In dieser Folge von IGEPHA im Gespräch spricht Christina Nageler mit Claudia Neumayer-Stickler vom ÖGB über die Frage, wer eigentlich über unsere Gesundheit entscheidet und welche Rolle die Arbeitswelt dabei spielt. Neumayer-Stickler erklärt, warum ein Großteil unserer Lebenszeit am Arbeitsplatz verbracht wird und wie Digitalisierung, Automatisierung, neue Arbeitsformen, ständige Erreichbarkeit und der Klimawandel die gesundheitlichen Rahmenbedingungen dort laufend verändern.
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Prävention. Neumayer-Stickler beschreibt, warum in vielen Bereichen noch immer die Reparatur im Vordergrund steht statt der Frage, wie Krankheiten von vornherein verhindert werden können. Sie erläutert, warum Investitionen in Prävention politisch oft schwerer durchsetzbar sind, weil ihr Erfolg erst später sichtbar wird, gleichzeitig aber enorme Auswirkungen auf Einzelne, das Gesundheitssystem und die Wirtschaft hat, etwa durch weniger Krankenstände.
Weitere Themen sind die frühe Orientierung bei gesundheitlichen Alltagsfragen, unter anderem durch niederschwellige Angebote wie 1450, die Bedeutung der Eigenverantwortung und ihre Grenzen durch unterschiedliche Rahmenbedingungen wie Bildung, Wohnsituation oder Einkommen, sowie die Rolle der Apotheken als wohnortnahe und gut erreichbare erste Anlaufstelle. Auch die Sozialversicherung kommt zur Sprache: Neumayer-Stickler betont, dass sie weit mehr ist als ein reiner Verwaltungsapparat, sondern als Solidargemeinschaft Sicherheit im Alltag bietet, etwa bei Arbeitsunfall, Pension oder Rehabilitation.
Zum Abschluss spricht sie darüber, was sich mittel- und langfristig ändern müsste, damit Gesundheit von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter durchgängig gefördert wird, und wie Betriebe Arbeitsplätze so gestalten können, dass sie tatsächlich gesundheitsförderlich sind, auch über einzelne Angebote wie den Obstkorb hinaus.
Keypoints- Die Arbeitswelt hat großen Einfluss auf die Gesundheit, unter anderem durch Digitalisierung, neue Arbeitsformen, ständige Erreichbarkeit und den Klimawandel.
- Prävention wird in der Praxis oft vernachlässigt, weil der Handlungsdruck bei akuter Erkrankung höher ist und sich der Erfolg von Prävention erst später zeigt.
- Eigenverantwortung im Gesundheitsbereich setzt passende Rahmenbedingungen voraus, etwa bei Bildung, Wohnsituation, Einkommen und Arbeitsplatz.
- Apotheken sind eine wohnortnahe erste Anlaufstelle für Arbeitnehmer:innen und Pensionist:innen, das Zusammenwirken aller Gesundheitsberufe braucht aber noch Ausbau.
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