In diesem Hintergrund geht es um die strategische Nutzung des National Emergency Act (NEA) durch Donald Trump, der seit seiner Rückkehr ins Amt im Januar 2025 mehrfach nationale Notstände erklärt hat, um außenpolitische Strafzölle durchzusetzen – insbesondere gegen Mexiko, Kanada und China. Dabei beruft er sich auf innenpolitische Bedrohungen wie Migration und Drogenhandel, um außenpolitische Maßnahmen zu legitimieren, die eigentlich in die Zuständigkeit des Kongresses fallen.
Der 1976 eingeführte NEA sollte ursprünglich die unkontrollierte Praxis beenden, dass Präsidenten auf unbestimmte Zeit Ausnahmezustände ausrufen können. Doch das Gesetz erweist sich heute als strukturell anfällig: Es setzt voraus, dass der Präsident den Ausnahmezustand nicht missbraucht. Trumps Vorgehen zeigt, wie ein Präsident mit autoritären Neigungen den Notstand nutzen kann, um parlamentarische Kontrolle zu umgehen und eigene politische Ziele durchzusetzen – ganz legal, aber gefährlich.
Die Parallele zur Endphase der Weimarer Republik ist auffällig: Auch dort wurde ein formal legaler Ausnahmezustand – gestützt auf Artikel 48 – genutzt, um demokratische Institutionen auszuhöhlen. In beiden Fällen gilt: Es ist nicht das Recht allein, das die Demokratie schützt, sondern die politische Kultur und die Integrität ihrer Träger. Fehlen diese, wird der Ausnahmezustand zum Einfallstor für Machtmissbrauch.