Götter und Schriften rund ums Mittelmeer - Symposion in memoriam Friedrich Kittler

Götter und Schriften rund ums Mittelmeer - Symposion in memoriam Friedrich Kittler

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Götter und Schriften rund ums Mittelmeer - Symposion in memoriam Friedrich Kittler episodes

  • Jan-Peter Sonntag/Sebastian Döring »apparatus operandi1::anatomie//Der Synthesizer des Friedrich A. Kittler«
    apparatus operandi1::anatomie//Der Synthesizer des Friedrich A. Kittler
    „There's someone in my head, but it's not me. Nur Atavismen wie das Urheberrecht, das ja nicht umsonst aus der Goethezeit stammt, zwingen noch zur Namensnennung von Textern und Komponisten (als ob es dergleichen im Soundraum gäbe). Viel eher wären die Schaltpläne der Anlagen und […] die Typennummern der eingesetzten Synthesizer aufzuführen.“ (Friedrich A. Kittler, 1975)
    In den frühen 1980er Jahren baute Friedrich A. Kittler einen modularen Synthesizer in 5 Makro-Modulen/Gehäusen. Fünf Kuben aus gebürstetem Aluminium – heute golden nikotinbrüniert – in smartem, minimalistischem Post-Braun-Design sieht man auf einem Portraitfoto hinter Kittler in seinem Regalsystem von Dieter Rams stehen. Daneben findet man Bücher und die weißen Elementen der Atelier-Anlage von Braun (auch unter Mitwirken von Dieter Rams entworfen) sowie einen elektrostatischen Kopfhörer der japanischen Marke Stax. Seit Kittlers Tod am 18. Oktober 2011 verbleibt der Synthesizer zusammen mit seinen Aufzeichnungen und Datenträgern als Teil seines Nachlasses am Deutschen Literaturarchiv in Marbach.
    apparatus operandi ist ein konzeptuelles Kunstprojekt von Jan-Peter E.R. Sonntag aus Setzungen verschiedener Formate. Im Zentrum des ersten Teiles steht die Anatomie des Synthesizers Friedrich A. Kittlers. Das Projekt stellt die wahrnehmungsgenerative Potenz von Apparaten in Frage und argumentiert in allen Formaten archäologisch, historisch und sinnlich; Hardware nah am Prozess, am Werden orientiert, reformuliert es eine Absage an überkommene Substanzbegriffe. apparatus operandi1::anatomie// Der Synthesizer des Friedrich A. Kittler ist als Entwurf ein Vorwurf an veraltete Institutionen, die uns in einer Art von Trägheit immer noch dienen. Dem bei der Anatomie eröffneten Gefüge - Epistemologie von Schaltungen, Kittlerphilologie, Gedächtnispraxis - sinnt Sebastian Döring nach.
    Sebastian Döring, geboren 1977, konzeptioniert und veranstaltet seit 2005 fröhliche Wissenschaft im Medientheater, ergründet Wissenskonfigurationen und betreibt Medienarchäologie und -epistemologie; seit 2009 am Medienarchäologischen Fundus der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Archäologie des neuzeitlichen Subjekts, die Mediengeschichte gesetzten Rechts  und die Analyse epistemischer Dinge. http://www.medientheater.org/
    Jan-Peter E.R. Sonntag, geboren 1965, ist Künstler, Komponist und Forscher. Er studierte Bildende Kunst, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Komposition, Philosophie und Kognitionswissenschaften bei Rudolf zur Lippe, Ivan Illich, Umberto Maturana & Gustavo Becerra Schmidt. Workshops absolvierte er u. A. bei Albert Mangelsdorf, John Cage & Alvin Lussier; er war Assistent bei Mauricio Kagel und gründete 2002 N-solab.
    Sonntag erhielt zahlreiche Stipendien und Preise (Akademie Schloss Solitude, Berliner- & Deutscher Klangkunstpreis, Cynet Art Award, Haupstadtkulturfond für e-topia, emare-Mexiko und für 2012 Villa-Aurora, Los Angeles & Chambre Blanche in Quebec). Er stellte auf vielen renommierten Festivals und Institutionen aus, u.a. V2, Rotterdam; NIMK, Amsterdam; Making Waves Festival, San Francisco; Apex Art & The Kitchen, New York; Fundación Arte Y Tecnología, Madrid; Centre de Cultura Contemporània & METRONOM, Barcelona; Nacional Gallery Poznan; Academy of Arts, transmediale & Martin Gropius Bau, Berlin; Mediabiennale, Seoul Museum of Art, & Aram Art Gallery, Seoul; Laboral Centro de Arte y Creación Industrial, Gijon; Center for Contemporary Art, Torun; Museum für Kunst und Gewerbe, kampnagel, Galerie der Gegenwart & Kunstverein, Hamburg; Museum Centro Galego del Arte Contemporénea, Santiago de Compostela; ars electronica, Linz; CYBERFEST, Hermitage, St. Petersburg; HMKV, Dortmund; WKV & Staatsgallerie, Stuttgart; Skanu Mezs & RIXC, Arthall, Riga; Tent, London; 3rd Art and Science International Exhibition & Symposium, Beijing. [email protected]
    58 min
  • Joachim Schaper »'... die beiden Tafeln des Gesetzes; die waren aus Stein und beschrieben von dem Finger Gottes': Schreiben, Schrift(en) und Ikonophobie im antiken Israel«
    Im Alten Testament wird mit äußerster Deutlichkeit betont, dass der Gott Israels den kultischen Gebrauch von „Bildern“ aller Art verabscheue. In ebenso deutlicher Weise kontrastieren verschiedene Kernstellen der Hebräischen Bibel die Schrift sowie den Akt des Schreibens mit dem Herstellen von bildlichen Darstellungen des Gottes Israels. Zwar behauptet das Alte Testament nirgendwo, Jahwe, der Gott Israels habe das Schreiben erfunden. Doch wird betont, dass es der Sphäre des Göttlichen entstamme und Jahwe sich seiner bediene. Er wird dabei dargestellt als jemand, der die von ihm zuvor gesprochenen Worte schriftlich festhält. Was die biblischen Autoren offenbar faszinierte, war die Möglichkeit, mit Hilfe der Schrift gesprochene Sprache gleichsam abzubilden und wiedererfahrbar zu machen – mit anderen Worten, das phonetische Potential des (alphabetischen, Vokale allerdings nur unzureichend darstellenden) Schriftsystems, dessen sie sich bedienten. Der Vortrag nimmt diese Beobachtungen auf und versucht, den Siegeszug der Schrift (in beiderlei Wortsinn) im alten Israel und die damit einhergehende, zunehmende Ikonophobie zu rekonstruieren und zu verstehen.
    ///Joachim Schaper studierte Theologie, Altorientalistik und Philosophie in Tübingen und Cambridge, promovierte in Cambridge und habilitierte sich in Tübingen im Jahre 1999 im Fach Altes Testament. Seit 2005 lehrt er an der Universität Aberdeen (Großbritannien); er ist Inhaber des Lehrstuhls für Hebräisch und semitische Sprachen (Chair of Hebrew and Semitic Languages). Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. Eschatology in the Greek Psalter, Tübingen 1995, „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser . . .“: Studien zu Ps 42/43 in Religionsgeschichte, Theologie und kirchlicher Praxis, Neukirchen-Vluyn 2004, und der von ihm edierte Band Die Textualisierung der Religion, Tübingen 2009.
    51 min
  • Peter Berz - Begrüßung und Einführung
    ‚Götter und Schriften rund ums Mittelmeer.ʼ Begrüßung und Einführung.
    Peter Berz, geboren 1959, studierte Philosophie und Germanistik, promovierte in Kulturwissenschaft (08/15. Ein Standard des 20. Jahrhunderts), war Assistent am Lehrstuhl Friedrich Kitzlers für Ästhetik und Geschichte der Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und habilitierte dort 2008 in Kultur- und Medienwissenschaft. Er unterrichtet in Berlin und Wien und forscht seit 2010 am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin über die Biologie und Naturphilosophie Jacques Monds. Forschungsschwerpunkte: Lamarckismus, Morphogenese, Pythagoräismus. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: „Pythagoräismus“, in: TUMULT. Zeitschrift für Verkehrswissenschaft, Nr. 35, Oktober 2012; „Bau Ort Weg. Mediengeschichten des Labyrinths“, in: Programm und Umgebung,Habilitationsschrift, unveröffentlicht; „Licht und Riß. Die Medien der Tempel“, in: Ana Opak (Hg.), Die Medien vor den Medien, München, Fink, 2007; „Die Wabe“, in: Peter Herz, Annette Bitsch, Bernhard Seigert (Hg.), Taktisch. Festschrift für Friedrich Kittler0, München, Fink, 20030.
    31 min
  • Joulia Strauss / Cari Machet »Assamblea«
    Julia Strauss, geboren 1974, studierte Kunst an der Neuen Akademie der Schönen Künste, Sankt Petersburg und an der Hochschule der Künste, Berlin, bei Prof. Georg Baselitz. Strauss arbeitet an einer Herbeiführung der pythagoreischen Einheit des Wissens mit Wissenschaftlern, Philosophen, Technologie-Experten und politischen Aktivisten in Berlin, Moskau und Athen. Ihre Kunstwerke wurden in den Gruppen- und Einzelausstellungen im Martin-Gropius-Bau, Berlin, Hudson Valley Center for Contemporary Art, NY, Kunsthalle Palazzo, Schweiz, Tirana Biennale, Oostende Museum of Modern Art, Stedelijk Museum Amsterdam, Pergamonmuseum, Berlin, Guelman Gallery, Moskau, Athens Biennale 2, Moscow Biennale 4, Tate Modern, London, ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, gezeigt. In ihrer jüngsten Veröffentlichung Modulation Politics entwickelt Strauss politische Modelle aus den Skulpturensystemen, welche die Strukturen der altgriechischen Hymnen verkörpern.
    Cari Machet ist Künstlerin, Multimedia-Produzentin und Aktivistin. Als Teilnehmerin von Occupy Wall Street und Occupy Berlin setzt sie sich für die direkte Demokratie ein und beteiligt sich weltweit an direkten Aktionen.
    1 hr 21 min
  • Paul Feigelfeld »Quellcode als Quelle. Aus der Editions-Arbeit an Friedrich Kittlers Programmierwerk«
    Quellcode als Quelle. Aus der Editions-Arbeit an Friedrich Kitzlers Programmierwerk.
    Friedrich Kitzlers Nachlass besteht neben Texten, Tonaufzeichnungen, Notizen und Fragmenten zu einem substanziellen Teil aus Quellcode und Hardware. Da das Schreiben von Computerprogrammen im Werk Kitzlers eine mindestens ebenso zentrale Rolle spielt wie das Schreiben von Texten, hat das Herausgeberteam der Gesamtausgabe es sich zur Aufgabe gemacht, eine kultur- und medienwissenschaftlich adäquate Form zu entwickeln, Kitzlers Programmierwerk als dritte Säule in den Corpus zu integrieren.
    Diese vollkommen neue philologische Situation stellt grundsätzliche Fragen nach der epistemologischen Funktion von Programmierung, nach der Funktion von Quellcode als historische Quelle und der Operativität des Archivs. Es gibt bisher keine Präzedenzfälle für Unterfangen dieser Art. Vor jeder Medientheorie steht eine Praxis mit Medien, in der Archäologie, Architektur und Archiv-Textur, die Geschichte und das Geschichte der Medien operativ werden.
    Paul Feigelfeld stellt erste theoretische und praktische Ansätze des Projekts vor, das nicht nur Kitzlers Programme für die Nachwelt erschließen soll, sondern auch als Ansatz für zukünftige Herangehensweisen an diese operative Form von Text dienen kann.
    Paul Feigelfeld, MA, wurde 1979 in Wien geboren. Studium der Kulturwissenschaft und Informatik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2004 bis 2009 studentischer Mitarbeiter von Prof. Dr. Friedrich Mittler am Lehrstuhl für Ästhetik und Geschichte der Medien. Seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Wolfgang Ernst am Lehrstuhl für Medientheorien. Seit 2011 Redaktionsmitglied von 032c. Als freier Autor und Übersetzer tätig, u.a. für PIN-UP und trieze. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. Paul Feigelfeld, Jan Wenzel (Hg.), Welt in der Hand/The World In Your Hand, Leipzig, Spector Books, 2010; „Kryptologozentrismus“, in: Gradinari, Höltgen (Hg.) Heiße Drähte. Medien im Kalten Krieg,0im Erscheinen; „Symbols on the Move. Moveable type, cryptanalysis, Symbolik Algebra and moving machine parts between China and Europe 1450-1650“, in: Kurtz/Steavu (Hg.) Knowledge on the Move, im Erscheinen.
    19 min
  • Tania Hron »Nicht nachlassen«
    Angesichts der reichen Ernte an Texten, Studienpapieren, Schaltplänen, Zettelkästen und Rechnern, die von Friedrich Mittler teils als Vor-, später Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach seit 2011 eingegangen sind, kann man übersehen, dass erst einmal gestorben werden muss, um etwas zu hinterlassen. Wie können wir von Friedrich Mittler Abschied nehmen? Wie kann man sein Werk fortführen, ohne es sich einzuverleiben?
    Anlässlich dieses Symposions, dass Friedrich Mittler sich als seinen großen Abschied gewünscht hatte, wollte er Position beziehen zu einer „Herzensangelegenheit“, wie er 2010 in einem Vortrag erklärte: Inwieweit die großen symbolischen und medialen Systeme Schrift und Götter miteinander verbunden sind. Die nur teilweise schriftlich ausgearbeiteten Vorstellungen zum Thema finden sich an verstreuten Orten im Nachlass in Marbach und Berlin: als Filmdokument, als Textfragment, als Notizen zur Buchreihe Musik und Mathematik, von der zwei Bände zu Kitzlers Lebzeiten erschienen sind, hunderte Seiten Vorstufen des Projekts sind auf dem Computer gespeichert. Was gibt es also in diesem Nachlass?
    Neben Texten in verschiedenen Stadien und Formen ist auch Einiges an Film- oder Tonaufnahmen von Vorträgen, Interviews und Gesprächen nach Marbach gelangt, das nicht schriftlich fixiert vorliegt. Werden diese Dokumente nur aufbewahrt im Archiv oder anders zugänglich gemacht? Zudem sind, anders als bei üblicherweise an Archive übergebenen Nachlässen, mit den Manuskripten nicht nur Möbelstücke, Brillen, Haarlocken nach Marbach gelangt, sondern auch Programme und selbst gebaute Hardware, die nicht einfach eine technische Spielerei Kitzlers darstellen, sondern den Kittlertext weiter schreiben.
    Tania Horn berichtet aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und von dem Editionsprojekt Gesamtausgabe Friedrich Mittler.
    Tania Horn, geboren 1975 in Berlin, studierte Kulturwissenschaft, Neuere Deutsche Literatur und Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.
    Seit 2004 war sie studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Friedrich Mittler und arbeitete nach ihrem Abschluss als persönliche Assistentin von Friedrich Mittler bis 2011. Gegenwärtig bearbeitet Tania Horn den Nachlass von Friedrich Mittler im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Des Weiteren unterstützt sie Martin Stigenlin bei der Herausgabe der gesammelten Werke Kitzlers.
    41 min
  • Siegfried Zielinski »Mittel & Meere«
    Der Vortrag nimmt das MITTELMEER in seiner wörtlichen Bedeutung als gedanklichen Spielball auf und diskutiert dessen mediale Qualität. Verbindungen von hellenistischem und arabisch-islamischem Denken kommen dabei ebenso zur Sprache wie der Versuch des Katalanen und Mallorikaners Ramon Llull, die drei monotheistischen Buchreligionen, die die mächtigsten dieser Welt sind, über symbolische Maschinen kommunikativ zu integrieren.
    Siegfried Zielinski ist Professor für Medientheorie mit dem Schwerpunkt Archäologie & Variantologie der Künste und der Medien an der Universität der Künste (UdK) Berlin, Michel‐Foucault‐Professor für Medienarchäologie & Techno‐Kultur an der European Graduate School (EGS) in Saas Fee, Leiter des Vilém‐Flusser‐Archivs an der UdK Berlin, Gründungsrektor der Kunsthochschule für Medien Köln (1994‐2000). Verfasser u.a. der Bücher Veit Harlan, Frankfurt am Main,
    Fischer, 1981 ; Zur Geschichte des Videorecorders, Berlin, Spiess, 1985; Audiovisionen, Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 1989; Archäologie der Medien, Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 2002 und Herausgeber der 5‐ bändigen Reihe VARIANTOLOGY – On Deep Time RelaDons Between Arts, Sciences, Technologies, Köln, König, 2005‐2011.
    58 min
  • Gerhard Scharbert »„Tell me true, tell me why was Jesus cruci3ied?“«
    In den bislang unveröffentlichten Vorstudien und Skizzen zu seinem monumentalen Werk „Mathematik und Musik“ hat Friedrich Mittler die Frage, warum Jesus gekreuzigt wurde, in einen medien- und schriftgeschichtlichen Kontext versetzt, der sie in einem überraschend neuen Licht erscheinen lässt. Vor dem Hintergrund der Schriftsysteme rund um das Mittelmeer nämlich, erscheinen die Auseinandersetzungen um den Wortlaut der Schrift, die im Neuen Testament so zahlreich belegt sind, und die schließlich zu Gefangennahme und Hinrichtung Jesu führten, als Teil einer welthistorischen Frage nach dem Vokalalphabet selbst. Der Vortrag wird die diesbezüglichen Forschungen und Notizen Kitzlers aus dem Nachlass vorstellen und einen Ausblick auf die darauf fußenden Paulus-Forschungen geben.
    Gerhard Scharbert, Dr. phil., M.A., geboren 1963 in Frankfurt am Main. Studium der Literatur, Linguistik, Philosophie und Kulturwissenschaft in Freiburg im Breisgau und Berlin, zuletzt als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Graduiertenkolleg „Codierung von Gewalt im Medialen Wandel“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2001 bis 2007 wissenschaftlicher Koordinator einer neurowissenschaftlichen Gesellschaft in Berlin, von 2008 bis 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter des dortigen Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) im Projekt „Freud und die Naturwissenschaften um 1900 und um 2000“. Seit 2011 Lehrbeauftragter der Humboldt-Universität zu Berlin am Institut für Kulturwissenschaft. Zu seinen Publikationen gehören Titel wie Dichterwahn. Über die Pathologisierung von Modernität, München, Fink, 2010; Gerhard Scharbert et al. (Hg.), Das Locked-in- Syndrom: Geschichte, Erscheinungsbild, Diagnose und Chancen der Rehabilitation, Frankfurt am Main, Mause, 2010; Gerhard Scharbert, Christine Kirchhoff (Hg.), Freuds Referenzen, Berlin, Kadmos, 2012; „Psychologus nemo, nisi Physiologus’ - Johannes Müller und die Perspektiven einer médecine Philosophique: Eine Entdeckung aus dem Universitätsarchiv“, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen, Jg. 29,020100; „Erinnerungen an ein menschenleeres Paradies. Urszenen literarischer Modernität im 19. Jahrhundert“, in: Weimarer Beiträge; Jg. 580,02012;0, „0’Fantasias0’ – experimental induced psychosis and modern aesthetics in 19th century France“, in: Suzanne Anker, Sabine Flach (Hg.), Embodied Fantasies, Bern, New York, Peter Lang, 2012.
    28 min
  • Barry Powell »Wie das Alphabet entstand«
    Der Gräzist und bekannte Theoretiker des Vokalalphabets Barry Powell erzählt vom Auftauchen der Vokale unter den Buchstaben und Schriften des Mittelmeers. Er erzählt vom Ereignis der „Erfindung“ dieses ersten als Alphabet zu bezeichnenden Schrift-Systems des Abendlands und vom tiefsten Grund seiner Erfindung, wie er in den ältesten griechischen Schriftfunden zu Tage liegt: nicht Aufzeichnung von Befehl, Verwaltung oder Handel, sondern eindeutige Notation des Hexameters.
    Barry B. Powell ist Halls-Bascom Professor emeritus der Klassischen Altertumswissenschaften an der University of Wisconsin–Madison, wo er vierunddreißig Jahre lang lehrte. Er ist Autor des häufig zitierten Lehrbuchs Classical Myth (2011 in der 7. Ausgabe erschienen). Sein Buch A Short Introduction to Classical Myth (2006 in Deutsch erschienen unter dem Titel Klassische Methodologie: Eine Kurze Einführung) stellt eine wichtige Überblickstudie zum Thema dar. Homer and the Origin of the Greek Alphabet (1991) stellt die These auf, dass ein einzelner Mann das griechische Alphabet ausdrücklich nur dazu entwickelte, die Gedichte des Homer aufzeichnen zu können. Writing and the Origins of Greek Literature (2003) erarbeitet die sich hieraus ergebenden Schlussfolgerungen. Seine kritische Studie Homer (2004 in der 2. Ausgabe erschienen, ins Italienische übersetzt) gilt als wichtige Einführung für Philologen, Geschichtswissenschaftler und Studenten der Literatur. A New Compagnien to Homer (1997, mit Ian Morris, ins Griechische übersetzt) ist eine umfassende Bewertung der modernen Studien zu Homer. Sein Buch The Greeks: History, Culture, Society (2. Auflage, 2009, mit Ian Morris, ins Chinesische übersetzt) ist eine vollständige Übersicht, die häufig in Hochschulseminaren verwendet wird. Writing: Theory and History of the Technology of Civilization (2009, ins Arabische übersetzt) stellt den Versuch dar, eine wissenschaftliche Terminologie und Taxonomie für das Studium des Schreibens zu entwickeln. Sein im nächsten Jahr erscheinender Text World Myth ist eine Übersicht der Weltmythen. In Vorbereitung ist ebenfalls eine Übersetzung der Ilias und der Odyssee für die Oxford University Press. Powell hat außerdem zahlreiche Romane, Gedichte und Drehbücher geschrieben. Er lebt in Santa Fe, New Mexico, zusammen mit seiner Frau und seinen Katzen.
    Barry B. Powell is the Halls-Bascom Professor of Classics Emeritus at the University of Wisconsin–Madison, where he taught for thirty-four years. He is the author of the widely used textbook Classical Myth (7th edition, 2011) and many other books. His A Short Introduction to Classical Myth (2001, translated into German) is a summary study of the topic. Homer and the Origin of the Greek Alphabet (1991) advances the thesis that a single man invented the Greek alphabet expressly in order to record the poems of Homer. Writing and the Origins of Greek Literature (2003), develops the consequence of this thesis. His critical study Homer (2nd edition, 2004, translated into Italian), is widely read as an introduction for philologists, historians, and students of literature. A New Companion to Homer (1997, with Ian Morris, translated into modern Greek), is a comprehensive review of modern scholarship on Homer. His The Greeks: History, Culture, Society (2nd edition, 2009, with Ian Morris, translated into Chinese) is a complete review, widely used in college courses. His Writing: Theory and History of the Technology of Civilization (2009, translated into Arabic) attempts to create a scientific terminology and taxonomy for the study of writing. His forthcoming text World Myth (2013) reviews the myths of the world. He is preparing a translation of the Iliad and the Odyssey for Oxford University Press. He has also written novels, poetry, and a screenplay. He lives in Santa Fe, New Mexico, with his wife and cats.
    49 min
  • Beatrice Gründler »Arabische Schrift als Chiffre und Spielfeld«
    Im Arabischen war die von semitischen Verwandten übernommene Schrift auf ungewöhnlich ideale Weise an die Sprachstruktur angepasst. Gleichzeitig ließ diese frühe Variante des Alphabets (abgab) gewisse Dinge aus. Das Weggelassene war aber rekonstruierbar: Die Folge der kurzen Vokale war großteils im Wortbau beinhaltet, und die grammatischen Endungen waren aus der Satzfolge zu entnehmen. Das in der Schrift Unsichtbare auszufüllen oblag dem Leser. Tat man dies laut, wie im Unterricht oder in literarischen Debatten, so demonstrierte man Sprach- und Stilkenntnis, bzw. enthüllte sein Unwissen derselben. Beim Schreiben wirkte die reduzierte Form als Schleier, denn der Schreiber konnte den Grad seiner Expertise verbergen. Es folgt, dass Schreiben weniger riskant war als Lesen. Literaten genossen aber gerade dieses Risiko, mit dem von der Schrift freigelassenen Raum zu spielen, in dem sie sich z.B. umpunktierte und umvokalisierte Briefe schrieben oder ganze Texte mit Buchstaben ohne diakritische Zeichen verfassten. Das Ungeschriebene wurde somit zum Spielfeld der Kreativität.
    Beatrice Gruendler (D.E.U.G. Université de Strasbourg, M.A. Universität Tübingen, Ph.D. Harvard University, 1995 und ehemaliger Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin 2010-11) ist seit 1996 Professorin für Arabisch am Department of Near Eastern Languages and Civilizations der Yale University. Sie arbeitet in vier Forschungsrichtungen: der Entwicklung der arabischen Schrift, klassischer arabischer Dichtung und ihrem sozialen Umfeld, der Integration moderner Literaturtheorie ins Studium nahöstlicher Literaturen und der frühen arabischen Buchkultur unter dem Gesichtspunkt der Mediengeschichte. Neben zahlreichen Artikeln verfasste sie: The Development of the Arabic Scripts: From the Nabatean Era to the First Islamic Century, Bd. 43 der Reihe Harvard Semitic Studies, Atlanta, Scholars Press, 1993; Medial Arabic Preise Poetry: Ibn al-Rûmî and the Patron’s Rezeption, London0, Routledge Curzon 2003; als Mitautoren und Herausgeberin Classical Arabic Humanities in Their Own Terms, Leiden , Brill 2007; und als Mitherausgebern, Understanding Near Eastern Literatures: A Spectrum of Interdisciplinary Approaches, Bd. 1 der Reihe Literaturen im Kontext: Arabisch - Persisch – Türkisch, Wiesbaden, Reichert, 2000;"Writers and Rulers: Perspectives from Abbasid to Safavid Times", Wiesbaden, Reichert, 2004. Neuere Artikel behandeln die wechselnden Anwendungen der arabischen Schrift, die Textgeschichte des vielfach übersetzten Fürstenspiegels indischer Herkunft, Kalla und Diana, das Konzept der Heimat in der klassischen arabischen Literatur, und eine Gesamtübersicht formativer Trends der arabischen Literatur.
    1 hr 16 min

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