Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim
In den letzten Jahren ist die Bedeutung von Kindern in den frühneuzeitlichen Gesellschaften zunehmend in den Fokus historischer Untersuchungen gerückt. Obwohl Kinder ein wesentlicher Bestandteil jeder Gesellschaft und damit auch ihrer jeweiligen Geschlechterordnungen waren und sind, wurden sie von den Geschichtswissenschaften lange vernachlässigt – teils aufgrund historiographischer Tendenzen, teils wegen Herausforderungen in der Quellenüberlieferung. Kinder hinterlassen nicht die gleichen Spuren in historischen Quellen wie Erwachsene, und ihre Geschichten müssen in der Regel aus Texten, Bildern und anderen Quellen rekonstruiert werden, in denen sie – oft auch nur en passant – erwähnt werden. Je jünger ein Kind ist, desto eher wird es nur durch die Handlungen anderer sichtbar.
Die 30. Jahrestagung des Arbeitskreises Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit analysiert und problematisiert Kinder, Kindheit und Kind-Sein in der Frühen Neuzeit in einem dichten Gefüge aus rechtlichen und sozialen Abhängigkeiten und Ungleichheiten. Wir fragen nach der Bedeutung von Geschlecht für Zugehörigkeiten, Emotionalitäten und Teilhabe an materiellen und immateriellen Ressourcen. Kinder waren essenziell für die Reproduktion jener geschlechtlichen und sozialen Strukturen, die die frühneuzeitlichen Gesellschaften und Kulturen trugen. Für die Ausbildung und Erziehung war aber nicht nur der eigene Famienverband entscheidend, oft prägten auch räumliche wie soziale Mobilitäten frühneuzeitliches Kind-Sein. Zugleich entfalteten frühneuzeitliche Gesellschaften ein breites Spektrum metaphorischer Referenzsysteme, in denen Legitimation, Zugehörigkeit und Affirmativität über Bezüge zum Kind-Sein hergestellt wurden.
Die Tagung bietet eine Plattform zur Präsentation und ausführlichen Diskussion aktueller Forschungsarbeiten und vernetzt Forscher:innen der unterschiedlichen wissenschaftlichen Karrierestufen.
Informationen zum Arbeitskreis: https://ak-geschlechtergeschichte-fnz.univie.ac.at/
Mit freundlicher Unterstützung des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG).
Programm
Donnerstag, 23. Oktober 2025
16:00 UhrAnkommen
17:00 UhrBegrüßung und Vorstellungsrunde
18:00 UhrAbendessen
19:30 UhrKeynoteDynastische Herrschaft, Kindheit und Geschlecht in der Frühen NeuzeitProf. Dr. Nadine Amsler, Basel
danach gesellige Runde in der Denkbar
Freitag, 24. Oktober 2025
08:00 Uhr Frühstück
Panel I: Emotionen und Beziehungen
09:00 Uhr„Für zwei Mädchen an denen kein Makel war …“ Praktiken der Trauer bei verstorbenen Kindern und die Konstituierung emotionaler GemeinschaftenPD Dr. Cornelia Aust, Düsseldorf
10:00 UhrKörper und Emotionen im Kontext der Mortinatalität im erweiterten transalpinen Raum des 17. und 18. JahrhundertsCassandre Mardonao M.A., Fribourg
11:00 UhrKaffee/Tee & Snacks
11:30 UhrKindheit – eine Frage des Alters? Der Kindsbegriff als Analyseinstrument zur Untersuchung frühneuzeitlicher FrauenkonventeMichèle Steiner M.A., Basel
12:30 UhrMittagessen
Panel II: Verschickungen und Passagen
15:00 UhrZwischen Kindheit und Herrschaft. Gender, Sichtbarkeit und Handlungsräume im Hofstaat von Anna Jagiello und Maria von Habsburg (1515–1521)Carina Siegl MA, Wien
16:00 UhrKaffee/Tee & Kuchen
16:30 UhrZirkulierende Kinder und die koloniale Expansion Frankreichs (17.–18. Jh.). Eine ForschungsskizzeProf. Dr. Ulrike Krampl, Tours
17:30 UhrWie entstehen soziale Machtrelationen? Semantiken des „Kindseins“ in der „Theresianischen Militärakademie“ in Wiener Neustadt (1769–1805)Dr. Marcus Stiebing, Stuttgart
18:30 UhrAbendessen
gesellige Runde in der Denkbar
Samstag, 25. Oktober 2025
08:00 Uhr Frühstück
Panel III: Gewalt und Institutionen
09:00 UhrWenn Kinder Kinder rauben. Frühneuzeitliche sexuelle Gewalt, die von Kindern an Kinder ausgeübt wurdeChiara-Marie Hauser MA, Wien
10:00 UhrMeine Kinder, deine Kinder, wir Kinder. Kinder in Scheidungskonstellationen, Österreich unter der Enns 1786–1850Mag. Magdalena Irnstötter MA, Wien
11:00 UhrKaffee/Tee & Snacks
11:30 UhrSigna advocationis. Die Frage nach der Konfirmation von gehörlosen Kindern und Jugendlichen im 18. JahrhundertMichaela Kästl M.A., Universität Tübingen
12:30 UhrSchlussdiskussion
13:00 UhrMittagessen danach Ende der Tagung
Tagungsleitung
Dr. Hannah Elmer, Universität Hannover Prof. Dr. Antje Flüchter, Universität Bielefeld Prof. Dr. Andrea Griesebner, Universität Wien Prof. Dr. Michaela Hohkamp, Universität Hannover Dr. Johannes Kuber, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart Dr. Monika Mommertz, Universität Basel Prof. em. Dr. Claudia Opitz-Belakhal, Universität Basel Prof. Dr. Inken Schmidt-Voges, Universität Marburg
Zur Teilnahme
Tagungskosteninkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ 199,00 €inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 170,00 €ohne Übernachtung und Frühstück 101,00 €
Ermäßigtinkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 149,00 €ohne Übernachtung und Frühstück 80,00 €
Der ermäßigte Tagungsbeitrag gilt für Studierende bis 30 Jahre ohne festes Einkommen und für arbeitslos gemeldete Personen ohne Altersbeschränkung.
Stipendium für StudierendeWenn Sie als Studierende Interesse an einem Stipendium für diese Tagung haben, melden Sie sich bitte bei Johannes Kuber (
[email protected]). Der Förderverein der Akademie kann bei entsprechender Eignung einen Teil der Kosten übernehmen. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)
Anmeldung: www.akademie-rs.de/vakt_25615 Die Anmeldung erbitten wir online spätestens bis zum 09.10.2025. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung. Bei Rücktritt von der Anmeldung vom 13.–.21.10. (Eingangsdatum) stellen wir Ihnen die Hälfte der Tagungskosten in Rechnung, danach bzw. bei Fernbleiben die Gesamtkosten. Ersatz durch eine andere Person befreit von Stornogebühren.
Kontakt
Akademie der Diözese Rottenburg-StuttgartFachbereich GeschichteAssistenz: Simone StorckIm Schellenkönig 61, 70184 StuttgartTel: +49 711 1640 752E-Mail:
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