Literaturclub

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By Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)Arts
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Literaturclub episodes

  • Macht und Einsamkeit: Neue Bücher von Giuliano da Empoli, Sarah Jollien-Fardel, Anita Brookner und Christian Haller
    Nicola Steiner, Usama Al Shahmani, Milo Rau und – als Gast – die Autorin und Journalistin Anuschka Roshani diskutieren über «Der Magier im Kreml» von Giuliano da Empoli, «Lieblingstochter» von Sarah Jollien-Fardel, «Seht mich an» von Anita Brookner sowie «Sich lichtende Nebel» von Christian Haller.
    Was treibt Putin an? Giuliano da Empoli gilt als Experte in Fragen von Macht, Propaganda und Manipulation. Nun hat der Wissenschaftler und Politikberater einen Roman über das Zentrum der russischen Macht geschrieben. In «Der Magier im Kreml» versetzt er sich in den Kopf eines Mannes, der bis vor ein paar Jahren als engster Berater Putins galt. Fast dokumentarisch genau beschreibt der Roman die zeithistorischen Kontexte, die Putin an die Macht gebracht und dort gehalten haben.
    Mit ihrem Debut-Roman «Lieblingstochter» hatte die Walliser Autorin Sarah Jollien-Fardel zunächst im französischen Sprachraum riesigen Erfolg. Jetzt erscheint das Buch auf Deutsch. In einem Dorf im Wallis schlägt ein Familienvater seine Frau und die beiden Töchter; die ältere missbraucht er sogar sexuell. Das Dorf weiss, was vor sich geht und schweigt. Aus dem Trauma dieser Kindheit voller unvorhersehbarer Gewalt muss die Ich-Erzählerin Jeanne ihren Weg finden.
    Die britische Schriftstellerin Anita Brookner begann erst in ihren Fünfzigern literarisch zu schreiben. In 24 Romanen beschrieb sie meist alleinstehende Charaktere, die versuchen, Anschluss zu finden. Im Roman «Seht mich an» erzählt Brookner die Geschichte einer unverheirateten Frau, die nach dem Tod der Mutter mit der Haushälterin in ihrem Haus lebt. Eines Tages lernt sie ein schillerndes Paar kennen, die für sie das Tor zu einer neuen Welt sind.
    Der Schweizer Schriftsteller Christian Haller – der auch Biologe ist – hat vor kurzem seinen 80. Geburtstag gefeiert. In seinem literarischen Werk kommt immer wieder auch sein Interesse für Naturwissenschaft zum Tragen. In der jüngst erschienenen Novelle «Sich lichtende Nebel» erzählt Haller von einer rätselhaften abendlichen Begegnung zweier Männer in einem Kopenhagener Park. Den Beobachter dieser Szene, Werner Heisenberg, führt sie zur Entwicklung der Theorie der Quantenmechanik – die ein neues Weltbild schuf.
    Die Bücher der Sendung sind:
    – Giuliano da Empoli: «Der Magier im Kreml» (C.H.Beck);
    – Sarah Jollien-Fardel: «Lieblingstocher» (Aufbau);
    – Anita Brookner: «Seht mich an» (Eisele); und
    – Christian Haller: «Sich lichtende Nebel» (Luchterhand).
    Gast der Sendung ist die Autorin und Journalistin Anuschka Roshani.
    1 hr 15 min
  • Schriftsteller, Superyachten und MeToo: Peter Stamm, Virginie Despentes, Mohamed Mbougar Sarr und Grégory Salle
    Nicola Steiner, Laura de Weck, Thomas Strässle und die Satirikerin Sophie Passmann diskutieren über «In einer dunkelblauen Stunde» von Peter Stamm, «Die geheimste Erinnerung der Menschen» von Mohamed Mbougar Sarr, «Liebes Arschloch» von Virginie Despentes sowie über «Superyachten» von Grégory Salle.
    Zeitgleich mit dem 60. Geburtstag des Schweizer Schriftstellers Peter Stamm ist sein Roman «In einer dunkelblauen Stunde» erschienen. Das Buch ist ein rätselhaftes Verwirrspiel um einen erfolgreichen Schweizer Autor, über den zwei Filmemacher einen Dokumentarfilm drehen wollen. Doch der Autor erscheint nicht und so beginnt die Spurensuche in dessen Leben und Werk.
    Virginie Despentes trifft mit ihren wütenden Romanen die Schmerzpunkte Frankreichs – zuletzt mit der «Subutex»-Trilogie. Nun widmet sie sich in einem Briefroman mit dem Titel «Liebes Arschloch» dem Thema #MeToo, das sie als historisch einschätzt. Ein erfolgreicher Schriftsteller im Austausch mit einer Filmdiva, die er beleidigt hat. Despentes gibt sich mit diesem Buch versöhnlich, indem sie Opfer und Täter zugleich im Blick hat. Das Buch hat die literarische Debatte des vergangenen Herbstes in Frankreich dominiert.
    Dem Phänomen der Superyachten widmet sich der französische Soziologe Grégory Salle. Der demonstrative Konsum ist für ihn nicht belanglos, sondern bedeutungsvoll. Für Grégory Salle ist diese Spielart des masslos-exklusiven Tourismus die extremste Form des Kapitalismus. Die schwimmenden Paläste betrachtet er als Methode der Abgrenzung und gleichzeitig als enorme Verschwendung von Ressourcen und schildert beides auch anhand literarischer Mittel.
    Der senegalesische Schriftsteller Mohamed Mbougar Sarr hat einen Roman über einen Roman geschrieben.
    Einem jungen Senegalesen fällt ein verloren geglaubtes Kultbuch in die Hände, und er begibt er sich auf die Suche nach dem mysteriösen Verfasser T.C. Elimane. Das Buch ist auch eine literarische Auseinandersetzung mit den Erwartungen an «afrikanisches Schreiben» und dem eurozentrischen Blick auf Afrika.
    Die Bücher der Sendung sind:
    – Peter Stamm: «In einer dunkelblauen Stunde» (S. Fischer);
    – Virginie Despentes: «Liebes Arschloch» (Kiepenheuer & Witsch);
    – Grégory Salle: «Superyachten» (Suhrkamp); und
    – Mohamed Mbougar Sarr: «Die geheimste Erinnerung der Menschen» (Hanser).
    1 hr 16 min
  • «Die schwarze Spinne» und andere Klassiker
    Nicola Steiner, Martin Ebel, Raoul Schrott und – als Gast – der Schriftsteller Daniel Kehlmann diskutieren über «Die schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf, «Cousine Bette» von Honoré de Balzac, «Mrs. Dalloway» von Virginia Woolf sowie «Nadja» von André Breton.
    «Die schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf ist ein Schweizer Klassiker der Horror-Literatur. Ein Vorläufer von zeitgenössischen Autoren wie Stephen King. Gotthelf schafft in diesem Text mit Sprache etwas, das stärker wirkt als mancher zeitgenössische Horrorfilm. Ist «Die schwarze Spinne» deswegen auch grosse Literatur?
    «Die menschliche Komödie» nannte Honoré de Balzac sein grosses Lebensprojekt. Es sind fast 100 Romane und Erzählungen mit rund 2000 Figuren. Alle zusammen genommen sollten sie die französische Gesellschaft mit all ihren Lastern und Tugenden abbilden. Der Intrigen-Roman «Cousin Bette» ist gerade neu übersetzt erschienen und eignet sich hervorragend als Einstieg in Balzacs Kosmos.
    «Mrs. Dalloway» von Virginia Woolf schildert einen einzigen Tag im Juni 1923 im Leben einer Londoner Gesellschaftsdame. Erzählt wird aber keine Geschichte. Was den Roman sensationell macht, ist Virginia Woolfs Sprache – und die Wahrnehmungen, Erinnerungen und Reflexionen, die sie zu einem Panorama der Gesellschaft nach dem ersten Weltkrieg zusammensetzt.
    André Breton ist eine Schlüsselfigur des Surrealismus. Sein 1928 erschienener Text «Nadja» ist ein Kultbuch, ein Manifest, für manche der Beginn der Autofiktion. Noch im Jahre seines Erscheinens musste das Buch 20-mal nachgedruckt werden – und heute steht es auf der Liste der Zeitschrift «Le Monde» der hundert bedeutendsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts.
    Die Bücher der Sendung sind:
    – Jeremias Gotthelf: «Die schwarze Spinne» (Suhrkamp);
    – Honoré de Balzac: «Cousine Bette» (Matthes & Seitz);
    – Virginia Woolf: «Mrs. Dalloway» (Manesse); und
    – André Breton: «Nadja» (Suhrkamp).
    Gast der Sendung ist der Schriftsteller Daniel Kehlmann.
    1 hr 16 min
  • Von Konventionen und Befreiungsschlägen: Kim de l'Horizon, Karen Duve, Lea Ypi und Moisin Hamid
    Nicola Steiner, Milo Rau, Thomas Strässle und – als Gast – die Kolumnistin und Journalistin Nina Kunz diskutieren über «Sisi» von Karin Duve, «Blutbuch» von Kim de l’Horizon, «Frei» von Lea Ypi sowie «Der letzte weisse Mann» von Mohsin Hamid.
    Die Lebensgeschichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth ist gerade auffällig oft der Stoff für TV-Serien und Spielfilme. Auch die deutsche Schriftstellerin Karen Duve wendet sich «Sisi» in ihrem neuen Roman zu. Sie zeichnet eine Kaiserin zwischen Konventionen und Selbstbestimmung. Mit Distanz und Ironie beschreibt sie Sisi als Frau, die schillernd ist, zwischen Empathie und Intriganz, zwischen Selbstdisziplin und Melancholie.
    Kim de l’Horizon ist für «Blutbuch» mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden und auch für den Schweizer Buchpreis im Rennen. In diesem queeren Familienroman wendet sich eine non-binäre Person an ihre demente Grossmutter, schreibt über Geschlecht, Scham und Klassenzugehörigkeit. Kim de l’Horizon schafft einen Text, der in seiner Vielstimmigkeit und seiner stilistischen Vielfalt dem Werden seiner Hauptfigur und deren Fliessen zwischen den Geschlechtern entspricht.
    Die albanisch-britische Politikwissenschaftlerin Lea Ypi blickt in ihrem Buch «Frei» zurück auf ihre Kindheit und Jugend im sozialistischen Albanien und in den Jahren nach 1991. Dabei erzählt sie konsequent aus der Perspektive des Mädchens. Ypi zeigt an bedeutungsvollen Szenen aus ihrem Leben, wie Geschichte das eigene Leben formt. Die Geschichte ihrer Familie ist eng mit der Geschichte des Landes verbunden. Es geht um die Versprechen von Freiheit in verschiedenen Systemen, um Ideale, Hoffnungen und Enttäuschungen.
    Ein Mann erwacht am Morgen und stellt fest, dass sich seine Hautfarbe «unleugbar tiefbraun verfärbt hat». Der neue Roman des pakistanisch-britischen Schriftstellers Mohsin Hamid beginnt kafkaesk. «Der letzte weisse Mann» ist eine Parabel über Rassismus, über das Anderssein und Zugehörigkeit. Ohne Pathos, mit Ironie und in sehr langen Sätzen beschreibt Hamid, wie alle Weissen zu Schwarzen werden. Dabei verarbeitet er eigene Erfahrungen als Mensch, der zur Zeit der Anschläge vom 11. September 2001 in New York gelebt hat.
    Die Bücher der Sendung sind:
    – Karin Duve: «Sisi» (Galiani);
    – Kim de l’Horizon: «Blutbuch» (Dumont);
    – Lea Ypi: «Frei» (Suhrkamp); und
    – Mohsin Hami: «Der letzte weisse Mann» (Dumont).
    Gast der Sendung ist die Schweizer Kolumnistin und Journalistin Nina Kunz.
    1 hr 17 min
  • Von Männern in verschiedenen Welten: Neue Bücher von Thomas Hürlimann, Christian Baron, Behzad Karim Khani und Gion Mathias Cavelty
    Nicola Steiner, Elke Heidenreich, Philipp Tingler und – als Gast – der Liedermacher und Autor Linard Bardill diskutieren über «Der rote Diamant» von Thomas Hürlimann, «Lucifer» von Gion Mathias Cavelty, «Schön ist die Nacht» von Christian Baron sowie über «Hund Wolf Schakal» von Behzad Karim Khani.
    Der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann siedelt seinen neuesten Roman «Der rote Diamant» in einem katholischen Kloster-Internat in der Innerschweiz an. Es ist eine Welt, die der Autor als Schüler des Internats in Einsiedeln SZ bestens kennt. Einige Zöglinge des Internats machen sich auf die Suche nach einem roten Diamanten. Doch das Buch ist mehr als ein süffiger Abenteuerroman: Hürlimann verhandelt in diesem vielschichtigen Roman auch philosophische Ideen zum Thema Zeit.
    Mit «Schön ist die Nacht» wirft der deutsche Schriftsteller und Journalist Christian Baron ein literarisches Schlaglicht auf das Leben der Arbeiterklasse in der westdeutschen Provinz. Darin beschreibt Baron die Unentrinnbarkeit aus prekären Verhältnissen und greift – wie schon in seinem Debüt «Ein Mann seiner Klasse» – auf die persönliche Familiengeschichte zurück. Er schildert eine verhängnisvolle Freundschaft zweier Männer im Westdeutschland der 1970er-Jahre und damit einen vergessenen Teil der deutschen Gesellschaft.
    Ein beeindruckendes literarisches Debüt ist Behzad Karim Khani gelungen. «Hund Wolf Schakal» erzählt von zwei ungleichen Brüdern, von einer schwierigen Kindheit im Immigranten-Milieu der 90er-Jahre in Berlin. Nach dem Tod ihrer Mutter müssen Saam und sein Bruder mit ihrem Vater während der islamischen Revolution nach Deutschland fliehen und dort eine neue Heimat finden. Khani will beschreiben, wie man in einem gewaltvollen Umfeld seine Würde bewahrt. Sein rasant erzählter Text beeindruckt durch Härte und Zartheit zugleich.
    Dem Bündner Autor Gion Mathias Cavelty ist nichts heilig. Am liebsten kombiniert er Biblisches und Philosophisches mit Nonsense und Satire. Ein rätselhafter Autor, der die Schweizer Literatur auf den Kopf stellt. Cavelty wirft Fragen auf zu Möglichkeiten und Grenzen von Sprache und hat dafür in diesem Jahr den Bündner Literaturpreis erhalten. Sein aktueller Roman «Lucifer» spielt in der männerbündlerischen Welt der Tempelritter. Zwischen Orten und Zeiten springend, folgt er dem Weg eines Narren zur Erleuchtung.
    Die Bücher der Sendung sind:
    – Thomas Hürlimann: «Der rote Diamant» (S.Fischer);
    – Christian Baron: «Schön ist die Nacht» (Claassen);
    – Behzad Karim Khani: «Hund Wolf Schakal» (Hanser Berlin); und
    – Gion Mathias Cavelty: «Lucifer» (lector books).
    Gast der Sendung ist der Schweizer Liedermacher Linard Bardill.
    1 hr 17 min
  • Literaturclub
    Nicola Steiner, Usama Al Shahmani, Daniela Strigl und – als Gast – der Entertainer Dominic Deville diskutieren über «Matrix» von Lauren Groff, «Draussen feiern die Leute» von Sven Pfizenmaier, «Die Ukrainerin» von Josef Winkler sowie «Geschichte eines Kindes» von Anna Kim.
    Die Bücher der Sendung sind:
    – Lauren Groff: «Matrix» (Claassen);
    – Sven Pfizenmaier «Draussen feiern die Leute» (Kein & Aber);
    – Josef Winkler: «Die Ukrainerin» (Suhrkamp); und
    – Anna Kim: «Geschichte eines Kindes» (Suhrkamp).
    Gast der Sendung ist der Entertainer Dominic Deville.
    1 hr 16 min
  • Lesen mit Lukas Bärfuss
    Nicola Steiner, Laura de Weck, Thomas Strässle und – als Gast – der Schriftsteller Lukas Bärfuss diskutieren über «Republik der Taubheit» von Ilya Kaminsky, «Zusammenkunft» von Natasha Brown, «In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg.» von Gabriele Riedle und über «Die Geschmeidigen» von Nora Bossong.
    Was ist das für eine Generation, die um die 40 ist und nun die Führungsetagen in Politik, Wirtschaft und Kultur übernimmt? Die deutsche Schriftstellerin Nora Bossong nennt ihre eigene Generation «Die Geschmeidigen». Diese Jahrgänge zwischen 1975 und 1985 sind aufgewachsen mit dem Ende des Kalten Kriegs und dem Mauerfall. Vertraut sind sie weder mit grossen politischen Gegensätzen noch grossen Konflikten. Dafür gelten sie als konsenserprobt und kooperativ. Wie handeln sie nun, wo das Versprechen von Wohlstand, Frieden und Demokratie beschädigt ist – nicht erst seit dem Ukraine-Krieg?
    «Die Republik der Taubheit» von Ilya Kaminsky erzählt von einer belagerten Stadt, die sich nach dem Mord an einem Kind taub stellt. Es geht um Widerstand aus einer Welt der Stille – und es geht um die Position, die wir als Zuschauerinnen und Zuschauer einnehmen im Angesicht des Krieges. Das Buch ist bereits 2019 im Original erschienen. Aber wenn man es jetzt in der deutschen Übersetzung liest, dann verbinden sich die Bilder des Krieges in der Ukraine unwillkürlich mit denen des Textes.
    Die deutsche Kriegsreporterin Gabriele Riedle ist viele Jahre lang für Zeitschriften wie «Geo» in Krisengebiete wie Afghanistan und Libyen gereist. Leserinnen und Lesern, die hier in Frieden und Sicherheit leben, wollte sie die Welt der anderen näherzubringen. Ihr aktuelles Buch «In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg» ist als «eine Art Abenteuerroman» gekennzeichnet und speist sich aus ihren Erfahrungen im Krieg. Es ist ein Buch, das uns daran erinnert, wie komplex und vielschichtig die Welt ist und wie erzählender Journalismus funktioniert.
    «Zusammenkunft» von Natasha Brown wurde im letzten Jahr in Grossbritannien als bedeutendstes Debut des Jahres gefeiert. Eine junge schwarze Frau aus der Unterschicht arbeitet als Topmanagerin in einer Londoner Bank. Sie besitzt eine Eigentumswohnung in bester Lage und hat einen Freund aus privilegiertem Hause. Dennoch fühlt sie sich immer fehl am Platz. Die Erzählung vom Aufstieg durch Anpassung erweist sich immer mehr als trügerisch.
    1 hr 15 min
  • Frauenpower, Vergänglichkeit und eine Intrige: Bücher von Leta Semadeni, Joseph Conrad, Witold Gombrowicz und ein Romandebut von Bonnie Garmus
    Nicola Steiner, Usama Al Shahmani, Raoul Schrott und – als Gast – die Politstrategin Flavia Kleiner diskutieren über «Eine Frage der Chemie» von Bonnie Garmus, «Amur, grosser Fluss» von Leta Semadeni, «Lord Jim» von Joseph Conrad sowie über «Pornographie» von Witold Gombrowicz.
    Die kalifornische Autorin Bonnie Garmus erlebt mit ihrem Romandebut derzeit einen Welterfolg. Der unterhaltsame Roman, der bereits in 35 Sprachen übersetzt wurde, erzählt die Geschichte der brillanten Chemikerin Elisabeth Zott. Diese bleibt unter ihren Möglichkeiten – weil sie in den USA der 1950er-Jahre lebt, zur falschen Zeit für eine Frau mit Ambitionen. Kleingehalten von ihren männlichen Kollegen in der Wissenschaft, findet sie sich als Präsentatorin einer TV-Kochshow wieder. Da erklärt sie jeden Abend der versammelten Nation, dass Kochen Chemie ist – und damit Verwandlung.
    Die Bündner Autorin Leta Semadeni ist schon lange als Lyrikerin bekannt. Ihr erster Roman –«Tamangur» war in der Schweiz ein großer Erfolg. Nun ist mit «Amur, grosser Fluss» Semadenis zweiter Roman erschienen und knüpft an die Geschichte des Mädchens aus «Tamangur» an. In poetischen Schlaglichtern setzt Semadeni die Geschichte von Olgas grosser Liebe zusammen. Ihre Liebe zu einem Dokumentarfilmer, der ständig unterwegs ist. Es sind traumartige, surreale Szenen, die sich mit Liebe, Lebensglück und deren Vergänglichkeit befassen.
    «Lord Jim» ist neben «Herz der Finsternis» einer der grossen Klassiker des polnisch-britischen Schriftstellers Joseph Conrad. Das Buch ist ein Abenteuerroman und zugleich eine Parabel auf die Zerstörungswut des Kolonialismus. Conrad erzählt von Jim, einem jungen britischen Seemann, der Mannschaft und Passagiere im Stich lässt. Danach versucht er dieser Schmach zu entkommen und erreicht nach langen Reisen die Südseeinsel Patusan, wo er schliesslich von den Einheimischen als Friedensstifter «Lord Jim» verehrt wird.
    Der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz gilt als einer der Grossen des 20. Jahrhunderts. Aktuell erscheint im Zürcher Kampa-Verlag sein Roman «Pornographie» aus dem Jahr 1960 neu. Der Titel legt eine falsche Spur: sexuelle oder eindeutige Szenen finden sich im Buch des Stilisten und Provokateurs nicht. Eher ist es eine erotische Schachpartie mit lebenden Figuren – eine tödlich endende Intrige, die Gombrowicz zur Zeit der deutschen Besatzung in Polen ansiedelt.
    1 hr 15 min
  • Von der Ukraine bis New Mexico: Neue Bücher von Wolf Haas, Sofi Oksanen, Percival Everett und Georgi Gospodinov
    Nicola Steiner, Martin Ebel, Daniela Strigl und – als Gast – der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart diskutieren über «Müll» von Wolf Haas, «Hundepark» von Sofi Oksanen, «Erschütterung» von Percival Everett sowie «Zeitzuflucht» von Georgi Gospodinov.
    «Müll» von Wolf Haas führt auf einen Wertstoffhof, wo Leichenteile gefunden werden. Ein neuer Fall für die Kultfigur Simon Brenner, in dem es um gesellschaftliche Themen wie Organhandel geht. Seit über 25 Jahren schreibt der österreichische Schriftsteller Wolf Haas kunstvoll und komisch einen «Brenner»-Krimi nach dem anderen. Diese leben mehr von der Sprache des Autors als von der Krimihandlung – einige davon sind mit Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt worden.
    Sofi Oksanen behandelt in ihren Büchern die Frage, was Machtverhältnisse mit Menschenschicksalen anrichten. In ihrem aktuellen Roman «Hundepark» thematisiert sie Leihmutterschaft und Eizellspende als ausbeuterische Geschäfte in der Ukraine. Nebenbei zeichnet die Finnin Oksanen das Bild der postsowjetischen Ukraine als ein komplett zerrissenes Land, das von der permanenten Bedrohung durch russisches Militär geschwächt wird.
    Der US-Amerikaner Percival Everett hat über 30 Romane geschrieben. «Erschütterung» ist der erste, mit dem er im deutschsprachigen Roman grosse Aufmerksamkeit erfährt. Ein Paläontologe muss mit der tödlichen Demenzkrankheit seiner geliebten Tochter fertig werden. In knappen Szenen beschreibt Everett, wie der zynische Professor zu jemandem wird, der anderen Menschen hilft – weil er seiner Tochter nicht mehr helfen kann.
    Der Roman «Zeitzuflucht» des bulgarischen Schriftstellers Georgi Gospodinov nimmt eine Zürcher Klinik für Alzheimer-Patienten als Ausgangspunkt. Die Zimmer darin sind in verschiedenen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts eingerichtet. Die Patienten kehren in ihre Kindheit und Jugend zurück – eine «Zeitzuflucht», deren wohltuende Wirkung bald auch Gesunde erfahren wollen. Gospodinov thematisiert Sehnsucht nach Vergangenheit als zwiespältiges Moment – in einem Roman, den man angesichts von Putins Krieg mit einem ganz anderen Blick lesen kann.
    Die Bücher der Sendung sind:
    – Wolf Haas: «Müll» (Hoffmann und Campe);
    – Sofi Oksanen: «Hundepark» (Kiepenheuer&Witsch);
    – Percival Everett: «Erschütterung» (Hanser); und
    – Georgi Gospodinov: «Zeitzuflucht» (Aufbau).
    Gast der Sendung ist der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart.
    1 hr 15 min
  • Tell, Türkei und Tabubrüche: Neue Bücher von Joachim B. Schmidt, Orhan Pamuk, Bettina Flitner und Berthe Arlo
    Nicola Steiner, Elke Heidenreich, Philipp Tingler und – als Gast – die Literaturkritikerin Sieglinde Geisel diskutieren über «Tell» von Joachim B. Schmidt, «Die Nächte der Pest» von Orhan Pamuk, «Meine Schwester» von Bettina Flitner sowie «Nachts wach» von Berthe Arlo.
    Joachim B. Schmidt schreibt die Geschichte des Schweizer Nationalmythos Wilhelm Tell neu. In seinem Roman «Tell» erzählt er in schnellen Szenen und aus ständig wechselnden Perspektiven. Damit macht er den Stoff einfach und anders zugänglich. Wilhelm Tell ist beim in Island lebenden Schweizer Schriftsteller Schmidt nicht der heroische Freiheitskämpfer, sondern vor allem ein Mensch.
    Der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk beschreibt Pandemie-Erfahrungen aus historischer Sicht. «Die Nächte der Pest» schildert detailgetreu den Ausbruch der Beulenpest im Jahr 1901 auf einer fiktiven Insel in der Ägäis namens Minger. Doch Pamuk widmet seinen Roman weniger der Krankheit, sondern vor allem der Suche nach Selbstbestimmung und Freiheit. Dennoch sind die Parallelen zur aktuellen Pandemie-Situation augenfällig und reizvoll.
    Die deutsche Fotografin Bettina Flitner erzählt in ihrem ersten Roman «Meine Schwester» die Geschichte ihrer Familie. Die Selbstmorde ihrer Schwester und auch der Mutter bilden das Zentrum – und die Frage, wie es so weit kommen konnte. Dabei spannt Flitner den Bogen von einer gemeinsamen Kindheit in den 1970er-Jahren ins heute – und schreibt ohne Tabus und sogar heiter über das schwierige Thema Depression.
    «Berthe Arlo hat lange Zeit als Nachtwache in einem Pflegeheim gearbeitet. In «Nachts wach» hat sie ihre Erlebnisse literarisch verdichtet und in kurzen Kapiteln aufgeschrieben. Darin betritt man jeweils Leben und Schicksal eines alten Menschen im Pflegeheim. Herausgekommen ist eine Art «Whistleblower»-Text, der Nöten von Bewohnenden und Pflegenden gleichermassen eine Stimme gibt.
    1 hr 17 min

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Information: Dieser Video Podcast wird per Ende Juli 2021 eingestellt. Künftige und bisherige Episoden finden Sie auf unserem Play SRF Portal (www.srf.ch/play). Im «Literaturclub» werden jeweils vier…