Folge 111 Kennst Du diesen Wunsch, dass ein bestimmter Mensch Dich endlich sieht?Dass Dein Vater sagt:
Ich bin stolz auf Dich.Dass Deine Mutter Dich versteht.Dass Dein Partner erkennt, was Du leistest.Dass irgendein Mensch, dessen Meinung Dir etwas bedeutet, Dir endlich die Anerkennung gibt, auf die ein Teil von Dir vielleicht schon sehr lange wartet.Ich kenne das. Mein Papa war als kleines Mädchen mein Held.Er war sportlich, handwerklich, stark, konnte gefühlt alles reparieren und für fast jedes Problem gab es eine Lösung.„Geht nicht, gibt’s nicht.“Damit bin ich groß geworden.Und ich glaube, dass dieser Satz viel tiefer in mir steckt, als mir lange bewusst war.Aber natürlich verändert sich die Beziehung zu unseren Eltern.Aus dem kleinen Mädchen wird eine erwachsene Frau.Wir rebellieren.
Wir hinterfragen.
Wir arbeiten Dinge auf.Und irgendwann verstehen wir vielleicht:Unsere Eltern konnten uns nur das geben, was ihnen selbst möglich war.Trotzdem gibt es manchmal diese Stellen in uns, die sich etwas gewünscht hätten.Ein Lob.Ein bestimmtes Gesicht.Diesen einen Satz:„Ich sehe Dich. Und ich bin stolz auf Dich.“Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel darüber gelernt, mir diese Anerkennung selbst zu geben.Nicht darauf zu warten, dass jemand im Außen mir bestätigt, dass meine Entscheidungen richtig sind.Nicht mein Leben so zu gestalten, dass andere Menschen Beifall klatschen.Sondern mich zu fragen:Ist es richtig für mich?Und dann kam dieser eine Tag.Ich gehe seit ungefähr zwei Jahren regelmäßig zum CrossFit.Allein dieser Satz ist schon lustig, weil ich mich einen großen Teil meines Lebens niemals als „Sportlerin“ bezeichnet hätte.Aber ich liebe diese Stunden inzwischen.Sie sind anstrengend, manchmal tut alles weh. Manche Übungen kann ich nichtund trotzdem passiert etwas Verrücktes:wenn diese Stunde beginnt, bin ich vollkommen bei mir.Ich mache das nicht, um gut auszusehen.Nicht für Anerkennung. Nicht, um irgendjemandem etwas zu beweisen.Ich mache es für mich.Irgendwann dachte ich:Das könnte meinem Papa gefallen.Also nahm ich ihn mit.Mein fast 70-jähriger, sehr sportlicher Vater stand plötzlich mit mir in dieser CrossFit-Box.Und natürlich zog er das Training durch.Dann kam am Ende dieser schnelle, anstrengende Teil. Laute Musik. Übungen hintereinander. Puls. Kraft. Durchhalten.Ich war vollkommen bei mir.Und irgendwann schaute ich zu meinem Papa. Er stand da. Arme verschränkt.Er sah mich an.Ich erkannte diesen Gesichtsausdruck sofort. Er war stolz. Auf mich? Später sagte er es sogar.Sinngemäß:„Boah. So fit warst Du noch nie. Was Du hier machst … richtig gut. Ich bin stolz auf Dich.“Ja, natürlich hat mich das berührt.Aber das eigentliche Geschenk kam erst einige Stunden später.Denn plötzlich begriff ich:Da war er. Dieser Blick. Diese Anerkennung. Dieses „Ich bin stolz auf Dich“. Etwas, das ich mir früher an manchen Stellen meines Lebens unglaublich gewünscht hätte.Nur jetzt … brauchte ich es nicht mehr.Und DAS war mein Wendepunkt.Nicht, dass mein Vater stolz auf mich war.Sondern, dass ich begriffen habe:Ich war längst stolz auf mich.Ich brauchte seine Anerkennung nicht mehr, um meinem Tun einen Wert zu geben. Vielleicht ist genau das eine der großen Formen von Freiheit.Nicht, dass uns die Meinung anderer Menschen vollkommen egal wird.Natürlich dürfen wir uns über Anerkennung freuen.Natürlich darf Lob uns berühren.Aber es macht einen gewaltigen Unterschied, ob Anerkennung ein Geschenk ist … oder Nahrung, ohne die wir glauben, nicht leben zu können.Vielleicht gibt es auch in Deinem Leben jemanden, von dem Du Dir noch etwas wünschst. Einen Satz. Eine Entschuldigung. Anerkennung. Verständnis. Ein „Ich sehe Dich“.Dann möchte ich Dir heute eine Frage dalassen:Was wäre, wenn Du nicht länger darauf warten müsstest?Was wäre, wenn Du anfangen könntest, Di einen Teil davon selbst zu geben?Nicht irgendwann. Heute.Für eine Sache, die Du gut gemacht hast.Für eine Entscheidung, die Mut gebraucht hat.Für einen Weg, den vielleicht niemand versteht , außer Dir.Vielleicht schaust Du heute einmal auf Dich und sagst:Ich sehe, was Du da machst.Ich sehe, wie weit Du gekommen bist.Und ja: Ich bin stolz auf mich.Vielleicht verändert dieser eine Satz noch nicht Dein ganzes Leben.Aber vielleicht ist er Dein Wendepunkt.Denn in dem Moment, in dem Du Deinen Wert nicht mehr ausschließlich im Außen suchst, passiert etwas Entscheidendes:Du wirst freier.Freier, Deinen Weg zu gehen.Auch dann, wenn niemand klatscht.Aber wenn irgendwann doch jemand klatscht?Dann kannst Du lächeln, es annehmen und sagen:Danke.Aber Du weißt längst:Mein Wert war schon vorher da.Willkommen bei Wendepunkte . 11 Minuten MutDurchbruch.