Carla Jaimes Betancourt | Antike im Zerrspiegel politischer Ideologien
In den letzten Jahren haben die Arbeitsgruppe für die Llanos de Moxos (GTLM) und das Projekt „Heritage and Territoriality: Past, Present, and Future Perceptions“ umfangreiche Forschungsarbeiten in verschiedenen indigenen Territorien des bolivianischen Amazonasgebiets durchgeführt.
Diese Initiativen basieren auf kollaborativen Methoden, die indigene Wissenssysteme einbinden und neue Perspektiven auf die Rolle archäologischer Stätten, heiliger Landschaften und materieller Kultur als dynamische Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eröffnen. Die Archäologin Prof. Dr. Carla Jaimes Betancourt (Bonn) zeigt in ihrem Vortrag, wie diese Ansätze nicht nur komplexe Erzählungen über kulturelle Kontinuität und Wandel offenlegen, sondern auch die politischen Dimensionen der Archäologie beleuchten. Im Mittelpunkt stehen indigene Perspektiven, wodurch konventionelle wissenschaftliche Paradigmen hinterfragt und zentrale Themen wie kulturelle Selbstbestimmung, territoriale Souveränität und die Dekolonisierung von Forschungspraktiken adressiert werden.
Der interdisziplinäre Dialog zwischen indigenen Forschern und Experten aus den Bereichen Archäologie, Anthropologie und Ökologie ermöglicht die Entwicklung gemeinsamer Strategien zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit indigener Gebiete gegenüber externen Bedrohungen.
Durch diese kollaborative Praxis werden koloniale Hierarchien in der Wissensproduktion dekonstruiert, gegenseitiges Lernen gefördert und eine gerechtere, integrativere Zukunft für die Erforschung des kulturellen Erbes in Südamerika gestaltet.