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Populismus und Faschismus werden oft gleichgesetzt – doch sie entspringen unterschiedlichen politischen Logiken.Während Faschismus auf Unterwerfung, Gewalt und die Abschaffung der Demokratie zielt, ist Populismus Ausdruck einer demokratischen Krise: dem Verlust von Vertrauen, Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit. Der Kommentar zeigt, warum es entscheidend ist, Populismus als eigenständige politische Form des 21. Jahrhunderts zu verstehen – und nicht als Vorstufe des Faschismus.
In einer Zeit, in der Freiheit wieder umkämpft ist, lohnt sich der Blick auf Karl Popper. Der Begründer des kritischenRationalismus verstand Freiheit als ständige Aufgabe – als Bereitschaft zur Selbstkorrektur. Doch was bedeutet das für Gesellschaften, die sich selbst als liberal begreifen und dennoch den Aufstieg des Populismus erleben?
Fareed Zakaria analysiert in seiner jüngsten GPS-Sendung auf CNN die neue globale Machtbalance zwischen China und den Vereinigten Staaten. Während Donald Trump Amerika in eine Phase selbstzerstörerischer Abschottung führt, präsentiert sich China als planende, integrierende Ordnungsmacht –technologisch, ökonomisch und diplomatisch. Zakaria sieht darin kein chinesisches Wunder, sondern ein amerikanisches Versäumnis: Der Westen verliert den Fortschritt, den er einst verkörperte. Seine Warnung ist deutlich – wenn die USA nicht wieder ernsthaft an Zukunft glauben, wird sie anderswo gemacht werden.
Frankreich steckt in einer tiefen politischen Krise: Drei Premierminister in weniger als einem Jahr, ein geschwächter Präsident und eine blockierte Nationalversammlung. Während die politische Mitte zerfällt, gewinnen Marine Le Pen und Jordan Bardella vom Rassemblement National weiter an Einfluss. Die Parallelen zur späten Weimarer Republiksind unübersehbar – und sie reichen weit über Frankreich hinaus. Auch in Tschechien, Großbritannien und Deutschland wächst die Unzufriedenheit mit der Demokratie. Frankreich wird damit zum Prüfstein Europas: Gelingt die Erneuerungder demokratischen Idee – oder versinkt der Kontinent im Lärm nationalistischer Interessen?
Die Parlamentswahl in Tschechien markiert eine neue Wegscheide für Mitteleuropa. Der populistische Ex-Premier Andrej Babiš ist zurück – mit seiner Bewegung ANO, die rund 35 Prozent der Stimmen gewann und erneut zur stärksten Kraft wurde. Doch der Sieg ist unvollständig: Eine stabile Mehrheit bleibt außer Reichweite, und das Land steht vor schwierigenKoalitionsverhandlungen. Während Präsident Petr Pavel auf Kontinuität und europäische Verlässlichkeit setzt, drängt Babiš auf einen stärker nationalen Kurs – flankiert von Viktor Orbán und Robert Fico, die ihn als Partner einer neuen Achse gegen Brüssel sehen. Die Wahl ist damit mehr als ein tschechischesEreignis: Sie zeigt, wie sich in Europa das Spannungsfeld zwischen Integration und Souveränität, Liberalismus und Populismus weiter zuspitzt.
Ein liberaler Verfassungsstaat lebt von der Überzeugung, dass das Recht sich selbst schützt. Doch was passiert, wenn der Präsident das Recht in eine Waffe gegen die Verfassung verwandelt—gestützt auf Dekrete, Gefolgschaft und Gerichtsvertröstungen? In den USA wird diese Frage zur Realität: Aus realer Gewaltenteilung wird eine auf den Präsidenten zugeschnittene Gewaltenteilung. DieserKommentar zeigt, warum Rechtspositivismus ohne politische Tugend hohl bleibt—und weshalb Demokratien zugrunde gehen, wenn Institutionen schweigen und Bürger*innen sich in falscher Sicherheit wiegen.
Schulden höher als Verteidigungsausgaben, ein überaltertespolitisches System, wachsender Zynismus in der Bevölkerung – der Historiker Niall Ferguson sieht die USA am Beginn ihres Niedergangs. In seinem Vortrag zieht er Parallelen zur Sowjetunion der 1980er Jahre und warnt: Wenn eineGesellschaft ihr Vertrauen verliert, zerbricht sie von innen. Sind wir also Zeugen des Niedergangs der amerikanischen Weltmacht?
Mit der Rückkehr zum „Department of War“ hat Donald Trump am 5. September 2025 die alte Sprachhülle von „Verteidigung“zerbrochen – und Pete Hegseth nutzt diese Zäsur, um das US-Militär ideologisch umzubauen. Diversität und Kontrolle sollen verschwinden, Loyalität zur politischen Führung rückt in den Mittelpunkt. Für Europa bedeutet das: Der wichtigste Verbündete wird unberechenbar. Es ist höchste Zeit, diegeostrategische Ausrichtung zu überdenken – und den Blick stärker auf China und eine multipolare Welt zu richten.
Ronnie Chan kritisierte in der Konrad-Adenauer-Stiftung die deutsche Fixierung auf „gemeinsame Werte“. Solche Rhetorik spalte, statt zu verbinden. Er plädierte für Faktenorientierung,nüchterne Interessenpolitik und eine Mittlerrolle Europas zwischen den USA und China.
Wer entscheidet eigentlich, was in der Politik richtig oder falsch ist? Michael Sandel, Professor für politische Philosophie in Harvard, macht klar: Weder Märkte noch Gerichte noch dervermeintliche „Fortschritt der Geschichte“ nehmen uns diese Entscheidung ab. Demokratie lebt davon, dass Bürgerinnen und Bürger Wertfragen selbst verhandeln – über Gerechtigkeit, Arbeit, Zugehörigkeit und das Gemeinwohl. Neutralität, so Sandel, ist oft nur eine Ausrede, um versteckte Urteile nicht offenlegen zu müssen. Seine Botschaft: Streitkultur muss gelernt und gelebt werden – den jenseits der Neutralität beginnt die Politik.
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