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Kaffeekirschen müssen geerntet werden. Nur fehlt es vielen Farmen an Arbeitskräften, und das immer mehr.
Mark Bolliger von der Finca Rosenheim in Villa Rica, Peru, spricht darüber im O-Ton Format.
"Kompetitive Löhne sind zwingend für Erntehelfer" sagt Mark. Denn einerseits wächst der Kaffeebedarf, andererseits schrumpt die Zahl der Menschen, die in der Kaffeeproduktion arbeiten. Höhere Löhne sind dann ein Weg, Arbeitskräfte anzuwerben. Nur: der Kaffeepreis zeigt ja nicht die Produktionskosten, sondern nur das globale Angebot und die globale Nachfrage.
Am Ende des Tages geht es um den realen Preis vs. den Kaffeepreis an der Börse, der nichts mit den Realitäten im Feld zu tun hat. Und Mark nimmt uns hier mit ins Feld und spricht darüber, was das für einen Produzenten in Peru wie ihn bedeutet.
Im Gespräch mit dem Zertifizierer Tobias Fischer, Kiwa BCS Öko-Garantie und dem Kaffeehändler Lukas Harbig von Cumpa.
Die neue Bio-Verordnung ist eine krasse Herausforderung für kleine Kaffeeproduzenten.
Der Gesetzestext liegt seit 2018 auf dem Tisch. Ich habe am Rand
Zum Nachlesen
EU-Öko-Verordnung 2018/848 im Überblick
Drei Zahlen
Ich habe einige Podcastfolgen zu verwandten Themen aufgenommen, oder dazu Blogs geschrieben:
Podcast-Folge zu Direct Trade: https://kaffeemacher.podigee.io/86-direct-trade
**Über dieses Format
Worum es geht
Iliana Delgado führte zusammen mit ihrem Vater Dario Farmen in der Sierra Nevada de Santa Marta im Nordosten Kolumbiens, nahe der Karibikküste. Eine Region, die kaum jemand mit Kaffee verbindet. Sie erzählt die Geschichte vom Kauf einer verlassenen 19-Hektar-Plantage 1998 bis zum Entscheid, für die Finca Puerto Rico sämtliche Zertifikate zu kündigen.
Ihre Kritik richtet sich nicht gegen Bio oder gegen Standards an sich. Die ersten zwanzig Jahre, sagt sie, haben sich gelohnt: bessere Preise, besseres Verständnis für Arbeitssicherheit, klarere Abläufe mit mehreren hundert saisonalen Pflückerinnen und Pflückern. Ihre Kritik richtet sich dagegen, dass Anforderungen bestehen bleiben, während die Prämie verschwindet. Und dagegen, dass eine bezahlte dritte Partei bestätigen muss, was in einer fünfzehnjährigen Handelsbeziehung längst geklärt sein sollte.
Der Satz, der uns alle zu denken geben sollte:
„Niemand glaubt mir, solange nicht jemand anderes bestätigt, dass ich tue, was ich tue. Gleichzeitig wird vorausgesetzt, dass ich es ohnehin tue."
Genau diese Konstellation, bezahlte Verifikation für selbstverständliche Erwartungen, hält sie für den Kern des Problems.
Den Kaffee dazu trinken
Ilianas Kaffee von der Finca Puerto Rico ist bei uns aktuell im Amigo, unserem Filterkaffee für jeden Tag.
Amigo, Filterkaffee (Schweiz): https://kaffeemacher.ch/products/amigo-filterkaffee
Wir verkaufen immer mehr entkoffeinierten Kaffee, wir wissen, wie Koffein aus der Bohne gelangt, welche Rolle das Koffein als natürlichen Pflanzenschutz hat, aber wie genau Koffein selbst eigentlich funktioniert? Darüber wusste ich einfach noch viel zu wenig. Also habe ich mit jemandem gesprochen, die das seit fast zwanzig Jahren beruflich untersucht.
Carolin Reichert ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie forscht am Zentrum für Chronobiologie der Universität Basel zu Schlaf und der inneren Uhr, ihre Doktorarbeit hat sie zum Adenosin-System geschrieben, jenem System, das Koffein blockiert.
Ein paar Dinge aus dem Gespräch, die bei mir hängen geblieben sind:
Koffeinabhängigkeit lässt sich klinisch nicht diagnostizieren, die WHO hat das so festgehalten. Trotzdem gibt es einen echten Entzug, mit Kopfschmerzen und schlechter Stimmung. Das Gehirn passt sich an den täglichen Konsum an. Jede Nacht baut sich ab, was am Tag wieder aufgebaut wird. Ob dieser Zyklus über Jahre irgendeinen Effekt hat, weiss laut Reichert schlicht niemand.
Auch der beliebte Ratschlag, nach dem Aufwachen erst den Cortisol-Peak abklingen zu lassen, bevor man Kaffee trinkt: dafür findet sie in der Forschung keine Evidenz.
Über das Dopaminsystem sagt sie, dass wir wissen, dass Koffein dort wirkt, aber es genau es macht, ob es zur Abhängigkeit von anderen Substanzen beiträgt, wissen wir nicht. Ebenso dünn ist die Faktenlage beim Koffeinkonsum bei Kindern und Jugendlichen, z.B. durch Energydrinks.
Die European Food Safety Authority hat laut Reichert zu wenig Daten, um überhaupt eine Richtlinie für Energydrinks abzugeben.
Kaffee ist ein Kulturgut, sagt Reichert. Genau das führt dazu, dass wir eine psychoaktive Substanz trinken, ohne sie als solche wahrzunehmen.
Worum es geht
Fragt man zehn Röstereien, was Direct Trade bedeutet, kriegt man zehn Antworten. Es gibt keine Zertifizierungsstelle, kein gemeinsames Regelwerk, keine Instanz, die den Begriff schützt. Genau das macht ihn so nützlich für alle, die ihn füllen wollen, wie es ihnen passt.
Ich zeichne den Weg des Begriffs nach: von der Kaffeekrise 2001, als der Preis auf 41 Cent pro Pfund fiel, über Fairtrade als Absicherung nach unten, bis zu den ersten US-Röstereien wie Intelligentsia, Counter Culture und Stumptown, die Anfang der 2000er ihre eigenen Standards definierten. Und dann schaue ich, was aus dem Begriff geworden ist, jetzt, wo ihn nicht mehr eine Handvoll Pioniere, sondern Tausende Röstereien weltweit benutzen.
Gäste
Lennart Clerx (This Side Up, Rotterdam):
Cesar Marín (Chacra de Dago, Peru):
Pingo (Quijote Coffee, Hamburg):
Themen in der Folge
Warum wir bei Kaffeemacher den Begriff nicht benutzen
César Marin bewirtschaftet eine Demeter-zertifizierte Biokaffeefarm im peruanischen Amazonasgebiet. Neunzig Prozent seiner Ernte gehen nach Europa, der Rest verteilt sich auf Mikrolots nach Japan, Kanada und Grossbritannien. In dieser Folge erzählt er, was die EUDR für einen Betrieb wie seinen bedeutet: die Vermessung jedes einzelnen Parcels, die fehlende Systemkompetenz auf dem Land, die Kosten, die im Jahresbudget schlicht nicht vorgesehen waren.
Er zieht den Vergleich zur Zertifizierungswelle der letzten Jahre und fragt, ob am Ende wieder nur mehr Papier für weniger Vertrauen entsteht.
Aufgenommen am Rand der Creciendo-Juntos-Konferenz in Basel, wo Cesar mit vierzehn weiteren Produzent:innen zu Gast war.
César auf Instagram: @chacraddago
Der Coffee Barometer erscheint seit 2006, etwa alle zwei Jahre. Er ist einer der wenigen Branchenberichte, der nicht von Röstereien oder Händlern finanziert wird, und das merkt man. Die Autoren von Ethos Agriculture, initiiert von Solidaridad und Conservation International, sagen, was andere nur hinter verschlossenen Türen sagen.
Die Ausgabe 2026 zieht Bilanz nach 20 Jahren. Das Ergebnis ist ziemlich unbequem: Die strukturellen Probleme der Kaffeewirtschaft sind dieselben wie 2006. Das grösste Risiko liegt nach wie vor bei denen, die Kaffee produzieren.
Melanie Rutten-Sülz von Solidaridad ist Mitinitiatorin des Barometers. Mit ihr schaue ich auf die diesjährige Ausgabe und die letzten Jahre.
Was beeindruckend ist:
Coffee Barometer 2026 gratis herunterladen:
coffeebarometer.org
Lab Coffee: 26 Filialen, Cappuccino für 2,50 Euro, Venture Capital im Rücken, Gründer mit Red-Bull-Vergangenheit. Die Specialty-Szene lief Sturm, Medien berichteten, Läden wurden beschmiert.
Und dann, so etwas wie im Windschatten, kam Cotti Coffee aus China. Noch günstiger, noch grösser, 20'000 Filialen in 28 Ländern, aber die Reaktionen blieben aus. Kein Aufschrei, keine Farbbeutel, kaum Tagesmedien.
In diesem STANDPUNKT bespreche ich, warum Protest ein Gesicht braucht, damit er verfängt. Das geht gut bei Gründer-getriebenen Firmen, aber nicht bei anonymen chinesischen Franchise-Konzernen, da läuft Protest ins Leere.
Und dann ist da noch die Preisfrage. 1,50 Euro für einen Espresso: Ist es wirklich zu billig? In Italien finden wir es ok. Und wer sich an teureren Kaffee gewöhnt hat, liest in tiefen Preisen einen Angriff. Wer ohnehin günstig kauft oder kaufen muss, sieht bei LAP und Cotti kein Problem.
Und noch etwas: Specialty Coffee und Kiez-Cafés sind meiner Meinung nach nicht die bedrohte Spezies in diesem Szenario. Der Vergleich hinkt. Verschiedene Konzepte treffen auf verschiedene Menschen. Wer ein soziales Café führt, einen Ort mit Haltung und Gemeinschaft, konkurriert nicht mit einem vollautomatisierten Kiosk. Aber die Starbuckses und McCafés dieser Welt haben neue Konkurrenz bekommen.
Nach 80 Folgen dieses Podcasts machte ich eine kurze Pause zur Standortbestimmung.
In den letzten Jahren habe ich die Produktions- und Branchenseite immer gut abgedeckt, aber weniger die Themen von Konsumenten. Als Kaffeemacher arbeiten wir auf der ganzen Kette und diese Einsicht möchte ich noch viel mehr einbrigen.
Die Lust auf Podcasts ist so gross wie noch nie, aber ohne einen regelmässigen Zeitplan, mit dem ich mir selbst etwas positiven Druck mache, ohne Rubriken zur schnellen Übersicht, was ich als Zuhörer erwarten kann, wäre meine Motivation wohl geschwunden.
Jetzt habe ich aber umgestellt und sehe, wo der Mehrwert in diesem Podcast liegt. Wir sind auf der ganzen Kaffeekette aktiv und haben so viele Einblicke dahin, wo Kaffee her kommt, aber auch da, wo er ausgeschenkt wird. Und deswegen gibt es neu drei Formate, mit denen ich unserer Themenvielfalt gerecht werden möchte:
1 x mit Gast, die Hauptfolge, wie die allermeisten Folgen bisher
Und so starten wir also in neue 80 Folgen! Danke, dass ihr dabei seid.
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