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Heute ist die 42. Episode unseres Podcasts und deswegen trägt diese Episode auch den Titel "Was hat die Zahl 42 mit dem Erlebnis Unternehmertum zu tun?". Ich glaube, ich habe eine Ahnung, worum es dabei gehen könnte. Um direkt in das Thema einzusteigen, Bernd: Ist für dich die Zahl 42 eine Glücks- oder Erfolgszahl im Zusammenhang mit dem Unternehmertum? Kannst du uns erklären, was diese Zahl für dich bedeutet?
Die Zahl 42 stammt aus dem Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams. Dieser Roman ist ein Science-Fiction-Klassiker.
In der Geschichte geht es um Arthur Dent, einen englischen Durchschnittsbürger, der zusammen mit seinem Freund Ford Prefect, einem Außerirdischen und Schriftsteller für den "Reiseführer für intergalaktische Anhalter", durch das Universum reist. In der ersten Szene des Romans wird die Erde von Außerirdischen zerstört und Arthur und Ford fliehen in einem Raumschiff.
Wie du weißt, hat die Zahl 42 im Buch "Per Anhalter durch die Galaxis" eine sehr spezielle Bedeutung. Im Buch suchen die Charaktere nach der Antwort auf die ultimative Frage des Lebens, des Universums und allem. Sie geben diese Frage in den Supercomputer Deep Thought ein, der extra dafür gebaut wird und die Antwort berechnen soll. Die Antwort, die der Computer nach 7,5 Millionen Jahren berechnet, lautet: 42.
Douglas Adams hat in Interviews selbst erklärt, dass er die Zahl 42 zufällig ausgewählt hat, ohne besondere Bedeutung oder Absicht dahinter. Dennoch hat die Idee, dass eine scheinbar zufällige Zahl die Antwort auf die ultimative Frage des Lebens sein könnte, eine philosophische Bedeutung und wird oft als ein Kommentar zur Suche nach dem Sinn des Lebens interpretiert.
Adams spielte mit der Idee, dass die Suche nach einer ultimativen Antwort gar keinen Sinn ergibt, weil der Prozess der Suche selbst wertvoller sein kann als schließlich die Antwort selbst. Auch der Supercomputer Deep Thought stellt fest, dass die Frage eigentlich nicht präzise genug formuliert wurde und dass eine noch größere Supercomputer-Konstruktion, das "Erde-Computer-Ensemble", gebaut werden muss, um eigentlich die Frage zu finden.
Aber was hat das alles mit Unternehmertum zu tun?
Unternehmertum ist in meiner Welt auch ein Abenteuer. Ein Erlebnis eben. Es geht darum, Risiken einzugehen und neue Wege zu beschreiten. Mark Twain sagte: "In zwanzig Jahren wirst du die Dinge mehr bereuen, die du nicht getan hast als die, die du getan hast. Also mach die Leinen los. Segle raus aus dem sicheren Hafen. Fang den Passatwind in deinen Segeln ein. Forsche. Träume. Entdecke.“
In meinen Augen besteht das richtige Unternehmertum darin, das Leben in vollen Zügen zu genießen und das zu tun, was dir wirklich wichtig ist. Gerade dein Unternehmen gibt dir dazu eine großartige Möglichkeit.
Aber was hat die Zahl 42 mit all dem zu tun?
Im Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" ist 42 nicht nur die Antwort auf die ultimative Frage des Lebens, sondern auch der Schlüssel, um die Frage selbst zu verstehen. Das bedeutet, dass 42 eine Art Verbindung zwischen allen Dingen darstellt und zeigt, dass alles miteinander in Beziehung steht.
Diese Idee lässt sich auch auf das Unternehmertum übertragen. Ein erfolgreicher Unternehmer ist selten allein erfolgreich, sondern arbeitet oft mit anderen zusammen und baut Netzwerke auf.
Netzwerke und Gemeinschaften bieten eine großartige Möglichkeit, um Ideen auszutauschen und Unterstützung zu erhalten. Wenn wir uns mit anderen Unternehmern vernetzen und mit ihnen zusammenarbeiten, können wir unsere Ideen verbessern und schneller vorantreiben.
Die Zahl 42 kann uns daran erinnern, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind und dass unsere Erfolge oft von unseren Beziehungen zu anderen abhängen.
Außerdem steht die Zahl 42 für Ausdauer und Beharrlichkeit. Im Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" müssen die Protagonisten eine sehr lange und schwierige Reise durch das Universum machen, um die Bedeutung der Zahl 42 zu verstehen. Ähnlich verhält es sich oft auch im Unternehmertum. Erfolg kommt selten über Nacht, sondern erfordert Ausdauer, Geduld und Beharrlichkeit. Wir alle sind auf einer Reise und sollten uns nicht entmutigen lassen, wenn der Weg lang und steinig erscheint. Wenn wir hart arbeiten und an unsere Ideen glauben, werden wir unsere Ziele erreichen und letztendlich Erfolg als Unternehmer haben.
Also könnte man zusammenfassen, dass der Sinn des Lebens ist eine komplexe Frage ist. Und selbst wenn man eine Antwort darauf findet, kann es sein, dass sie unverständlich und unsinnig klingt.
Außerdem ist Humor im Leben wichtig. Laut Douglas Adams ist Humor ein wesentlicher Bestandteil des Lebens. Lachen spielt eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Stress und Problemen.
Es ist wichtig, Netzwerke aufzubauen und zu pflegen. Die Charaktere im Roman müssen zusammen arbeiten, um die Herausforderungen zu meistern. Auch im Unternehmertum ist es wichtig, starke Beziehungen aufzubauen.
Heute geht es darum, was man als Partei oder auch als Zeuge bei einer Gerichtsverhandlung beachten sollte. In vielen Fällen ist es ja so, dass eine Gerichtsverhandlung, wenn man damit nicht beruflich zu tun hat, ein einzigartiges Erlebnis ist. Oft hat man eine falsche Vorstellung davon, wie eine Gerichtsverhandlung abläuft.
Diese falsche Vorstellung wird hauptsächlich vom Fernsehen geweckt. Das Problem ist, dass die Filme, in denen wir Gerichtsverhandlungen sehen, meistens aus Amerika kommen. Das amerikanische Prozess-System unterscheidet sich aber ziemlich stark von unserem System in Österreich.
Das fängt schon damit an, dass wir in Österreich kein Geschworenensystem haben. So etwas gibt es bei uns nur im Strafrecht und auch da nur für besonders schwere Verbrechen. Bei Zivilprozessen gibt es keine Geschworenen. Da gibt es nur einen Berufsrichter. Das ist eine Person, die Jus studiert und die Richterausbildung absolviert hat. Außerdem ist das jemand, der jahrelange Erfahrung damit hat, Menschen – seien es Zeugen oder Verfahrensparteien, also Kläger und Beklagte – zu vernehmen. Sehr viele Richter haben eine ausgezeichnete Menschenkenntnis entwickelt und können Aussagen vom Bauchgefühl her oft gut auf ihren Wahrheitsgehalt einschätzen.
Es ist für jemanden, der nicht beruflich oft vor Gericht steht, äußerst schwer, einem Berufsrichter etwas vorzumachen. Das gelingt so gut wie nie und geht in der Regel nach hinten los.
Schauen wir uns den Verlauf eines Gerichtsprozesses chronologisch an. Ich meine damit in der weiteren Folge ausschließlich Zivilprozesse. Für Strafverfahren gelten Besonderheiten, die ich hier nicht darstellen will, weil ich auch ehrlich gesagt, von Strafverfahren wenig Ahnung habe. Das ist die Domäne von Strafverteidigern und ich bin kein Strafverteidiger, sondern hauptsächlich im Zivilrecht tätig.
Jeder Zivilprozess beginnt mit der Einbringung einer Klage. Bevor ich aber eine Klage einbringen kann, müssen einige Sachen bereits gut vorbereitet werden. Ich behaupte, dass viele Prozesse schon deswegen letzten Endes verloren werden, weil sie schlecht vorbereitet waren. Für die Vorbereitung ist ein gutes Zusammenspiel zwischen dem Rechtsanwalt und seinem Mandanten erforderlich. Der Mandant liefert zunächst einmal die wichtigen Sachinformationen. Im Erstgespräch erzählt er von seinem Problem. Bereits hier machen Anwälte oft schon Fehler. Sie glauben, dass sie dafür bezahlt werden, Probleme zu lösen und springen daher sofort zur Problemlösung. Das ist ein durchaus nachvollziehbarer Reflex, weil Rechtsanwälte ja erfahrungsgemäß viele, vielleicht auch gleich gelagerte Probleme gelöst haben und daher glauben, dass sie die Lösung schon kennen, bevor der Mandant sein Problem abschließend geschildert hat.
Liebe Hörerin, lieber Hörer, wenn dein Anwalt dir eine Lösung für dein Problem anbietet, noch bevor du dein Problem vollständig dargelegt hast, dann bedanke dich höflich für seine Zeit, pack deine Sachen zusammen und schau, dass du so schnell wie möglich das Weite suchst. Ich kann dir nämlich an dieser Stelle versprechen, dass du diesen Prozess verlieren wirst. Und einen Prozess zu verlieren, bedeutet gleichzeitig auch viel Geld zu verlieren.
Wie läuft ein Erstgespräch optimal ab?
Alles beginnt mit der Schilderung des Problems. Die einzige Aufgabe des Rechtsanwalts besteht darin, gut aufzupassen und Notizen zu machen. Sonst nichts. Keine Fragen stellen. Keine Antworten geben. Keine Lösungen anbieten. Nur zuhören und Notizen machen. Denn die Geschichte zu dem Problem kennt nur der Mandant. Und wenn ich ihn in seiner Erzählung störe, kann es sein, dass wesentliche Fakten gar nicht erwähnt werden oder im schlechtesten Fall der Mandant beginnt, die Geschichte abzuändern, weil er auf der Basis der Reaktion des Anwaltes glaubt, dass eine andere Geschichte seine Position verbessert. Aber das ist ein großer Irrtum. Nur der Rechtsanwalt kann die Position des Mandanten wirklich einschätzen. Und dazu muss er eben die ganze Geschichte kennen. Und zwar so, wie sie wirklich ist.
Erst wenn der Mandant die Geschichte vollständig erzählt hat, kann der Anwalt beginnen, das Gespräch aufzunehmen. Aber auch jetzt kommt noch kein Lösungsvorschlag. Jetzt kommt erst einmal die Zusammenfassung der Geschichte des Mandanten. Der Anwalt möchte sich vergewissern, dass er alles richtig verstanden hat. Er erzählt also die ganze Geschichte noch einmal und fragt den Mandanten, ob er alles richtig verstanden hat.
Erst wenn beide – Mandant und Rechtsanwalt – ein übereinstimmendes Bild der Geschichte des Mandanten haben, kann es weiter gehen. Im nächsten Schritt stellt der Rechtsanwalt die Frage, was überhaupt das Ziel des Mandanten ist. Wir kennen jetzt das Problem, die IST-Situation. Jetzt soll der Mandant sagen, welchen anderen Zustand er sich wünscht. Das ist nicht die Problemlösung, sondern das Bild der Zukunft, in der das Problem gelöst ist. Die Problemlösung ist die Strategie, wie man vom aktuellen Ist-Zustand zum vom Mandanten artikulierten Ziel kommt. Diese Strategie – und nur diese – ist die Aufgabe des Rechtsanwaltes.
Also noch einmal. Erst wenn wir ein gemeinsames, übereinstimmendes Bild des Problems haben, stellt der Anwalt dem Mandanten die Frage nach dem Bild, wie er die Zukunft haben will, wenn sein Problem gelöst ist. Auch hier lasse ich den Mandanten wieder reden und höre nur zu und mache mir Notizen. Danach fasse ich wieder zusammen. Denn ich muss wissen, ob ich das Ziel richtig verstanden habe. Ich wiederhole das Ziel und frage den Mandanten, ob ich es richtig verstanden habe. Erst wenn auch das Ziel übereinstimmend fest steht, kann ich eine Lösung entwickeln. Erst jetzt kann ich eine Strategie ausarbeiten, wie wir vom Ist-Zustand zum Ziel gelangen.
Und hier muss ich oft ehrlich sagen, dass es für das gewünschte Ziel keine Strategie gibt. Dann erarbeite ich mit dem Mandanten ein erreichbares Ziel, das seinem ursprünglichen möglichst nahe kommt. Dieses Ziel muss der Mandant akzeptieren. Denn es ist in den meisten Fällen ein anderes als er ursprünglich wollte. Habe ich diese Akzeptanz, dann erkläre ich die Strategie.
Jetzt kann ich beginnen, ergänzende Fragen zur Geschichte des Mandanten zu stellen. So lange, bis ich alles habe, was ich notwendigerweise in eine Klage schreiben muss.
Wie gesagt, mit der Klage wird der Prozess eröffnet. Die Klage geht an das Gericht und wird von diesem an den Beklagten zugestellt. Der Beklagte hat nun seinerseits ein Problem, nämlich die Klage. Mit dieser geht jetzt der Beklagte zu seinem Anwalt. Hier findet das gleiche Erstgespräch statt, wie ich es vorher beschrieben habe. Mit einem wesentlichen Unterschied. Nämlich dem, dass der Beklagte und sein Anwalt unter einem wesentlich größeren Zeitdruck stehen. Denn für die Beantwortung der Klage haben sie nur vier Wochen Zeit. Damit also ein optimales Ergebnis erreicht werden kann, geh bitte so schnell wie möglich zu deinem Anwalt, wenn du eine Klage bekommst.
Nachdem nun der Beklagte seine Klagebeantwortung erstattet hat, geht das Gerichtsverfahren los. Das Gericht wird einen Verhandlungstermin anberaumen. Jetzt kommt es zum ersten Showdown. Jetzt müssen die erzählte Geschichte – wir Juristen nennen das das Vorbringen – und die Argumente den Praxistest bestehen. Es kommt zum Rechtsgespräch mit dem Richter. Es wird erörtert, wie das Prozessprogramm aussehen wird. Welche Zeugen sollen vernommen werden? Welche weiteren Beweise sollen aufgenommen werden?
Und dann geht es in das Beweisverfahren hinein. Ein wesentlicher Teil des Beweisverfahrens sind die Aussagen der Parteien, also des Klägers und des Beklagten, sowie der Zeugen. Und hier gilt das, was ich vorhin schon gesagt habe. Der Richter ist in der Regel ein Profi, der jeden Tag mehrere Verhandlungen hat. Auch der gegnerische Rechtsanwalt hat jahrelange Gerichtspraxis. Der Zeuge dagegen meistens nicht. Für ihn ist das eine besondere Ausnahmesituation. Das beginnt schon damit, dass er den Gerichtssaal betritt und gar nicht weiß, wo er sich hinsetzen soll.
Diese Ausnahmesituation macht auch schon rein körperlich etwas mit einem Zeugen. Die meisten sind aufgeregt, beginnen zu schwitzen, das Herz schlägt schneller. Es ist immer wieder interessant, diese Symptome zu beobachten. Selbst bei Menschen, die vor Beginn der Gerichtsverhandlung noch völlig cool und abgebrüht gewirkt haben.
Und dann passieren oft auch für Mandanten unerwartete Dinge. Meistens ist es so, dass der Mandant seine Zeugen vor der Verhandlung informiert, dass er sie als Zeuge namhaft gemacht hat. Der Zeuge weiß meistens, worum es geht und warum er als Zeuge genannt wurde. Oft findet ein Gespräch zwischen dem Mandanten und dem Zeugen statt. Und oft bestärkt der Zeuge den Mandanten in seiner Position. Wenn dann aber der Zeuge tatsächlich seine Aussage macht, glaubt man, da erzählt eine ganz andere Person eine völlig andere Geschichte.
Es gibt verschiedene Persönlichkeiten, verschiedene Menschentypen. Menschen gehen ganz unterschiedlich mit der Ausnahmesituation einer Gerichtsverhandlung um. Die Aufgabe des Rechtsanwaltes ist es, sich auf diese Situation einzustellen. Und das bei den Fragen an den Zeugen zu berücksichtigen. Dann kann eine Taktik auch sein, dem Zeugen so wenig Fragen zu stellen wie möglich. Vor allem gilt: ich stelle nie eine Frage, wenn ich nicht absolut sicher bin, welche Antwort ich bekommen werde.
Heute haben wir Rudolf Schwarz im Interview.
Rudolf ist nicht nur der Sprecher unseres Podcasts, er ist auch Profisprecher für Werbungen, Imagevideos, Erklärfilme und Veranstaltungen.
In unserem Interview erzählt er uns mehr über seine Tätigkeiten abseits unseres Podacsts.
Ich glaube nicht, dass Corona selbst die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Disruptionen ausgelöst hat. Aber die Krise hat diese Umstände beschleunigt. Wie ein Katalysator eben.
Und jetzt, Corona ist ja in Wahrheit noch gar nicht vorbei, leben wir seit einem Jahr mitten in einer neuen Krise. Der Krieg in der Ukraine, der mittlerweile schon über ein Jahr andauert, hat eine Energiekrise und in der Folge eine Teuerungskrise mit Inflationsraten von über 10% ausgelöst.
Und nicht zu vergessen die Lieferkettenproblematik, die eigentlich schon in der Corona Krise zu Tage getreten ist. Wir haben gesehen, dass eine globalisierte Wirtschaft mit dem bewussten Verzicht auf Lagerhaltung und just in time Produktion – an sich wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen - extrem anfällig ist, wenn in der Lieferkette Probleme entstehen. Plötzlich sind Waren und Rohstoffe entweder gar nicht mehr oder nicht mehr in der gewünschten Menge oder in der gewünschten Zeit verfügbar. Was wiederum seinen Beitrag zur Teuerung leistet.
Tatsächlich ist es so, dass Krisen gute Zeiten sind, Unternehmen zu gründen. Zu Beginn der Corona Krise sind zwar die Unternehmensgründungen zurückgegangen, was meiner Meinung nach auf die allgemein zu beobachtende Lähmung in allen gesellschaftlichen Bereichen zurückzuführen ist. Aber mittlerweile werden wieder so viele Unternehmen gegründet wie vor der Krise.
Auch die Geschichte zeigt, dass sogar große Unternehmen in einer Krise gegründet wurden.
Ein Beispiel ist die erste Ölkrise nach 1973, die weltweit führ mehrere Jahre zu einer Wirtschaftskrise führte.
Im Herbst 1973 beschloss die Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten die Drosselung der Öl-Fördermengen um 5 %. Das Ziel war dabei, den Westen wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Und zwar deshalb, weil der Westen Israel im Jom-Kippur-Krieg unter-stützte.
Die Drosselung der Öl-Fördermenge führte, und das war ja auch das Ziel, zu einem massiven Anstieg des Ölpreises. Der Ölpreis lag vorher bei rund 3 US-Dollar pro Barrel und stiegt bis zum Jahr 1975 auf über 12 Dollar. Die Wirtschaft war damals wie heute massiv von Erdöl abhängig. Die Vervierfachung des Ölpreises hatte daher verheerende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Viele Unternehmen musste ihre Produktion drastisch zurückfahren und Mitarbeiter entlassen. Ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit war die Folge.
Und genau zu dieser Zeit Anfang des Jahres 1975 gründen zwei Computer Nerds, die in Harvard studieren in New Mexico ein gemeinsames Unternehmen. Davor haben sie gemeinsam für ein anderes Unternehmen, einen Computerhersteller, eine Programmiersprache. Diese Software verkaufen sie dem Computerhersteller für 3000 Dollar. Ende des Jahres 1975 suchen sie einen Namen für ihr junges Unternehmen. Der Name, der dann auch als Marke registriert wurde ist „Micro-Soft“. Die beiden Studenten waren Paul Allen und Bill Gates. Heute ist dieses Unternehmen mit über zweihunderttausend Mitarbeitern der weltweite Marktführer bei Computer Betriebssystemen und Office Anwendungen.
Aber auch vor 1975 wurden schon erfolgreiche Unternehmen in Wirtschaftskrisen gegründet. Zum Beispiel UPS in der Finanzkrise 1907 und General Motors 1908. Und auch später waren es wieder erfolgreiche Unternehmen, die mitten in einer Krise gegründet wurden. So zum Beispiel in der Finanzkrise 2008 Airbnb, Uber oder Zalando.
Warum fürchten wir uns dann so vor Krisen?
Schauen wir uns einmal das Wort Krise an. Dieses Wort stammt aus dem Griechischen. Es bedeutet ursprünglich soviel wie Meinung, Beurteilung oder Entscheidung. Interessant ist, dass das lateinische Wort crisis in der deutschen Sprache im 16. Jahrhundert zunächst im Zusammenhang mit fieberhaften Erkrankungen verwendet wurde. Nämlich dann, wenn die Krankheit den Punkt erreichte, bei dem der Patient entweder innerhalb kürzester Zeit wieder fieberfrei war oder im weniger guten Fall nicht überlebte.
Also handelte es sich um eine Zuspitzung des Zustandes mit der bevorstehenden Entscheidung zwischen vollständiger Genesung oder dem Tod.
Allgemein gelten Krisen als Ereignisse, die einen Menschen oder auch ein Unternehmen unmittelbar bedrohen.
Es geht also um eine Bedrohung. Ein Ereignis tritt in mein Leben und bedroht es. Und sofort erwacht mein Reptiliengehirn aus dem unterbewussten Schlaf und schreit: „Renn los! Das kann nicht gut sein. Schau, dass du hier weg kommst, sonst werden wir sterben“.
Wie wir wissen, braucht der bewusste Verstand immer viel länger als unser Unterbewusstsein. Der bewusste Verstand möchte das Ereignis erst einmal bewerten.
Das Problem ist nur, dass ich bei einer Krise meinen bewussten Verstand gar nicht mehr hören kann, weil ich ja schon längst losgerannt bin wie ein irrer.
Es gibt aber auch eine andere Strategie, wie Menschen mit Krisen umgehen. Nämlich tot stellen. Das kennen wir ja bei kleinen Kindern. Wenn Kinder ihre Umgebung in einer unangenehmen Situation, ausblenden wollen, dann halten sie sich die Augen zu. Wenn ich das Problem nicht mehr sehe, dann ist es auch nicht mehr da. Aus den Augen, aus dem Sinn.
Als Erwachsene wissen wir, dass das so nicht funktioniert.
Heute wissen wir, dass wir in Krisen verschiedene Phasen durchlaufen. Als erstes kommt einmal die Schockphase. Da sind wir wieder das kleine Kind, das sich die Hände vor die Augen hält, bis drei zählt und denkt, wenn ich jetzt die Augen wieder aufmache, ist alles wie-der so wie vorher. Pech, ist es nicht.
Wenn wir das merken, kommen wir in die Phase der Reaktion. Wir wissen, dass wie irgend etwas tun müssen. Jetzt beginnt das aktionistische Chaos. Eine Form dieses Aktionismus, die ich zum Beispiel in der Corona Krise beobachten konnte, war die Suche nach dem Schuldigen. Da muss ja irgendwer schuld an der ganzen Misere sein. Wenn wir den ausfindig machen können, dann müssen wir diese Person nur beseitigen und dann ist auch wieder alles gut.
Blöd nur, wenn wir da niemand konkreten als Schuldigen identifizieren können. Dann helfen allgemeine Schuldzuweisungen. Zum Beispiel an „die Regierenden“. Und wenn ich die schon nicht beseitigen kann, dann sollen sie meine Situation bitteschön wenigstens wieder in die vorherige Lage versetzen. Her mit den Hilfspaketen!
Und genau diese Haltung, verbunden mit den tatsächlich ausgeschütteten Hilfen, hat es nach meiner Beobachtung verhindert, dass wir in die nächste Phase der Krisenbewältigung gekommen sind.
Das ist nämlich die Phase der Bearbeitung. Wieso soll ich eine Krise für mich selbst lösen, wenn das doch andere machen, noch dazu, wo ich selbst ja auch nicht schuld war für die Krise.
Das gefährliche daran ist, dass das einen Lerneffekt ausgelöst hat. In der Corona Krise gab es großzügige Corona Hilfen für Unternehmen. Blöd nur, dass, kaum dass wir Corona bewältigt haben, eine neue Krise daherkommt.
Gerade haben wir Unternehmer gelernt, dass wir nur schreien und die Hand aufhalten müssen. Nur in der aktuellen Krise gibt es keine staatlichen Krisenhilfen. Jetzt heißt es, hilf dir selbst.
Es heißt ja oft auch, wir können Krisen auch als Chance sehen. Ist das so?
Dazu müssen wir uns einmal anschauen, was überhaupt eine Chance ist? Das Wort Chance leitet sich vom lateinischen cadere ab und das bedeutet fallen.
Das französische Wort Chance bezog sich ursprünglich auf das Fallen der Würfel beim Würfelspiel. Solange die Würfel noch fallen (und nicht schon gefallen sind), kann man darauf hoffen, das Spiel zu gewinnen. Dementsprechend bezeichnete die Chance zunächst auch nur die Möglichkeit, zu gewinnen. Daraus entwickelte sich der Glücksfall und die günstige Gelegenheit.
Kann eine Krise für uns Unternehmer denn eine günstige Gelegenheit sein?
Ich behaupte, ja. Erinnern wir uns. Die Krise bedeutet die Entscheidung, wie es nach dem Höhepunkt des Fiebers weiter geht. Und schauen wir uns die Wirtschaftskrisen der letzten hundert Jahre einmal an. Wikipedia listet da seit der Weltwirtschaftskrise 1929 zweiundzwanzig Wirtschaftskrisen auf. Und die Welt dreht sich trotzdem immer noch.
Ich gehe einmal stark davon aus, dass der Patient Wirtschaft auch nach der aktuellen Krise nicht tot sein wird. Auch nach dieser Krise wird das Fieber wieder sinken.
Die Würfel sind aus meiner Sicht noch nicht gefallen. Im Unterschied zum Würfelspiel haben wir das aber sehr weitgehend selbst in der Hand. Wer jetzt aktiv an seinem Unternehmen arbeitet – und dazu gehört es auch, ein Unternehmen zu gründen – der verbessert seine Position am Markt gegenüber der Konkurrenz. Vor allem, wenn die Konkurrenz noch in der Schockstarre ist und sich die Augen zuhält. Oder wenn andere Unternehmen in meiner Branche Kosten reduzieren. Das tun sie normalerweise dort, wo es nicht unmittelbar weh tut. Das ist das Marketing. Unternehmen reduzieren in Krisen ihre Marketingbudgets. Oder sie reduzieren die Kosten dort, wo es am meisten bringt. Das ist in der Regel der Personalbereich. Dann werden Mitarbeiter gekündigt. Diese beiden Reaktionen auf die Krise sind so ziemlich das Schlechteste, was man als Unternehmer tun kann. Vor allem, wenn man diese beiden Reaktionen miteinander kombiniert. Also Personal und Marketingbudgets reduziert.
Aber so ist das eben, wenn das Reptiliengehirn das Kommando hat.
Das Ergebnis der Reduktion des Marketingbudgets sieht man nicht sofort, aber es kommt mit Sicherheit. Nämlich weniger Kunden und weniger Aufträge. Die Kürzung beim Personal führt dazu, dass weniger Aufträge abgearbeitet werden können. Eine gefährliche Spirale beginnt, sich zu drehen.
Wer in dieser Phase schlau ist, macht das Gegenteil und kann die Krise dann nutzen, Marktanteile zu gewinnen.
Also, meiner Meinung nach ist die Krise eine Chance für Unternehmer. Aber nur dann, wenn sie aktiv bestehende Kundenbeziehungen pflegen. Vielleicht neue Produkte entwickeln. Dafür Marketing machen. Und vor allem in hervorragenden Kundenservice investieren. Dadurch können sie Kunden von der Konkurrenz gewinnen.
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