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Was ist kulturelle Bildung und warum ist sie wichtig? Was gehört zu kultureller Bildung? Darüber spricht Marion Kuchenny mit der Direktorin der Bundesakademie für kulturelle Bildung, Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, und Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.
Kulturelle Bildung ermögliche die Teilhabe an bestimmten Praktiken und Inhalten, so Hilgert. Barrieren zum Museums- oder Theaterbesuch seien nicht immer primär finanzieller Natur, sondern auch sehr stark sozial geprägt. Kulturelle Bildung könne genau diese Barrieren abbauen und so die Teilhabe, aber auch die eigene künstlerische Produktion ermöglichen. Es gehe aber auch darum, sich in den Diskursen beispielsweise zu Architektur oder Literatur bewegen zu können: Dass man sie wertschätzen kann und ein Gespür und ein Geschmack dafür entwickelt. Markus Hilgert plädiert für eine stärkere Orientierung auf die Wirkungsforschung. Es fehle nach wie vor an belastbaren Kriterien, mit denen die Wirkung kultureller Bildungsmaßnahmen langfristig dokumentiert werden könne. Von derartigen Wirkungsindikatoren hänge unter anderem die politische Bereitschaft, kulturelle Bildung zu finanzieren, wesentlich ab. Deshalb müsse man sich verstärkt über Methoden der kulturellen Bildung verständigen und danach fragen, unter welchen Bedingungen diese Wirksamkeit zeigen.
Der kulturelle Kanon, der in deutschen Kultureinrichtungen angeboten werde, müsse noch vielfältiger werden, bei den Themen Diversität und Migration gebe es immer noch Nachholbedarf, sagt Reinwand-Weiss. Auch Vermittlerinnen und Vermittler in den Künsten müssten mehr Sensibilität für Fragen der Vielfalt entwickeln. Die Künste seien ein gutes Mittel, um Reflexions- und Empathiefähigkeit zu stärken, die benötigt würden, um in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung zusammenzuleben. Kulturelle Bildung sei eine wesentliche Voraussetzung für einzelne Bürgerinnen und Bürger, ein Verständnis füreinander zu entwickeln, das dann dazu führt, dass sie in einem demokratischen Staat zusammenleben können, so Reinwand-Weiss. Sie plädiert für eine Professionalisierung der kulturellen Bildung.
Bernd Sibler zu Kultur in Zeiten von Corona
Für den Vorsitzenden der Kulturministerkonferenz und bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, ist Kultur systemrelevant. „Es ist wichtig, dass wir deutlich machen, das wir als öffentliche Hand verlässliche Partner für die Kunstschaffenden sind. Wir lassen die Kultureinrichtungen, die Projektträger, die Selbstständigen nicht allein“, sagt Sibler angesichts der Corona-Pandemie. Im Podcast spricht er über Forderungen nach einem Künstlerfonds, über Kulturföderalismus und die Digitalisierung der Kultureinrichtungen in Zeiten von Corona.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Kulturgüter aus Deutschland von der Roten Armee in die Sowjetunion abtransportiert. Unter ihnen auch umfangreiche Buchbestände, die noch heute in vielen Bibliotheken Russlands verstreut aufbewahrt werden. Die Kulturstiftung der Länder fördert seit 15 Jahren die Erforschung dieser Bestände. In Kooperation mit der Allrussischen Staatlichen M.-I.-Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur in Moskau entstanden so bereits drei Kataloge über die Sammlungsbestände dreier Vertreter des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Karina Dmitrieva, Projektverantwortliche auf russischer Seite und Leiterin des Zentrums für rare Bücher und Sammlungen an der Rudomino-Bibliothek, spricht im Podcast über die Projekte und deren Herausforderungen im Rahmen des Deutsch-Russischen Museumsdialogs.
Die Allrussische Staatliche M.-I.-Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur wurde 1922, in den Jahren des Bürgerkrieges von Margarita Ivanovna Rudomino in Moskau gegründet. Heute verwahrt, bewahrt und verbreitet die Bibliothek jene Büchersammlungen, die nach 1945 aus Deutschland nach Russland und insbesondere in die Bibliothek ausländischer Literatur gekommen sind. In den vergangenen Jahre war Karina Dmitrieva an deutsch-russischen Forschungsprojekten beteiligt, die in die Veröffentlichung von Katalogen zu den Bibliotheken dreier Widerstandskämpfer, die am Widerstand gegen Adolf Hitler beteiligt waren, mündeten: die Bibliotheken von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg, von Graf Yorck von Wartenburg und jüngst von Prinz Karl August von Hardenberg. Für Dmitrieva geht es dabei vor allem „um die Entdeckung neuer Namen, neuer und sehr persönlicher Geschichten. Diese tiefgründigen Geschichten ermöglichen es uns, tief in das historische Material einzutauchen und die Bindungen zwischen Russland und Deutschland und zwischen den Familien zu verstehen.“ In der Kulturstiftung der Länder habe die Bibliothek dafür einen zuverlässigen Partner gefunden. Auch in Zukunft sollen weitere Bibliotheken erforscht werden. Ein mögliches Forschungsprojekt sei, so Dmitirieva, die prachtvollen Sammlungen zweier sehr bekannter, deutscher Sprachwissenschaftler – Vater und Sohn Gabelentz – in der Rudomino Bibliothek.
Die Tretjakow-Galerie in Moskau zeigt 2020 eine Ausstellung zur deutschen und russischen Romantik. Ein Jahr später wird die Ausstellung in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen sein. Das Gemeinschaftsprojekt beider Museen ist ein Ergebnis der deutsch-russischen Kulturkooperationen im Rahmen des Deutsch-Russischen Museumsdialoges. Vermittelt wurde es durch die Kulturstiftung der Länder. Die Generaldirektorin der Tretjakow-Galerie, Zelfira Tregulova, spricht im Podcast mit der Kulturstiftung der Länder über den größten Museumskomplex russischer Kunst und die Verbindungen zwischen deutscher und russischer Kunst. Der Podcast wurde im September 2019 in Moskau aufgezeichnet.
Gemeinsam fördern die Kulturstiftung der Länder und die Hermann Reemtsma Stiftung Kunst und Kultur wie den Ankauf der Tagebücher Alexander von Humboldts oder den Erwerb des Gemäldes „Sonnenaufgang“ von Otto Dix. Doch welche Aufgaben übernimmt die Hermann Reemtsma Stiftung darüber hinaus, welche Förderkriterien sind ausschlaggebend und wer war ihr Namensgeber – Hermann Reemtsma? Diese Fragen beantwortet Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung in diesem, mittlerweile zehnten Podcast.
Hermann Fürchtegott Reemtsma war Unternehmer und Mäzen, der zeitlebens so namhafte Künstler wie Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Richard Scheibe oder Georg Kolbe förderte. 1988 rief Hermann-Hinrich Reemtsma die Hermann Reemtsma Stiftung mit Sitz in Hamburg in Gedenken an seinen Vater ins Leben. Neben Kultur fördert die Stiftung u.a. auch soziale Projekte sowie Einrichtungen und Initiativen, die öffentliche Baudenkmale und Kulturgüter erhalten. Fünf Jahre lang finanzierte die Hermann Reemtsma Stiftung zudem gemeinsam mit der Kulturstiftung der Länder und weiteren Förderern das Bündnis "Kunst auf Lager". Das Bündnis half Museen bei der Erschließung und Sicherung ihrer Depots.
Im Podcast erläutert Carsten Brosda die Entstehungsgeschichte seines im August 2019 veröffentlichten Buches „Die Zerstörung. Warum wir für den gesellschaftlichen Zusammenhalt streiten müssen“. Darin hinterfragt er, was momentan in der Gesellschaft aus dem Zusammenhang geraten ist und wie man das Gefühl des Gemeinsamen „Wir“ wieder stärken kann. Einen wesentlichen Beitrag zur Herstellung des Gemeinsamen könne Kulturpolitik und kulturelle Bildung leisten, es sei „vor allem de[r] Beitrag, dass sie Kristallisationspunkte für gesellschaftlichen Wandel schaff[en]“.
Bei der Suche nach dem Gemeinsamen könne auch die Kulturstiftung der Länder eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen. „Zum einen ist die Kulturstiftung der Länder die Möglichkeit der Länder, auch gemeinsam kulturfördernd zu handeln. Wir haben mit der Kulturministerkonferenz jetzt seit Jahresanfang einen Zusammenhang, in dem wir politisch diskutieren können. Aber wenn wir dann ein Handlungsinstrument brauchen, mit dem wir auch konkrete Programme und Projekte umsetzen wollen, dann ist die Kulturstiftung der Länder dafür zumindest immer der erste Partner […] insofern macht sie die Länder gemeinsam als kulturfördernder Akteur handlungsfähig.“
Knapp ein Jahr nachdem die Kulturministerkonferenz ihre Arbeit aufgenommen hat, zieht der aktuelle Vorsitzende eine positive Bilanz. Die gemeinsame Verlautbarung zur Freiheit der Kunst, das „Erste Eckpunktepapier zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ und der Beschluss zur Einrichtung einer Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland unterstrichen, „warum es so wichtig war, diese Kulturministerkonferenz zu gründen. Weil wir eben einen Ort hatten, an dem wir das besprechen konnten – nicht nur darüber redend – sondern tatsächlich auch Entscheidungen treffend“. Administrativer und organisatorischer Träger der Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland wird zum 01. Januar 2020 die Kulturstiftung der Länder. Auch hier bestätige sich die starke Partnerrolle der Stiftung, „wenn die Länder gemeinsam handeln wollen, dann haben sie mit der Kulturstiftung der Länder einen Träger, mit dem das passieren […] und gelingen kann“.
Künftige Herausforderungen für die Kulturministerkonferenz in den nächsten Jahren seien unter anderem die wechselseitige Unterstützung von Bund- und Länderförderung, der Umgang mit der Digitalisierung, die soziale Situation von Künstlerinnen und Künstlern, und die Frage, wie eine strukturelle Förderung für kleinere, unabhängige Verlage in Deutschland organisiert werden könne.
Viele Hinterbliebene fühlen sich mit dem Nachlass aus einem Künstlerleben überfordert. Wie trennt man Wichtiges von Unwichtigem? Wie erfasst man die Werke systematisch und wo können sie gelagert werden? Nicht jeder Künstler bekommt sein eigenes Museum oder wird in eine Museumssammlung aufgenommen. Wie und nach welchen Kriterien können Künstlervor- und –nachlässe bewahrt werden? Im Podcast spricht Dr. Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder, über von ihr betreute Nachlässe und stellt das Positionspapier der Kulturstiftung der Länder zum Umgang mit Künstlervor- und –nachlässen vor, das sie verfasst hat.
Als Dezernentin der Kulturstiftung der Länder hat Dr. Kaiser-Schuster bereits 20 mal die Überführung von Nachlässen in Museen verantwortet, Sammlungen von so bedeutenden Künstlern wie Ernst Barlach, Umbo, Wilhelm Lehmbruck, Marianne Hoppe oder Lotte Reiniger.
Deutsche Museen verfügen über unzählige Objekte, die aus den einstigen Kolonien stammen. Aber wie kamen sie hierher und unter welchen Umständen? Unser Kollege Johannes Fellmann hat zwei Museen besucht, die sich intensiv mit Provenzienzforschung befassen.
Johannes Fellmann hat gesprochen mit:
Dr. Hilke Thode-Arora, Referentin für Provenienzforschung und Leiterin der Abteilung Ozeanien am Museum Fünf Kontinente
Dr. Uta Werlich, Direktorin am Museum Fünf Kontinente
Prof. Dr. Inés de Castro, Direktorin und Leiterin des Linden-Museums in Stuttgart
Martin Otto-Hörbrand M.A., Pressesprecher des Linden-Museums in Stuttgart
Christoph Rippe M.A., Provenienzforscher
Karim Mohamad, Performance-Künstler vom kamerunischen Künstlerduo Snake and Stone
Im Februar reisten Prof. Dr. Inès de Castro, Direktorin des Linden-Museums in Stuttgart und Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, als Teil einer baden-württembergischen Delegation nach Namibia. Dort gab die Delegation eine Bibel und eine Peitsche des legendären Nama-Führers Hendrik Witbooi an die namibische Regierung zurück. Christiane Habermalz, Kulturkorrespondentin des Deutschlandfunks, hat die Delegation begleitet. Sie spricht in diesem Podcast mit Inès de Castro und Markus Hilgert über die Rückgabe von kolonialem Kulturgut.
Zur Zeit des Kolonialismus gelangten Millionen von Objekten aus den Kolonien nach Deutschland. Oftmals ist bekannt, dass es sich um Kulturgüter aus kolonialen Kontexten handelt, nicht aber wie sie nach Deutschland gelangten und wer sie erworben oder erbeutet hat. Die Museen stehen vor einer großen Aufgabe: die Fragen nach der Herkunft der Museumsobjekte zu klären und sich mit ihrer kolonialen Sammlungsgeschichte auseinanderzusetzen. Inès de Castro und Markus Hilgert berichten von ihren Erlebnissen während der Rückgabe in Namibia und diskutieren Restitutionsforderungen und ein mögliches Restitutionsgesetz.
Das Interview, das am 30. Mai vom Deutschlandfunk gesendet wurde, hat uns der Deutschlandfunk mit freundlicher Genehmigung zur Publikation zur Verfügung gestellt.
Seit vielen Jahren verbindet die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kulturstiftung der Länder eine enge Partnerschaft. Gemeinsam fördern die Stiftungen Erwerbungen, Ausstellungen und Restaurierungen. Was ist der Auftrag der Ernst von Siemens Kunststiftung und was unterscheidet sie von der Kulturstiftung der Länder? In diesem Podcast sprechen wir mit Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, über die Stiftung und ihre Geschichte.
Dank der Schnelligkeit ihres fachkundigen Stiftungsrats kann die Ernst von Siemens Kunststiftung schnell und unbürokratisch Hilfe bei prominenten Ankäufen leisten, so beispielsweise jüngst beim Mars von Giambologna für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden oder bei der Elfenbeinsammlung Winkler für das Liebighaus. Ihren Namen verdankt die Stiftung dem Industriellen und Mäzen Ernst von Siemens (1903-1990). Zeitlebens war er ein Freund der Kunst und bestrebt, nachfolgenden Generationen Künstler und Sammler zu präsentieren.
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