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Was geschieht, wenn ein Autor bereits in jungen Jahren beginnt, seine eigenen Jugendtexte nachzuerzählen? In der ersten Folge seit fast fünf Jahren versuchen wir, Clemens J. Setz’s auf die Schliche zu kommen, der in "Glücklich wie Blei im Getreide" von einem Sohn erzählt, der – ohne Arme und Beine – in einer Schubkarre durch die Landschaft spazieren fährt. Das ist ebenso irritierend wie anregend.
Hugo Balls »Karawane« ist eines der bekanntesten Lautgedichte des Dadaismus. Seine rätselhaften Worte – jolifanto bambla ô falli bambla – sind mit Absicht unverständlich. Sie rücken den Klang der Worte ins Zentrum. Der Cyberdadaist Samuel Eberenz macht sich den Spass, diesem Text durch den »strategischen Einsatz von Online Tools der statistischen Maschinenübersetzung« so etwas wie eine Bedeutung abzuringen. Die Karawane wird dabei zum Leichenwagen. Verrückt? Ja, aber auch ein großer Spaß.
Wie ist Sexualität nach dem zweiten Weltkrieg zu denken, nachdem die jungen männlichen Körper der Deutschen hart und soldatisch zu sein hatten? –– Als sexuelle Idylle am Badesee, die sich in den 50er Jahren dem Vorwurf der Pornographie aussetzte? Über Sexualität und Gewalt, über Körperbilder nachdenkend, nehmen wir Klaus Theweleits wildes und aufregendes Buch, um uns damit Arno Schmidts ›Seelandschaft mit Pocahontas‹ zu nähern.
„Ein wunderbarer Stoff“ – Roland Barthes beschreibt die Substanz der Substanzen, und wir, lavierend zwischen Aristoteles und dem 3D-Drucker, lassen uns von der mythischen Faszinationskraft des Plastik ebenso anstecken wie vom Signifikantenfieber seiner semiotischen Alltagsanalyse.
Kann die faszinierende Vision einer fernen Endzeit, in der die Sonne als roter Riese die Welt in sich einschließt, Menschen zur Tat bewegen? Oder führt sie nur tiefer hinein in die Apathie? Diese hochphilosophischen Fragen werden in einem alkoholisierten Stammtischgespräch erörtert, das dem alternden und zunehmend erfolglosen Schriftsteller Georg Laub mehr und mehr zum bedeutungslosen Stimmengewirr wird, während er seinen eigenen kleinen Weltuntergang erlebt.
Wir finden diese großen Fragen fast genauso spannend wie die poetologischen Finessen des Textes und philosophieren angeregt.
Silvia Bovenschen: Wie geht es Georg Laub? Roman. Frankfurt a. M.: S. Fischer 2011.
Eis auf der Aare und die Schweiz im nicht enden wollenden Krieg. Krachts »Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten« berührt, wie wir schnell merken, einige empfindliche Punkte des helvetischen Selbstverständnisses. Entsprechend gross ist der Diskussionsstoff, und wir lassen uns von der literarischen Dystopie hinreissen zu allerlei Spekulationen über die Schweizer Psyche zwischen Kosmopolitismus und Réduit.
Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Köln 2008.
Natürlich vergessen wir über Pasolinis Namen und seinem schwer fassbaren Werk sofort die Triggerwarnung, die wir aussprechen wollten. Es geht in Petrolio um inkonsistente Körper und ihre (fehlenden) Glieder, um Sexualität und phantasmatische Geschlechter. Pasolinis ,modernes Satyricon‘ wirft bei aller mitunter pornographischen Erotik auch einen schonungslosen, fast anatomischen Blick auf soziale Codices und besticht nicht zuletzt mit unerwarteter romantischer Ironie.
Pier Paolo Pasolini: Petrolio. Roman. Aus dem Italienischen von Moshe Kahn. Berlin: Wagenbach 2015.
Von Uhrwerken, Schöpfern und Steckenpferden. Wir gönnen uns aufs Wochenende einige Blicke in Sternes unvergleichlichen Tristram Shandy.
Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman. Aus dem Englischen von Michael Walter. Berlin: Galiani 2018.
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