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Ein Podcast zu Dritt mit Peter Lennartz, Bertram Kasper und Claudia Mattheis über Wünsche und das Wohnen im Alter
Diesmal habe ich nicht nur einen, sondern gleich zwei Gäste – und deshalb machen wir heute etwas Besonderes: einen Tricast.
Mit dabei sind Peter Lennartz, Ruhestandscoach, Podcaster und Autor von „Ziemlich bester Ruhestand“, und Bertram Kasper, Gastgeber des Podcasts „Gelassen älter werden“ und Autor des SPIEGEL-Bestsellers „Die größte Reise deines Lebens – mit Gelassenheit älter werden“. Uns drei verbindet die Frage, wie wir die zweite Lebenshälfte nicht einfach auf uns zukommen lassen, sondern möglichst bewusst gestalten können.
Und genau darüber sprechen wir heute: Wie wollen wir mit 70, 80 oder darüber hinaus eigentlich leben und wohnen? Was bedeutet Zuhause für uns? Wie viel Gemeinschaft brauchen wir – und wie viel Freiheit? Welche Wohnformen gibt es überhaupt? Und warum lohnt es sich, über all das vielleicht deutlich früher nachzudenken, als wir es normalerweise tun? Es ist ein sehr persönliches Gespräch geworden – über eigene Wünsche, übers Loslassen, über Selbstbestimmung, Gemeinschaft und darüber, dass sich unsere Vorstellungen vom guten Leben durchaus verändern dürfen.
Weitere Infos:
Peter Lennartz Webseite: https://www.ziemlich-bester-ruhestand.de/
Bertram Kasper Webseite: https://gelassen-aelter-werden.de/
Zwei Gastronomen aus Mannheim, ein Neuanfang mit Mitte 60: Wolf Meyer-Plate und Maike Fuchs haben ihr altes Leben aufgegeben und wollen in der Altmark einen ganzen Ort zum Wohnen und Arbeiten wiederbeleben. Wolf erzählt, was ihn dorthin gezogen hat, was der Einstieg kostet und warum er am liebsten irgendwann Kindern am Teich vorlesen würde.
Warum wir Wolf Meyer-Plate eingeladen haben
Gutleben Büttnershof ist ein genossenschaftliches Mehrgenerationen-Projekt in der Altmark in Sachsen-Anhalt, rund zwei Autostunden nordwestlich von Berlin, nahe der Elbe.
Aus einer alten Gutsanlage soll ein „Werkdorf“ entstehen, ein Ort, an dem Wohnen und Arbeiten wieder zusammenrücken und in dem verschiedene Generationen und Berufe zusammenkommen.
Hinter dem Projekt stehen Wolf Meyer-Plate, Architekt und Bio-Gastronom, und seine Partnerin Maike Fuchs. Beide haben in Mannheim zwei Jahrzehnte lang in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich gearbeitet, bevor sie mit Mitte 60 in den Osten zogen. Genau diese Mischung macht das Gespräch für LIVVING interessant: Es geht um ein konkretes Wohnmodell für die zweite Lebenshälfte und zugleich um die Frage, ob man sich mit über 60 noch einmal völlig neu aufstellen kann.
Die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Interview
Neustart mit Mitte 60 statt Ruhestand.
Wolf Meyer-Plate und Maike Fuchs verließen ihre Mannheimer Bio-Gastronomie und landeten über Umwege in der Altmark, einer Gegend, durch die man, wie Wolf sagt, sonst kaum kommt.Heute leben sie selbst in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt und entwickeln ihr eigenes.
Aus einer Gutsanlage von 1760 wird ein Werkdorf.
Der historische Kern ist ein Fachwerkhaus von 1760, dazu kommen Ziegelbauten um 1900 und eine kleine Ortschaft mit derzeit 24 Bewohnerinnen und Bewohnern. Geplant sind rund 40 Wohneinheiten in Bestand und Neubau, getragen von einer Genossenschaft, mit barrierefreien Erdgeschosswohnungen für alle Generationen.
Der Einstieg ist niederschwellig, die Finanzierung offen.
Die Mitgliedschaft kostet 300 Euro, die kleinste Wohnung mit 30 Quadratmetern rund 70.000 Euro Eigenanteil plus etwa 500 Euro Nutzungsgebühr. Für den Start braucht das Projekt 2,3 Millionen Euro. Ein großer Teil davon fehlt noch, und die persönliche Deadline ist das kommende Frühjahr.
Was ist ein Werkdorf und wie funktioniert das Wohnen dort?
Rund 40 Haushalte, drei Wohnungsgrößen und ein Park, der allen gehört
Der Begriff Werkdorf geht auf eine alte Idee zurück. „Es gibt vom Werkbund, diese Grundidee, dass eben verschiedenste Disziplinen, Handwerker, Architekten, Künstler zusammenarbeiten und dann eine Gemeinschaft entsteht“, erklärt Wolf. Am Büttnershof soll deshalb möglichst viel kleines, leises Gewerbe entstehen, eine Töpferei, eine Goldschmiedewerkstatt, eine Physiotherapie, dazu Platz für digitale Nomaden und jüngere Menschen aus dem IT-Bereich. Lärmintensive Betriebe sind durch die Bauvoranfrage ausgeschlossen.
Geplant sind rund 40 Wohneinheiten, teils in bestehenden Gebäuden, teils im Neubau, in drei Größen von 30, 60 und 80 Quadratmetern. Die Bauvoranfrage ist positiv beschieden, auch mit dem Denkmalschutz, und der Gemeinderat hat mit nur wenigen Gegenstimmen zugestimmt. Wer einzieht, kauft mehr als vier Wände. „Man wird Teilhaber von der gesamten Anlage, auch von dem Park, von den ganzen Bäumen und den Wiesen und dem Garten“, sagt Wolf. Gästezimmer, Gemeinschaftsküche und ein Coworking Space werden geteilt, ein leerstehendes Gästezimmer kann bei Bedarf an Touristen vermietet werden, was die Kosten für alle senkt.
Weitere Infos:
Webseite: caduli.de
Wolf Meyer-Plate auf LinkedIn: linkedin.com/in/wolf-meyer-plate
In Großpösna bei Leipzig ist ein ganzes Quartier für alle Generationen entstanden, mit Kita, Familienhäusern und Pflegedienst, zu dem jetzt 42 barrierefreie Seniorenbungalows mit eigenem Garten dazukommen. Ein eigenes Zuhause, mitten im Leben, mit Unterstützung in der Nähe, falls sie einmal gebraucht wird.
Warum wir Oliver Zirn eingeladen haben
Oliver Zirn entwickelt mit seinem Unternehmen VADcare seit Jahren Senioren-, Pflege- und Wohnimmobilien. In Großpösna baut er jetzt zusätzlich 42 Seniorenbungalows, eine für Deutschland noch neue Bauform, die bei älteren Menschen auf große Nachfrage stößt: als Alternative zum zu groß gewordenen Eigenheim, aber auch zum betreuten Wohnen oder Servicewohnen. Claudia Mattheis, Chefredakteurin von LIVVING.de und Host dieses Podcasts, hat ihn eingeladen, um genau darüber zu sprechen: echte Selbstbestimmung im Alter, warum Wohnprojekte für Senior:innen in Deutschland es oft schwer haben und was sich bei Kommunen und Banken ändern müsste, damit mehr davon entstehen.
Die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Interview
Wer in die Seniorenbungalows im Generationenpark Großpösna einzieht, entscheidet sich bewusst und rechtzeitig dafür. Die Bewohner:innen sind meist Mitte 60 bis Ende 70 und oft noch richtig fit, eine Interessentin ist sogar 82. Sie ziehen um, sobald ihnen Treppen und ein zu großer Garten im alten Haus zu viel werden, aus eigenem Antrieb und mit Weitblick.
Der Standort in Großpösna ist zentral, alles Wichtige liegt in Laufweite. Supermarkt, Bäcker, Apotheke und Ärzte sind fußläufig erreichbar, dazu zwei Bushaltestellen mit Anbindung nach Leipzig. „Absolut mittendrin", sagt Oliver Zirn über die Lage im Generationenpark.
Die Seniorenbungalows in Großpösna sind barrierearm und clever konzipiert, modern und wohnlich zugleich. Schwellenlose Türen, ein Dachboden statt Kellertreppen, Vorrüstungen für Stütz- und Haltegriffe im Bad, dazu ein eigener Garten. Gebaut wird nach dem energieeffizienten KfW-40-QNG-Standard.
Warum Sie dieses Podcast-Interview hören sollten
Oliver Zirn beschäftigt sich seit zehn Jahren beruflich mit dem Leben im Alter, obwohl er selbst erst 31 ist. Am Ende des Gesprächs wird es persönlich: Wie möchte er selbst in 30 Jahren wohnen? Seine Antwort bleibt bewusst offen, wichtig ist ihm vor allem eins: „Das Thema Selbstbestimmtheit und Flexibilität, was die Inanspruchnahme von Leistungen angeht, ist mir ganz, ganz wichtig."
Wer selbst über ein Zuhause fürs Alter nachdenkt oder sich um die eigenen Eltern sorgt, bekommt in diesem Gespräch beides: die unternehmerische Perspektive eines Entwicklers, der seit Jahren an diesem Markt arbeitet, und die ganz persönliche Sicht von jemandem, der die Frage längst auch für sich selbst stellt.
Weitere Infos
Seniorenbungalows Großpösna: https://seniorenbungalows-grosspoesna.de/
VADcare https://vadcare.de/
Wohnpark Großpösna https://wohnpark-grosspoesna.de/
Oliver Zirn auf LinkedIn https://www.linkedin.com/in/oliver-zirn-468634101/
Wie das Start-up inGemeinschaft freie Zimmer mit Wohnungssuchende zusammenbringt. Warum gemeinschaftliches Wohnen gegen Einsamkeit und Wohnungsnot wirkt. Und wie die Gründerin so selbst das passende WG-Zimmer für sich fand.
inGemeinschaft ist ein Münchner Start-up für gemeinschaftliches Wohnen. Es bringt Menschen, die ein Zimmer in ihrem Haus oder ihrer Wohnung frei haben, mit passenden Mitbewohnern zusammen. Das können junge Studierende oder Berufstätige sein, ebenso gut aber Gleichaltrige, sodass auch eine Wohngemeinschaft mit 50 oder 60 plus entsteht. Gegründet wurde inGemeinschaft von Anne Hufnagel und Philipp Bögner.
Warum wir Anne Hufnagel eingeladen haben
Anne Hufnagel kommt aus den Medien. Sie hat internationale TV-Dokumentationen verkauft. Was ihr an dieser Arbeit aber fehlte, war der gesellschaftliche Mehrwert. Bei inGemeinschaft hat sie ihn gefunden.
Die Idee für das Unternehmen geht auf eine Erfahrung ihres Mitgründers Philipp Bögner zurück. Seine Eltern Maria und Hans-Georg vermieten seit 2010 in Köln Zimmer an Erasmus Studenten. Aus dieser gelebten Erfahrung entstand die Idee, freie Zimmer und Wohnungssuchende systematisch zusammenzubringen.
Für dieses Gespräch ist Anne Hufnagel eine besondere Interviewpartnerin, weil sie ihr eigenes Modell lebt. In München ist sie selbst in eine der vermittelten Wohngemeinschaften eingezogen. Im LIVVING Podcast erzählt sie deshalb aus dem Inneren einer WG mit 50 plus, aus dem eigenen Alltag.
Warum Sie dieses Podcast-Interview hören sollten
Anne Hufnagel spricht im Podcast offen über das, was gemeinschaftliches Wohnen wirklich ausmacht, von den kleinen Alltagsmomenten bis zum Blick auf andere Länder wie die Niederlande und Frankreich, wo das Modell längst etabliert ist.
Am schönsten ist ihre Antwort auf Claudia Mattheis’ Lieblingsfrage, wie sie selbst in Zukunft wohnen möchte. Sie fällt kurz aus: „Ja, in Gemeinschaft.“ Ob die Mitbewohner gleich alt sind oder Jahrzehnte trennen, spielt für sie keine große Rolle: „Alter ist irgendwie egal. Es hat eher so mit Persönlichkeit zu tun.“ Wer sich fragt, ob ein leeres Zimmer, eine neue Lebensphase oder der Wunsch nach Gesellschaft der Anfang von etwas sein könnte, findet in dieser Folge viele ehrliche Antworten.
Weitere Infos
Webseite inGemeinschaft: https://ingemeinschaft.org/
LinkedIn-Profil von Anne Hufnagel: https://www.linkedin.com/in/annehufnagel/
Vom altersgerechten Wohnen bis zur Reise in die Familiengeschichte: Tobias Fruh erzählt, wie der Umzug seines Vaters ihr Verhältnis verändert hat und warum gemeinsame Pläne keinen Aufschub vertragen.
Warum wir Tobias Fruh eingeladen haben
Tobias Fruh ist stellvertretender Leiter Marketing und Kommunikation und Pressesprecher bei Volkswagen Immobilien, einem Unternehmen, das 1953 gegründet wurde, um Wohnraum für die Beschäftigten des Volkswagenwerks zu schaffen, und das heute mehr als 9.000 Wohnungen in Wolfsburg besitzt. Mit einer älter werdenden Gesellschaft verändern sich auch die Anforderungen ans Wohnen. Darüber spricht Claudia Mattheis, Chefredakteurin von LIVVING, mit ihm im ersten Teil des Gesprächs. Der zweite, ganz persönliche Grund für die Einladung: Sein eigener Vater ist vor einigen Jahren mit Ende 70 aus dem Stuttgarter Raum nach Wolfsburg gezogen, überraschend unkompliziert, wie sich im Gespräch zeigt, und wohnt heute, mit 84 Jahren, in einer Seniorenwohnanlage von Volkswagen Immobilien. Seitdem sind sich Vater und Sohn wieder näher. Anfang September wollen beide gemeinsam zu einem besonderen Roadtrip aufbrechen, mehrere Wochen lang, zurück an die Orte, die die Kindheit des Vaters geprägt haben.
Die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Interview
"Auf mich wirkt das wirklich wie eine ganz coole, tolle Ferienanlage": So beschreibt Tobias Fruh die Seniorenwohnanlage von Volkswagen Immobilien in Wolfsburg-Fallersleben, in der sein Vater lebt, 88 Apartments in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz, mit direkt angeschlossenem Pflegeheim.
Warum es sich lohnt, Eltern frühzeitig eine passende Wohnform vorzuschlagen: Tobias Fruhs Vater zog mit Ende 70 aus dem Stuttgarter Raum in die Nähe seines Sohnes nach Wolfsburg, in eine altersgerechte Wohnung mit Unterstützung im Alltag, ein Schritt, der ihm überraschend leichtfiel.
Ein Roadtrip zu den Wurzeln: Im September reisen Vater und Sohn gemeinsam in die Heimat des Vaters in der Schwäbischen Alb, eine Erfahrung, durch die Tobias Fruh mehr über seinen Vater und die eigene Herkunft erfährt, und die er eines Tages auch seinen eigenen Kindern erzählen kann.
Warum du dieses Podcast-Interview hören solltest
Wer über 50 ist und älter werdende Eltern hat, kennt die leisen Fragen im Hintergrund: Wie lange geht es noch gut allein? Wie viel Zeit bleibt eigentlich noch, um gemeinsam etwas zu unternehmen, das man später nicht bereut? Tobias Fruh erzählt, wie er diese Fragen für sich und seinen Vater beantwortet hat. Hör rein und lass dich von einer Vater-Sohn-Geschichte inspirieren, die zeigt, wie viel Nähe im Alter möglich ist, wenn man sich dafür entscheidet.
Weitere Infos:
Wohnen im Ruhestand bei Volkswagen Immobilien: https://www.vwimmobilien.de/wohnen/mieten/wohnen-im-ruhestand/
Tobias Fruh auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/tobiasfruh-kommunikation/
Wie werden Rollatoren zum Symbol für Freiheit statt für Stigma? Thomas Appel, Gründer von Saljol, spricht im LIVVING Podcast darüber, warum Design über Akzeptanz entscheidet, woran man erkennt, dass ein Rollator wirklich sinnvoll wird, und wie Angehörige helfen können, ohne zu bevormunden.
Warum wir Thomas Appel eingeladen haben
Vor etwa einem Jahr war LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis mit ihrem Vater auf der Suche nach einem Rollator. Er wollte partout keinen, denn das fühlte sich für ihn nach Alter, Einschränkung und Abhängigkeit an. Dann stieß die Familie auf Saljol, ein Modell aus Carbon, das ihn eher an die hochwertigen Rennräder erinnerte, die er früher gefahren war. Heute nutzt er den Rollator selbstverständlich, bewegt sich mehr, läuft aufrechter und wird regelmäßig darauf angesprochen, weil er einfach anders aussieht als die Modelle, die man sonst kennt.
Genau deshalb wollte Claudia Mattheis mit Thomas Appel sprechen. Er beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit Mobilität, Hilfsmitteln und selbstbestimmtem Leben. Mit Saljol hat er ein Unternehmen gegründet, dessen Name für „Spaß am Leben, Joy of Life" steht, eine Haltung, die sich durch alles zieht, was das Unternehmen tut: von den Produkten über die Bildsprache bis zu der Frage, wie Menschen möglichst lange selbstständig, aktiv und würdevoll leben können.
Die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Interview
Ab wann ein Rollator wirklich sinnvoll wird:
Es gibt konkrete körperliche Signale, lange bevor ein Sturz passiert, die zeigen, dass Unterstützung nötig ist.
Warum Design über Akzeptanz entscheidet:
Menschen verlieren mit dem Alter oder einer Einschränkung nicht ihren Ästhetiksinn. Genau das entscheidet darüber, ob ein Hilfsmittel genutzt wird oder im Flur stehen bleibt.
Wie Angehörige wirklich helfen können:
Nicht mit Druck, sondern mit Gelegenheiten zum Ausprobieren und einem genauen Blick auf das persönliche Umfeld.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Rollator?
Die leisen Signale, die der Körper sendet, bevor wir sie wahrhaben wollen
Für Thomas Appel beginnt die Geschichte nicht mit einem Rezept vom Arzt, sondern mit kleinen, oft übersehenen Veränderungen im Alltag. Auf die Frage, wie typisch es sei, dass Menschen einen Rollator zunächst ablehnen, so wie es bei ihrem eigenen Vater der Fall war, antwortet Claudia Mattheis' Gast unmissverständlich: „Also die Reaktion ist, glaube ich, weltweit sehr typisch. Niemand akzeptiert den nächsten Schritt, es sei denn, dieser Schritt kommt wirklich sehr dramatisch." Bei manchen Menschen geschieht diese Veränderung schlagartig, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. Bei den meisten aber schleichend, Tag für Tag ein bisschen weniger Bewegungsradius, ohne dass es bewusst wahrgenommen wird.
Ganz praktisch beschreibt Thomas Appel, woran man das erkennt: „Wenn jemand, der zu Hause lebt, anfängt sich zum Beispiel beim Aufstehen aus dem Sessel so langsam hochzuwippen, also ein, zwei, drei Anläufe braucht, bis er dann seine noch vorhandene Muskelkraft mit ein bisschen Schwungkraft dazu bringt, hochzukommen, dann ist das schon ein sicheres Zeichen dafür, dass die Kraft in den Beinen und dem Körper nachlässt." Ein weiteres Warnzeichen ist, wenn sich jemand beim Gehen unbewusst an Möbeln oder Wänden festhält. Spätestens wenn ein Sturz droht oder bereits stattgefunden hat, sollte man über ein Hilfsmittel nachdenken, so Appel. Vorstufen wie ein Gehstock oder Nordic-Walking-Stöcke könnten überbrücken, seien aber weder für Stabilität noch für die richtige Stützhöhe wirklich gemacht.
Weitere Infos:
• Saljol: https://www.saljol.de/de/
• Thomas Appel aufLinkedIn: https://www.linkedin.com/in/thomas-appel-96600b30/
Warum junge Gründer zeitlose Mode herstellen, die man auch ohne bewegliche Finger und fremde Hilfe anziehen kann.
Millionen Menschen können Knöpfe nicht mehr problemlos schließen, weil die Finger im Alter steifer werden oder wegen Rheuma, Parkinson oder Multipler Sklerose. Yorokani stellt Hemden und Blusen her, die aussehen wie klassische Modestücke, sich aber per Magnet sekundenschnell schließen lassen, ohne dass man dafür bewegliche Finger oder fremde Hilfe braucht. Mit ihrem zeitlosen, hochwertigen Design sind sie für jeden relevant, dessen Alltag durch eingeschränkte Feinmotorik erschwert wird, unabhängig vom Alter.
Yorokani wurde 2020 von Franziska Rauch und Johannes Rauch in Wien gegründet. Das patentierte Magnetverschlusssystem ersetzt Knöpfe an Hemden und Blusen unsichtbar von innen und hält dabei jeder Belastung stand. Das Unternehmen wurde mit dem German Design Award 2022 sowie dem German Innovation Award ausgezeichnet.
Warum wir Franziska Rauch eingeladen haben
Franziska Rauch ist ausgebildete Soziologin und hat vor der Gründung von Yorokani Ausbildungen zur Lebens-, Sterbe- und Demenzbegleitung absolviert sowie ehrenamtlich auf einer Palliativstation gearbeitet. Was sie in dieser Zeit beobachtete, hat Yorokani bis heute geprägt: Hilfsmittel, die nicht zum persönlichen Stil eines Menschen passen, werden nicht benutzt.
Franziska hat Yorokani nicht am Schreibtisch entwickelt, sondern in direktem, kontinuierlichem Austausch mit der Zielgruppe: in Fokusgruppen in Seniorenresidenzen und neurologischen Zentren in Wien, immer wieder, von der ersten Idee bis zur Marktreife. Sie hat gefragt, zugehört und das Gehörte ins Produkt übersetzt. Und sie tut es noch immer. LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis hat sie eingeladen, weil das eine Haltung ist, von der viele Unternehmen lernen könnten, weit über Kleidung hinaus.
Die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Interview
1. Ein Hilfsmittel, das nicht zum eigenen Stil passt, wird nicht benutzt, und das hat direkte Konsequenzen für Gesundheit und Sicherheit. Franziska hat das in ihrer Zeit auf der Palliativstation immer wieder erlebt. Wer sich im Pflegeheim nicht mehr so kleiden kann, wie er es von sich kennt, zieht sich lieber einen Pullover an, als im T-Shirt rauszugehen. Oder bleibt gleich zu Hause.
2. Viele ältere Menschen wissen gar nicht, dass Kleidung für ihren veränderten Körper anders geschnitten sein müsste. Die Modeindustrie schneidet nach einer Norm für 18-jährige Körper. Yorokani hat dagegen eigene Schnitte auf Basis der deutschen Reihenmessung entwickelt, bei der Masspunkte von Menschen verschiedenen Alters im Sitzen und Stehen genommen wurden. Die minimale Retourenquote gibt ihnen recht.
3. Wer ein wirklich neues Produkt entwickelt, kommt ohne direkten Dialog mit der Zielgruppe nicht aus. Der erste Name war Pirol, nach einem Singvogel mit prachtvollem, knallgelbem Federkleid. Er scheiterte in den Fokusgruppen: Die Menschen wollten nicht zu bunten Vögeln gemacht werden. Sie sind selbstbewusst. Der Wechsel zu Yorokani, einem japanischen Kunstwort aus Freude und Leichtigkeit, war keine Korrektur, sondern eine Grundsatzentscheidung.
Warum Sie dieses Podcast-Interview hören sollten
Franziska Rauch spricht in diesem Gespräch so, wie Menschen sprechen, die wirklich lange nachgedacht haben, bevor sie gehandelt haben. Sie beschreibt, wie man als Ehepaar ein Unternehmen gründet, zwei Kinder großzieht und dabei lernt, Geschäftspartner und Liebespaar gleichzeitig zu sein.
Mehr Infos:
Blogbeitrag mit Fotos: https://livving.de/podcast/
Webseite Yorokani https://yorokani.com/
LinkedIn Franziska Rauch: https://www.linkedin.com/in/franziska-rauch-yorokani/
Die Generation 50 plus steht heute für knapp 60 Prozent der privaten Konsumausgaben in Deutschland. In fünf Jahren wird jeder zweite Bundesbürger über 50 sein. Und trotzdem werden diese 44 Millionen Menschen in Werbung, Produktentwicklung und gesellschaftlicher Wahrnehmung immer noch so behandelt, als wären sie eine einzige, gleichförmige Gruppe. Detlef Arnold, Kommunikationsexperte mit über 30 Jahren Branchenerfahrung und Gründer der Business Impact Company G50UNLEASHED, nennt das den größten strategischen Fehler im deutschen Marketing. Und er kann ihn beurteilen, weil er ihn selbst jahrzehntelang gemacht hat.
Warum wir Detlef Arnold eingeladen haben
LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis hat Detlef Arnold in den LIVVING Podcast eingeladen, weil er eine Kombination mitbringt, die selten ist: dreißig Jahre Erfahrung in der Kommunikationsbranche, zwei eigene Unternehmensgründungen, zuletzt als geschäftsführender Gesellschafter einer der größten Kommunikationsagenturgruppen Deutschlands, und dazu eine persönliche Geschichte, die genau da beginnt, wo viele Menschen ab 50 sich wiederfinden. Mit 59 ereilte ihn eine Sinnkrise, die er nicht als Einbruch beschreibt, sondern als Anfang. Aus ihr heraus entwickelte er gemeinsam mit Partnern G50PERSONAS: ein Persona-System auf Basis einer repräsentativen Studie mit 1253 Befragten, das die Generation 50 plus erstmals in sechs psychografisch unterschiedliche Gruppen gliedert. Für LIVVING ist diese Arbeit unmittelbar relevant, denn was Detlef Arnold über die Vielfalt des Wohnens und Lebens ab 50 herausgearbeitet hat, ist genau das, wofür diese Plattform steht.
Warum behandelt das Marketing die Generation 50 plus bis heute wie eine einheitliche Zielgruppe?
Dreißig Jahre Jugendfixierung: Wie eine ganze Branche den größten Konsummarkt Deutschlands übersehen hat
Detlef Arnold bringt das Problem auf den Punkt: Ein 50 Jähriger und ein 80-Jähriger haben genauso wenig gemeinsam wie ein 20-Jähriger und ein 50-Jähriger. Und doch behandelt die Werbung sie gleich. „50 bis 80 wird immer so getan, als ob die ganzen Menschen gleich sind."
Was dabei herauskommt, sind Durchschnittswerte, die Detlef Arnold zufolge keiner Unterschiedlichkeit der Menschen gerecht werden. Und die Werbung macht daraus Bilder: Menschen auf dem E-Bike, Menschen mit Enkeln, Menschen, die irgendwo ihren Lebensabend genießen. Klischees, die mit der Lebensrealität der meisten wenig zu tun haben. Aus seiner eigenen Werberkarriere kennt Detlef Arnold die Ursache genau: „In jedem Briefing, was ich von Kunden bekommen habe, stand eben immer drin, wir müssen die jungen Zielgruppen ansprechen, wir müssen die Marke verjüngen." Die Folge war eine „ausgeprägte Jugendfixierung, die dazu geführt hat, dass das wie ein blinder Fleck war, der da völlig ignoriert worden ist", obwohl die über 50-Jährigen heute für knapp 60 Prozent der privaten Konsumausgaben stehen und die unter 30-Jährigen gerade einmal für 9 Prozent.
Die Kreativbranche, die diesen blinden Fleck am stärkstenproduziert, ist selbst betroffen: Nur 5 bis 7 Prozent der Menschen in deutschen Agenturen sind über 50. Wer eine Zielgruppe nicht kennt, weil er ihr nicht angehört, kommuniziert zwangsläufig an ihr vorbei. Detlef Arnold hat dagegen die Initiative „fifty over fifty" gegründet, die Menschen ab 50 in der Kreativbranche eine Plattform gibt, um sichtbar zu machen, dass Erfahrung kein Ablaufdatum hat. Sein Urteil über die Branche, die er selbst mitgeprägt hat, ist klar: „Da ist 40 das neue 60. Solange die Branche so stark auf diese Jugendfixierung ausgerichtet ist und Menschen mit Erfahrung entlässt, beginnt man eben auch den eigenen Ast, auf dem man sitzt, langsam abzusägen."
Weitere Informationen finden Sie hier
Webseite: https://www.g50unleashed.de/
LinkedIn Profil Detlef Arnold: https://www.linkedin.com/in/detlef-arnold/
Warum uns im Alter die richtigen Bilder fehlen und was passiert, wenn wir sie endlich finden.
„Ach, das kann ich nicht mehr.“ Dieser Satz klingt wie eine Tatsache. Doch dahinter steckt oft kein körperliches Unvermögen, sondern etwas viel Subtileres: das Fehlen von Menschen, an denen wir sehen könnten, dass es eben doch geht. Christoph Kamps, Politologe, Unternehmer und Besitzer vom Schloss Selchow, einem generationsübergreifenden Retreat im Berliner Umland, beschäftigt sich intensiv mit der Frage, warum uns gerade im Alter die richtigen Bilder fehlen. Und was passiert, wenn wir sie endlich finden.
Warum wir Christoph Kamps eingeladen haben
LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis traf Christoph Kamps bei einem Vortrag. Eine Frage ließ sie nicht mehr los: Warum brauchen wir in jeder Lebensphase Menschen, an denen wir uns orientieren können? Und warum fehlen uns diese Menschen gerade dann, wenn wir sie am meisten brauchen?
Kamps, Jahrgang 1970, hat in 25 Jahren acht Unternehmen gegründet, war mit seiner Agentur KMB früh Trendsetter im Influencer-Marketing und engagiert sich heute am Institut für Generationenforschung. Er bringt eine seltene Kombination mit: unternehmerische Tiefe, wissenschaftliche Neugier und die ehrliche Bereitschaft, über die eigene Lebensphase zu sprechen. Mit Schloss Selchow hat er zudem einen Ort geschaffen, der selbst Antwort gibt auf die Frage, wie generationsübergreifendes Leben heute aussehen kann.
Die wichtigsten 5 Erkenntnisse aus dem Interview
Role Models sind nicht dasselbe wie Vorbilder: Das klassische Vorbild ist moralisch aufgeladen und kaum erreichbar. Ein Role Model bildet eine einzelne Rolle ab. Davon können viele gleichzeitig wirken. Und entscheidend: Wir suchen sie uns selbst aus.
Im Alter fehlen uns die richtigen Bilder: Unsere Gesellschaft ist auf Jugend ausgerichtet. Ältere Menschen sind in sozialen Medien und im öffentlichen Leben kaum sichtbar. Wenn vertraute Orientierungspunkte wegfallen, zum Beispiel durch Renteneintritt oder den Verlust von Partnern, stehen viele plötzlich ohne Landkarte da.
Selbstwirksamkeit nimmt im Alter ab, wenn Role Models fehlen: Wer keine Menschen sieht, die in ähnlicher Lage Dinge erreichen, verliert den Glauben daran, dass er es selbst noch kann.
Role Models öffnen einen Möglichkeitenraum: Nicht irgendwelche Vorbilder, sondern solche, die uns ähnlich sind: im Alter, in der Lebenssituation, in den Einschränkungen. Durch diese Identifikation wird abstrakte Möglichkeit zu realistischer Perspektive.
Die Generation 50 plus heute ist anders als alle vor ihr: Sie istkörperlich und mental fitter, im Wohlstand aufgewachsen, und bereit, das Rentenalter als aktiven Lebensabschnitt zu begreifen. Die Bilder dafür müssen jetzt erst noch entstehen.
Warum Sie dieses Podcast-Interview hören sollten
Christoph Kamps spricht nicht von oben herab. Er spricht aus der Mitte seines eigenen Lebensumbruchs: über Melvin van Peebles und Nietzsche, über Schloss Selchow und die Frage, warum das Wichtigste im Leben nicht der Ort ist, sondern die Menschen drumherum. Und darüber, wie anstrengend es wirklich ist, soziale Kontakte über Generationen hinweg zupflegen. Wer sich fragt, was das Leben ab 50 eigentlich noch alles sein kann, findet in diesem Gespräch keine fertigen Antworten. Aber sehr gute Fragen.
Weitere Informationen
Webseite Schloss Selchow: www.schloss-selchow.de LinkedIn Profil Christoph Kamps: https://www.linkedin.com/in/christoph-kamps-5106b09/
Mit 70 ein Unternehmen gegründet, mit 76 noch täglich im Büro: Wie Produktdesignerin Elke Jensen die Lücke zwischen Einkaufstrolley und Rollator mit dem CityCaddy gefüllt hat und was das mit gutem Design, Haltung und einem langen Leben zu tun hat.
Zwischen dem klassischen Einkaufstrolley und dem Rollator klafft eine Lücke. Eine, die lange niemand gefüllt hat. Elke Jensen hat sie gesehen – und statt abzuwarten, hat sie selbst gehandelt. Als Produktdesignerin aus Hamburg entwickelte sie den CityCaddy: Shopper, Trolley und Gehhilfe in einem, in hochwertigen Materialien, nachhaltig in Manufakturen in Deutschland produziert und so gestaltet, dass man ihn auch wirklich benutzen möchte. Das klingt einfach. War es nicht.
Warum wir Elke Jensen eingeladen haben
LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis hat Elke Jensen in den LIVVING Podcast eingeladen, weil kaum jemand so viele der Themen verkörpert, die LIVVING.de beschäftigt – auf einmal. Mobilität im Alter, Design als Haltung, Selbstbestimmtheit, das Neudenken von Altersbildern – und: was es bedeutet, mit über 70 noch einmal ganz neu anzufangen. Elke Jensen ist 76 Jahre alt, Geschäftsführerin ihres eigenen Start-ups CityCaddy UG und sitzt noch immer täglich in einer kreativen Bürogemeinschaft in Hamburg. Nicht weil sie müsste. Weil sie es will.
Die wichtigsten 3 Erkenntnisse aus dem Interview
1. Zwischen Einkaufstrolley und Rollator gibt es eine Design-Lücke. Elke Jensen hat sie geschlossen. Der CityCaddy entstand aus einer schlichten Beobachtung: Es fehlte an etwas, das Gangsicherheit gibt, beim Tragen hilft und trotzdem gut aussieht.
2. Mit 70 ein Unternehmen zu gründen braucht Netzwerk, Gelassenheit und Hartnäckigkeit. Elke Jensen finanzierte die CityCaddy UG über zehn stille Gesellschafter aus dem eigenen Umfeld – ohne Bankkredit, ohne externe Investoren.
3. Mobilität im Alter ist mehr als Fortbewegung. Wer sich bewegt, bleibt sozial eingebunden, geistig aktiv und selbstbestimmt. Elke Jensen lebt das selbst: mit Bürogemeinschaft, Netzwerk in räumlicher Nähe und dem Prinzip Aging in Place.
Mehr Informationen
Website CityCaddy: https://www.citycaddy.de
LinkedIn Elke Jensen:https://www.linkedin.com/in/elke-jensen/
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