsteuer aufgeschlagen wird. Der Staat wird so zum größten Profiteur der Preisspirale und macht Mobilität für die breite Masse zu einem kaum noch bezahlbaren Luxusgut.
Was dabei besonders schwer wiegt: Anstatt die Belastung zu reduzieren und auf vor Ort produzierte, erneuerbare Energien zu setzen, die den Strompreis für alle stabilisieren würden, erhöht die Bundesregierung die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus dem Ausland: Sie setzt sich bei der EU dafür ein, Benziner und Diesel möglichst lange und möglichst unreguliert weiterfahren zu können – ohne dabei viel auf die Kosten zu schauen.
Statt günstiger Energie baut die CDU darauf, es noch schlimmer zu machen
Sie will im großen Stil neue Gaskraftwerke bauen. Der Strom aus deren Produktion wird in Zukunft mit jedem Jahr teurer werden, dafür sorgt ebenfalls der CO₂-Preis. Handelskonflikte, Embargos, Druck durch künstliche Förderverknappungen und Lieferausfälle durch Kriege und Katastrophen, die den Preis wie jetzt sprunghaft in die Höhe treiben, sind dabei noch gar nicht eingerechnet.
Das bisschen E-Auto-Förderung fällt dabei praktisch gar nicht ins Gewicht, wenn gleichzeitig an allen Ecken und Enden Anreize gestrichen werden, nachhaltig, dezentral und unabhängig preiswerte Energie zu produzieren.
Konflikte, politische Krisen im Nahen Osten oder anderswo schlagen so direkt und ungebremst auf die Geldbeutel derer durch, die auf ihr Auto oder ihre Heizung angewiesen sind – also auf praktisch alle Bürgerinnen und Bürger. Diese Strategie – manch einer würde es Unvermögen nennen – macht die Energieversorgung nicht nur teuer, sondern auch extrem unsicher.
Auf der anderen Seite heißt das natürlich nicht, dass wegen der aktuell hohen Preise jeder noch schnell ein E-Auto kaufen oder leasen sollte. Insbesondere, weil das gerade für die, die besonders unter hohen Spritpreisen zu leiden haben, eh nicht einfach so möglich ist.
Abhängigkeit statt Autarkie kommt Deutschland teuer zu stehen
Die aktuelle Preisexplosion zeigt vielmehr erneut, dass es strategisch klüger ist – von günstiger ganz zu schweigen –, den deutschen Energiemarkt nicht so sehr von fossilen Brennstoffen abhängig zu machen. Genauer gesagt ist es sträflicher Leichtsinn, diese lange bestehende Abhängigkeit zu vertiefen, statt die längst verfügbaren Alternativen zu stärken.
Die Konsequenzen sind fatal. Statt für eine bezahlbare und saubere Mobilität für alle zu sorgen, zementiert die Merz-Rierung eine Spaltung. Auf der einen Seite stehen jene, die es sich leisten können, auf ein E-Auto umzusteigen und von günstigerem, wenn auch nicht immer grünem Strom profitieren. Auf der anderen Seite steht die große Mehrheit, die Tag für Tag die Zeche für eine verfehlte Energie- und Verkehrspolitik zahlt – mit immer höheren Kosten, einer unsicheren Versorgung und einer Umwelt, die unter der fortgesetzten Abhängigkeit von Ölimporten leidet.