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Arabella Fenyves berichtet von der Premiere vor der Naturkulisse Neusiedlersee: wie heutig ist die Geschichte rund um die britische Gouvernante Anna Leonowens, die im 19. Jahrhundert am Königshof zu Siam Englisch und Manieren lehrte? Sie lernte damals den König kennen- und, will man dem Stück glauben, auch lieben! Das Erfolgsmusical von Rodgers und Hammerstein basiert auf einer wahren Begebenheit und bietet herrliche Melodien, Tänze und lustigen Dialog. Erfahren Sie mehr und hören Sie einen musikalischen Ausschnitt aus der Generalprobe.
Richard Schmitz berichtet von der Live-Übertragung der Nabucco-Premiere im Steinbruch von Sankt Margarethen.
Der Steinbruch allein ist schon ein überwältigender Raum in den Thanassis Demiris sehr geschickt das Bühnenbild hineingebaut hat. Der Steinbruch spielte mit. Mit den durchdachten Kostümen von Pepe Corzo ergaben sich großartige Bildwirkungen. Die Assyrer in martialischen, farbenprächtigen Rüstungen, die Hebräer in ärmlichen Braun und Grün. Am Ende alle zu Jehova Bekehrten in strahlendem weiß. Der Regisseur Francisco Negrin konnte in diesem Ambiente die Geschichte des Königs Nebukadnezar erzählen. Dass der Chor aus dem off sang habe ich bedauert, vor allem im „va pensireo“. Die zahlreiche Komparsenschar hat aber die Gefühle sehr diszipliniert etwas artifiziell zur Geltung gebracht. Das Zusammenspiel zwischen Orchester, Chor und Solisten funktionierte tadellos, was bei der Dislozierung der drei Klangkörper nicht selbstverständlich ist. Alvise Caselatti hat das wunderbar gemacht, auch wenn ich mir manchmal mehr italienische Leichtigkeit gewünscht hätte.
Auch die Sänger entsprachen höchsten Erwartungen. Es ist ja nicht leicht im Freien ohne die geringste Resonanz zu singen, auch wenn man von einem Körpermikrophon unterstützt wird. Lucas Meacham gestaltete die Titelrolle differenziert und überzeugend. Der Zaccaria war bei Jongmin Park in besten Händen. Sein profunder Bass setzte sich auch in den Tutti-Stellen durch. Die böse Abigaille, sicher und ausdrucksvoll gesungen von Ekaterina Sannikova, durchlitt alle Höhen und Tiefen ihres Schicksals so, dass sie einem am Ende leid tat. Auch alle Höhen und Tiefen ihrer Partie kamen gekonnt. Monika Bohinec beeindruckt als sanfte Fenena. Da konnte sie loslegen. In der eher undankbaren Rolle des Ismaele schlug sich Jinxu Xiajou tapfer. Auch Baalspriester, Abdallo und Anna waren mit Ivan Zinoviev, David Jagodic und Amélie Hois bestens besetzt.
Das Piedra Festivalorchester Philharmonia und der Chor Wien Steinbruch lieferten eine profunde musikalische Basis.
Die Oper St.Margarethen hat sich selbst wieder einen Standard gesetzt, der für die zukünftigen Produktionen Maßstab sein sollte. Schade, dass ich es nicht vor Ort erleben konnte. Die Übertragung war professionell, aber es ist doch nicht dasselbe.
Das Publikum war begeistert und verzichtete gern auf die Umweltsünde Feuerwerk.
Wertnote: 8,6
14. Juli 1973: Eröffnung der Donaubrücke Krems, auch St. Pöltener Brücke genannt
Die Brücke ist insgesamt 1078 Meter lang. Sie stellt eine wichtige Verbindungsstelle zwischen der am Nordufer der Donau gelegene Stadt Krems mit dem 30 Kilometer weiter südlich gelegenen St. Pölten dar.
Diesen historischen Rückblick präsentiert Ihnen das Haus der Geschichte in St. Pölten.
100.000 Bücher zählt die Bibliothek des Benediktinerstiftes Melk, davon 1.800 Handschriften. In den nächsten 10 Jahren soll sie renoviert und damit für kommende Generationen bewahrt werden.
"Die Mütterlichkeit Gottes haben wir lange vernachlässigt", sagt Martina Bär, die neue Professorin für Fundamentaltheologie an der katholischen Fakultät in Graz, die als einzige einen Schwerpunkt für Frauen- und Geschlechterforschung hat. "Ich glaube aber, dass Gott unsere Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder noch einmal übersteigt." Im radio klassik-Sommergespräch mit Stefanie Jeller spricht Martina Bär über theologische Geschlechterforschung, weibliche Gottesbilder und die Zukunft der Kirche.
In Bad Ischl ist gestern die erste Premiere des heurigen Lehár-Festivals über die Bühne gegangen. Man gab Wiener Blut. Wie das im Salzkammergut angekommen ist, hat sich radio klassik Stephansdom-Kollegin Bernadette Spitzer angeschaut.
Vorneweg – es geht in Ischl völlig unblutig zu. Ensemble und Orchester feuern die Hits von Johann Strauss ins Publikum und spielen mit Hingabe und großem Können ihre Vielseitigkeit aus. Gerd Vogel etwa, der den Fürsten Ypsheim Gindelbach hinreißend komisch und mit großer Selbstironie mimt, ist in Deutschland ein bekannter Wagner-Sänger. Ebenso originell ist Josef Forstner als Kagler. In deutlich verständlichem Wienerisch gibt der 74-jährige Kammersänger sympathisch den schrulligen Vater der Tänzerin Cagliari. Ein weiteres Original ist der Diener Josef, wunderbar outrierend dargestellt von Reinwald Kranner, den manche vielleicht einst als Mr. Banks in "Mary Poppins" im Wiener Ronacher gesehen haben.
Die drei Damen des Ensembles stehen dem um nichts nach. Sieglinde Feldhofer ist als Gräfin Gabriele der unbestrittene Star. Ihre Gegenspielerin in der Rolle der Tänzerin Franziska Cagliari ist Martina Fender. Die junge Tirolerin hat bereits mehrere Preise gewonnen und ist viel im ernsten Fach unterwegs: in Lied und Kirchenmusik. In Ischl lebt sie ihr schauspielerisch-komisches Talent aus. Und Marie-Luise Schottleitner als Probiermamsell reißt mit ihrem Temperament alle mit. Auch sie ist ein Allround-Talent, hat die gebürtige Wiener Neustädterin doch neben Gesang auch Tanz und Blockflöte studiert.
Warum die Herren des Tanzensembles in Damenkleidern auftreten und die Damen in Herrenkleidern, ist rätselhaft, ebenso wie das Setting. Die Operette spielt während des Wiener Kongresses 1814/15, wird aber von Intendant und Regisseur Thomas Enzinger um knapp 100 Jahre versetzt, denn der Ball im zweiten Akt wird zu einem Ball der Psychoanalytiker und das Kasino im dritten Akt zu einem Swinger-Club. Neben der Bühne beobachtet Sigmund Freud, dargestellt von Matthias Schuppli, stumm das Treiben. Ihm zur Seite steht der von seinem Denkmal im Wiener Stadtpark herabgestiegene Johann Strauss, der vom Tänzer Nabeel Fareed gegeben wird.
Am Schluss gibt’s ein Happy End in dieser bitterbösen Komödie, die sowohl die Praxis der unfreiwillig geschlossenen Ehen als auch der selbstverständlich hinzunehmenden Untreue von Ehemännern kritisiert. Das Ehepaar verliebt sich ineinander, und auch die anderen Suchenden werden fündig. Das Wiener Blut wallt in Bad Ischl noch bis 28. August.
Gestern Abend brachte die operklosterneuburg Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ heraus. Der radio klassik Stephansdom Opernliebhaber Richard Schmitz berichtet:
Bis zur letzten Minute hat Intendant Michael Garschall gezögert. Dann musste er die Premiere in die Babenbergerhalle verlegen. Es hatte zu regnen begonnen. Die Zuschauer mussten auf das Ambiente des Kaiserhofes im Augustinerchorherrenstift verzichten. 20 Jahre hat der Klimawandel dafür gesorgt, dass open air gespielt werden konnte. Gerade die 25. Premiere der Klosterneuburger wurde verregnet. Intendant Michael Garschal erhielt dafür eine Flasche Wein und zum Geburtstag von der Landeshauptfrau eine blutige Kardinalschnitte. Frau Mikl-Leitner gab das Rätsel des Abends auf: Wie schmeckt eine Kardinalschnitte, die mit Herzblut zubereitet wurde?
Giacomo Puccinis „La Bohème“ zeigte wieder einmal, wie widerstandfähig sie ist. Sie entfaltete auch in der Halle ihren Reiz. François de Carpentries inszenierte eine dem Libretto getreue Wiedergabe. Nur im dritten Bild traten die Marktweiber mit Totenmasken auf. An den Feinheiten, die das Bühnenbild zu bieten hat, können sich die Zuseher und Zuseherinnen erst beim nächsten Schönwetter erfreuen. Camille Schnoor ist eingesprungen und gestaltete offenbar routiniert eine berührende Mimì. Manchmal verführte sie Ihren Rodolfo Clemens Kerschbauer zu italienischer Träne. Beide Arien wurden beklatscht. Leider konnte die Musette Aleksandra Szmyd ihrem Marcello Thomas Weinhappel keine kultivierten Töne entlocken. Dominic Barberi erhielt für die Mantelarie des Colline Szenenapplaus. Aleš Jenis als Schaunard und Marc Olivier Oetterli in den Rollen des Benoit, Alcindoro und als Pompfuneberer erfüllten ihre Aufgaben. Dem Gleichgewicht zwischen Solisten und Orchester kam die Halle nicht entgegen. Jede kleine Unsicherheit, etwa bei den Hörnern wurde da überdeutlich. Der Dirigent Christoph Campestrini war mit seinem weitausholenden Dirigat nicht zu übersehen.
Es war ein gelungener Abend. Die Landeshauptfrau leitete persönlich die standing ovations ein. Das Publikum war zufrieden.
Wertnote: 6,8/10 Punkten
10. Juli 1986: Erhebung St. Pöltens zur Landeshauptstadt durch einstimmigen Beschluss (Änderung des Artikels 5 in der Landesverfassung)
Die Stadt hatte sich im März 1986 im Rahmen einer Volksbefragung gegen die vier anderen kandidierenden Städte Krems, Baden, Tulln und Wiener Neustadt durchgesetzt. St. Pölten wurde somit durch Zustimmung der Parteien im niederösterreichischen Landtag zur Änderung der Landesverfassung offiziell zur Landeshauptstadt. Und ist damit die jüngste Landeshauptstadt Österreichs.
Diesen historischen Rückblick präsentiert Ihnen das Haus der Geschichte in St. Pölten.
Lukas 10, 25-37
Wie wird sich das alles ausgehen? Immer mehr Menschen stellen sich diese Frage. Bisher wurde unsere Zeit gerne als „Überflussgesellschaft“ bezeichnet, schlimmer noch als „Wegwerfgesellschaft“. Es gab von allem reichlich, sodass viel mehr übrigblieb als gebraucht wurde. Es gab genügend Energie, vor allem fossile, nicht erneuerbare. Ihr verdanken wir den gewaltigen wirtschaftlichen Fortschritt der letzten zweihunderte Jahre. Diese Quellen des Wohlstands werden sich erschöpfen und zu Ende gehen. Wie wird es weitergehen?
Das Gastspiel der Opéra de Monte-Carlo an der Wiener Statsoper wurde gestern mit Rossinis „Il turco in Italia“ fortgesetzt. Unser Opernexperte Richard Schmitz berichtet.
Es ist nicht leicht heitere Opern zu schreiben und zu komponieren. Rossini war dieses Talent gegeben, aber auch er hat nicht nur Geniestreiche geschrieben.
„Il turco in Italia“ ist eine handwerklich saubere und spritzige Opera Buffa, nicht mehr.
Trotzdem ist es vergnüglich, dieses Werk kennenzulernen. Schon das Handlungsgerüst des routinierten Felice Romani ist interessant. Romani hat nicht auf den verkrampften Versuch eines modernen Regisseurs gewartet, sondern gleich selbst die Rahmenhandlung geschrieben. Ein Dichter zieht die Fäden und sorgt auch für das Happy End, oder korrekter fine lieto. Die Doppelbödigkeit des Geschehens wird allerdings in der Regie von Louis Grinda nur wenig betont. Es ist alles auf den Star des Abends Cecilia Bartoli konzentriert, die all ihr Können und all ihre Stimmbeherrschung einbringt. Diese Fiorilla ist eine selbstgefällige Person, die nicht genug Liebhaber haben kann. Unglaublich, wie unverbraucht die Stimme noch immer ist. Ihre Koloraturtechnik war nie meins. Zu wahrer Größe erblüht die Bartoli allerdings, als ihr narzisstisches Selbstbild in sich zusammenbricht. Da jubelt das Publikum zurecht minutenlang und kann sich kaum beruhigen. Der Türke Selim ist von ihr fasziniert, kehrt allerdings am Ende zu seiner Roma Geliebten zurück. Ildebrando D`Arcangelo setzt seine wunderbare Stimme differenziert ein. Nicola Alaimo singt den unsicheren und tollpatschigen Ehemann Geronio gekonnt. Don Narciso ist einer der Verehrer Fiorillas. Barry Banks macht diese Figur unter dem Einsatz seiner an sich schönen Stimme zu einer Karikatur. Das ist durchaus witzig. Man fühlt sich an Donald Trump und Boris Johnson erinnert. Das übrige Ensemble José Maria Lo Monaco als Zigeunerin Zaida, David Astorga als Albazar und Giovanni Romeo als strippenziehender Dichter erledigen ihre Aufgaben mit Anstand.
Gianluca Capuano leitet das Orchester Les Musiciens du Prince – Monaco und den zugehörigen Chor zu einem spritzigen Rossiniklang. Das Orchester und die Solisten können auch ohne Dirigenten in den Schlussapplaus hinein das Finale wiederholen.
Das Auditorium applaudierte lang und begeistert. Der Meinung, dass es die erfolgreichste Produktion in der derzeitigen Direktion sei, wie von Kollegen behauptet, kann ich mich nicht anschließen. Es war ein herziger Abend.
Wertnote 8,7
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