Eine zehnteilige analytische Serie im Rahmen eines Gerda-Henkel-Forschungsprojekts
Dieser Beitrag bündelt zentrale Ergebnisse eines langfristig angelegten historischen Forschungsprojekts zu ethno-nationalen Governance-Dynamiken in der Ukraine mit besonderem Fokus auf die territorialen Gemeinschaften des nördlichen Pryazov’ja vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Auf der Grundlage historisch fundierter Befunde überführt die analytische Serie diese Ergebnisse in einen gegenwarts- und zukunftsbezogenen Governance-Rahmen, der für aktuelle Debatten zu Resilienz, institutioneller Anpassungsfähigkeit und postkriegsbezogener Transformation anschlussfähig ist. Im Zentrum steht die Frage, wie ethnopolitisches Management unter Bedingungen von Krieg, Vertreibung und institutioneller Überlastung zur Stabilisierung gesellschaftlicher Ordnung beitragen und zugleich Prozesse struktureller Erneuerung ermöglichen kann.
Horizontale soziale Kohäsion, vertikales Vertrauen in staatliche Institutionen sowie adaptive Governance-Praktiken in multiethnischen Kontexten werden dabei nicht als isolierte Indikatoren verstanden, sondern als miteinander verflochtene Dimensionen staatlicher Handlungsfähigkeit unter Krisenbedingungen.
Der Beitrag ist als öffentlich zugängliche analytische Vertiefung zur bereits veröffentlichten Analytischen Studie konzipiert. Während diese die zentralen Ergebnisse des Projekts in synthetischer Form darstellt, entfaltet die vorliegende zehnteilige Serie schrittweise deren theoretische Übergänge, analytische Modelle und empirische Argumentationslinien. Ziel ist es, die konzeptionelle Logik der Forschung transparent zu machen und sie in einen breiteren wissenschaftlichen sowie interdisziplinären Diskurs einzubetten.
Die Serie richtet sich an Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Politikberatung und internationalen Organisationen, die im Bereich postkonfliktiver Rekonstruktion, Minderheitenpolitik und resilienzorientierter Staatsbildung in Europa tätig sind.
Förderhinweis
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Ethno-National Aspect of the Activities Carried out by the Territorial Communities of Ukrainian Northern Pryazov’ye (1778–2022)“, gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung (AZ 15/FI/23) im Programm Researchers at Risk.
Abschließende Einordnung
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie historisch orientierte geisteswissenschaftliche Forschung unter Bedingungen von Vertreibung fortgeführt werden kann und wie sie gerade in Zeiten multipler Krisen an analytischer, gesellschaftlicher und politischer Relevanz gewinnt.
Projektkontext und Forschungsrahmen
Das Forschungsprojekt untersucht die ethno-nationalen Dynamiken, institutionellen Arrangements und Governance-Praktiken in den territorialen Gemeinschaften des ukrainischen Nördlichen Pryazov’ja vom späten 18. Jahrhundert bis in die Phase des anhaltenden russischen Angriffskrieges sowie der damit verbundenen gesellschaftlichen und institutionellen Transformationsprozesse bis einschließlich 2025.
Das Projekt wurde ursprünglich mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung initiiert und aufgebaut. Seit 2025 wird die Forschung in erweiterter Form in institutioneller Partnerschaft mit dem European Centre for Minority Issues (ECMI) in Deutschland weitergeführt, wodurch eine stärkere internationale Einbettung sowie eine vergleichende Perspektive ermöglicht werden.
Im Zentrum steht eine historisch-analytische Rekonstruktion der Wechselwirkungen zwischen ethnischer Vielfalt, staatlicher Steuerung und lokaler Selbstorganisation. Die Studie zeigt, dass ethnopolitische Praktiken in der Region nicht ausschließlich als Reaktion auf externe Krisen oder staatliche Umbrüche entstanden sind, sondern sich über lange Zeiträume hinweg als strukturierender Bestandteil lokaler Governance herausgebildet haben.
Ein besonderer analytischer Fokus liegt auf den Transformationsphasen staatlicher Ordnung – von imperialen Verwaltungsregimen über die sowjetische Nationalitätenpolitik bis hin zu den Herausforderungen der post-sowjetischen Staatsbildung sowie der kriegs- und nachkriegsbedingten Neuordnung bis 2025. Diese historischen Schichtungen ermöglichen es, sowohl Kontinuitäten als auch Brüche ethnopolitischer Steuerungsmechanismen sichtbar zu machen und ihre langfristigen Wirkungen auf lokale Institutionen und Gemeinschaften zu analysieren.
Die Konzepte der Resilienz und Antifragilität bilden dabei keinen eigenständigen Forschungsgegenstand, sondern fungieren als analytisch-interpretativer Rahmen. Sie dienen dazu zu untersuchen, unter welchen Bedingungen lokale Institutionen, ethnopolitische Arrangements und Gemeinschaftsstrukturen nicht nur Stabilität bewahren, sondern sich unter Stress, Unsicherheit und Gewalt strukturell weiterentwickeln konnten. Dieser Ansatz verbindet historische Governance-Erfahrungen mit aktuellen Debatten über gesellschaftliche Transformationsfähigkeit unter Extrembedingungen, ohne den historischen Kern des Projekts zu überlagern.
Methodisch kombiniert das Projekt historische Quellenanalyse, die Auswertung institutioneller Dokumente sowie qualitative Fallstudien lokaler Governance-Praxen. Ergänzend werden internationale Indizes und zeitgenössische Governance-Daten herangezogen, um historische Befunde mit gegenwärtigen Transformationsprozessen analytisch zu verknüpfen.
Neben dem ECMI besteht eine fortlaufende Zusammenarbeit mit dem Institut für Politische und Ethnonationale Studien I. F. Kuras der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine. Weitere akademische Anbindungen bestehen an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Die Forschungsergebnisse leisten einen Beitrag zur historisch informierten Ethnopolitikforschung, zur Analyse polyethnischer Governance-Strukturen sowie zur aktuellen Debatte über institutionelle Anpassungs- und Transformationsfähigkeit unter Bedingungen langfristiger Krisen. Die Ergebnisse werden in einer wissenschaftlichen Monographie sowie in begleitenden analytischen Publikationen veröffentlicht.
Disseminationsphase und aktuelle Veröffentlichung
Im Rahmen des Gesamtprojekts wurde eine ergänzende Serie analytischer Beiträge erarbeitet, die auf den zentralen theoretischen und empirischen Ergebnissen der Studie aufbauen. Diese Materialien sind Teil der gezielten Disseminationsphase des Projekts und dienen der wissenschaftlichen wie gesellschaftlichen Vermittlung seiner zentralen Befunde.
Die Autorin hat auf Grundlage des umfangreichen Forschungsprojekts eine Reihe eigenständiger, thematisch fokussierter Texte vorbereitet, die für die Veröffentlichung auf einem wissenschaftlichen Portal konzipiert sind. Ziel dieser Beiträge ist es, zentrale Konzepte, analytische Übergänge und empirische Ergebnisse des Projekts in einer zugänglichen, zugleich wissenschaftlich fundierten Form darzustellen und einem breiteren fachlichen Publikum zugänglich zu machen.
Die eingereichten Materialien stellen keine isolierten Nebenprodukte dar, sondern bilden eine eigenständige, integrale Projektphase, die der Sichtbarmachung, Kontextualisierung und Vertiefung der Forschungsergebnisse dient. Sie übersetzen komplexe analytische Argumente – etwa zu Resilienz, Antifragilität, ethnopolitischem Management und Governance-Transformation unter Kriegsbedingungen – in ein Format, das den Austausch zwischen Wissenschaft, Politikberatung und einer interessierten Öffentlichkeit ermöglicht.
Mit der nun vorgestellten analytischen Serie „Von Resilienz zu Antifragilität: Ethnopolitische Governance in der Ukraine unter Kriegsbedingungen“ werden die zentralen Argumentationslinien des Gesamtprojekts gebündelt und in strukturierter Form weitergeführt. Damit leistet die Serie einen Beitrag zur nachhaltigen Wirkung des Projekts, stärkt dessen internationale und interdisziplinäre Anschlussfähigkeit und unterstützt die Verankerung der Forschungsergebnisse im laufenden wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs.