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Finnlands Präsident Alexander Stubb hat bei der 80.Generalversammlung der Vereinten Nationen eine der eindringlichsten Reden dieses Treffens gehalten. Er forderte ein Ende der Kriege in Ukraine und Gaza, mahnte, dass ohne Werte Außenpolitik in bloße Machtarithmetik abgleite, undverlangte tiefgreifende Reformen der Vereinten Nationen. Stubb zeigte: Nur wenn die Staatengemeinschaft Prinzipien wie Gewaltverbot, Menschenrechte und territoriale Integrität ernst nimmt, kann eine gerechte multipolare Weltordnungentstehen.
Liberal-demokratische Gesellschaften stehen unter Druck – von außen durch autoritäre Mächte, von innen durch Polarisierung und Vertrauensverlust. Leo Strauss erinnerte schon 1941 daran, dass Demokratien nicht allein durch Verfahren und Rechte bestehen, sondern Tugenden brauchen: Mut, Loyalität, Opferbereitschaft. Seine provokanteForderung: Nur wer die Faszination geschlossener Gesellschaften versteht, kann die offene Gesellschaft wirklich verteidigen. Heute wirkt diese Mahnung aktueller denn je.
Yuval Noah Harari warnt in einem aktuellen Vortrag vor einem fundamentalen Bruch: Künstliche Intelligenz sei keine harmlose „Maschine“, sondern eine fremde Intelligenz, die unser Denken und unsere Institutionen herausfordert. WährendInformationsnetze bisher dem Rhythmus menschlicher Grenzen folgten, entsteht nun ein System, das niemals schläft – und uns in Dauerüberwachung und Dauerstress zwingt. Entscheidungen wandern schleichend von Menschen zuAlgorithmen, während Wahrheit in der Flut digitaler Fiktionen unterzugehen droht. Harari fordert deshalb neue, selbstkorrigierende Institutionen, die Demokratie und Öffentlichkeit schützen – bevor wir die Regeln unserer eigenenWelt nicht mehr verstehen.
Mit der Rückbenennung des Department of Defense zum War Department will die Trump-Administration einen Bruch vollziehen: Schluss mit „endlosen Verteidigungskriegen“, zurück zum „warrior ethos“ und zum Anspruch totaler Siege. Pete Hegseths Rede macht deutlich: Die USA sehen dieÄra von 1945 bis 2024 als Irrweg, in dem Amerika für die Welt zahlte, ohne selbst zu profitieren. Unter Trump beginnt eine neue Epoche der Machtpolitik – nicht Partnerschaft, sondern Dominanz. Für Europa bedeutet das: Der transatlantischeSchutzschirm ist Geschichte, die Illusion einer Wertegemeinschaft brandgefährlich.
Oft wird die Amerikanische und die Französische Revolution in einem Atemzug genannt, als Beginn der westlichen Moderne. Doch dieser Vergleich greift zu kurz. Charles Taylor hat gezeigt, dass die USA auf einem völlig anderen historischen Fundament stehen: nicht im Bruch mit Kirche und Tradition, sondern im Zusammenspiel von Freiheit, Religion und Selbstorganisation. Dieses andere Selbstverständnis prägt die amerikanischePolitik bis heute . Wer Europas Verhältnis zu den USA verstehen will, muss diese Unterschiede ernst nehmen.
Demokratien sterben nicht über Nacht. Sie sterben in kleinen Schritten – durch Zugeständnisse, durch Schweigen, durch das Kalkül, Autokraten einhegen zu können. Daniel Ziblatt, einer der führenden Politikwissenschaftler unserer Zeit, zeigt in einem aktuellen Beitrag in Foreign Affairs, wie die Geschichte der Weimarer Republik genau dieses Muster offenlegt – und warum es uns auch heute warnen sollte. Seine zentrale Frage lautet: Was geschieht, wenn nicht die Gegner der Demokratie sie zu Fall bringen, sondern jene, die sie eigentlich verteidigen sollten?
1978 markierte den Wendepunkt: Deng Xiaoping stellte China vom ideologischen Kampf auf ökonomischen Pragmatismus um – und legte damit das Fundament für den beispiellosen Aufstieg des Landes. Bauern durften wieder selbst entscheiden, Städte wie Shenzhen wurden zu Laboren der Moderne. Heute aber steht China in einer völlig neuen Weltlage: Die USA sehen es als zentralen Rivalen, Europa folgt teilweise diesem Kurs, und gleichzeitig baut Peking Allianzen im Globalen Süden aus. Was bleibt, ist Dengs Erbe einer marktorientierten Politik – doch das Gebäude, das darauf steht, ist längst durch die geopolitischen Verschiebungen unserer Zeit geprägt.
Wenn wir in Deutschland auf die USA blicken, konzentrieren wir uns meist auf Trumps außen- und innenpolitische Entscheidungen. Doch das eigentliche Drama spielt sich im Inneren ab: ein Kulturkampf, der die amerikanische Gesellschaft tief spaltet und 2024 Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ermöglichte. Christopher F. Rufo beschreibt in seinem Buch America’s Cultural Revolution, wie linke Ideen seit den 1960er Jahren in Institutionen, Universitäten und Unternehmen eingedrungen seien – und wie daraus eine stille Revolutionentstanden ist. Für Deutschland lohnt der Blick auf dieses Buch, denn auch hierzulande laufen SPD und Grüne Gefahr, ähnliche gesellschaftliche Umbrüche zu übersehen – mit womöglich ähnlichen politischen Konsequenzen.
Immer mehr Afro-Amerikaner, Latino- und asiatisch-amerikanische Wähler stimmen für Donald Trump – ein Trend, den Yale-Professor Daniel HoSang nicht als Zufall sieht. In einem Gespräch mit NPR analysiert er, wie jahrelange strategische Arbeit der Republikaner, ungelösteAlltagsprobleme in Städten und eine fragmentierte Identitätswahrnehmung die US-Politik neu formen – und warum dieser Wandel für die Demokraten eine existenzielle Herausforderung ist.
Was bleibt von Bildung in einer Zeit, in der Seelen sich schließen und Bildschirme das Denken formen? Der Philosoph Peter Sloterdijk spricht über die innere Verkrümmung des modernen Menschen, die Macht digitaler Interfaces – unddarüber, warum Erziehung heute vor allem eines sein muss: eine Einladung zur seelischen Bewohnbarkeit. Ein Gespräch über Bildung, Technik, Anthropologie – und die Frage, wie wir mit Künstlicher Intelligenz Menschen bleiben.
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