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Man kann mehr als ein Zuhause haben. Die Frage ist nur: Darf man das auch offiziell – oder muss man am Papier einen Teil von sich selbst abgeben? Und nur damit man die Größenordnung spürt: In Österreich leben rund 1,9 Millionen Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft – etwa ein Fünftel der Bevölkerung. 2024 wurden knapp 22.000 Menschen eingebürgert. Und gleichzeitig leben geschätzt rund 640.000 Österreicher:innen im Ausland.
Tina Schmiedhofer spricht darüber mit Karl-Arthur Arlamovsky, Rechtsanwalt und österreichisch-irischer Doppelstaatsbürger. Gemeinsam klären sie die Rechtslage in Österreich, sprechen über Beibehaltung und die typischen Stolpersteine in der Praxis – und warum das Thema politisch so emotional diskutiert wird. Die beiden schauen auch nach Irland: Dort ist der Umgang mit zwei Staatsbürgerschaften deutlich entspannter. Was läuft anders – und was könnte Österreich daraus lernen? Und am Ende steht die Frage: Warum braucht es in einer mobilen, vernetzten Welt vielleicht öfter die Möglichkeit, offiziell zu mehr als einem Zuhause zu gehören?
Folge 67: Manchmal beginnt ein Angriff nicht mit einem Knall, sondern mit einem Muster: Plötzlich trendet ein Thema, die Kommentare kippen im Gleichschritt, Zweifel wirken wie „gesunder Menschenverstand“ – und erst später merkt man, dass das kein Zufall war. Botfarmen oder Trollfabriken können dabei als Verstärker dienen: Sie machen aus einzelnen Narrativen Reichweite, aus Frust Dynamik und aus Unsicherheit ein Dauerrauschen.
Im Gespräch mit Tina Schmiedhofer erklärt Michael Zinkanell-Süss, Direktor des Austria Instituts für Europa- und Sicherheitspolitik, wie hybride Bedrohungen aufgebaut sind – als Mischung aus Desinformation, Cyberangriffen und weiteren Mitteln, oft unterhalb der klassischen Kriegsschwelle. Es geht darum, woran man koordinierte Kampagnen erkennt, warum Zurechenbarkeit so schwierig bleibt und welche Frühwarnsignale, Schutzmechanismen und Fähigkeiten Europa und Österreich brauchen, damit Vertrauen, Infrastruktur und demokratische Entscheidungen nicht zur Zielscheibe werden.
Folge 66: Wer darf in unsere Gesundheitsdaten schauen und wer schützt uns, wenn es schiefgeht? Was wie ein technisches Detail klingt, ist längst eine politische Machtfrage: Daten können Versorgung verbessern und Forschung voranbringen, aber sie können auch Druck erzeugen – wenn aus „freiwillig“ in der Praxis „verpflichtend“ wird, wenn „anonymisiert“ als Beruhigung dient oder wenn Menschen nach Profilen behandelt werden statt nach Bedürfnissen.
Barbara Prainsack spricht mit Tina Schmiedhofer über ihr Buch Datenschlussverkauf und darüber, warum Daten keine Privatsache sind, sondern Infrastruktur – also etwas, das Regeln, Kontrolle und demokratische Verantwortung braucht. Im Fokus stehen Gesundheitsdaten als härtester Testfall: Was ist sinnvolle Nutzung im Interesse der Allgemeinheit, wo beginnt unzulässige Verwertung, und wer muss in einer Demokratie „Nein“ sagen können? Thema sind aber auch Sekundärnutzung für Forschung und Planun, und wir schauen auf Freiwilligkeit im Alltag – also darauf, ob Wahlfreiheit real ist, oder ob sie oft nur theoretisch bleibt.
Mehr zum Thema: Datensolidarität: Warum wir einen neuen Gesellschaftsvertrag für Daten brauchen
Folge 65: Wie unterrichtet man politische Bildung, wenn Konflikte längst im Klassenzimmer angekommen sind und Debatten sofort kippen können? Was ist daran schon gut erforscht, was ist eher Erfahrung und Bauchgefühl und was wird gerade neu entwickelt und erprobt, um Lehrkräfte im Alltag besser abzusichern?
Philipp Mittnik erklärt im Gespräch mit Tina Schmiedhofer, welche Ansätze in der politischen Bildung heute als tragfähig gelten, wo die blinden Flecken liegen und welche didaktischen Entscheidungen darüber bestimmen, ob Unterricht aufklärt. Es geht um die Ermutigung gerade für Lehrerinnen, weil die sich diesen Themen seltener annehmen. Thema sind auch aktuelle Konflikte, Gesprächsführung unter Spannung und die Frage, wie man Fakten klärt, ohne Emotionen zu ignorieren. Und auch die Fragen, was Lehrkräfte wirklich können müssen, damit politische Bildung wirkt und wie ein eigenes Fach Demokratie aussehen könnte, das politische Bildung ergänzt und stärker auf demokratische Praxis zielt, werden in dieser Folge besprochen.
Folge 64: Was ist aus den Menschen geworden, die 2015 am Wiener Westbahnhof ankamen – mit Plastiksackerln, Rucksäcken und „Refugees welcome“-Transparenten über den Köpfen? Und was hat sich seither in Europa verändert: bei den Zahlen, den Asylsystemen und unserer Bereitschaft, Menschen aufzunehmen?
Kristof Bender, stellvertretender Vorsitzender der European Stability Initiative, erklärt, wie die Migrationslage in Europa heute tatsächlich aussieht, was der große Asylbeschluss der EU vom 18. Dezember bedeutet und wo Werte, Menschenrechte und harte Deals mit Drittländern aneinandergeraten.
Ein Gespräch über rote Linien, die Europa nicht überschreiten darf, und darüber, wie eine Migrationspolitik aussehen könnte, die 2036 geordneter, fairer und menschlicher ist als heute.
Folge 63: Wie viel Druck hält eine Generation aus, die funktionieren soll, bevor sie überhaupt weiß, wer sie ist?
In ihrem Buch „Jugend unter Druck“ verbinden sie Psychologie und gelebtes Leben, Forschung und Familienalltag, Praxis und persönliche Wunden. Culen spricht als Expertin und Mutter von vier Kindern, Marboe als Vater, Großvater – und als jemand, der weiß, was es heißt, ein Kind durch Suizid zu verlieren.
Ein Gespräch über den Mut, hinzuschauen, über Eltern, die keine Superheld:innen sein müssen, über Schulen, die mehr sein sollten als Notenfabriken, über Kinder, die lernen dürfen, anders zu sein – und Erwachsene, die endlich lernen müssen, das auszuhalten.
Folge 62: Inna Shevchenko wurde als Mitglied der ukrainischen Bewegung Femen weltbekannt. Internationale Aufmerksamkeit erregte sie 2012, als sie in Kyjiw ein Holzkreuz fällte – ein Akt, der zum Symbol für den radikalen Widerstand gegen religiös legitimierte Unterdrückung wurde.
Ihre feministische Religionskritik bringt sie nun mit der Dokumentation „Girls & Gods“ einem breiten Publikum näher. Unter der Regie von Verena Soltiz und Arash T. Riahi untersucht der Film die Stellung von Frauen in den drei abrahamitischen Religionen. Shevchenko spricht dabei mit reformorientierten und institutionskritischen Gruppen innerhalb der Glaubensgemeinschaften, Konvertitinnen und Apostatinnen, oft Frauen, die aus dem fundamentalistischen Kern ihrer Religion ausbrechen oder flüchten mussten.
Folge 61: Der aktuelle Krieg zwischen Israel und Gaza ist Teil eines viel längeren historischen Konflikts. Nahost-Experte Walter Posch erläutert im Gespräch mit Tina Schmiedhofer, wie dieser Konflikt entstanden ist, welche Rolle das Osmanische Reich und die britische Mandatszeit gespielt haben und warum die Staatsgründung Israels 1948 bis heute nachwirkt.
Er beschreibt die zentralen Kriege, die politischen Brüche und ordnet auch den aktuellen Krieg zwischen Israel und dem Iran ein – inklusive der gegenseitigen Angriffe, der Bombardierung iranischer Nuklearanlagen und Netanjahus Versuch, einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen, wobei er die Reaktion der iranischen Bevölkerung massiv unterschätzt habe.
Folge 60: Der Druck auf den Qualitätsjournalismus ist enorm: Information wird ubiquitär, die Monetarisierung erfolgt immer mehr über die enormen Reichweiten sozialer Netzwerke, das Vertrauen in Medien ist erschüttert, während die Leistung handwerklicher Recherche kaum honoriert wird.
Florian Novak probiert es trotzdem: Er bringt Jetzt, ein neues Qualitätsmedium, das sich über seine Leser- und Hörer:innen finanzieren soll, in den österreichischen Markt. An Erfahrung mangelt es ihm als (Mit-)Gründer von Radio NRJ, lounge.fm, Inforadio u. v. m. nicht.
Niko Alm erklärt er, wie er dabei vorgehen will.
Folge 59: Donald Trump verfolgt eine erratische Zollpolitik: Nicht nur systemische Rivalen wie China sind im Fokus der Strafzölle, auch auf die EU hat es der US-Präsident mittlerweile abgesehen. Die strapazierten Beziehungen zu den USA können auch dafür sorgen, dass die EU geeinter auftritt. Der Kompass für eine wettbewerbsfähige EU, den die Kommission zu Beginn des Jahres veröffentlichte, gibt die Richtung für die wirtschaftliche Aufholjagd vor.
Wirtschaftswissenschaftler und WU-Professor Harald Oberhofer erklärt, wie Trump Zölle einsetzt, wem diese am meisten wehtun und was die EU mit dem Wettbewerbsfähigkeitskompass konkret plant.
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