Kaffeemacher Podcast

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Kaffeemacher Podcast episodes

  • Wer pflückt eigentlich Kaffee, Mark Bolliger?
    Über Arbeitskräftemangel in Peru

    Kaffeekirschen müssen geerntet werden. Nur fehlt es vielen Farmen an Arbeitskräften, und das immer mehr.

    Mark Bolliger von der Finca Rosenheim in Villa Rica, Peru, spricht darüber im O-Ton Format.

    Woher seine Erntehelfer kommen, wie er dieses Jahr alle 15 Tage die Gehälter angepasst hat und wie der Diesel und die Lebenskosten steigen.

    "Kompetitive Löhne sind zwingend für Erntehelfer" sagt Mark. Denn einerseits wächst der Kaffeebedarf, andererseits schrumpt die Zahl der Menschen, die in der Kaffeeproduktion arbeiten. Höhere Löhne sind dann ein Weg, Arbeitskräfte anzuwerben. Nur: der Kaffeepreis zeigt ja nicht die Produktionskosten, sondern nur das globale Angebot und die globale Nachfrage.

    Am Ende des Tages geht es um den realen Preis vs. den Kaffeepreis an der Börse, der nichts mit den Realitäten im Feld zu tun hat. Und Mark nimmt uns hier mit ins Feld und spricht darüber, was das für einen Produzenten in Peru wie ihn bedeutet.

    11 min
  • Gibt es bald keinen Bio-Kaffee mehr?
    Zu groß für Bio, zu klein für die eigene Zertifizierung

    Im Gespräch mit dem Zertifizierer Tobias Fischer, Kiwa BCS Öko-Garantie und dem Kaffeehändler Lukas Harbig von Cumpa.

    Die neue Bio-Verordnung ist eine krasse Herausforderung für kleine Kaffeeproduzenten.

    Und sie sind aber die Mehrheit.

    Der Gesetzestext liegt seit 2018 auf dem Tisch. Ich habe am Rand

    mitbekommen, dass da etwas kommt, und mich nie richtig reingefuchst.
    Gemerkt habe ich es erst, als unsere Partnerproduzenten anfingen davon
    zu erzählen.

    Zum Nachlesen

    EU-Öko-Verordnung 2018/848 im Überblick

    Drei Zahlen

    • 5 Hektar oder 25.000 Euro Jahresumsatz: darüber ist Schluss mit der Gruppenzertifizierung
    • 2,3 Hektar: Durchschnittsgröße einer peruanischen Kaffeefarm
    • 70 bis 80 Prozent: so viele lateinamerikanische Kooperativen haben die Umstellung nach Einschätzung von Tobias Fischer geschafft
    • 1 hr 1 min
    • Greenwashing bei Kaffee: Was ab dem 27. September verboten ist
      Präzision in der Kommunikation und die EmpCo-Richtlinie

      Ich habe einige Podcastfolgen zu verwandten Themen aufgenommen, oder dazu Blogs geschrieben:

      Podcast-Folge zu Direct Trade: https://kaffeemacher.podigee.io/86-direct-trade

      Blogartikel Direct Trade mit den fünf Prüffragen: https://kaffeemacher.ch/blogs/kaffeewissen/direct-trade-kaffee
      Folge mit Iliana: https://kaffeemacher.podigee.io/88-o-ton-finca-puerto-rico-steigt-aus
      Unsere FOB-Preise und Einkaufsdaten: https://kaffeemacher.de/blogs/kaffeewissen/transparenzbericht-2025-26

      13 min
    • Zertifizierungsmüde. Finca Puerto Rico steigt aus (ENG)
      O-Ton: Iliana Delgado über 25 Jahre Zertifizierung und den Entscheid, sie abzugeben

      **Über dieses Format

      **
      O-Ton ist unser Format für Produzentinnen und Produzenten. Kein Interview, keine Zwischenfragen. Wir geben das Mikrofon ab und lassen erzählen. Diese Folge ist auf Englisch aufgenommen. Iliana hat sie selbst eingesprochen, an der kolumbianischen Karibikküste, auf der Suche nach einer halbwegs ruhigen Stunde.

      Worum es geht

      Iliana Delgado führte zusammen mit ihrem Vater Dario Farmen in der Sierra Nevada de Santa Marta im Nordosten Kolumbiens, nahe der Karibikküste. Eine Region, die kaum jemand mit Kaffee verbindet. Sie erzählt die Geschichte vom Kauf einer verlassenen 19-Hektar-Plantage 1998 bis zum Entscheid, für die Finca Puerto Rico sämtliche Zertifikate zu kündigen.

      Ihre Kritik richtet sich nicht gegen Bio oder gegen Standards an sich. Die ersten zwanzig Jahre, sagt sie, haben sich gelohnt: bessere Preise, besseres Verständnis für Arbeitssicherheit, klarere Abläufe mit mehreren hundert saisonalen Pflückerinnen und Pflückern. Ihre Kritik richtet sich dagegen, dass Anforderungen bestehen bleiben, während die Prämie verschwindet. Und dagegen, dass eine bezahlte dritte Partei bestätigen muss, was in einer fünfzehnjährigen Handelsbeziehung längst geklärt sein sollte.

      Der Satz, der uns alle zu denken geben sollte:

      „Niemand glaubt mir, solange nicht jemand anderes bestätigt, dass ich tue, was ich tue. Gleichzeitig wird vorausgesetzt, dass ich es ohnehin tue."

      Genau diese Konstellation, bezahlte Verifikation für selbstverständliche Erwartungen, hält sie für den Kern des Problems.

      Den Kaffee dazu trinken

      Ilianas Kaffee von der Finca Puerto Rico ist bei uns aktuell im Amigo, unserem Filterkaffee für jeden Tag.

      Amigo, Filterkaffee (Schweiz): https://kaffeemacher.ch/products/amigo-filterkaffee

      Amigo, Filterkaffee (Deutschland/EU): https://kaffeemacher.de/products/amigo-filterkaffee
      Alles über uns: https://kaffeemacher.ch

      21 min
    • Wir trinken Koffein, ohne es zu verstehen
      Dr. Carolin Reichert, Zentrum für Chronobiologie Basel

      Wir verkaufen immer mehr entkoffeinierten Kaffee, wir wissen, wie Koffein aus der Bohne gelangt, welche Rolle das Koffein als natürlichen Pflanzenschutz hat, aber wie genau Koffein selbst eigentlich funktioniert? Darüber wusste ich einfach noch viel zu wenig. Also habe ich mit jemandem gesprochen, die das seit fast zwanzig Jahren beruflich untersucht.

      Carolin Reichert ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie forscht am Zentrum für Chronobiologie der Universität Basel zu Schlaf und der inneren Uhr, ihre Doktorarbeit hat sie zum Adenosin-System geschrieben, jenem System, das Koffein blockiert.

      Ein paar Dinge aus dem Gespräch, die bei mir hängen geblieben sind:

      Koffeinabhängigkeit lässt sich klinisch nicht diagnostizieren, die WHO hat das so festgehalten. Trotzdem gibt es einen echten Entzug, mit Kopfschmerzen und schlechter Stimmung. Das Gehirn passt sich an den täglichen Konsum an. Jede Nacht baut sich ab, was am Tag wieder aufgebaut wird. Ob dieser Zyklus über Jahre irgendeinen Effekt hat, weiss laut Reichert schlicht niemand.

      Auch der beliebte Ratschlag, nach dem Aufwachen erst den Cortisol-Peak abklingen zu lassen, bevor man Kaffee trinkt: dafür findet sie in der Forschung keine Evidenz.

      Über das Dopaminsystem sagt sie, dass wir wissen, dass Koffein dort wirkt, aber es genau es macht, ob es zur Abhängigkeit von anderen Substanzen beiträgt, wissen wir nicht. Ebenso dünn ist die Faktenlage beim Koffeinkonsum bei Kindern und Jugendlichen, z.B. durch Energydrinks.

      Die European Food Safety Authority hat laut Reichert zu wenig Daten, um überhaupt eine Richtlinie für Energydrinks abzugeben.

      Kaffee ist ein Kulturgut, sagt Reichert. Genau das führt dazu, dass wir eine psychoaktive Substanz trinken, ohne sie als solche wahrzunehmen.

      38 min
    • Wem hilft Direct Trade wirklich?
      Der meistgebrauchte und am wenigsten definierte Begriff der Kaffeewelt

      Worum es geht

      Fragt man zehn Röstereien, was Direct Trade bedeutet, kriegt man zehn Antworten. Es gibt keine Zertifizierungsstelle, kein gemeinsames Regelwerk, keine Instanz, die den Begriff schützt. Genau das macht ihn so nützlich für alle, die ihn füllen wollen, wie es ihnen passt.

      Ich zeichne den Weg des Begriffs nach: von der Kaffeekrise 2001, als der Preis auf 41 Cent pro Pfund fiel, über Fairtrade als Absicherung nach unten, bis zu den ersten US-Röstereien wie Intelligentsia, Counter Culture und Stumptown, die Anfang der 2000er ihre eigenen Standards definierten. Und dann schaue ich, was aus dem Begriff geworden ist, jetzt, wo ihn nicht mehr eine Handvoll Pioniere, sondern Tausende Röstereien weltweit benutzen.

      Gäste

      Lennart Clerx (This Side Up, Rotterdam):

      Für ihn ist Direct Trade zuerst eine Frage der Macht. Wer trägt das Risiko, wer hält die Beziehung, wer profitiert vom Begriff, ohne die Arbeit dahinter geleistet zu haben. Er nennt das Directwashing.

      Cesar Marín (Chacra de Dago, Peru):

      Für ihn ist Direct Trade vor allem eine Frage der Präsenz. Nicht nur Kaffee verkaufen und auf Feedback warten, sondern selbst in Europa auftauchen und die eigene Realität erklären.

      Pingo (Quijote Coffee, Hamburg):

      Einer der frühen deutschen Direct-Trade-Röster. Er sieht das Problem weniger in fehlenden Regeln als in der schieren Zahl unterschiedlicher Interessen in der Branche, und in einer Generation neuer Röstereien, die vor lauter Anspruch gar nicht erst anfängt.

      Themen in der Folge

      • Warum der Begriff seit der Kaffeekrise 2001 existiert und was Fairtrade damit zu tun hat
      • Die Rolle des Cupping Scores: neutral wirkend, aber voller subjektiver Urteile
      • Warum ein Kaffee erst dann Direct Trade ist, wenn man die Beziehung selbst hält, und warum Weiterverkauf durch eine zweite Rösterei etwas anderes ist
      • Der Transparency Coffee Guide als Zwischenschritt, der tatsächlich etwas bewirkt hat
      • Warum es nie eine gemeinsame Zertifizierung geben wird, und warum das für etablierte Röstereien kein Nachteil ist
      • Lennarts nächster Schritt: ein Produzent in Kolumbien, der eine eigene Importfirma in den Niederlanden aufbaut, während This Side Up sich aus der Mittlerrolle zurückzieht
      • Warum wir bei Kaffeemacher den Begriff nicht benutzen

        Auch wenn vieles von dem, was wir tun, sich locker unter gängige Direct-Trade-Definitionen fassen liesse: Wir kaufen unseren direkt gehandelten Kaffee grösstenteils über Importeure wie This Side Up, algrano oder Quijote ein, die selbst die Beziehung zu den Produzenten halten. Wir sind da Trittbrettfahrer, und das sagen wir auch so.

        53 min
      • César Marin (Peru) über Europa als Kaffeemarkt & die EUDR
        O-Ton: Kaffeeproduzenten am Mikrofon

        César Marin bewirtschaftet eine Demeter-zertifizierte Biokaffeefarm im peruanischen Amazonasgebiet. Neunzig Prozent seiner Ernte gehen nach Europa, der Rest verteilt sich auf Mikrolots nach Japan, Kanada und Grossbritannien. In dieser Folge erzählt er, was die EUDR für einen Betrieb wie seinen bedeutet: die Vermessung jedes einzelnen Parcels, die fehlende Systemkompetenz auf dem Land, die Kosten, die im Jahresbudget schlicht nicht vorgesehen waren.

        Er zieht den Vergleich zur Zertifizierungswelle der letzten Jahre und fragt, ob am Ende wieder nur mehr Papier für weniger Vertrauen entsteht.

        Aufgenommen am Rand der Creciendo-Juntos-Konferenz in Basel, wo Cesar mit vierzehn weiteren Produzent:innen zu Gast war.

        César auf Instagram: @chacraddago

        11 min
      • 20 Jahre Nachhaltigkeitsversprechen der Kaffeebranche und noch nirgends
        Coffee Barometer 2026. Mit Melanie Rutten-Sülz

        Der Coffee Barometer erscheint seit 2006, etwa alle zwei Jahre. Er ist einer der wenigen Branchenberichte, der nicht von Röstereien oder Händlern finanziert wird, und das merkt man. Die Autoren von Ethos Agriculture, initiiert von Solidaridad und Conservation International, sagen, was andere nur hinter verschlossenen Türen sagen.

        Die Ausgabe 2026 zieht Bilanz nach 20 Jahren. Das Ergebnis ist ziemlich unbequem: Die strukturellen Probleme der Kaffeewirtschaft sind dieselben wie 2006. Das grösste Risiko liegt nach wie vor bei denen, die Kaffee produzieren.

        Melanie Rutten-Sülz von Solidaridad ist Mitinitiatorin des Barometers. Mit ihr schaue ich auf die diesjährige Ausgabe und die letzten Jahre.

        Was beeindruckend ist:

        • Der Anteil zertifizierter Kaffees am Weltmarkt schrumpft zum ersten Mal.
        • gleichzeitig ersetzen viele Grossröster unabhängige Zertifizierungen durch firmeigene Programme, die kaum überprüfbar sind.
        • Zahlungsfristen von über 200 Tagen sind keine Ausnahme.
        • Und die hohen Preise der letzten zwei Jahre haben kaum etwas am Produzentenwohl geändert, weil Inputkosten, Arbeitskräftemangel und nicht eingepreiste Familienarbeit den Gewinn auffressen.
        • Coffee Barometer 2026 gratis herunterladen:

          coffeebarometer.org

          32 min
        • LAP Coffee wird beschmiert. Cotti Coffee nicht. Warum?
          STANDPUNKT

          Lab Coffee: 26 Filialen, Cappuccino für 2,50 Euro, Venture Capital im Rücken, Gründer mit Red-Bull-Vergangenheit. Die Specialty-Szene lief Sturm, Medien berichteten, Läden wurden beschmiert.

          Und dann, so etwas wie im Windschatten, kam Cotti Coffee aus China. Noch günstiger, noch grösser, 20'000 Filialen in 28 Ländern, aber die Reaktionen blieben aus. Kein Aufschrei, keine Farbbeutel, kaum Tagesmedien.

          In diesem STANDPUNKT bespreche ich, warum Protest ein Gesicht braucht, damit er verfängt. Das geht gut bei Gründer-getriebenen Firmen, aber nicht bei anonymen chinesischen Franchise-Konzernen, da läuft Protest ins Leere.

          Und dann ist da noch die Preisfrage. 1,50 Euro für einen Espresso: Ist es wirklich zu billig? In Italien finden wir es ok. Und wer sich an teureren Kaffee gewöhnt hat, liest in tiefen Preisen einen Angriff. Wer ohnehin günstig kauft oder kaufen muss, sieht bei LAP und Cotti kein Problem.

          Und noch etwas: Specialty Coffee und Kiez-Cafés sind meiner Meinung nach nicht die bedrohte Spezies in diesem Szenario. Der Vergleich hinkt. Verschiedene Konzepte treffen auf verschiedene Menschen. Wer ein soziales Café führt, einen Ort mit Haltung und Gemeinschaft, konkurriert nicht mit einem vollautomatisierten Kiosk. Aber die Starbuckses und McCafés dieser Welt haben neue Konkurrenz bekommen.

          16 min
        • 80 Folgen KM-Podcast. Und jetzt: ein neues Format

          Nach 80 Folgen dieses Podcasts machte ich eine kurze Pause zur Standortbestimmung.

          In den letzten Jahren habe ich die Produktions- und Branchenseite immer gut abgedeckt, aber weniger die Themen von Konsumenten. Als Kaffeemacher arbeiten wir auf der ganzen Kette und diese Einsicht möchte ich noch viel mehr einbrigen.

          Die Lust auf Podcasts ist so gross wie noch nie, aber ohne einen regelmässigen Zeitplan, mit dem ich mir selbst etwas positiven Druck mache, ohne Rubriken zur schnellen Übersicht, was ich als Zuhörer erwarten kann, wäre meine Motivation wohl geschwunden.

          Jetzt habe ich aber umgestellt und sehe, wo der Mehrwert in diesem Podcast liegt. Wir sind auf der ganzen Kaffeekette aktiv und haben so viele Einblicke dahin, wo Kaffee her kommt, aber auch da, wo er ausgeschenkt wird. Und deswegen gibt es neu drei Formate, mit denen ich unserer Themenvielfalt gerecht werden möchte:

          1 x mit Gast, die Hauptfolge, wie die allermeisten Folgen bisher

          1 x alleine, der Standpunkt, wo ich ein Thema bespreche, das mich bewegt, ein klassicher Kommentar
          1 x die Produzentenstimme zu einem Thema, das in der Hauptfolge besprochen wurde, oder zu einem Ereignis, das sie bewegt

          Und so starten wir also in neue 80 Folgen! Danke, dass ihr dabei seid.

          5 min

        About Kaffeemacher Podcast

        From the publisher's feed

        Der Podcast, der Kaffee ernst nimmt und deshalb nie nur bei Kaffee bleibt.

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