Orange 94.0

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Orange 94.0 episodes

  • Wie emotional darf Politik sein, Anna Durnová?

    „Es geht gar nicht darum, ob wir eine Emotionalisierung in der Politik zulassen, sondern wie wir sie betreiben. Wir können nicht automatisch sagen, das ist eine Emotion, und deshalb ist es authentisch und richtig. Wir müssen uns zutrauen, über Emotionen zu sprechen, Emotionen ablehnen zu können und Emotionen sortieren zu können.“

    Die Politik ist nicht vor Emotionalität gefeit, wie auch Schreiduelle im Hohen Haus immer wieder zeigen. Sind diese ein Ausdruck davon, dass es den Beteiligten um etwas geht, oder schaden solche Emotionen der politischen Debatte? Mit Anna Durnová sprechen wir über die Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften und wie diese helfen können, Gerechtigkeit herzustellen.

    Für Anna Durnová, Professorin für politische Soziologie an der Universität Wien, sind politische Emotionen stark eingebettet in unsere Sozialisierung – durch Herkunft, Gender und soziale Strukturen. Als solche prägen sie unsere Wahrnehmung von Politik. Doch die Rolle von Emotionen in der Politik hat sich stark verändert, zum einen durch die zunehmende Individualisierung, zum anderen durch die Emotionalisierung der Öffentlichkeit. Das sorgt dafür, dass oftmals individuelle Gefühle mit Argumenten gleichgesetzt werden.

    Emotionen traten laut Durnová in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in die politischen Debatten ein und wurden etwa durch Bürger:innenkonferenzen, Referenden, Diskussionen in Dörfern rund um den Bau von Kraftwerken sichtbar. Neben dem Aktivismus nutzt jedoch auch der Populismus Emotionen der Bürger:innen – vielfach jedoch, um diese zu manipulieren.

    Durnová plädiert dafür, sich zu trauen, über Emotionen zu sprechen. Wichtig für sie ist, dass Politiker:innen auf die Emotionen der Bürger:innen hören; diese gilt es jedoch einzuordnen – und sie dürfen auch abgelehnt werden.

     

    Anna Durnová ist Professorin für Politische Soziologie am Institut für Soziologie der Universität Wien und Faculty Fellow am Center for Cultural Sociology der Yale University. Zudem ist sie Mitglied der Redaktionsbeiräte der Zeitschriften „Policy & Politics“ und „Critical Policy Studies“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften. Derzeit ist sie Konsortialleiterin des CIDAPE-Projekts (Climate, Inequality and Democratic Action: The Force of Political Emotions; Horizon Europe 2024–2027) und ist Hauptforscherin des ERC Advanced Grant LONERS (2026–2031). Im Jahr 2024 erhielt sie den Preis der Mattei-Dogan-Stiftung für europäische politische Soziologie.

    29 min
  • Wird Recht den Menschen gerecht, Barbara Helige?

    „Wir haben die Sorge, dass an dieser ganz tiefen Basis, die existenziell ist für einen demokratischen Rechtsstaat, genagt wird.“

    Im Kern der neuen Podcast-Staffel steht die Frage nach Gerechtigkeit(en). Wir möchten der Frage nachgehen, was Gerechtigkeit(en) in einer pluralistischen Gesellschaft bedeuten kann und welche Rolle sie für den sozialen Frieden spielt.

    Für Barbara Helige haben Gerichte eine zentrale Funktion für den sozialen Frieden, da sie vermitteln, was Recht und Unrecht ist. Die Richterin und Präsidentin der Österreichischen Liga für Menschenrechte zählt zu den führenden Stimmen in Fragen richterlicher Ethik und Unabhängigkeit und hat sich wie kaum eine andere mit den ethischen Grundlagen der Rechtsprechung sowie der Verantwortung der Justiz auseinandergesetzt. Mit ihr sprechen wir über die Rechtsnormen, unter denen sich eine Gesellschaft wohlfühlt und die Bedeutung der Akzeptanz von Recht und Rechtsprechung – auch im Spannungsfeld von Social Media. Außerdem diskutieren wir die Gefahren autoritärer Tendenzen und die Rolle der Europäischen Menschenrechtskonvention sowie die Notwendigkeit, deren Grundlagen zu schützen.

     

    Barbara Helige studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wurde 1980 promoviert und ist seit 1985 als Richterin tätig – seit 2000 als Vorsteherin des Bezirksgerichts Döbling. Standesrechtlich engagierte sie sich in mehreren Führungspositionen, unter anderem als Präsidentin der Vereinigung der österreichischen Richterinnen und Richter (1998–2007) und übernahm 2009 die Präsidentschaft der Österreichischen Liga für Menschenrechte. 2011 leitete sie die „Kommission Wilhelminenberg“, die 2013 physischen, psychischen und sexuellen Missbrauch im ehemaligen Kinderheim Schloss Wilhelminenberg bestätigte und die Stadt Wien zur öffentlichen Entschuldigung aufforderte. 2012 wurde sie mit dem Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung ausgezeichnet.

     

    31 min
  • Wien: Black Lives Matter Protest 2026

    Der Verein Black Voices veranstaltete von 1. bis 7. Juni 2026 die Black Lives Matter-Aktionswoche mit Community-Events rund um antirassistische Bildungsarbeit, Empowerment und Austausch.

    Den Abschluss der Aktionswoche bildete die Black Lives Matter-Demonstration am 7. Juni 2026 um 16:00 Uhr. Sie startete am Maria-Theresien-Platz, führte über die Ringstraße und endete mit einer Abschlusskundgebung im Sigmund-Freud-Park.

     

    Foto: Tezerash Mergen

    1 hr 44 min
  • Hitzefrei für Pferde von Fiaker- und Kutschenbetrieben

    Im Gespräch mit 2 Aktivist:innen

    Die letzten Wochen waren sehr heiß in Österreich. In Innsbruck haben Fiakerpferde hitzefrei ab 32°C, in Wien ab 35°C und in Salzburg gar nicht. Die Aktivist:innen erzählen von ihren Erfahrungen in diesen heißen Tagen, von den Arbeitsstunden der Pferde, von Fiakerverboten in anderen Städten, von tierfreien Alternativen und von 3 schweren Unfällen mit Fiakern in Wien allein im ersten Halbjahr 2026, bei denen 2 Pferde gestorben sind und 3 Menschen verletzt wurden.

    58 min
  • Gezeichnet fürs Leben: LIVE zu Gast RODJA PAVLIK, der Schreibmaschinist (15.5. 2026)

    Am 15.5. war Rodja Pavlik, der Schreibmaschinist zu Gast. Ihr fragt Euch was ein Schreibmaschinist ist, das ist jemand, der ca. 60 Schreibmaschinen zu Hause rumstehen hat und auch noch gerne auf ihnen herumtippt. Warum Rodja „Gezeichnet fürs Leben“ in „Getippt fürs Leben“ umbenennen wollte, warum ihn das Tippen auf einer Schreibmaschine beruhigt, das und vieles mehr hört ihr in dieser fast analogen Sendung. Hinter dem Mikro und den Reglern wie immer bei Gezeichnet fürs Leben. Mäx Egger. Viel Spaß beim Hören.

    1 hr
  • Prisoners speaking for themselves: A discussion with Mansoor Adayfi

    Former Guantánamo detainee and human rights advocate Mansoor Adayfi joins Monika Mokre from URvG Österreich (Union for Prisoners‘ Rights) for a conversation on solidarity work by and with prisoners.

    Drawing on Adayfi’s experience of detention at Guantánamo and his ongoing advocacy for imprisoned people, the discussion explores how prisoners can organize across conditions of isolation, build collective resistance, and make their voices heard.

    The conversation follows the premiere of a documentary about URvG Österreich’s 2024 Wienwoche project „Wir sprechen für uns selbst. Gefangene ergreifen das Wort“ which included an exhibition of artworks and writings by prisoners.

    Together, Adayfi and Mokre reflect on prisoner-led organizing, international solidarity, and what experiences from Guantánamo can contribute to the struggle for prisoners‘ rights and self-representation in Austria.

    The discussion was recorded on June 11, 2026, in Fortuna Kino in Vienna.

    Content note: The discussion addresses experiences of incarceration, violence, and trauma. Listener discretion is advised.Prisoners speaking for themselves

    55 min
  • 70. Dead Air with a Viennese Orange Twist

    Dining Alfresco, UTI Nightmares, Greta, Ice Cubes and Cellars

    Feeling the heat and fighting the power on this Dead Air July Special

    superstar contributors

    – Comic Joe Bates Click —> here for his award winning podcast.

    – Celebrity Hairdresser Leanne

    – Poet Seamy Keats

    – Agony Aunt Dr Lulu

    – Catfluencer Stevie Catagher

    music

    Shik Shak Shok – Mezdeke

    That’s Good – Devo

    Who loves the Sun – The Velvet Underground

    La La Land (GENESI & MEDUZA & ESSENTIA Remix) – Green Velvet

    In the heat of the morning – David Bowie

    Cory Wong – Vulfpeck

    Summer in the City – The Lovin‘ Spoonful

    Lena from Palesteena – Klezmer Conservatory Band

    Ol‘ Dirty Bastard – Shimmy Shimmy Ya

    Heat Wave – Ella Fitzgerald

    Jeans – Boyharsher

    Never Win (Benny Benassi Remix) – Fisherspoon

    reviews

    F**k Andy Burnham – Jeanne 

    Greta Greta even though I’ve never met ya…  – Seamy Keats

    more

    www.deadair.org

    58 min
  • freshVibes 084: Einblicke in den BLM Protestmarsch 2026 in Wien

    In unserer Juli-Sendung begleiten wir den Abschluss der Black-Lives-Matter-Aktionswoche von Black Voices Austria und nehmen euch mit zur Demonstration am 7. Juni 2026 in Wien. Sechs Jahre nach den weltweiten Protesten gegen rassistische Gewalt wird deutlich, warum die Black-Lives-Matter-Bewegung nichts an ihrer Aktualität verloren hat. Im Mittelpunkt stehen Stimmen, die Rassismus als strukturelles gesellschaftliches Problem benennen und sich für Gerechtigkeit, Sichtbarkeit und nachhaltige Veränderungen einsetzen.

    Ein weiterer Schwerpunkt der Sendung sind die Redebeiträge und Gespräche, die während der Demonstration entstanden sind. Beverley Allen-Stingeder, Ishraga Mustafa Hamid, Daniel Romuald Bitouh, Topoke Mwana Mayi sowie Hussein Lukabwe sprechen über Alltagsrassismus, politische Verantwortung, Community, Solidarität und die Bedeutung antirassistischer Arbeit in Österreich. Ergänzt werden ihre Perspektiven durch Interviews mit Noomi Anyanwu und Mireille Ndo von Black Voices Austria, die Einblicke in die Organisation der Aktionswoche und die Ziele der Bewegung geben.

    Die Sendung hält die Eindrücke und Stimmen des Protesttages fest. Neben den Redebeiträgen kommen auch Menschen zu Wort, die an der Demonstration teilgenommen haben und ihre persönlichen Erfahrungen, Beweggründe und Eindrücke mit uns geteilt haben. So wird deutlich, warum die Black-Lives-Matter-Bewegung auch heute noch wichtig ist und weshalb der Einsatz gegen Rassismus nicht mit einer Demonstration endet, sondern langfristiges Engagement braucht.

    Begleitet wird die Sendung wie immer von Musik aus der afrikanischen Diaspora.

    57 min
  • Defensoras y Activistas Feministas – Frauenbewegung und Feminismus in Mexiko

    Ein Gespräch mit den „Defensoras Feministas“ – ihre Rechtsarbeit mit Frauen und Mädchen in den marginalisierten Stadtteilen Mexiko Citys, ihre Verortung in der städtischen Volks- und Frauenbewegung.

    Lautstarke Impressionen vom Kampf heutiger junger Feministinnen und Aktivistinnen am 8. März in einer kleinen Provinzstadt Mexikos.

    Geschichte der Frauenbewegung und des Feminismus heute – in einem Land, wo sich die Präsidentin als Feministin bezeichnet und eine „alte“ Frauenkämpferin Bürgermeisterin der Hauptstadt ist.

    In dieser Sendung sprechen wir mit Margarita García, der Mitgründerin und langjährigen Leiterin der „Defensoras Feministas“, der „Rechtsverteidigerinnen“. Wir haben über die „Defensoras“ in unserer Sendung vom Juni 2024 bereits berichtet.

    Margarita gibt uns einen Einblick in die komplexe und schwierige Arbeit der „Verteidigerinnen“, die für Frauen der marginalisierten Zonen Mexico Citys und des Umlands kostenlosen Rechtsbeistand bieten und sie umfassend in Fällen von extremer Gewalt begleiten. Das bedeutet Arbeit vor Ort, mit den Betroffenen, deren Familien und Begleitung bei Behördengängen sowie vor Gericht. Das bedeutet auch, wie Margarita sagt, „sich für die Frauen mit den korrupten Beamten der Justiz zu streiten“.

    Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit der letzten 2 Jahre ist die Präventionsarbeit. Sie erzählt, dass sie junge Frauen und Mädchen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren am besten über die Schulen erreichen, weil das weniger gefährlich sei. Der „Machismo“ und die Männergewalt sind so groß, dass „Gewaltprävention“ unter anderen Bezeichnungen verdeckt stattfinden muss. Eine sehr wichtige Arbeit ist hierbei die Schulung der Lehrerinnen.

    „Wenn eine Lehrerin sensibel für das Thema ist, können wir ihr sehr viele Elemente in die Hand geben, damit sie die Kinder kompetent und liebevoll betreuen kann“, meint Margarita. Liebe sei umso wichtiger, speziell da die Mädchen heute einen besonders traurigen Eindruck machten.

    Wir sprechen zudem über die große Aufgabe, neue, junge „Defensoras“ auszubilden. „Das ist ein langer Prozess“, erklärt sie. Es gehe nicht bloß um Gesetze und Abläufe, sondern die „Verteidigerinnen“ müssten das Problem zunächst tiefgehend verstehen, um effektive Lösungen zu finden – und schließlich mit ihrer eigenen Gewaltgeschichte umgehen und sie verarbeiten lernen.

    Nach dem Gespräch mit Margarita erhalten wir einen kleinen Einblick in die Geschichte der Frauenbewegung als Bestandteil einer großen städtischen Volksbewegung sowie ihrer Organisation CONAMUP, deren frühere Anführerin Clara Brugada die heutige Bürgermeisterin der größten Stadt Lateinamerikas ist.

    Zum Schluss werden wir zudem „Ohrenzeug*innen“ und nehmen an einem kämpferischen 8. März in Yautepec teil, einer Kleinstadt im Bundesstaat Morelos, wo kämpferische junge Frauen die eskalierende Gewalt und Feminizide in ihrer Stadt anklagen und lautstark Gerechtigkeit für ihre Mitstreiterin Maylin einfordern, die kurz zuvor ermordet worden ist.

    Sendungsgestaltung: Siegrid Wistrcil

    Musik:

    „Alerta” mit Sabina Odone, Maria Bernal, Irina Indigo y Vivir Quintana

    “Antipatriarca” – Ana Tijoux

    “Llorona Asesina” – Den Villuendas

    “Mis derechos de Mujer” – Raíces

    Sendungssprachen: Deutsch und Spanisch

    Fotocredit: Siegrid Wistricil

    55 min

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