Jedes Unternehmen hat genau eine einzige Aufgabe. Nämlich die Lebensvision des Unternehmers zu erfüllen. Es gibt nur einen einzigen vernünftigen Grund, ein Unternehmen überhaupt zu gründen. Nämlich, es zu verkaufen.
Natürlich geht es nach außen um den Kunden. Der Kunde kauft unsere Produkte und Dienstleistungen. Daher müssen wir danach trachten, die Wünsche und Bedürfnisse, oder die Needs und Wants unserer Kunden optimal zu erfüllen oder vielleicht sogar überzuerfüllen. Damit unsere Kunden kaufen. Und damit sie auch morgen noch kaufen. Und übermorgen. Und damit sie begeistert anderen potenziellen Kunden von unseren Produkten und Dienstleistungen erzählen, damit auch diese zu unseren Kunden werden.
Rudi: Dann verstehe ich aber nicht, wieso du jetzt sagst, dass die einzige Aufgabe des Unternehmens darin besteht, die Lebensvision des Unternehmers zu erfüllen.
Es ist nicht der tiefere Sinn, für ein Unternehmen zu arbeiten, das eine tolle Mission hat. Nichts gegen eine gute Mission, ganz im Gegenteil. Ohne eine gute Mission findest du weder die richtigen Mitarbeiter noch Kunden. Du brauchst eine starke unternehmerische Mission, keine Frage. Aber echt: glaubst du, dass nur ein einziger deiner Mitarbeiter bei dir arbeiten würde, nur weil deine Mission so großartig ist? Spätestens wenn nächsten Monat kein Gehalt am Konto deiner Mitarbeiter ist, wirst du sehen, warum sie wirklich bei dir sind.
Und gilt das denn nicht auch für dich? Solange wir im Supermarkt die Lebensmittel nicht einfach aus dem Regel nehmen und an der Kassa vorbei gehen können, sondern unser Essen auch wirklich bezahlen müssen, solange arbeiten wir für eine einzige Sache: Geld.
Es geht also immer um Geld.
Euros sind die roten Blutkörperchen, die über die Arterien unseres Finanzsystems den Organismus unserer Wirtschaft am Leben erhalten. Du kannst aus diesem System ausscheren. Sogar dafür ist gesorgt. Durch eine Mindestsicherung der Gesellschaft. Aber letztlich bekommst du auch durch diese Mindestsicherungssysteme eines: Geld.
Jedes Unternehmen hat für eine einzige Sache im Leben des Unternehmers zu sorgen: nämlich Geld.
Aus jedem Unternehmen muss beständig Geld in die Privatsphäre des Unternehmers fließen. In Form von Einkommen aus selbständiger Tätigkeit, in Form von Geschäftsführerbezügen oder in Form von Gewinnausschüttungen. Die Art und Weise, wie das Geld zu dir kommt, ist im ersten Schritt egal. Hauptsache, es kommt. Natürlich wirst du irgendwann eine steueroptimale Form des Geldflusses finden. Aber darum geht es hier nicht. Hier geht es darum, dass du mir zustimmst, dass Geld aus deinem Unternehmen in deine Privatsphäre fließen muss.
Dabei sollte es sich um eine Einbahn handeln. Normalerweise fließt das Geld aus dem Unternehmen zu dir. Nicht umgekehrt.
Es gibt doch immer auch Zeiten, wenn Geld in die andere Richtung fließt. Bei der Gründung etwa. Oder bei Kapitalerhöhungen wegen einer Geschäftserweiterung. Oder wenn einmal ein Liquiditätsengpass vorliegt.
Das darf aber nicht zu einem Dauerzustand werden. Dauerhaft muss es umgekehrt sein. Dauerhaft darf Geld nie von dir zum Unternehmen fließen.
Ein Unternehmen, das finanziell nicht vom Unternehmer unabhängig ist, hat keine Existenzberechtigung. Mach dir klar, dass so ein Unternehmen einem Menschen gleicht, der an der Herz- Lungenmaschine hängt und künstlich am Leben erhalten wird. Das darf deinem Unternehmen nie passieren. Und wenn doch, dann dreh die Maschine ab. Glaub mir, du wirst das Unternehmen nicht retten. Und am Ende bist du selbst auch pleite.
Deine Lebensvision ist nichts anderes als dein Plan, dein Entwurf für dein Leben. Deine Lebensvision sagt dir, wie du leben möchtest. Welchen Lebensstandard möchtest du gerne haben? Was möchtest du alles erleben? Was soll das Leben dir schenken? Was möchtest du alles haben, tun, geben?
Wenn dir das klar ist, dann nimm doch einmal ein Blatt Papier, einen Stift und einen Taschenrechner. Du wirst für die Verwirklichung deiner Träume und Wünsche, deiner Lebensvision, vor allem eines brauchen: Geld. Ja, so funktionieren unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft eben. Du kannst in deinem Leben alles tun und alles haben und erreichen, was du gerne möchtest. Aber alles in unserem Leben hat einen Preis. Und dieser Preis wird halt einmal in Geld ausgedrückt.
Und jetzt lass uns über dein Unternehmen reden. Welche Aufgabe hat dein Unternehmen? Vergiss die Kunden. Vergiss die Mitarbeiter. Vergiss die Gesellschaft, der du Nutzen stiften möchtest. Wenn dein Unternehmen nicht in erster Linie in der Lage ist, Cash zu produzieren und in deine Richtung zu lenken, hat dein Unternehmen keinen Sinn. Natürlich muss dein Unternehmen Kunden haben und Mitarbeiter. Es muss den Kunden einen einzigartigen Nutzen bieten, sonst kaufen sie nicht bei dir. Und natürlich musst du Mitarbeiter dafür begeistern, bei dir zu arbeiten. Deiner Mission zu folgen. Sonst werden sie den Nutzen, den du den Kunden bieten willst, nicht produzieren. Und dann wird dein Unternehmen keinen Gewinn machen. Aber bitte verstehe, dass es so einfach ist: dein Unternehmen muss Geld verdienen. Und zwar so viel, dass genau die Menge Geld in deine Richtung fließt, damit deine Lebensvision Wirklichkeit wird.
Dein Unternehmen muss Produkte oder Dienstleistungen verkaufen, um Geld zu verdienen. Du hast sicher schon gehört, dass du als Unternehmer nicht im, sondern am Unternehmen arbeiten sollst. Natürlich weißt du, was es bedeutet, im Unternehmen zu arbeiten. Das ist Fachkraftarbeit. Und endet letztlich in einem verkauften Produkt (oder Dienstleistung). Fachkraftarbeit ist etwas für Fachkräfte. Unternehmer aber sollen am Unternehmen arbeiten.
In Wahrheit ist das Arbeiten am Unternehmen im Allgemeinen ganz einfach. Aber in der konkreten Umsetzung meistens recht komplex.
Das Geheimnis ist, dass dein Unternehmen dein Produkt ist. Du erzeugst ein Unternehmen, das du verkaufst, wenn es fertig ist. Das Problem ist, dass die meisten Unternehmer nicht wissen, wann ihr Unternehmen fertig ist und an wen und zu welchem Preis sie es verkaufen sollen. Und dann kannst du gar nicht wissen, wie du konkret am Unternehmen arbeiten sollst.
Wenn dein Unternehmen dein Produkt ist, das du nur erzeugst, um es zu verkaufen, dann darfst du dein Unternehmen nicht nach deinen Wünschen und Vorstellungen aufbauen, sondern so, dass es möglichst viele potenzielle Käufer attraktiv und wertvoll finden.
Und jetzt verrate ich dir das große Geheimnis: dein Unternehmen ist fertig, wenn es so viel wert ist, dass du es um einen Preis verkaufen kannst, den du brauchst, um deine Lebensvision zu erfüllen.
Sagen wir einmal deine Lebensvision ist zehn Millionen Euro groß. Das kommt natürlich darauf an, wie deine Lebensvision tatsächlich aussieht. Lass uns für unser Beispiel bei zehn Millionen Euro bleiben.
Lass uns für unser Beispiel annehmen, du hast ein Privatvermögen von einer halben Million Euro. Das ist wirklich ordentlich. Aber dann fehlen dir zu deiner Lebensvision noch immer 9,5 Millionen Euro. Damit weißt du jetzt, dass du ein Unternehmen aufbauen musst, das du um 9,5 Millionen Euro verkaufen kannst.
Jetzt musst du dir nur noch überlegen, wie ein Unternehmen aussieht, das 9,5 Millionen wert ist. Welche Kunden muss dieses Unternehmen haben? Und wie viele? Wie viele deiner Produkte oder Dienstleistungen musst du dafür in einem Jahr verkaufen? Und wie viele Mitarbeiter brauchst du, um das zu bewerkstelligen? Und welche Maschinen und andere Anlagen wirst du dafür brauchen? Das alles fließt zusammen in deiner Unternehmensvision.
Jetzt schau dir dein Unternehmen an. Und sei wieder ehrlich mit dir selbst. Wie schaut dein Unternehmen im Vergleich zu dem Unternehmen aus, das du um 9,5 Millionen Euro verkaufen kannst?
Eine Strategie auszuarbeiten und in der Folge umzusetzen, das bedeutet, am Unternehmen zu arbeiten.
Wenn du jetzt sagst, die Aufgabe, ein Unternehmen aufzubauen, das 9,5 Millionen Euro wert ist, ist groß, dann gebe ich dir Recht. Aber nur abhängig von der Zeit, in der du dieses Ziel erreichen willst. Wenn dir die Vision zu groß ist, dann mach sie eben kleiner. Wie wäre es mit einem Unternehmen, das du für drei Millionen Euro verkaufen kannst. Fühlst du dich mit dieser kleineren Vision wohler? Fein. Dann passe deine Strategie an die kleinere Vision an und setze sie um. Sobald dein Unternehmen dann deiner kleineren Vision entspricht, verkaufst du dein Unternehmen um die drei Millionen. Und baust ein neues Unternehmen auf. Mit einer neuen Vision. Denn am Ende brauchst du ja deine zehn Millionen Euro für deine Lebensvision.