Nachlese

Nachlese

By Sina Dell'Anno & Jodok TröschEducationArtsBooksFiction
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Nachlese episodes

  • Satyrspiel im Winter

    Was geschieht, wenn ein Autor bereits in jungen Jahren beginnt, seine eigenen Jugendtexte nachzuerzählen? In der ersten Folge seit fast fünf Jahren versuchen wir, Clemens J. Setz’s auf die Schliche zu kommen, der in "Glücklich wie Blei im Getreide" von einem Sohn erzählt, der – ohne Arme und Beine – in einer Schubkarre durch die Landschaft spazieren fährt. Das ist ebenso irritierend wie anregend.


    Clemens J. Setz: Sorge um das Satyrspiel im Winter. In: Glücklich wie Blei im Getreide. Nacherzählungen. Suhrkamp 2015.

    45 min
  • Ep. 24: Diese Liebe schmeckt nach eschige zunbada

    Hugo Balls »Karawane« ist eines der bekanntesten Lautgedichte des Dadaismus. Seine rätselhaften Worte – jolifanto bambla ô falli bambla – sind mit Absicht unverständlich. Sie rücken den Klang der Worte ins Zentrum. Der Cyberdadaist Samuel Eberenz macht sich den Spass, diesem Text durch den »strategischen Einsatz von Online Tools der statistischen Maschinenübersetzung« so etwas wie eine Bedeutung abzuringen. Die Karawane wird dabei zum Leichenwagen. Verrückt? Ja, aber auch ein großer Spaß.


    Samuel Eberenz: Karawane Leichenwagen, in: eXperimenta 11/2015, 32, https://experimenta.de/archiv/2015/experimenta-11_15_November_ES.pdf

    51 min
  • Ep. 23: Rote Nacktschnecken

    Wie ist Sexualität nach dem zweiten Weltkrieg zu denken, nachdem die jungen männlichen Körper der Deutschen hart und soldatisch zu sein hatten? –– Als sexuelle Idylle am Badesee, die sich in den 50er Jahren dem Vorwurf der Pornographie aussetzte? Über Sexualität und Gewalt, über Körperbilder nachdenkend, nehmen wir Klaus Theweleits wildes und aufregendes Buch, um uns damit Arno Schmidts ›Seelandschaft mit Pocahontas‹ zu nähern.


    Arno Schmidt: Seelandschaft mit Pocahontas, in: Alfred Andersch (Hg.): Texte und Zeichen 1,1 (1955), S. 9–53.
    Klaus Theweleit: »you give me fever«. Arno Schmidt. Seelandschaft mit Pocahontas. Frankfurt a.  M./Basel: Stroemfeld/Roter Stern.

    50 min
  • Ep. 22: Auf grünen Beinen durch die Stadt
    Nach einem längeren Unterbruch zeigen sich auch bei uns die Auswirkungen der Nach-Corona-Zeit: die freien Abende werden weniger, die Terminkalender voller, so dass dies die erste Folge ist, die nicht gänzlich in unseren Wohnzimmern entstanden ist. Umso mehr haben wir die gemeinsame Lektüre vermisst. Wir lesen ein Langgedicht von Durs Grünbein und reflektieren über den den Blick des Satirikers und den des Flaneurs, über die Ähnlichkeiten und Differenzen zwischen der alten Metropolis Rom und der modernen Großstadt und ganz besonders über die Ästhetik des Hässlichen.

    Durs Grünbein: Nach den Satiren. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1999.
    52 min
  • Ep. 21: Plastik!

    „Ein wunderbarer Stoff“ – Roland Barthes beschreibt die Substanz der Substanzen, und wir, lavierend zwischen Aristoteles und dem 3D-Drucker, lassen uns von der mythischen Faszinationskraft des Plastik ebenso anstecken wie vom Signifikantenfieber seiner semiotischen Alltagsanalyse.

    52 min
  • Ep. 20: Rote Riesen

    Kann die faszinierende Vision einer fernen Endzeit, in der die Sonne als roter Riese die Welt in sich einschließt, Menschen zur Tat bewegen? Oder führt sie nur tiefer hinein in die Apathie? Diese hochphilosophischen Fragen werden in einem alkoholisierten Stammtischgespräch erörtert, das dem alternden und zunehmend erfolglosen Schriftsteller Georg Laub mehr und mehr zum bedeutungslosen Stimmengewirr wird, während er seinen eigenen kleinen Weltuntergang erlebt.

    Wir finden diese großen Fragen fast genauso spannend wie die poetologischen Finessen des Textes und philosophieren angeregt.

    Silvia Bovenschen: Wie geht es Georg Laub? Roman. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2011.


    50 min
  • Ep. 19: Eisschollen auf der Aare

    Eis auf der Aare und die Schweiz im nicht enden wollenden Krieg. Krachts »Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten« berührt, wie wir schnell merken, einige empfindliche Punkte des helvetischen Selbstverständnisses. Entsprechend gross ist der Diskussionsstoff, und wir lassen uns von der literarischen Dystopie hinreissen zu allerlei Spekulationen über die Schweizer Psyche zwischen Kosmopolitismus und Réduit.

    Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Köln 2008.

    50 min
  • Ep. 18: Von goldenen Eseln
    Schon zum zweiten Mal lesen wir »Metamorphosen«. Diesmal allerdings nicht jene von Ovid, sondern die von Apuleius. Auch unter dem Titel »Der goldene Esel« bekannt, schildert der einzige erhaltene lateinische Roman die Abenteuer des Protagonisten Lucius, der unabsichtlich in einen Esel verwandelt wurde. Bei der Lektüre der verhängnisvollen Verwandlungsszene entdecken wir die Qualitäten dieses Schelmenromans: seinen parodistischen Witz, aber auch sein starkes Plädoyer für die Rücksicht auf die Verletzlichkeit allen Lebens.
    (Edit 25.5.2020: Zunächst war eine falsche Episode verlinkt; dies ist nun korrigiert)
    48 min
  • Ep. 17: Pasolinis Petrolio

    Natürlich vergessen wir über Pasolinis Namen und seinem schwer fassbaren Werk sofort die Triggerwarnung, die wir aussprechen wollten. Es geht in Petrolio um inkonsistente Körper und ihre (fehlenden) Glieder, um Sexualität und phantasmatische Geschlechter. Pasolinis ,modernes Satyricon‘ wirft bei aller mitunter pornographischen Erotik auch einen schonungslosen, fast anatomischen Blick auf soziale Codices und besticht nicht zuletzt mit unerwarteter romantischer Ironie.

    Pier Paolo Pasolini: Petrolio. Roman. Aus dem Italienischen von Moshe Kahn. Berlin: Wagenbach 2015.

    53 min
  • Ep. 16: Steckenpferde

    Von Uhrwerken, Schöpfern und Steckenpferden. Wir gönnen uns aufs Wochenende einige Blicke in Sternes unvergleichlichen Tristram Shandy.

    Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman. Aus dem Englischen von Michael Walter. Berlin: Galiani 2018.

    51 min

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Sina Dell'Anno und Jodok Trösch lesen einander vor. Wir lassen uns von den Texten anregen und kommen darüber ins Gespräch.