
Sign up to save your podcasts
Or


Die moderne Leistungsgesellschaft verspricht Freiheit, Selbstverwirklichung und unbegrenzte Möglichkeiten. Doch immer mehr Menschen reagieren auf den wachsenden Druck nicht mit Begeisterung, sondern mit Erschöpfung, Rückzug und Verweigerung. Der Philosoph Byung-Chul Han beschreibt diese Entwicklung als „Müdigkeitsgesellschaft“. In China hat sie mit Tang Ping und bai lan sogar eigene kulturelle Ausdrucksformen hervorgebracht. Der Beitrag zeigt, warum Phänomene wie Teilzeitarbeit, Work-Life-Balance, gesellschaftlicher Rückzug, Wokeness und rechter Populismus trotz aller Unterschiede auf eine gemeinsame Erfahrung verweisen: das Gefühl permanenter Beschleunigung und den Wunsch, sich den Anforderungen einer immer komplexeren Welt zumindest zeitweise zu entziehen. Dabei stellt sich die Frage, warum aus dieser wachsenden Erschöpfung bislang vor allem der Populismus politische Kraft gewinnen konnte.
Sollen historische Erinnerungsorte für aktuelle politische Botschaften genutzt werden? Genau diese Frage wirft die umstrittene Rede des amerikanischen Kriegsministers Pete Hegseth bei den diesjährigen D-Day-Gedenkfeiern in der Normandie auf. Indem Hegseth die Landung der Alliierten 1944 mit heutigen Debatten über Migration verknüpfte, löste er eine heftige Kontroverse aus. Der Beitrag geht der Frage nach, wo die Grenze zwischen historischem Lernen und historischer Instrumentalisierung verläuft. Er untersucht, welche Bedeutung der D-Day für das historische Selbstverständnis des Westens besitzt, warum Erinnerungsorte besonderen Respekt verlangen und weshalb Geschichte zunehmend zum Schauplatz gegenwärtiger Kulturkämpfe wird.
Ist Donald Trump ein Populist, ein Faschist oder Vertreter einer völlig neuen politischen Entwicklung? Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus ringen Historikerinnen, Politikwissenschaftlerinnen und Verfassungsrechtler*innen um eine angemessene Beschreibung der politischen Ordnung in den USA. Während einige von „performativem Faschismus“ sprechen, argumentiert dieser Beitrag für einen anderen Begriff: autoritärer Libertarianismus. Ausgehend von den Überlegungen des Rechtswissenschaftlers Mattias Kumm, den Analysen Hermann Hellers zur Krise der Weimarer Demokratie und der libertären Staatsphilosophie Robert Nozicks untersucht die Folge, welche politischen Ideen tatsächlich hinter Trumps zweiter Präsidentschaft stehen. Geht es um die Wiederkehr des Faschismus – oder um eine neue Verbindung von marktradikaler Freiheit und politischem Autoritarismus?
Der Aufstieg Donald Trumps wirft eine Frage auf, die weit über die Person selbst hinausgeht: Warum verlieren Fakten, Widersprüche und öffentliche Kritik manchmal ihre politische Wirkung? Ausgehend von Max Webers Theorie der charismatischen Herrschaft untersucht dieser Beitrag, wie Trump eine Form politischer Glaubwürdigkeit entwickelte, die sich zunehmend von rationaler Überprüfung löste. Er zeigt, warum charismatische Führungsfiguren andere Regeln der politischen Kommunikation nutzen als klassische Politiker – und weshalb liberale Demokratien allein durch Verfassungen und Institutionen nicht vor der Macht persönlicher Faszination geschützt sind. Die Analyse führt zu einer grundlegenden Frage unserer Zeit: Was geschieht mit einer Demokratie, wenn Charisma wichtiger wird als Argumente und politische Loyalität stärker wirkt als rationale Kritik?
Peter Sloterdijk stellt eine unbequeme Frage: Warum konzentriert sich politische Macht immer wieder in den Händen weniger? Ausgehend von Machiavelli entwickelt er eine überraschende Diagnose über Staat, Demokratie, Repräsentation und die Logik der Herrschaft. Sein Fazit provoziert: Der moderne Staat könnte selbst eine frühe Form künstlicher Intelligenz sein. Eine philosophische Analyse über Macht, Politik und die Zukunft demokratischer Gesellschaften.
Wer soll über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz entscheiden – Tech-Konzerne, Investoren und Milliardäre oder demokratisch gewählte Institutionen? Mit einem überraschenden Gesetzesvorschlag stellt Bernie Sanders genau diese Frage. Für ihn geht es bei KI nicht zuerst um Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit oder Aktienkurse, sondern um Macht, Eigentum und demokratische Kontrolle. Wem gehört das Wissen, auf dem Künstliche Intelligenz aufgebaut wurde? Wer profitiert von den Billionen, die durch KI entstehen könnten? Und warum sollte die Gesellschaft an diesem Reichtum beteiligt werden? Der Beitrag analysiert Sanders' Vorstoß für einen amerikanischen KI-Staatsfonds und zeigt, warum sich dahinter eine weit größere Frage verbirgt: Hat in modernen Demokratien noch die Politik das Primat – oder bestimmt längst die Logik der Wirtschaft über unsere Zukunft?
Ist der moderne Staat wirklich säkular – oder lebt er von Voraussetzungen, die er selbst nicht mehr versteht? Am Beispiel politischer Entwicklungen wie in den USA unter Donald Trump zeigt der Beitrag, wie Politik zunehmend Züge eines Glaubenssystems annimmt. Mit den Analysen von Leo Strauss und Carl Schmitt wird deutlich: Das theologisch-politische Problem ist nicht überwunden, sondern kehrt in neuer Form zurück – als Kampf um Wahrheit, Entscheidung und politische Ordnung jenseits rationaler Neutralität.
Deutschland ist bei der Wahl zum UN-Sicherheitsrat überraschend deutlich gescheitert. Außenminister Johann Wadephul macht vor allem russische Einflussnahme verantwortlich. Doch erklärt das wirklich eine Niederlage, bei der Deutschland bereits im ersten Wahlgang ausschied? Der Beitrag geht einer anderen Frage nach: Hat Deutschlands Umgang mit dem Völkerrecht selbst zu diesem Ergebnis beigetragen? Während Berlin seit 2022 konsequent die Verurteilung Russlands fordert, werfen viele Staaten des Globalen Südens Deutschland doppelte Maßstäbe gegenüber den USA und Israel vor. Die Niederlage in New York könnte deshalb weniger eine diplomatische Panne als vielmehr ein Signal für einen tiefgreifenden Vertrauensverlust in die Glaubwürdigkeit deutscher Außenpolitik sein.
Wie konnte aus einer gesellschaftlichen Offenheit gegenüber Diversität ein zunehmend polarisierender Kulturkampf werden? Der Beitrag analysiert die Entwicklung westlicher Gesellschaften seit den 1990er Jahren und zeigt, warum Fragen von Identität, Geschlecht und Diversität heute weit über Gleichberechtigung hinausgehen. Im Mittelpunkt stehen die kulturellen Konflikte seit der ersten Wahl Donald Trumps, die Moralisierung progressiver Politik, die Schwächung eines rationalen Konservatismus und der Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen. Zugleich stellt der Kommentar die Frage, warum offene demokratische Gesellschaften immer stärker Schwierigkeiten haben, über kulturelle Unterschiede überhaupt noch rational zu diskutieren.
Die Wahlerfolge von Reform UK in England, die steigenden Umfragewerte der AfD in Deutschland und die wachsende Popularität von Jordan Bardella in Frankreich markieren möglicherweise weit mehr als nur eine kurzfristige Protestbewegung. Der europäische Populismus scheint in eine neue Phase einzutreten: Er verändert zunehmend das Machtgefüge der großen europäischen Staaten selbst. Der Hintergrund analysiert, warum wirtschaftliche Unsicherheit, gesellschaftlicher Kontrollverlust und die Krise der politischen Mitte den Aufstieg populistischer Bewegungen begünstigen — und weshalb die etablierten Parteien bislang kaum überzeugende Antworten auf diese Entwicklung finden.
From the publisher's feed