Posteraustellung der Promovierenden – Historikertag 2025
Die Dissertation untersucht ein Netzwerk von Kölner Katholiken, die zwischen 1919 und 1960 durch Architektur und Stadtplanung den Katholizismus als soziale und intellektuelle Macht für eine moderne, industrialisierte, städtische Massengesellschaft neu dachten. Sie bauten somit eine katholische Moderne. Die Hauptmittel dieser Moderne waren Kirchen- und Siedlungsbauten, die einen Grundstein der katholischen Soziallehre bildeten, die Kirche als Hort der Gemeinschaft zeigten, und ein modernes Bild des Katholizismus präsentierten. Durch den Bau von Einfamilienhäusern mit Gärten sollte die kinderreiche Familie gefördert, der Arbeiter entproletarisiert, die Technik gebändigt, und die einzelne Persönlichkeit geschützt werden.
Die Dissertation vereint Architektur-, Sozial-, Wohnungs-, und Ideengeschichte, um Kirchen- und Siedlungsbau in den Mittelpunkt der katholischen Zeitgeschichte zu stellen. Drei Fallstudien untersuchen, wie Pfarren in Köln – einem organisatorischen und ideellen Mittelpunkt des westdeutschen Katholizismus – gleichzeitig eine neue Siedlung und eine neue Kirche errichteten. Die Fallstudien befassen sich je mit der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus, und der Nachkriegsbesatzung/BRD. Diese „transwar“ Perspektive (Reto Hofmann, Max Ward, Philip Nord) erlaubt, die Entwicklung der gebauten katholischen Moderne unter verschiedenen politischen Verhältnissen zu verfolgen.