Wie fühlst du dich, wenn du mal nicht recht hast?
Lisa ist es passiert. Sie hat öffentlich etwas behauptet, was eindeutig nicht wahr ist und eine Hörermail brachte es ans Licht. Roibuschtee kommt aus Südafrika und nicht aus Südamerika.
Wie leicht fällt es dir zuzugeben, dass du unrecht hattest? Lisa fühlt es als Scham. Ist sie vielleicht gar nicht die tolle schlaue Akademikerin, die alles weiß? Häufig fällt es dann besonders schwer, nicht recht zu haben, wenn man sich mit einem hochgesteckten Ideal identifiziert. In einer Wissensgesellschaft ist viel Wissen hoch attraktiv und zeichnet diese Person aus.
Kann man jemanden überhaupt beim nächsten Mal glauben, wenn er/sie etwas behauptet? Die Glaubwürdigkeit eines Menschen, der etwas behauptet, das nicht stimmt stürzt in den Keller. Das kratzt am Selbstwert.
Außerdem kann je nachdem wie groß das Thema ist, bei dem wir das Falsche annahmen, ein ganzes Weltbild zusammenbrechen. Ein Glück ist unser Gehirn kein Haus, sondern ein sehr anpassungsfähiges System, das das neue Wissen schnell wieder integrieren kann.
Bildung besteht darin, immer wieder neue Erkenntnisse in sein Weltbild einzubauen, um Dinge besser zu verstehen. Die Akropolis ist für mich so lange ein kaputter Steinhaufen, bis ich etwas über die Geschichte dieses heiligen Ortes weiß. Erst dann kann ich die Bedeutung für die gesamte Menschheit verstehen.
Auch das Auflösen falscher Glaubenssätze verlangt uns Anpassung ab, heilsame Anpassung. Denn unsere Annahmen über uns und die Welt prägen unsere Erlebnisse. Am wahrsten ist sicher der Ausspruch des Sokrates: ich weiß, dass ich nichts weiß.
Das anzuerkennen fällt heute, in der Informationsgesellschaft schwer. Dabei ist es die Grundlage neugierig zu bleiben und Dinge zu hinterfragen.
Nicht recht haben fühlt sich an wie verlieren, findet Lisa und outet sich als Bildungsbürgerin, die Lust auf Wissen hat. Mona sieht es viel lockerer mit dem Wissen und kann den anderen auch mal lassen. Sie muss nicht um jeden Preis recht haben. So geht es auch.
Vorsicht mit gefühlt wahrem Halbwissen, denn meinen ist nicht wissen.