Posteraustellung der Promovierenden – Historikertag 2025
In einer Widmung an den württembergischen Herzog und den badischen Markgrafen in einer später Agricola zugewiesene Beschreibung der heißen Quellen im Schwarzwald von 1598 schreibt der Autor: „Dass nach einem gemeinen Sprichwort; in einem jeglichen Lande, nicht alles zu finden; Sondern der allmechtige Gott nach seinem allweisen Rath und Führsehung jedes für sich, mit sonderbaren Gaben begnadet: in dem ein Fürstentum und Landes art mit Gold- und Silber bergwerck: ein andere Landschaft mit Zinn, Blei und Kupfererz gesegnet, andere Länder mit Wein und Getreide begabet: in etlichen nützliche Salzquellen, heilsame Sauerbrunnen und dienstliche entspringende warme Bäder gefunden werden, das gibet die tägliche Erfahrung und Augenschein zu erkennen.“ Heilbäder, seien es Sauerbrunnen oder Thermalquellen, werden hier in erster Linie als Bodenressource dargestellt, die der Landesherr für sich nutzbar machen kann oder viel mehr sogar muss: als gottgegebenes Geschenk zur Heilung der Menschen, ist es seine Verantwortung, eine ordentliche Nutzung dieser heilsamen Wasser zu ermöglichen.
Die Erschließung der Heilquellen war für die Landesherren eine attraktive Überlegung; das zeigten die etablierten großen Bäder der frühen Neuzeit. Meist nur den Namen Baden tragend und nach ihrem Herrschaftsgebiet unterschieden, waren das habsburgische Baden bei Wien oder das schweizerische Baden im Aargau oder das markgräfliche Baden an der Oos, heute Baden-Baden, mit ihren groß ausgestatteten Herbergen und Badeanlagen weithin für ihren Luxus und ihre Heilwirkung bekannt und zogen von weit her Gäste an. Und dies nicht nur als kurzzeitiges Phänomen, sondern nachhaltig; sie alle stehen für lange, teils bis heute reichende Traditionslinien als Bad und Kurort. Aber auch kleinere Bäder, konnten für ihre Region eine bedeutende Rolle spielen, so etwa auch im Nordschwarzwald. Dort finden sich in engster Nachbarschaft gleich zwei Thermalbäder: Das württembergische Wildbad im Enztal und das badische Zellernbad (Liebenzell) im benachbarten Nagoldtal etablierten sich beide bis Ende des 14. Jahrhunderts als natürlich warmes Heilbad, sogenannte Wildbäder. Etwas mehr als 200 Jahre existieren sie in zwei verschiedenen Herrschaften in engster Nachbarschaft, bevor mit dem Verkauf von Stadt und Amt Liebenzell 1603 beide Städte zu Württemberg gehören.
In meiner Dissertation untersuche ich vergleichend die Entwicklung dieser beiden Wildbäder mit einem Fokus auf den Einfluss des Heilbadegeschehens auf die städtische Entwicklung. Die geringe Distanz zwischen den beiden Bädern ermöglicht es der Frage nachzugehen, welche Entwicklungsschritte der Stadt auf sein Dasein als Heilbad zurückgehen und welche doch auf die Wirkung eines bestimmten Landesherren zurückzuführen sind. Hinzu kommen Fragen an die Gäste des Wildbads: Werden die Wildbäder zu verschiedenen Zeiten immer gleich intensiv von der Herrscherfamilie aufgesucht und genutzt? Haben die Bäder die gleichen oder unterschiedliche Gäste? Wo kennt man die Bäder im Nordschwarzwald und was weiß man über sie? Welche wirtschaftliche Rolle spielen die Wildbäder in ihren Territorien? Welche Rolle spielt dabei ihre Funktion als eine Art Fremdenverkehrsort? Wie stehen sie im Verhältnis zu den anderen Bädern im jeweiligen Herrschaftsgebiet und in der Region allgemein?
Neben klassischen Quellen zur Stadtgeschichte werden hierzu die gedruckten Bäderschriften herangezogen, die ab Beginn des 16. Jahrhunderts volkssprachlich erscheinen. Diese liefern nicht nur zeitgenössische Beschreibungen der Wildbäder und ihrer Ausstattung, die wir anderweitig nicht greifen können, sie zeigen auch das Grundverständnis der Zeit auf, wie eine erfolgreiche Wasserbehandlung durchzuführen ist und welche bauliche Anforderungen dadurch an die Wildbäder gestellt werden. Das wandelnde Verständnis einer Balneotherapie oder allgemeiner Hydrotherapie weg von stundenlangen ununterbrochenen Bädern zu kürzeren Badeanwendungen mehrmals am Tag, gemeinsam mit unterstützenden Trinkkuren spiegelt sich in den Wildbädern vor Ort fassbar beispielsweise mit dem Aufkommen von Badehäusern mit mehreren kleineren Baderäumlichkeiten statt den davor genutzten großen Freibadbecken auf.