Die Hoffnung auf eine universale Vernunft, die Kulturen verbindet und Konflikte durch Dialog überwindet, prägte die Zeit nach dem Kalten Krieg, sichtbar etwa in der Kairo-Rede von Barack Obama. Heute jedoch kehrt mit dem Ukrainekrieg und der Politik von Donald Trump eine Logik zurück, in der nationale Interessen überhöht und politisch nahezu sakralisiert werden – Vernunft wird durch Identität und Macht ersetzt. Der Beitrag zeigt, warum dies eine Krise der Vernunft ist und stellt mit Karl Jaspers eine Alternative vor: eine Vernunft, die im Dialog entsteht, offen bleibt und sich nicht absolut setzt – im Sinne von Immanuel Kant als Aufforderung, den eigenen Verstand zu gebrauchen.