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  • Gedenkstätten und Zivilgesellschaft


    Corinna Bittner, Nicole Kramer, Janosch Steuwer | Kölner Vorträge zur Neueren und Neuesten Geschichte

    Die Erinnerung an die national­sozia­lis­ti­schen Gewalt­taten und die Arbeit von Gedenk­stätten hat den Ende 2024 verstorbenen Zeithistoriker Habbo Knoch zeitlebens beschäftigt – durch wissenschaftliche Reflexion ebenso wie durch ehren­amt­liches Engagement. Im Gedenken an Knoch geht die Histo­ri­ke­rin Corinna Bittner, Dokto­ran­din am Historischen Institut der Universität Köln, in ihrem Vortrag den Ambi­va­len­zen in der Entwicklung und im Status Quo der Gedenkstätten nach. Denn die Instutio­nali­sie­rung und Professio­nali­sie­rung von Gedenk­stätten­arbeit in den vergangenen Jahr­zehn­ten steht in einem Spannungs­verhältnis zu ihrer Geschichte als einer ursprünglich von Laien ausgehenden Erinne­rungs­praxis. Daran schließen sich grund­sätz­liche Fragen nach dem Verhältnis von Staat, Zivil­gesell­schaft und Geschichts­wissen­schaft an.
    Die aufgeworfenen Fragen werden im anschließenden Gespräch zwischen Corinna Bittner, Jun.-Prof. Dr. Nicole Kramer und Dr. Janosch Steuwer vertieft.
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  • Gudrun Krämer erhält den Preis des Historischen Kollegs 2025


    Mit dem Preis des Historischen Kollegs wird in diesem Jahr Gudrun Krämer ausgezeichnet. Sie war bis 2019 Leiterin des Instituts für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin (FU) und zugleich Direktorin der „Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies“. Sie erhält die Auszeichnung vornehmlich für ihr Buch „Der Architekt des Islamismus. Hasan al-Banna und die Muslimbrüder. Eine Biographie“ (Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung, Verlag C.H.Beck, München 2022, 528 S.). Der zum 15. Mal verliehene Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und hat sich als deutscher Historikerpreis etabliert. Das Preisgeld stellt heuer der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zur Verfügung.
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  • Antike Athleten (3) – Siegerinnen


    Zeitlupe – Der sporthistorische Podcast

    Lange war sich die Wissenschaft sicher, „dass das olympische Fest ausschließlich eine Sache von Manns­leuten war, und dass man die Weiber davon drako­nisch fernhielt“ (so der bedeu­ten­de Kultur­historiker Jacob Burckhardt). Tatsächlich war Frauen während der antiken olym­pi­schen Spiele die Anwesen­heit an den Sport­stätten verboten. Das hieß aber nicht, dass Frauen keine olym­pi­schen Siege erringen konnten, wie es etwa der sparta­ni­schen Prinzessin Kyniska und vielen weiteren Frauen gelang. Und bei anderen Wett­kämpfen waren Mädchen und Frauen keines­wegs so ausge­schlossen wie in Olympia. Wie groß ihr Anteil an der antiken griechischen Sportkultur war, darum geht es in der neuen Folge von „Zeitlupe“.
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  • Türkisch-Deutsches Kino-Bündnis: Episode 1 - Die allerersten Anfänge


    Die Geschichte des deutsch-türkischen Kinos begann nicht erst mit dem sogenannten „Gastarbeiterkino“ der 1960er- und 1970er-Jahre. Seine Wurzeln reichen deutlich weiter zurück: bis in die späten Jahre des Osmanischen Reichs. Der Filmhistoriker Dr. Enis Dinç von der Filmuniversität Babelsberg verfolgt die Geschichte der filmischen Verflechtungen zwischen Deutschland und der Türkei bis in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg zurück. Nach der Abdankung von Sultan Abdülhamid II. im Jahr 1909 versuchten die Jungtürken um Enver Pascha, das technologisch und militärisch rückständige Reich zu modernisieren. Sie nahmen sich das Deutsche Kaiserreich zum Vorbild, das Militärberater, Verwaltungsbeamte und Ingenieure nach Istanbul entsandte. Deutsche Filmemacher sollten den Aufbau des Kinos im Osmanischen Reich unterstützten. Während des Ersten Weltkriegs half das Kaiserreich aktiv beim Aufbau einer osmanischen Propagandamaschinerie – der Beginn des türkisch-deutschen Kino-Bündnisses.
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  • Türk-Alman Sinema İttifakı: Episode 1 - İlk Başlangıçlar


    Alman-Türk sinemasının tarihi, 1960'lı ve 1970'li yıllardaki “misafir işçi sineması”yla başlamadı. Kökleri çok daha eskilere, Osmanlı İmparatorluğu’nun son yıllarına kadar uzanır. Filmuniversität Babelsberg’den film tarihçisi Dr. Enis Dinç, Almanya ile Türkiye arasındaki sinemasal ilişkilerin izini Birinci Dünya Savaşı öncesine kadar sürüyor. 1909 yılında Sultan II. Abdülhamid'in tahttan indirilmesinin ardından, Enver Paşa liderliğindeki Jön Türkler, teknolojik ve askeri açıdan geri kalmış olan imparatorluğu modernleştirmeye çalıştılar. Bu süreçte Almanya İmparatorluğu’nu örnek aldılar; Almanya, İstanbul’a askeri danışmanlar, bürokratlar ve mühendisler gönderdi. Alman sinemacılar da Osmanlı sinemasının gelişimine katkıda bulunmak üzere görevlendirildi. Birinci Dünya Savaşı sırasında Almanya, Osmanlı’nın bir propaganda aygıtı kurmasına aktif destek verdi — bu da Alman-Türk sinema ittifakının başlangıcını oluşturdu.
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  • Kinder, Kindheit und Kind-Sein in der Frühen Neuzeit


    Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim

    In den letzten Jahren ist die Bedeutung von Kindern in den frühneuzeitlichen Gesellschaften zunehmend in den Fokus historischer Untersuchungen gerückt. Obwohl Kinder ein wesentlicher Bestandteil jeder Gesellschaft und damit auch ihrer jeweiligen Geschlechterordnungen waren und sind, wurden sie von den Geschichtswissenschaften lange vernachlässigt – teils aufgrund historiographischer Tendenzen, teils wegen Herausforderungen in der Quellenüberlieferung. Kinder hinterlassen nicht die gleichen Spuren in historischen Quellen wie Erwachsene, und ihre Geschichten müssen in der Regel aus Texten, Bildern und anderen Quellen rekonstruiert werden, in denen sie – oft auch nur en passant – erwähnt werden. Je jünger ein Kind ist, desto eher wird es nur durch die Handlungen anderer sichtbar.
    Die 30. Jahrestagung des Arbeitskreises Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit analysiert und problematisiert Kinder, Kindheit und Kind-Sein in der Frühen Neuzeit in einem dichten Gefüge aus rechtlichen und sozialen Abhängigkeiten und Ungleichheiten. Wir fragen nach der Bedeutung von Geschlecht für Zugehörigkeiten, Emotionalitäten und Teilhabe an materiellen und immateriellen Ressourcen. Kinder waren essenziell für die Reproduktion jener geschlechtlichen und sozialen Strukturen, die die frühneuzeitlichen Gesellschaften und Kulturen trugen. Für die Ausbildung und Erziehung war aber nicht nur der eigene Famienverband entscheidend, oft prägten auch räumliche wie soziale Mobilitäten frühneuzeitliches Kind-Sein. Zugleich entfalteten frühneuzeitliche Gesellschaften ein breites Spektrum metaphorischer Referenzsysteme, in denen Legitimation, Zugehörigkeit und Affirmativität über Bezüge zum Kind-Sein hergestellt wurden.
    Die Tagung bietet eine Plattform zur Präsentation und ausführlichen Diskussion aktueller Forschungsarbeiten und vernetzt Forscher:innen der unterschiedlichen wissenschaftlichen Karrierestufen.
    Informationen zum Arbeitskreis: https://ak-geschlechtergeschichte-fnz.univie.ac.at/
    Mit freundlicher Unterstützung des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG).
    Programm
    Donnerstag, 23. Oktober 2025
    16:00 UhrAnkommen
    17:00 UhrBegrüßung und Vorstellungsrunde
    18:00 UhrAbendessen
    19:30 UhrKeynoteDynastische Herrschaft, Kindheit und Geschlecht in der Frühen NeuzeitProf. Dr. Nadine Amsler, Basel
    danach gesellige Runde in der Denkbar
     
    Freitag, 24. Oktober 2025
    08:00 Uhr Frühstück
     Panel I: Emotionen und Beziehungen
    09:00 Uhr„Für zwei Mädchen an denen kein Makel war …“ Praktiken der Trauer bei verstorbenen Kindern und die Konstituierung emotionaler GemeinschaftenPD Dr. Cornelia Aust, Düsseldorf
    10:00 UhrKörper und Emotionen im Kontext der Mortinatalität im erweiterten transalpinen Raum des 17. und 18. JahrhundertsCassandre Mardonao M.A., Fribourg
    11:00 UhrKaffee/Tee & Snacks
    11:30 UhrKindheit – eine Frage des Alters? Der Kindsbegriff als Analyseinstrument zur Untersuchung frühneuzeitlicher FrauenkonventeMichèle Steiner M.A., Basel
    12:30 UhrMittagessen
    Panel II: Verschickungen und Passagen
    15:00 UhrZwischen Kindheit und Herrschaft. Gender, Sichtbarkeit und Handlungsräume im Hofstaat von Anna Jagiello und Maria von Habsburg (1515–1521)Carina Siegl MA, Wien
    16:00 UhrKaffee/Tee & Kuchen
    16:30 UhrZirkulierende Kinder und die koloniale Expansion Frankreichs (17.–18. Jh.). Eine ForschungsskizzeProf. Dr. Ulrike Krampl, Tours
    17:30 UhrWie entstehen soziale Machtrelationen? Semantiken des „Kindseins“ in der „Theresianischen Militärakademie“ in Wiener Neustadt (1769–1805)Dr. Marcus Stiebing, Stuttgart
    18:30 UhrAbendessen
    gesellige Runde in der Denkbar
     
    Samstag, 25. Oktober 2025
    08:00 Uhr Frühstück
    Panel III: Gewalt und Institutionen
    09:00 UhrWenn Kinder Kinder rauben. Frühneuzeitliche sexuelle Gewalt, die von Kindern an Kinder ausgeübt wurdeChiara-Marie Hauser MA, Wien
    10:00 UhrMeine Kinder, deine Kinder, wir Kinder. Kinder in Scheidungskonstellationen, Österreich unter der Enns 1786–1850Mag. Magdalena Irnstötter MA, Wien
    11:00 UhrKaffee/Tee & Snacks
    11:30 UhrSigna advocationis. Die Frage nach der Konfirmation von gehörlosen Kindern und Jugendlichen im 18. JahrhundertMichaela Kästl M.A., Universität Tübingen
    12:30 UhrSchlussdiskussion
    13:00 UhrMittagessen danach Ende der Tagung
     
    Tagungsleitung
    Dr. Hannah Elmer, Universität Hannover Prof. Dr. Antje Flüchter, Universität Bielefeld Prof. Dr. Andrea Griesebner, Universität Wien Prof. Dr. Michaela Hohkamp, Universität Hannover Dr. Johannes Kuber, Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart Dr. Monika Mommertz, Universität Basel Prof. em. Dr. Claudia Opitz-Belakhal, Universität Basel Prof. Dr. Inken Schmidt-Voges, Universität Marburg
     
    Zur Teilnahme
    Tagungskosteninkl. Verpflegung und Übernachtung im EZ 199,00 €inkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 170,00 €ohne Übernachtung und Frühstück 101,00 €
    Ermäßigtinkl. Verpflegung und Übernachtung im DZ 149,00 €ohne Übernachtung und Frühstück 80,00 €
    Der ermäßigte Tagungsbeitrag gilt für Studierende bis 30 Jahre ohne festes Einkommen und für arbeitslos gemeldete Personen ohne Altersbeschränkung.
    Stipendium für StudierendeWenn Sie als Studierende Interesse an einem Stipendium für diese Tagung haben, melden Sie sich bitte bei Johannes Kuber ([email protected]). Der Förderverein der Akademie kann bei entsprechender Eignung einen Teil der Kosten übernehmen. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)
    Anmeldung: www.akademie-rs.de/vakt_25615 Die Anmeldung erbitten wir online spätestens bis zum 09.10.2025. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung. Bei Rücktritt von der Anmeldung vom 13.–.21.10. (Eingangsdatum) stellen wir Ihnen die Hälfte der Tagungskosten in Rechnung, danach bzw. bei Fernbleiben die Gesamtkosten. Ersatz durch eine andere Person befreit von Stornogebühren.
     
    Kontakt
    Akademie der Diözese Rottenburg-StuttgartFachbereich GeschichteAssistenz: Simone StorckIm Schellenkönig 61, 70184 StuttgartTel: +49 711 1640 752E-Mail: [email protected]
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  • „Eine Glasfassade wird nicht über Nacht zur bepflanzten Wand“


    Interview mit Lisa Gerlach-Klimera über Umweltschutz und die Probleme beim Bauen

    „Schaffe, schaffe, Häusle baue“: Kaum ein anderes Sprichwort bringt die vermeintliche Mentalität der Schwaben und ihre Leidenschaft für das Eigenheim besser auf den Punkt. So zumindest das Klischee. Doch wie verträgt sich dieser Wunsch nach den eigenen vier Wänden mit wachsenden Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Historikerin Dr. Lisa Gerlach-Klimera in einem von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Forschungsprojekt. Am Beispiel der Stadt Stuttgart und ihrem Umland untersucht sie, wie dort seit den 1970er Jahren Umweltwissen im Haus- und Wohnungsbau verwertet oder verworfen wurde. Im Interview spricht sie über umweltbewusstes Bauen zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Baustoff-Konjunkturen und darüber, woran die Umsetzung nachhaltiger Ideen im Baugewerbe häufig scheitert.
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  • Mit Luhmann in die deutsche Geschichte


    Zu Gast bei L.I.S.A. mit Benjamin Ziemann

    Für den Soziologen Niklas Luhmann war die Heraus­bildung einzelner gesell­schaft­licher Teilsys­teme wie Politik, Wissen­schaft, Recht, Kultur oder Wirtschaft, die nicht mehr von über­grei­fen­den Sinn­zusammen­hängen erfasst werden können, der zentrale Schlüssel zum Verständnis der modernen Gesell­schaft. Aber lässt sich mithilfe der Theorie funktionaler Diffe­ren­zie­rung auch die neuere deutsche Ge­schich­te beschrei­ben? Der Histo­ri­ker Prof. Dr. Benjamin Ziemann von der University of Sheffield hat sich in seinem jüngst erschienen Buch „Gesell­schaft ohne Zentrum“ auf dieses Wagnis einge­lassen. Wir haben mit ihm darüber in einer neuen Ausgabe von „Zu Gast bei L.I.S.A.“ ge­spro­chen.
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  • Mittelalterliche Königstöchter im fremden Land


    Michael Borgolte | Salon Sophie Charlotte 2025

    Migration als Chance, ein anderer Mensch zu werden: In dynastisch verfassten Herr­schaf­ten war die Verhei­ra­tung von königlichen Töchtern und Schwestern in fremde Länder eine übliche Praxis. Diese diente ver­schie­de­nen poli­ti­schen Zielen, aber obwohl die Instru­men­ta­li­sie­rung der Frauen unbe­streit­bar ist, fand sie bei ihnen selbst im Allgemeinen Akzep­tanz. Die Heirats­migran­tinnen wandelten sich durch die Annahme neuer Namen, anderer Kleidung und manchmal auch durch den Wechsel der Religion, vor allem aber begriffen nicht wenige von ihnen die Fremde als Frei­raum zu einer kreativen Lebens­gestal­tung, die ihnen am hei­mi­schen Hof niemals möglich gewesen wäre. Der Vortrag von Michael Borgolte (Mittelalter­histo­ri­ker, HU zu Berlin, Akademie­mit­glied) zeigt das an Beispielen aus dem Mittelalter.
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  • Neu erschienen: Das LaG-Magazin 7/25


    „Die Wehrpflicht und ihre Verweigerung. Historische Bezüge zu einer aktuellen Debatte“

    Die allgemeine Wehrpflicht wird angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine schon länger politisch und medial diskutiert, ihre Wiederinkraftsetzung scheint vor der Tür zu stehen. Das LaG-Magazin greift die Debatte auf und bietet Einblicke in die Geschichte der Wehrpflicht in Deutschland – ein Plädoyer dieses Thema verstärkt in die Bildungsarbeit mit Jugendlichen aufzunehmen.
    Link zum LaG-Mag 7/2025 
    Sie sehen vor sich eine Magazinausgabe, die wie gewohnt ein historisches Thema aufgreift und es für die Bildungsarbeit aufbereitet. Dieses Mal haben wir es jedoch mit einem Thema von besonders aktueller Relevanz zu tun: Seit dem vollumfänglichen Ausbruch des Krieges in der Ukraine wird die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht politisch und medial kontrovers diskutiert. Mit dem diesjährigen Antritt der Regierung Merz, der wiederholt beschworenen „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands sowie der massiven Aufrüstung innerhalb der EU und der NATO stehen besonders junge Menschen hierzulande vor der konkreten Aussicht, Wehrdienst leisten und perspektivisch sogar aktiv als Soldat*in an einem zukünftigen Krieg teilnehmen zu müssen. Ein solches Szenario bedeutet für die jüngeren Generationen in Deutschland nicht nur einen temporären Eingriff in Biografien, sondern stellt auch potentiell eine schwerwiegende Einschränkung verfassungsmäßig garantierter Grundrechte dar − etwa des Rechts auf Selbstbestimmung, auf körperliche Unversehrtheit und letztlich auf das eigene Leben.
    Angesichts – und trotz – der politisch vehement betonten Alternativlosigkeit eines Krieges in Europa sollte öffentlich breit diskutiert werden, wer den Preis für unsere Freiheit zahlen soll und ob ihn wieder die jüngeren Generationen entrichten müssen, deren Zukunft bereits durch die Erderwärmung mit allen vorhersehbaren und noch unbekannten Folgen ohnehin bereits massiv beeinträchtigt sein wird. Auf die Frage der Wehrgerechtigkeit folgt somit auch die Frage nach der Generationengerechtigkeit.
    Das vorliegende Magazin lädt insbesondere schulische Lehrkräfte und Referent*innen der außerschulischen Bildungsarbeit dazu ein, junge Menschen über das Thema Wehrpflicht zu informieren, ihnen zentrale Fragen zu stellen und das Thema mit seinem Für und Wider gemeinsam fundiert zu erörtern. Der Blick in die historischen Zusammenhänge – etwa die Situation des Kalten Krieges in den 1970er und 1980er Jahren – hilft, gegenwärtige politische und gesellschaftliche Konstellationen einzuordnen und kritisch zu bewerten. Schüler*innen sollen befähigt werden, Angeboten der Bundeswehr informiert zu begegnen, Diskussionen auf Augenhöhe zu führen und reflektierte sowie souveräne Entscheidungen zu treffen.
    Eine breitere gesellschaftliche Diskussion wird bestenfalls durch aufgeklärte Mitglieder dieser Gesellschaft geführt. Das LaG-Magazin betrachtet das Thema Wehrpflicht aus dezidiert zivilgesellschaftlicher Perspektive. Militärimmanente Argumentationsstränge stehen weniger im Mittelpunkt der Beiträge. Der Grundgedanke des „Staatsbürgers in Uniform“ und das Konzept der „Inneren Führung“, denen sich die Bundeswehr in kritischer Distanz zu den Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verschrieben hat, können und sollten jedoch gerade in zivilen Sphären diskutiert werden. Diese Konzepte wurden in den Nachkriegsjahrzehnten entwickelt und werden von verschiedenen Autor*innen in ihren Beiträgen aufgegriffen. Ein Grundsatz der sogenannten Inneren Führung ist, laut Website der Bundeswehr, das „Selbstverständnis der Bundeswehr als Parlamentsarmee“. Das heißt, der demokratisch gewählte Bundestag entscheidet über ihre Einsätze; politische Willensbildungen stehen über militärischen. Ein weiterer Grundsatz ist die Forderung nach dem „selbst denkenden Soldaten“, der nicht blind gehorchen, sondern verbrecherische Befehle verweigern soll. Wäre solch ein Grundsatz nicht eine Diskussion im Schulunterricht wert?
    Das LaG-Magazin beleuchtet zunächst die historischen Ursprünge der allgemeinen Wehrpflicht. Im thematischen Schwerpunkt geht es um die Entwicklung der Wehrpflicht und ihrer Verweigerung im geteilten Deutschland nach 1945. Ein weiterer Fokus liegt auf geschlechterspezifischen Perspektiven.
    Einführend beantwortet Ute Frevert unsere Fragen zur Entstehung der allgemeinen Wehrpflicht im 19. Jahrhundert: Der Staatsbürger in Uniform löste den bezahlten Söldner des frühneuzeitlichen Heeres ab.
    Der Militärhistoriker Rüdiger Wenzke gibt einen Überblick über die Geschichte der Wehrpflicht in der DDR und geht dabei auch auf die begrenzten Möglichkeiten für Verweigerer ein.
    Martin Singe zeichnet nach, wie das Recht auf Kriegsdienstverweigerung im Jahr 1949 als Menschenrecht Eingang in das bundesrepublikanische Grundgesetz fand – in der praktischen Behandlung von Verweigerern und auch durch spätere Gesetzgebungen erfuhr es dann jedoch eine Entkräftung.
    Diesen Aspekt vertieft Guido Grünewald in seinem Beitrag. Er beschreibt, wie in der Bundesrepublik immer mehr Menschen den Wehrdienst verweigerten und welche sozialpolitische Bedeutung der Zivildienst gewann.
    Sylka Scholz führt aus, wie militarisierte Männlichkeit seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Deutschland hegemonial wurde. Während dieses Ideal nach 1945 noch gesellschaftlich diskreditiert war, erlebt es durch rechte und extrem rechte Kreise derzeit eine Renaissance.
    Maja Apelt beleuchtet die Integration von Frauen in die Bundeswehr: Traditionell waren Frauen im medizinischen Bereich und im Musikkorps tätig, nicht jedoch im Dienst an der Waffe.
    Am Lernort Keibelstraße in Berlin wurden Interviews mit ehemaligen Totalverweigerern in der DDR geführt, die für ihre Verweigerung in Untersuchungshaft kamen. Henrike Voigtländer und Jan Haverkamp berichten über die Bildungsarbeit mit Schulklassen zu diesem Thema.
    Tobias Rischk diskutiert vier ausgewählte Unterrichtsmaterialien zum Thema Wehrpflicht. Er nimmt die Perspektive der Jugendlichen ein und stellt zum Schluss zentrale Fragen. Fachlich unterstützt wurde er hierbei von Karl-Heinz Lipp.
    Sabrina Pfefferle rezensiert die Graphic Novel Gegen mein Gewissen von Hannah Brinkmann. Darin verarbeitet die Autorin die Wehrdienstverweigerung ihres Onkels in der alten Bundesrepublik – und die tragischen Folgen, die die Ablehnung seines Antrags für ihn hatte.
    Wir danken allen Autor*innen sehr herzlich für ihre Beiträge zu dieser Magazinausgabe sowie für fachlichen Austausch, Rat und Geduld im redaktionellen Prozess. Da das Thema von aktueller Brisanz ist, haben einige Autor*innen persönliche Stellungnahmen und Positionierungen in ihre Texte eingefügt und verlassen dort bewusst den Pfad der Historiografie − darauf möchten wir ausdrücklich hinweisen. Unser Dank gilt außerdem der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die diese Ausgabe des LaG-Magazins fördert.
    Die nächste Ausgabe des LaG-Magazins erscheint am 24. September 2025. Darin werfen wir einen kritischen Blick auf den Tag der Deutschen Einheit und bringen ergänzend neue Perspektiven auf Feiertags- und Gedenkkulturen ein.
    Wir wünschen Ihnen eine erhellende Lektüre!
    Ihre
    LaG-Redaktion
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