Lesung - Klassiker, Philosophie, Gedichte | Gelesen von Elisa Demonki

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  • (11) Georg Trakl »Gesang zur Nacht«
    1
    Vom Schatten eines Hauchs geboren
    Wir wandeln in Verlassenheit
    Und sind im Ewigen verloren,
    Gleich Opfern unwissend, wozu sie geweiht.
    Gleich Bettlern ist uns nichts zu eigen,
    Uns Toren am verschloßnen Tor.
    Wie Blinde lauschen wir ins Schweigen,
    In dem sich unser Flüstern verlor.
    Wir sind die Wandrer ohne Ziele,
    Die Wolken, die der Wind verweht,
    Die Blumen, zitternd in Todeskühle,
    Die warten, bis man sie niedermäht.
    2
    Daß sich die letzte Qual an mir erfülle,
    Ich wehr‘ euch nicht, ihr feindlich dunklen Mächte.
    Ihr seid die Straße hin zur großen Stille,
    Darauf wir schreiten in die kühlsten Nächte.
    Es macht mich euer Atem lauter brennen,
    Geduld! Der Stern verglüht, die Träume gleiten
    In jene Reiche, die sich uns nicht nennen,
    Und die wir traumlos dürfen nur beschreiten.
    3
    Du dunkle Nacht, du dunkles Herz,
    Wer spiegelt eure heiligsten Gründe,
    Und eurer Bosheit letzte Schlünde?
    Die Maske starrt vor unserm Schmerz –
    Vor unserm Schmerz, vor unsrer Lust
    Der leeren Maske steinern Lachen,
    Daran die irdnen Dinge brachen,
    Und das uns selber nicht bewußt.
    Und steht vor uns ein fremder Feind,
    Der höhnt, worum wir sterbend ringen,
    Daß trüber unsre Lieder klingen
    Und dunkel bleibt, was in uns weint.
    4
    Du bist der Wein, der trunken macht,
    Nun blut ich hin in süßen Tänzen
    Und muß mein Leid mit Blumen kränzen!
    So will’s dein tiefster Sinn, o Nacht!
    Ich bin die Harfe in deinem Schoß,
    Nun ringt um meine letzten Schmerzen
    Dein dunkles Lied in meinem Herzen
    Und macht mich ewig, wesenlos.
    5
    Tiefe Ruh – o tiefe Ruh!
    Keine fromme Glocke läutet,
    Süße Schmerzensmutter du –
    Deinen Frieden todgeweitet.
    Schließ mit deinen kühlen, guten
    Händen alle Wunden zu –
    Daß nach innen sie verbluten –
    Süße Schmerzensmutter – du!
    6
    O laß mein Schweigen sein dein Lied!
    Was soll des Armen Flüstern dir,
    Der aus des Lebens Gärten schied?
    Laß namenlos dich sein in mir –
    Die traumlos in mir aufgebaut,
    Wie eine Glocke ohne Ton,
    Wie meiner Schmerzen süße Braut
    Und meiner Schlafe trunkner Mohn.
    7
    Blumen hörte ich sterben im Grund
    Und der Bronnen trunkne Klage
    Und ein Lied aus Glockenmund,
    Nacht, und eine geflüsterte Frage;
    Und ein Herz – o todeswund,
    Jenseits seiner armen Tage.
    8
    Das Dunkel löschte mich schweigend aus,
    Ich ward ein toter Schatten im Tag –
    Da trat ich aus der Freude Haus
    In die Nacht hinaus.
    Nun wohnt ein Schweigen im Herzen mir,
    Das fühlt nicht nach den öden Tag –
    Und lächelt wie Dornen auf zu dir,
    Nacht – für und für!
    9
    O Nacht, du stummes Tor vor meinem Leid,
    Verbluten sieh dies dunkle Wundenrnal
    Und ganz geneigt den Taumelkelch der Qual!
    O Nacht, ich bin bereit!
    O Nacht, du Garten der Vergessenheit
    Um meiner Armut weltverschloss’nen Glanz,
    Das Weinlaub welkt, es welkt der Dornenkranz.
    O komm, du hohe Zeit!
    10
    Es hat mein Dämon einst gelacht,
    Da war ich ein Licht in schimmernden Gärten,
    Und hatte Spiel und Tanz zu Gefährten
    Und der Liebe Wein, der trunken macht.
    Es hat mein Dämon einst geweint.
    Da war ich ein Licht in schmerzlichen Gärten
    Und hatte die Demut zum Gefährten,
    Deren Glanz der Armut Haus bescheint.
    Doch nun mein Dämon nicht weint noch lacht,
    Bin ich ein Schatten verlorener Gärten
    Und habe zum todesdunklen Gefährten
    Das Schweigen der leeren Mitternacht.
    11
    Mein armes Lächeln, das um dich rang,
    Mein schluchzendes Lied im Dunkel verklang.
    Nun will mein Weg zu Ende gehn.
    Laß treten mich in deinen Dom
    Wie einst, ein Tor, einfältig, fromm,
    Und stumm a… (weiterlesen auf https://podcast-lesung.de/11-georg-trakl-gesang-zur-nacht/)
    11 min
  • (10) Johann Wolfang Goethe »Faust 1 - Prolog im Himmel«
    MEPHISTOPHELES:
    Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst
    Und fragst, wie alles sich bei uns befinde,
    Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst,
    So siehst du mich auch unter dem Gesinde.
    Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,
    Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt;
    Mein Pathos brächte dich gewiß zum Lachen,
    Hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt.
    Von Sonn‘ und Welten weiß ich nichts zu sagen,
    Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.
    Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
    Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
    Ein wenig besser würd er leben,
    Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
    Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
    Nur tierischer als jedes Tier zu sein.
    Er scheint mir, mit Verlaub von euer Gnaden,
    Wie eine der langbeinigen Zikaden,
    Die immer fliegt und fliegend springt
    Und gleich im Gras ihr altes Liedchen singt;
    Und läg er nur noch immer in dem Grase!
    In jeden Quark begräbt er seine Nase.
    DER HERR:
    Hast du mir weiter nichts zu sagen?
    Kommst du nur immer anzuklagen?
    Ist auf der Erde ewig dir nichts recht?
    MEPHISTOPHELES:
    Nein Herr! ich find es dort, wie immer, herzlich schlecht.
    Die Menschen dauern mich in ihren Jammertagen,
    Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen.
    DER HERR:
    Kennst du den Faust?
    MEPHISTOPHELES:
    Den Doktor?
    DER HERR:
    Meinen Knecht!
    MEPHISTOPHELES:
    Fürwahr! er dient Euch auf besondre Weise.
    Nicht irdisch ist des Toren Trank noch Speise.
    Ihn treibt die Gärung in die Ferne,
    Er ist sich seiner Tollheit halb bewußt;
    Vom Himmel fordert er die schönsten Sterne
    Und von der Erde jede höchste Lust,
    Und alle Näh und alle Ferne
    Befriedigt nicht die tiefbewegte Brust.
    DER HERR:
    Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient,
    So werd ich ihn bald in die Klarheit führen.
    Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt,
    Das Blüt und Frucht die künft’gen Jahre zieren.
    MEPHISTOPHELES:
    Was wettet Ihr? den sollt Ihr noch verlieren!
    Wenn Ihr mir die Erlaubnis gebt,
    Ihn meine Straße sacht zu führen.
    DER HERR:
    Solang er auf der Erde lebt,
    So lange sei dir’s nicht verboten,
    Es irrt der Mensch so lang er strebt.
    MEPHISTOPHELES:
    Da dank ich Euch; denn mit den Toten
    Hab ich mich niemals gern befangen.
    Am meisten lieb ich mir die vollen, frischen Wangen.
    Für einem Leichnam bin ich nicht zu Haus;
    Mir geht es wie der Katze mit der Maus.
    DER HERR:
    Nun gut, es sei dir überlassen!
    Zieh diesen Geist von seinem Urquell ab,
    Und führ ihn, kannst du ihn erfassen,
    Auf deinem Wege mit herab,
    Und steh beschämt, wenn du bekennen mußt:
    Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange,
    Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.
    MEPHISTOPHELES:
    Schon gut! nur dauert es nicht lange.
    Mir ist für meine Wette gar nicht bange.
    Wenn ich zu meinem Zweck gelange,
    Erlaubt Ihr mir Triumph aus voller Brust.
    Staub soll er fressen, und mit Lust,
    Wie meine Muhme, die berühmte Schlange.
    DER HERR:
    Du darfst auch da nur frei erscheinen;
    Ich habe deinesgleichen nie gehaßt.
    Von allen Geistern, die verneinen,
    ist mir der Schalk am wenigsten zur Last.
    Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,
    er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
    Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu,
    Der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen.
    Doch ihr, die echten Göttersöhne,
    Erfreut euch der lebendig reichen Schöne!
    Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
    Umfass euch mit der Liebe holden Schranken,
    Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
    Befestigt mit dauernden G… (weiterlesen auf https://podcast-lesung.de/10-johann-wolfang-goethe-faust-1-prolog-im-himmel/)
    5 min
  • (10) Jubiläumsausgabe - Axel Wandtke spricht von Goethe »An den Mond« und »Prometheus«
    Goethe - An den Mond
    Füllest wieder Busch und Tal
    Still mit Nebelglanz,
    Lösest endlich auch einmal
    Meine Seele ganz.
    Breitest über mein Gefild
    Lindernd deinen Blick,
    Wie des Freundes Auge mild
    Über mein Geschick.
    Jeden Nachklang fühlt mein Herz
    Froh- und trüber Zeit,
    Wandle zwischen Freud' und Schmerz
    In der Einsamkeit.
    Fliesse, fliesse, lieber Fluss!
    Nimmer werd' ich froh,
    So verrauschte Scherz und Kuss,
    Und die Treue so.
    Ich besass es doch einmal,
    Was so kostlich ist!
    Dass man doch zu seiner Qual
    Nimmer es vergisst!
    Rausche, Fluss, das Tal entlang,
    Ohne Rast und Ruh,
    Rausche, flüstre meinem Sang
    Melodien zu,
    Wenn du in der Winternacht
    Wütend ueberschwillst,
    Oder um die Frühlingspracht
    Junger Knospen quillst.
    Selig, wer sich vor der Welt
    Ohne Hass verschliesst,
    Einen Freund am Busen hält
    Und mit dem geniesst.
    Was, von Menschen nicht gewusst
    Oder nicht bedacht,
    Durch das Labyrinth der Brust
    Wandelt in der Nacht.
    Goethe - Prometheus
    Bedecke deinen Himmel, Zeus,
    Mit Wolkendunst!
    Und übe dem Knaben gleich,
    Der Disteln köpft,
    An Eichen dich und Bergeshöhn!
    Mußt mir meine Erde
    Doch lassen stehn,
    Und meine Hütte,
    Die du nicht gebaut,
    Und meinen Herd,
    Um dessen Glut
    Du mich beneidest.
    Ich kenne nichts Ärmeres
    Unter der Sonn als euch Götter.
    Ihr nähret kümmerlich
    Von Opfersteuern
    Und Gebetshauch
    Eure Majestät
    Und darbtet, wären
    Nicht Kinder und Bettler
    Hoffnungsvolle Toren.
    Da ich ein Kind war,
    Nicht wußte, wo aus noch ein,
    Kehrte mein verirrtes Aug
    Zur Sonne, als wenn drüber wär
    Ein Ohr zu hören meine Klage,
    Ein Herz wie meins,
    Sich des Bedrängten zu erbarmen.
    Wer half mir wider
    Der Titanen Übermut?
    Wer rettete vom Tode mich,
    Von Sklaverei?
    Hast du's nicht alles selbst vollendet,
    Heilig glühend Herz?
    Und glühtest, jung und gut,
    Betrogen, Rettungsdank
    Dem Schlafenden dadroben?
    Ich dich ehren? Wofür?
    Hast du die Schmerzen gelindert
    Je des Beladenen?
    Hast du die Tränen gestillet
    Je des Geängsteten?
    Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
    Die allmächtige Zeit
    Und das ewige Schicksal,
    Meine Herren und deine?
    Wähntest du etwa,
    Ich sollte das Leben hassen,
    In Wüsten fliehn,
    Weil nicht alle Knabenmorgen-
    Blütenträume reiften?
    Hier sitze ich, forme Menschen
    Nach meinem Bilde,
    Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
    Zu leiden,zu weinen,
    Zu genießen und zu freuen sich,
    Und dein nicht zu achten,
    Wie ich.
    Ich danke dir, Axel und auch Ulrike für die musikalische Untermalung.
    0 min
  • (9) Johann Wolfgang Goethe »Der Zauberlehrling«
    Hat der alte Hexenmeister
    Sich doch einmal wegbegeben!
    Und nun sollen seine Geister
    Auch nach meinem Willen leben.
    Seine Wort und Werke
    Merkt ich und den Brauch,
    Und mit Geistesstärke
    Tu ich Wunder auch.
    Walle! walle
    Manche Strecke,
    Daß, zum Zwecke,
    Wasser fließe
    Und mit reichem, vollem Schwalle
    Zu dem Bade sich ergieße.
    Und nun komm, du alter Besen!
    Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
    Bist schon lange Knecht gewesen:
    Nun erfülle meinen Willen!
    Auf zwei Beinen stehe,
    Oben sei ein Kopf,
    Eile nun und gehe
    Mit dem Wassertopf!
    Walle! walle
    Manche Strecke,
    Daß, zum Zwecke,
    Wasser fließe
    Und mit reichem, vollem Schwalle
    Zu dem Bade sich ergieße.
    Seht, er läuft zum Ufer nieder!
    Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
    Und mit Blitzesschnelle wieder
    Ist er hier mit raschem Gusse.
    Schon zum zweiten Male!
    Wie das Becken schwillt!
    Wie sich jede Schale
    Voll mit Wasser füllt!
    Stehe! stehe!
    Denn wir haben
    Deiner Gaben
    Vollgemessen!
    Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
    Hab ich doch das Wort vergessen!
    Ach, das Wort, worauf am Ende
    Er das wird, was er gewesen!
    Ach, er läuft und bringt behende!
    Wärst du doch der alte Besen!
    Immer neue Güsse
    Bringt er schnell herein,
    Ach, und hundert Flüsse
    Stürzen auf mich ein!
    Nein, nicht länger
    Kann ichs lassen:
    Will ihn fassen!
    Das ist Tücke!
    Ach, nun wird mir immer bänger!
    Welche Miene! welche Blicke!
    O, du Ausgeburt der Hölle!
    Soll das ganze Haus ersaufen?
    Seh ich über jede Schwelle
    Doch schon Wasserströme laufen.
    Ein verruchter Besen,
    Der nicht hören will!
    Stock, der du gewesen,
    Steh doch wieder still!
    Willst am Ende
    Gar nicht lassen?
    Will dich fassen,
    Will dich halten
    Und das alte Holz behende
    Mit dem scharfen Beile spalten!
    Seht, da kommt er schleppend wieder!
    Wie ich mich nur auf dich werfe,
    Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
    Krachend trifft die glatte Schärfe.
    Wahrlich! brav getroffen!
    Seht, er ist entzwei!
    Und nun kann ich hoffen,
    Und ich atme frei!
    Wehe! wehe!
    Beide Teile
    Stehn in Eile
    Schon als Knechte
    Völlig fertig in die Höhe!
    Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!
    Und sie laufen! Naß und nässer
    Wirds im Saal und auf den Stufen:
    Welch entsetzliches Gewässer!
    Herr und Meister, hör mich rufen! –
    Ach, da kommt der Meister!
    Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister,
    Werd ich nun nicht los.
    „In die Ecke,
    Besen! Besen!
    Seids gewesen!
    Denn als Geister
    Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
    Erst hervor der alte Meister.“
    4 min
  • (8) Friedrich Nietzsche »Die fröhliche Wissenschaft 276«
    Noch lebe ich, noch denke ich:
    ich muss noch leben, denn ich muss noch denken.
    Sum, ergo cogito: cogito, ergo sum.
    Heute erlaubt sich Jedermann seinen Wunsch und liebsten Gedanken auszusprechen: nun, so will auch ich sagen, was ich mir heute von mir selber wünschte und welcher Gedanke mir dieses Jahr zuerst über das Herz lief, welcher Gedanke mir Grund, Bürgschaft und Süßigkeit alles weiteren Lebens sein soll!
    Ich will immer mehr lernen, das Notwendige an den Dingen als das Schöne sehen: so werde ich Einer von Denen sein, welche die Dinge schön machen.
    Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Hässliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, Alles in Allem und Großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-sagender sein!
    Musik: Fabian Niehaus
    2 min
  • (7) Heinrich Heine »Ein Jüngling liebt ein Mädchen«
    Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
    Die hat einen andern erwählt;
    Der andre liebt eine andre,
    Und hat sich mit dieser vermählt.
    Das Mädchen heiratet aus Ärger
    Den ersten besten Mann,
    Der ihr in den Weg gelaufen;
    Der Jüngling ist übel dran.
    Es ist eine alte Geschichte,
    Doch bleibt sie immer neu;
    Und wem sie just passieret,
    Dem bricht das Herz entzwei.
    1 min
  • (6) Heinrich Heine »Weil ich dich liebe«
    Weil ich dich liebe, muß ich fliehend
    Dein Antlitz meiden – zürne nicht.
    Wie paßt dein Antlitz, schön und blühend,
    Zu meinem traurigen Gesicht!
    Weil ich dich liebe, wird so bläßlich,
    So elend mager mein Gesicht –
    Du fändest mich am Ende häßlich –
    Ich will dich meiden – zürne nicht.
    Bild(wikisource): Claude Monet – Waterlilies
    1 min
  • (5) Heinrich Heine »Nicht mal einen einzgen Kuß«
    Nicht mal einen einzgen Kuß,
    Nach so monatlangem Lieben!
    Und so bin ich Allerärmster
    Trocknen Mundes stehngeblieben.
    Einmal kam das Glück mir nah –
    Schon konnt ich den Atem spüren –
    Doch es flog vorüber – ohne
    Mir die Lippen zu berühren.
    Bild(wikisource): Gustav Klimt – Der Kuss
    1 min
  • (3) Friedrich Schiller »Der Handschuh«
    Vor seinem Löwengarten,
    Das Kampfspiel zu erwarten,
    Saß König Franz,
    Und um ihn die Großen der Krone,
    Und rings auf hohem Balkone
    Die Damen in schönem Kranz.
    Und wie er winkt mit dem Finger,
    Auf tut sich der weite Zwinger,
    Und hinein mit bedächtigem Schritt
    Ein Löwe tritt,
    Und sieht sich stumm
    Rings um,
    Mit langem Gähnen,
    Und schüttelt die Mähnen,
    Und streckt die Glieder,
    Und legt sich nieder.
    Und der König winkt wieder,
    Da öffnet sich behänd
    Ein zweites Tor,
    Daraus rennt
    Mit wildem Sprunge
    Ein Tiger hervor,
    Wie der den Löwen erschaut,
    Brüllt er laut,
    Schlägt mit dem Schweif
    Einen furchtbaren Reif,
    Und recket die Zunge,
    Und im Kreise scheu
    Umgeht er den Leu
    Grimmig schnurrend;
    Drauf streckt er sich murrend
    Zur Seite nieder.
    Und der König winkt wieder,
    Da speit das doppelt geöffnete Haus
    Zwei Leoparden auf einmal aus,
    Die stürzen mit mutiger Kampfbegier
    Auf das Tigertier,
    Das packt sie mit seinen grimmigen Tatzen,
    Und der Leu mit Gebrüll
    Richtet sich auf, da wird’s still,
    Und herum im Kreis,
    Von Mordsucht heiß,
    Lagern die gräulichen Katzen.
    Da fällt von des Altans Rand
    Ein Handschuh von schöner Hand
    Zwischen den Tiger und den Leun
    Mitten hinein.
    Und zu Ritter Delorges spottenderweis
    Wendet sich Fräulein Kunigund:
    »Herr Ritter, ist Eure Lieb so heiß,
    Wie Ihr mir’s schwört zu jeder Stund,
    Ei, so hebt mir den Handschuh auf.«
    Und der Ritter in schnellem Lauf
    Steigt hinab in den furchtbarn Zwinger
    Mit festem Schritte,
    Und aus der Ungeheuer Mitte
    Nimmt er den Handschuh mit keckem Finger.
    Und mit Erstaunen und mit Grauen
    Sehen’s die Ritter und Edelfrauen,
    Und gelassen bringt er den Handschuh zurück.
    Da schallt ihm sein Lob aus jedem Munde,
    Aber mit zärtlichem Liebesblick –
    Er verheißt ihm sein nahes Glück –
    Empfängt ihn Fräulein Kunigunde.
    Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht:
    »Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
    Und verlässt sie zur selben Stunde.
    Leni Lauritsch und Markus Kircher haben aus der hier gesprochenen Tonaufnahme einen herrlichen Pantomime-Film gemacht.
    www.filmmechaniker.com
    4 min

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