Der Beitrag zeichnet nach, wie Gottfried Benn das Jahr 1933 als geschichtliche Zäsur deutet und den Zusammenbruch der parlamentarischen Ordnung nicht als Verlust, sondern als notwendige Verdichtung der Geschichte begreift. Aus ästhetischem Nihilismus, biographischer Kränkung und einer metaphysischen Geschichtsauffassung heraus entwickelt Benn eine Zustimmung zur „neuen Zeit“, die Politik nicht mehr als Verantwortung, sondern als Schicksal versteht. Der Text zeigt, wie sich künstlerische Radikalität, Antiliberalismus und der Wunsch nach Sinn in eine folgenreiche politische Fehlinterpretation verwandeln – und warum Benns Haltung bis heute als Warnbild intellektueller Verführung wirkt.