Der meistgebrauchte und am wenigsten definierte Begriff der Kaffeewelt
Fragt man zehn Röstereien, was Direct Trade bedeutet, kriegt man zehn Antworten. Es gibt keine Zertifizierungsstelle, kein gemeinsames Regelwerk, keine Instanz, die den Begriff schützt. Genau das macht ihn so nützlich für alle, die ihn füllen wollen, wie es ihnen passt.
Ich zeichne den Weg des Begriffs nach: von der Kaffeekrise 2001, als der Preis auf 41 Cent pro Pfund fiel, über Fairtrade als Absicherung nach unten, bis zu den ersten US-Röstereien wie Intelligentsia, Counter Culture und Stumptown, die Anfang der 2000er ihre eigenen Standards definierten. Und dann schaue ich, was aus dem Begriff geworden ist, jetzt, wo ihn nicht mehr eine Handvoll Pioniere, sondern Tausende Röstereien weltweit benutzen.
Lennart Clerx (This Side Up, Rotterdam):
Für ihn ist Direct Trade zuerst eine Frage der Macht. Wer trägt das Risiko, wer hält die Beziehung, wer profitiert vom Begriff, ohne die Arbeit dahinter geleistet zu haben. Er nennt das Directwashing.
Cesar Marín (Chacra de Dago, Peru):
Für ihn ist Direct Trade vor allem eine Frage der Präsenz. Nicht nur Kaffee verkaufen und auf Feedback warten, sondern selbst in Europa auftauchen und die eigene Realität erklären.
Pingo (Quijote Coffee, Hamburg):
Einer der frühen deutschen Direct-Trade-Röster. Er sieht das Problem weniger in fehlenden Regeln als in der schieren Zahl unterschiedlicher Interessen in der Branche, und in einer Generation neuer Röstereien, die vor lauter Anspruch gar nicht erst anfängt.
Warum der Begriff seit der Kaffeekrise 2001 existiert und was Fairtrade damit zu tun hatDie Rolle des Cupping Scores: neutral wirkend, aber voller subjektiver UrteileWarum ein Kaffee erst dann Direct Trade ist, wenn man die Beziehung selbst hält, und warum Weiterverkauf durch eine zweite Rösterei etwas anderes istDer Transparency Coffee Guide als Zwischenschritt, der tatsächlich etwas bewirkt hatWarum es nie eine gemeinsame Zertifizierung geben wird, und warum das für etablierte Röstereien kein Nachteil istLennarts nächster Schritt: ein Produzent in Kolumbien, der eine eigene Importfirma in den Niederlanden aufbaut, während This Side Up sich aus der Mittlerrolle zurückziehtWarum wir bei Kaffeemacher den Begriff nicht benutzen
Auch wenn vieles von dem, was wir tun, sich locker unter gängige Direct-Trade-Definitionen fassen liesse: Wir kaufen unseren direkt gehandelten Kaffee grösstenteils über Importeure wie This Side Up, algrano oder Quijote ein, die selbst die Beziehung zu den Produzenten halten. Wir sind da Trittbrettfahrer, und das sagen wir auch so.