
Sign up to save your podcasts
Or


Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Illustration mit KI-Unterstützung erstellt
Unlängst hatten wir da so ein komisches Fest. „Ostern“ hat mein Zweibeiner es genannt. Ich weiß bis heute nicht, was das sollte. Tagelang hat sie rumgeräumt und Äste ins Haus geschleppt. Äste? Wenn ich einen Stock gut finde und mitnehmen möchte, darf ich das natürlich nicht. Aber der Zweibeiner schleppt Äste ins Haus.
Dann wurde da so buntes Zeug drangehangen. Wer braucht denn sowas? Obwohl, die Katze fand es gut. Die montierte die ersten Dinger wieder ab. Der Zweibeiner war alles andere als begeistern und motzte die Katze an. Die schmollte dann. Da konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Dann verteilte der Zweibeiner größere, bunte Sachen im Haus. Das flauschige, plüschige Ding fand ich super. Hat der Zweibeiner bestimmt extra für mich dahingestellt. Für wen sonst? Brüllt sie mich doch an: „Nein! Meine Deko!“ Ich war etwas verwirrt. War es doch nicht für mich? Jetzt verstand ich die Katze. Erst wird einem Spielzeug vor die Nase gestellt und dann darf man nicht damit spielen. Menschen!
Aber die größte Aufregung war am Oster-Wochenende. Da sprach der Zweibeiner immer vom Osterhasen. Sie sagte: „Da ist der Osterhase.“ Ich schaute mich verwirrt um, und sah nichts. Dann sagte sie: „Such! Such!“ und ich dachte: „Wo? Wo?“ Und lief orientierungslos durch die Gegend. Menschen sind echt merkwürdig.
Als wir später im Wald spazieren waren, da habe ich dann tatsächlich einen Hasen gesehen. Als ich den suchen wollte, war das meinem Zweibeiner aber sowas von gar nicht recht. Sie brüllte nur „Halt!“ und „Komm her!“. Danach war Ostern für mich gelaufen. Ich verstehe dieses Fest nicht: Spielzeug, das kein Spielzeug ist und Hasen, die man suchen, aber nicht finden soll.
Lerne: Osterbräuche sind verwirrend und alles andere als man denkt.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Mike Erskine auf Unsplash
(Es gilt das gesprochene Wort)
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts „todays day“. Heute widmen wir uns einem Thema, das auf den ersten Blick trocken erscheint, aber enorme Auswirkungen auf unsere Geldbeutel und die soziale Gerechtigkeit in Deutschland hat: den sogenannten versicherungsfremden Leistungen in der Sozialversicherung.
In der Diskussion um die Rentenversicherung fällt oft der Begriff „versicherungsfremde Leistungen“. Damit sind Leistungen gemeint, die nicht durch die eigenen Beiträge der Versicherten gedeckt sind, sondern auf politischen Entscheidungen beruhen
Vereinfacht: Die Rentenkasse übernimmt dabei Aufgaben im Interesse der gesamten Gesellschaft – zum Beispiel Gutschriften für Kindererziehungszeiten, Zeiten in Ausbildung oder Studium sowie Leistungen bei Mutterschutz. Diese Maßnahmen sind gesellschaftlich sinnvoll und gewollt, doch ihre Kosten stehen in keinem direkten Zusammenhang mit den eingezahlten Rentenbeiträgen. Idealerweise würden solche gesamtgesellschaftlichen Aufgaben aus Steuermitteln bezahlt, also von der Allgemeinheit getragen
In der Praxis hat sich in Deutschland jedoch über Jahrzehnte eine andere Tradition eingeschlichen: Der Staat lagert einen Teil dieser Kosten in das System der Sozialversicherungen aus, statt sie vollständig über den Bundeshaushalt zu finanzieren
Gemeinhin wird dann vom „Verschiebebahnhof“ gesprochen. Kosten werden vom Steuerhaushalt auf die Beitragszahlenden verschoben.
Die Kosten und ihre Folgen
Aber wie hoch ist denn der Umfang der „versicherungsfremden“ bzw. „nicht-beitragsgedeckten“ Leistungen der Sozialversicherung? Darüber wird, so Prof. Stefan Sell (Direktor für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung der Hochschule Koblenz), seit Anbeginn der sozialpolitischen Zeiten überaus heftig gestritten.
Der Sozialverband VdK hat gemeinsam mit der NGO FiscalFuture – einer Organisation, die junge Menschen in Finanz- und Wirtschaftspolitik einbindet und sich für eine nachhaltige Fiskalpolitik starkmacht – diesen Umfang berechnet.
Das Ergebnis: Rund 108,2 Milliarden Euro pro Jahr zahlt allein die gesetzliche Rentenkasse für solche versicherungsfremden Zwecke.
Dem gegenüber steht ein Bundeszuschuss – also eine staatliche Beteiligung – von nur 84,3 Milliarden Euro jährlich.
Die Differenz, knapp 24 Milliarden Euro pro Jahr, muss aus den Beiträgen der Versicherten selbst gedeckt werden.
Anders ausgedrückt: Ohne diese Zweckentfremdung könnten die Rentenbeiträge deutlich niedriger sein. Laut VdK zahlen die Beschäftigten durch diese Finanzierungstricks etwa 1,5 Beitragssatzpunkte mehr, als eigentlich nötig wäre
Dass diese Zahlen nicht abstrakt bleiben, zeigt ein Blick auf den individuellen Effekt: Verdient jemand ca. 3.500 Euro brutto im Monat, fließen derzeit etwa 73,50 Euro monatlich aus seinem Gehalt in solche gesamtgesellschaftlichen Aufgaben – zusätzlich zum eigentlichen Rentenbeitrag.
Der Arbeitgeber zahlt nochmals den gleichen Betrag obendrauf. Zusammen sind das rd. 147 Euro pro Monat, die beide Seiten für fachfremde Aufgaben aufbringen. Würde der Bund diese Kosten übernehmen, entfiele dieser versteckte Aufschlag. Für die einzelne beschäftigte Person blieben jährlich ca. 882 Euro mehr Netto übrig, und auch die Arbeitgeberseite hätte die gleiche Summe weniger an Lohnnebenkosten
Die Entlastung käme also sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Unternehmen gleichermaßen zugute.
Ungleiche Verteilung: Wer zahlt (nicht) in die Rentenkasse?
Die aktuelle Finanzierungspraxis versicherungsfremder Leistungen wirft ein Gerechtigkeitsproblem auf. Wer trägt die Hauptlast? Es sind vor allem sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – also Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber. Andere Gruppen profitieren jedoch ebenfalls von den Leistungen, zahlen aber nicht in die Rentenkasse ein.
Häufig wird dabei auf Politiker und Beamte verwiesen. Das ist nicht völlig falsch – aber es braucht eine genauere Einordnung:
Beamte – etwa Polizisten oder Richter – gehören historisch nicht zur gesetzlichen Rentenversicherung, weil sie bereits vor der Einführung der Rentenversicherung im 19. Jahrhundert über eigene Versorgungssysteme abgesichert waren. Der Beamtenstatus bringt Rechte und Pflichten mit sich – darunter auch das Alimentationsprinzip, das eine lebenslange Absicherung durch den Staat garantiert. Dieses System wurde bewusst nicht in die Bismarck’sche Sozialversicherung integriert.
Politiker, also Abgeordnete und Regierungsmitglieder, haben ebenfalls eigenständige Altersvorsorgeregelungen. Diese beruhen auf ihrer besonderen Funktion als Gewählte und folgen oft beamtenähnlichen Regelungen – auch wenn sie nicht zwangsläufig verbeamtet sind. Die Altersversorgung wird hier vollständig aus Steuermitteln finanziert.
Diese historischen Sonderwege sind – ob man sie für zeitgemäß hält oder nicht – systemisch begründet und politisch bewusst etabliert worden.
Anders verhält es sich bei bestimmten Selbstständigen und freien Berufen, insbesondere den sogenannten Kammerberufen:
Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte, Steuerberater und ähnliche Berufsgruppen sind in berufsständischen Versorgungswerken organisiert. Diese wurden in der Nachkriegszeit eingeführt – oft mit dem Argument, dass diese Gruppen bereits funktionierende Altersvorsorgen aufgebaut hätten und ihre soziale Absicherung in Eigenregie sicherstellen könnten.
Diese Gruppen Selbständiger sind nicht an die strengen Pflichten eines Beamten gebunden – zum Beispiel daran, jederzeit an einen anderen Dienstort versetzt zu werden oder einen Umzug auf Anordnung hin durchzuführen. Ihre Altersversorgung basiert auf eigenen Systemen, häufig mit deutlich höheren Rücklagen pro Mitglied – und ohne Umverteilungsmechanismen wie in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Wenn nun gesamtgesellschaftliche Aufgaben über Rentenbeiträge finanziert werden, trägt diese Last im Wesentlichen die Gruppe der Beitragszahlenden in der gesetzlichen Versicherung – also die Arbeitnehmer in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Besserverdienende Gruppen mit eigenen Systemen beteiligen sich daran höchstens über ihre Steuern, nicht aber über Rentenbeiträge
Der VdK spricht hier zurecht von einer strukturell unausgewogenen Umverteilung und sozialer Ungerechtigkeit.
Denn während die Sozialkassen vor allem aus Lohnbeiträgen gespeist werden, stammen Steuermittel aus einer breiteren Basis – also auch von Beamten, Politikerinnen, Selbständigen, Unternehmen und allen, die z.B. Mehrwertsteuer zahlen.
Wer sich an den Sozialversicherungsbeiträgen bedient, belastet somit eine vergleichsweise einkommensschwächere Gruppe stärker.
Fazit: Gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen
Die Analyse des VdK macht deutlich, dass die Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben über die Rentenkasse eine Schieflage erzeugt. Diese verdeckte Querfinanzierung ist weder transparent noch gerecht. Statt weiterhin bei jeder Finanzlücke reflexartig die Beitragsschraube anzuziehen oder Rentenleistungen in Frage zu stellen, braucht es einen ehrlichen politischen Kurswechsel. Aufgaben, die alle etwas angehen, müssen auch von allen finanziert werden – sprich aus dem Steuertopf, nicht allein aus Beiträgen.
Konkret hieße das: Der Bund und die Länder müssten mehr Mittel für diese Aufgaben bereitstellen, anstatt sie der Rentenkasse aufzubürden. Das ist machbar – etwa durch eine gerechtere Steuerpolitik. Vorschläge liegen auf dem Tisch: Eine gerechtere Ausgestaltung von Erbschafts- und Vermögenssteuern oder konsequenteres Vorgehen gegen Steuervermeidung könnten dem Staat erhebliche Mehreinnahmen bringen.
Schätzungen zufolge ließen sich so bis zu 100 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr mobilisieren
– genug, um sämtliche versicherungsfremden Leistungen aus Steuern zu finanzieren und die Sozialbeiträge zu stabilisieren. Unterm Strich läuft es auf ein einfaches Prinzip hinaus, das VdK-Präsidentin Verena Bentele treffend formuliert hat: „Politische Maßnahmen, die die gesamte Gesellschaft betreffen, müssen auch von der gesamten Gesellschaft finanziert werden.“
In diesem Sinne wäre es nur folgerichtig, die Rentenkasse von fremden Lasten zu befreien – damit ein guter Sozialstaat finanzierbar bleibt und die Kosten fair verteilt werden. Aber, um Prof. Sell zu zitieren; „Spätestens da geht dann sicher der Blutdruck von vielen Akteueren richtig hoch“.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Bild mit KI-Unterstützung erstellt
Eine Stunde und 10 Minuten. So steht es im Protokoll. Eine Stunde und 10 Minuten mit einer kaum ausreichenden Sauerstoffversorgung, Werten herunter bis zu 80 %. Der Arzt erklärte es mir so: Stellen Sie sich vor, Sie bekommen keine Luft, weil Ihnen jemand ein Kissen auf den Kopf drückt. Dann nimmt er es für wenige Sekunden weg, bevor er dieses erneut auf ihr Haupt legt. Keine angenehme, schöne Vorstellung. Hier geht es nicht um schlechten Schlaf, sondern um eine akute Gefährdung der Gesundheit. Maßnahmen wurden erforderlich, umgehend.
Aufgefallen war das Problem während einer der immer wieder und häufiger werdenden Spiegelungen des Innenlebens, beinahe Routine. Unter der Schlafnarkose war lautes Schnarchen zu hören gewesen. Außerdem waren ständige, unterschiedlich lange Atemaussetzer aufgefallen. Die dringende medizinische Empfehlung lautete, den Schlaf genauer unter die Lupe zu nehmen.
Dafür muss man heute nicht mehr zwingend in ein Schlaflabor, wir leben in Zeiten des Mobilen. In der Praxis wird der Patient mit allen möglichen Messsonden ausgestattet, manche werden direkt angelegt, andere platziert man vor dem Schlafengehen selbst. Die Ergebnisbesprechung mündete in der Diagnose “Mittelschwere Schlafapnoe”, nur fünf Messpunkte entfernt von dem höchstmöglichen Messintervall. Dringender Rat: Erprobung eines Schlaftherapiegerätes.
Sie haben sicher von diesen Helfern gehört. Ein Kollege sagte “Ach, so ein Schnarchdings”, nachdem ich ihm davon erzählt hatte. Dass das Schnarchen verschwindet, ist bei diesem “Dings” tatsächlich ein Nebeneffekt, entscheidender ist, dass die Atemaussetzer aktiv unterbunden werden. Dazu benötigt man ein CPAP-Gerät. Die Abkürzung steht für “Continues positive airway pressure”. Der Apparat sorgt also dafür, dass über die Nacht andauernd und dem Bedarf des Patienten entsprechend Luft mit einem definierten oder – wenn notwendig – einem sich erhöhenden Druck in die Atemwege geleitet wird. So bleiben diese offen und Aussetzer werden minimiert.
Noch am Tag des Arztgespräches ging es zum empfohlenen Fachhändler. Die Mitarbeiterin erklärte den Gebrauch des nächtlichen Begleiters, passte den Sitz der bevorzugten Maske an. Es folgten die ersten Übungen. Strange, aber nicht wirklich schlimm. Die Apparatur passt sich dem eignen Atemrhythmus an.
Zuhause angekommen erfolgte sofort der Aufbau. Abwarten war keine Option, zu dringend das Problem. Die erste Nacht verlief unruhig, aber irgendwann folgte der Schlaf. Hin und wieder eine Korrektur des Sitzes der Maske, bis alles wieder am Platz war. Und obwohl nicht viel Schlaf stattgefunden hatte, muss dieser gut und ausreichend gewesen sein. Das Aufstehen erfolgte schnell, das Gefühl des “Ausgeschlafenseins” war spürbar, nach langer, langer Zeit einmal wieder.
Seitdem sind jetzt über drei Wochen vergangen. Der Sitz der Maske ist optimiert, die Abläufe und Reinigungsgänge erfolgen entspannt und routiniert. Das Leben, das ist keine Übertreibung, fühlt sich an wie neu. Die Gedanken sind klarer, Entscheidungen fallen leichter, der Blick weitet sich. Und das Bedürfnis um 20 Uhr im Bett zu liegen, es ist verschwunden. Stattdessen diese Überlegungen: Was mag ich noch machen, was ist mir heute noch wichtig? Gut für sich zu sorgen, es gelingt besser. Der Zugewinn an Daseinsqualität ist unbeschreiblich. Wie schön das Leben doch wieder ist.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Willkommen bei „METRO“
Viel Musik und die Rückschau auf unsere KW 18.
Keine eigene Playlist? Dann drück auf Play und lass dich von unserer Spotify Playlist mitreißen.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto mit KI-Unterstützung erstellt
(es gilt das gesprochene Wort)
Heute möchte ich mit Ihnen über ein Thema sprechen, das mich sehr bewegt und das sicher viele von uns tief im Herzen berührt: das Recht auf selbstbestimmtes Sterben – und die Perspektive der Angehörigen, die damit umgehen müssen.
Ausgangspunkt ist ein Artikel aus den Kieler Nachrichten vom 27. April 2025. Er erzählt die Geschichte von Annemarie und Rudolf Sonntag – einem Ehepaar, das sich nach 70 gemeinsamen Ehejahren entschieden hat, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Nicht, weil sie schwerstkrank gewesen wären. Sondern weil sie das Gefühl hatten: Es ist genug.
Die Sonntags waren alt ( 90 und 92 Jahre), ja, aber sie lebten noch selbstständig. Sie gingen einmal pro Woche zur Tagespflege, ließen gelegentlich Hilfe für die Böden kommen. Sie waren nicht unheilbar krank. Annemarie backte noch immer ihren berühmten Rumkuchen, für den sie extra den hochprozentigen Alkohol kaufte. Ihr Mann, der noch mit über 90 Jahren am liebsten selbst die Autoreifen wechseln wollte. Zwei Menschen, die mitten im Leben standen – auf ihre Weise. Und die dennoch entschieden: „Jetzt ist die Zeit gekommen.“
Seit einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts vor fünf Jahren gibt es in Deutschland ein weitreichendes Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Es steht nicht nur Schwerkranken offen, sondern jedem, der frei und eigenverantwortlich entscheidet, sein Leben zu beenden.
Was mich besonders bewegt hat, ist die Perspektive der Angehörigen. Denn so klar, so selbstbestimmt dieser Entschluss der Eltern war – für die Familie, für die Kinder und Enkelkinder, war es ein schwerer Weg.
Die Enkelin Marie, gerade 28 Jahre alt, beschreibt es sehr eindrücklich:
Sie dachte immer, ihre Großeltern würden diesen Schritt nicht wirklich gehen. Oder erst dann, wenn Krankheit und Leid den Alltag bestimmen.
Aber die Großeltern sagten klar: „Wir sind lebenssatt.“ Sie hatten ihr Leben gelebt, sie waren dankbar. Und sie wollten gehen, bevor ihnen der Verlust ihrer Selbstständigkeit aufgezwungen wird.
Die Angehörigen mussten lernen, das zu akzeptieren. Auch wenn es gegen ihre eigenen Wünsche war.
„Ich hätte dich gern noch 29 oder 30 Jahre gehabt“, sagt Marie zu ihrer Großmutter. Und die Großmutter antwortet, ruhig und klar:
„Ich habe mein Leben gelebt. Ihr seid gesund. Was soll ich noch warten?“
Diese Geschichte zeigt, wie schwer es sein kann, die Entscheidung geliebter Menschen zu respektieren.
Wie viel Mut es auf beiden Seiten braucht: beim Gehen und beim Zurückbleiben.
Und sie öffnet die Debatte, ob und wie der Staat dieses Recht stärker regulieren soll – eine Debatte, die derzeit wieder aktuell ist.
Für mich persönlich bleibt ein starker Eindruck:
Sterben in Würde bedeutet auch, die Würde der Entscheidung anzuerkennen – selbst wenn sie schmerzt.
Und es bedeutet, die Angehörigen nicht zu vergessen, die diesen Weg begleiten – voller Liebe, voller Schmerz, voller Respekt.
Doch gerade deshalb müssen auch die Abläufe und Regeln klar und eindeutig sein.
Bei den Sonntags war zu spüren, wie schnell nach dem Tod die Routine der Formalitäten beginnt:
Der Anwalt und die Ärztin mussten weiter, keine Zeit für einen Kaffee – der nächste Termin wartete bereits.
Kurz darauf kam die Polizei, bat alle hinaus und versiegelte die Wohnung. Eine Formalie, wie es bei unnatürlichen Todesursachen üblich ist – doch die Familie wusste das nicht.
Erst drei Tage später durften der Sohn und die Enkelin wieder hinein. Und fanden alles so vor, wie es war:
Die trocknenden Blumen auf dem Tisch. Die Brille des Vaters, achtlos abgelegt. Das Schlafzimmer, die Betten, flachgelegen.
Diese Bilder bleiben.
Und sie machen deutlich: Ein würdevoller Abschied braucht nicht nur persönliche Entschlossenheit – er braucht auch ein rechtliches und organisatorisches Umfeld, das sensibel und menschlich gestaltet ist.
Darum bleibt am Ende nicht nur der Respekt vor der Entscheidung der Sonntags – sondern auch die klare Erkenntnis:
Wenn wir ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben ernst nehmen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen.
Dass Angehörige nicht allein gelassen werden.
Dass der Abschied nicht in bloßer Bürokratie untergeht.
Und dass Menschen in ihrer letzten Lebensphase auf Würde und Menschlichkeit vertrauen können – auch in der Organisation, auch im Ablauf.
Es ist an der Zeit, dass der Gesetzgeber klare Regeln schafft.
Regeln, die schützen, begleiten – und die dem Leben und dem Sterben gerecht werden.
Nicht mehr und nicht weniger haben Menschen wie Annemarie und Rudolf Sonntag und ihre Angehörigen verdient.
Ich danke Ihnen, dass Sie heute dabei waren und sich auf dieses schwierige, aber wichtige Thema eingelassen haben.
Bleiben Sie achtsam – mit sich selbst und mit den Entscheidungen anderer.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto mit KI-Unterstützung generiert
Besucht habe ich die Gedenkstätte mehrfach, oft. Nicht an jeden Besuch kann ich mich genau entsinnen. Und vieles hat sich dort über die Jahre verändert. Jedes Mal ging ich mit einem Gefühl des nicht Begreifen Könnens über das Gelände, die Stimmung gedrückt, getragen von großer Trauer über den schrecklichen Verlust von so vielen Menschenleben.
Mitten in der Lüneburger Heide liegt eine Einrichtung, von der nicht viel geblieben ist: Man geht herum um Massengräber, große Massengräber. Auf Gedenktafeln kann man lesen, wie viele Menschen hier jeweils ihre letzte unwürdige Ruhestätte gefunden haben. Außerdem gibt es eine Mauer der Erinnerung, ein jüdisches Denkmal, einen Obelisken. Von den ehemaligen Gebäuden findet man vereinzelt noch Fundamente, die Lagerstraßen sind noch erhalten. Hinzu gekommen ist ein im Oktober 2007 eröffnetes modernes Dokumentationszentrum mit einer beeindruckenden Dauerausstellung. Wer alles gesehen hat, der bekommt einen Eindruck vom Unfassbaren. Das ist das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Zur Geschichte: Ein Teil eines Kriegsgefangenenlagers der Wehrmacht dort wurde im April 1943, so kann man in der Chronik nachlesen, von der SS übernommen. Zunächst diente die Einrichtung der Unterbringung von jüdischen Menschen, deren Freikauf man sich erhoffte. Entsprechend waren die Lebensbedingungen in Bergen-Belsen, vergleichbar besser als in anderen Lagern. Ab dem Frühling 1944 wurden dort auch nicht arbeitsfähige Männer aus anderen Konzentrationslagern untergebracht, später kam noch ein Frauenlager hinzu. Und mit der Aufgabe der Arbeits- und Vernichtungseinrichtungen der Deutschen entlang der Kriegsfront kamen immer mehr Menschen aus diesen Lagern nach Bergen-Belsen.
Der Alltag: Hunger, Durst und Seuchen. Die Häftlinge erlitten unvorstellbare Qualen, 52.000 Menschen verloren insgesamt ihr Leben. Die englische Armee befreite das Lager am 15. April 1945.
80 Jahre später – am vergangenen Sonntag – gedachte man der Toten in Bergen-Belsen. Der niedersächsische Ministerpräsident Weil dankte den Überlebenden für ihren Einsatz, ihren unermüdlichen Einsatz, dass das in Bergen-Belsen Geschehene nicht vergessen wird.
Bergen-Belsen ist ein Ort des sich Erinnerns, des Trauerns. Sie werden konfrontiert werden mit dem, was ich das Unbegreifliche nenne, auf eine stille und dennoch nachhaltige Art und Weise. Nehmen Sie sich Zeit, erkunden Sie das Dokumentations-zentrum, besuchen Sie die Lagerrampe. Dort steht ein Güterwaggon. Betreten Sie diesen, stellen Sie sich vor, darin über Stunden und Tage unterwegs gewesen zu sein, ohne zu wissen, was ihr Ziel ist. An einem warmen Frühsommertag heizt sich der Waggon sehr schnell auf, Sie werden nicht lange darin verweilen wollen. Die Menschen damals hatten keine Wahl, sie mussten bleiben. Gehen Sie von der Rampe aus den Weg zum Lager, es ist ein beachtliches Stück Weg. Besuchen und gedenken Sie auf dem ehemaligen Gelände der Einrichtung derer, die dort nach unfassbaren Qualen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Ich lade Sie ein, diese Gedenkstätte aufzusuchen. Nehmen Sie Freunde mit, vielleicht ihre Kinder, wenn Sie in einem entsprechenden Alter sind. Erzählen Sie davon, was Sie gesehen haben, was Sie beeindruckt hat, was Sie traurig gemacht hat, was unbegreiflich geblieben ist. Wir dürfen nicht aufhören uns zu erinnern.
Foto mit Unterstützung durch KI erstellt.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Er war 21 Jahre alt. Lorenz A. aus Oldenburg ist tot. Wie es dazu kam? Bislang ist bekannt, dass der junge Mann vor einer Diskothek Reizgas versprüht hatte. Einige Personen wurden dadurch leicht verletzt. Lorenz A. flüchtete, die Polizei verfolgte ihn. Der junge Mann habe die Ordnungskräfte, so berichten diese, mit einem Messer bedroht, schließlich habe er sich den Polizisten genähert und erneut Pfefferspray versprüht. Daraufhin schoss ein nur sechs Jahre älterer Polizist auf Lorenz A., letzterer habe sich dem Beamten vorher bedrohlich genähert. Lorenz A. erlag wenig später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen.
Mittlerweile allerdings weiß man mehr darüber, was sich in der Nacht zum Ostersonntag in der Stadt Oldenburg zugetragen hat, wenn auch die Ermittlungsarbeiten noch lange nicht abgeschlossen sind. Auf vorliegenden Videoaufnahmen öffentlicher Kameras in der Stadt kann man das Messer, von dem berichtet worden war, nicht sehen. Es befand sich, wie sich später herausstellte, in der Hosentasche des Getöteten. Zudem ist auf den Aufnahmen zu erkennen, dass der junge Mann zwar auf die Ordnungskräfte zugegangen war, sich aber noch bevor die Schüsse fielen, von ihnen abgewandt hatte.
Problematisch sind auch die Erkenntnisse, die sich aus der Obduktion ergeben haben: Demnach wurde Lorenz A. von hinten erschossen und dabei an der Hüfte, dem Oberkörper und Kopf verletzt. Zudem streifte ihn ein Schuss am Oberschenkel. Ebenso schwierig: Die Bodycams, die die Beamten trugen, sie waren während des Einsatzes nicht aktiviert. Der Polizist, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, gegen ihn wird wegen Totschlags ermittelt, er ist zurzeit vom Dienst freigestellt.
In Oldenburg ist man entsetzt. Zum Gedenken an Lorenz A. wurden am Tatort Blumen abgelegt, Kerzen aufgestellt. Am Freitagabend fand eine Demonstration gegen Rassismus statt. Dieser sei, so die Veranstalter, bei der Polizei ein strukturelles Phänomen. 8.000 bis 10.000 Menschen nahmen an der Begegnung teil, geplant und durchgeführt von der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“. Die Demonstration verlief friedlich, darum hatten sowohl der Oldenburger Bürgermeister als auch die Familie von Lorenz A. gebeten.
Es bleibt abzuwarten, was die weiteren Ermittlungen ergeben und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Nur eine lückenlose Aufklärung des entsetzlichen Ereignisses kann helfen, dass der Graben zwischen der Polizei und ihren Kritikern nicht noch tiefer wird. Und Einiges muss dringend überdacht werden: Wann und wie sind Schusswaffen einzusetzen, müssen hier bestehende Konzepte überarbeitet werden? Außerdem: Gibt es bei der Polizei ein strukturelles Rassismusproblem, wenn ja, wie ist diesem zu begegnen?
Für den Moment bleibt nur festzuhalten, dass ein junger Mann sein Leben verloren hat. Egal, wie man die Ereignisse einschätzt und bewertet: Jetzt ist es zunächst mal an der Zeit, um Lorenz A. gemeinsam mit seiner Familie zu trauern.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Netkiosk.digital popshop
Tauche ein in die dynamische Welt von „Netkiosk.digital RADIO Popshop“, wo Pop, Elektronik und Indie zusammenkommen. Diese Playlist vereint frische Tracks mit energiegeladenen Beats. Von „Night Drive“ bis „Cool My Bass“, bieten wir dir eine musikalische Reise durch die neuesten Hits und verborgenen Juwelen. Perfekt für jede Gelegenheit, sei es beim Arbeiten, Feiern oder einfach nur zum Entspannen.
Keine eigene Playlist? Dann drück auf Play und lass dich von unserer Spotify Playlist mitreißen.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Netkiosk.digital popshop
Tauche ein in die dynamische Welt von „Netkiosk.digital RADIO Popshop“, wo Pop, Elektronik und Indie zusammenkommen. Diese Playlist vereint frische Tracks mit energiegeladenen Beats. Von „Night Drive“ bis „Cool My Bass“, bieten wir dir eine musikalische Reise durch die neuesten Hits und verborgenen Juwelen. Perfekt für jede Gelegenheit, sei es beim Arbeiten, Feiern oder einfach nur zum Entspannen.
Keine eigene Playlist? Dann drück auf Play und lass dich von unserer Spotify Playlist mitreißen.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Eine Naturkatastrophe, die sich binnen weniger Tage ausbreitete, die angetrieben von bis zu 160 Stundenkilometer schnellen Winden ein Großfeuer nach dem nächsten auslöste. Erste Meldungen über die verheerenden Waldbrände in Kalifornien erreichten uns am 7. Januar, schon zwei Tage später waren es fünf Großfeuer.
Bis zum 10. Januar hatten bereits über 100.000 Menschen an anderen Orten Zuflucht suchen müssen, die Zahl der Toten stieg kontinuierlich an. Die beiden größten Feuer, sie wüteten auf 8.000 bzw. 5.000 Hektar, Palisades- und Eaton Fire, das eine am Westrand von Los Angeles, das andere in der Nähe des Ortes Pasadena. 10 Tote wurden an diesem Tag gemeldet.
Da, wo die Feuer gewütet hatten, blieb nicht viel stehen: Bilder von verbrannten Autos, Gebäudestrukturen, von zerstörten Waschmaschinen, von stehengebliebenen Kaminen sind stille Zeugen der Katastrophe. Menschen, die nach ihrem Besitz schauen, müssen feststellen, dass sie alles verloren haben, die Feuer ihnen nichts gelassen haben. Wohl dem, der über einen Versicherungsschutz verfügt.
Am Samstag dann eine Wende. Die Winde ließen merklich nach, gute Nachrichten für die Menschen, die seit Tagen verzweifelt versucht hatten, die Feuer einzudämmen. Nun war es möglich erfolgreich Löschflugzeuge einzusetzen. Dennoch: das Palisades- und das Eaten Feuer, sie konnten im Gegensatz zu anderen Bränden kaum eingedämmt werden. Die Zahl der gemeldeten Toten, sie stieg an diesem Tag auf 11 Menschen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem, gleichsam die Folge des Vernichtungszugs der Feuer: Plünderer zogen durch die verlassenen Gebiete und raubten das, was die Evakuierten in der Eile nicht in Sicherheit zu bringen vermochten. Dem begegnete man am Samstagabend bzw. in der anschließenden Nacht mit Ausgangssperren.
Die Bilanz der Katastrophe bislang: 12.000 Gebäude wurden zerstört, 180.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, für weitere Zehntausende gilt eine Warnung. Der wirtschaftliche Schaden wird auf bis zu 146 Milliarden Euro geschätzt. Die Zahl der Toten, sie wurde am Sonntagvormittag auf 16 nach oben korrigiert.
Und die Aussichten: Eher schlecht, sich verstärkende Fönwinde mit einer Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern wurden vorhergesagt. Die Behörden in Los Angelos empfehlen den Einwohnern der Stadt dringend, in den Wohnungen zu bleiben. Bei unvermeidlichen Aufenthalten draußen sollten FFP2-Masken getragen werden.
From the publisher's feed