Michael Sandel erinnert daran, dass politische Philosophie nicht im Abseits abstrakter Begriffe stattfindet, sondern mitten im öffentlichen Leben. Im Gespräch mit Daron Acemoglu entfaltet er ein Verständnis von Philosophie, das auf demokratische Selbstverständigung zielt: auf die gemeinsamen Fragen nach Gerechtigkeit, Gemeinwohl, Würde der Arbeit, Anerkennung und den Grenzen von Markt und Technik. Der Beitrag zeigt, wie Sandel die Krise der Demokratie mit der Entleerung des öffentlichen Diskurses, der Tyrannei der Meritokratie und dem Verlust gemeinsamer Räume verbindet – und warum er dafür plädiert, moralische und politische Urteile nicht länger an Märkte, Eliten oder Technologiekonzerne auszulagern.