Gibt es tatsächlich ein eigenes Mindset, das Unternehmer von Nichtunternehmern unterscheidet?
Alle erfolgreichen Unternehmer, so unterschiedlich sie auch sein mögen, haben eines gemeinsam: ihre Denkweise.
Dieser Satz ist nicht von mir. Ich habe ihn bei meinen Recherchen im Internet gefunden. Und ich dachte, das ist ein guter Satz, mit dem können wir unsere heutige Episode starten.
Der Satz ist für mich vor allem eines. Eine Aufforderung, darüber nachzudenken, ob das wirklich so ist. Denken Unternehmer wirklich so anders als die so genannten Unselbständigen?
Allein schon das Begriffspaar Selbständige und Unselbständige finde ich entsetzlich.
Wer ein Unternehmen betreibt, wird als Selbständig bezeichnet. Wer für einen Selbständigen arbeitet, der ist unselbständig. Was für eine begriffliche Sauerei!
Ich kenne genug Unternehmer, die sind alles andere, aber sicher nicht selbständig. Wenn du die zwei Kilometer von zu Hause aus dem Auto aussteigen lässt, finden die nicht mehr heim.
Allein schon der Umstand, dass ich als Unternehmer andere Menschen brauche, die für mich arbeiten, zeigt doch, wie unselbständig der Unternehmer eigentlich ist. Also sollten eigentlich die Unternehmer als Unselbständige bezeichnet werden.
Aber zurück zum Thema Mindset. Die Frage lautet doch: haben Unternehmer ein bestimmtes Mindset? Oder eint ein bestimmtes Mindset die Unternehmer? Und haben Menschen, die für Unternehmer arbeiten dieses Mindset nicht?
Auf der Seite intouch-consult.de bin ich auf die Passage gestoßen: „Das unternehmerische Mindset ist eine Denkweise, die es ermöglicht, Herausforderungen zu meistern, entschlossen zu handeln und Verantwortung für Ergebnisse zu übernehmen. Es ist ein ständiges Bedürfnis, Fähigkeiten zu verbessern, aus Fehlern zu lernen und kontinuierlich an Ideen zu arbeiten. Jeder, der bereit ist, an seinen Eigenschaften zu arbeiten, kann ein unternehmerisches Mindset entwickeln.“
Das Unternehmermindset also als Mix aus
EntschlossenheitVerantwortungLernbereitschaft und einer Fehlerkultur, die Fehler als Chance, zu lernen ansieht.Also ich kann mit Sicherheit unterschreiben, dass diese Eigenschaften wichtig sind für jeden Unternehmer. Genauso unterschreibe ich, dass viele Unternehmer, die ich kenne, diese Eigenschaften weit weniger ausgeprägt besitzen, als ihre Mitarbeiter.
Wenn du mich fragst, dann ist das so genannte Unternehmermindset nicht etwas, das exklusiv für Unternehmer ist und das Unternehmer von Arbeitnehmern unterscheidet. Andererseits wird jeder Unternehmer wahrscheinlich zustimmen, dass es einige Eigenschaften gibt, die man als Unternehmer mehr oder weniger stark ausgeprägt haben sollte.
Gehen wir dabei von der Beobachtung aus, dass Unternehmen einen eigenen Lebenszyklus haben. Das ist der so genannte Unternehmenslebenszyklus. Tatsächlich ähnelt dieser Zyklus auch dem Lebenszyklus von uns Menschen.
Wir werden geboren, wir wachsen heran, wir lernen, wir reifen, wir erreichen den Höhepunkt unserer Schaffenskraft, und danach geht es wieder bergab, unser Kräfte schwinden wieder, wir werden sogar wieder kleiner und irgendwann sterben wir.
Unternehmen haben einen ähnlichen Zyklus. Sie werden gegründet. Dann kommen sie in die Pionierphase, sie expandieren bis zum Punkt der Sättigung. Danach kommt wie bei uns Menschen der Abstieg, die so genannte Wende.
Tatsächlich verläuft die Kurve des Unternehmenslebenszyklus nicht linear. Auf Aufschwungphasen folgen häufig kleiner oder größere Krisen, und je nachdem, wie wir mit diesen Krisen umgehen, kann es danach wieder bergauf gehen. Das Unternehmerleben ist, und das macht schon einen Unterschied zum Arbeitnehmer aus, gerade nicht vorgezeichnet wie die klassische Arbeitnehmerkarriere. Ein Unternehmer wird sich viel häufiger im Krisenmodus finden, ob er das jetzt will oder nicht.
Eine wichtige Eigenschaft des Unternehmers ist also die Art und Weise, wie ich mit diesen **Krisen **umgehe. Ganz sicher benötige ich als Unternehmer dafür eine besondere Resilienz.
Resiliente Personen haben gelernt, dass sie selbst es sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen. Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand und haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten.
Diese Einstellung ist für einen Unternehmer sicherlich hilfreich. Krisen wird es im Unternehmerleben immer wieder geben. Und das müssen nicht gleich große Wirtschaftskrisen sein, obwohl es aktuell in den letzten Jahren danach aussieht.
Wirklich resiliente Unternehmer haben dabei aber erkannt, dass sie die Krise selbst oft nicht beeinflussen können. Aber sie haben gelernt, dass Krisen eine Veränderung einleiten und dass diejenigen gut durch und gestärkt aus einer Krise kommen, die sich an die veränderten Umstände am besten angepasst haben. Und das, diese Anpassung haben wir selbst in der Hand.
Zum Glück stolpern wir als Unternehmer aber nicht nur von einer Krise in die andere. Am Wegesrand können wir immer wieder auch Chancen und Möglichkeiten begegnen, die das Potential zu Innovationen und neuen Produkten und Dienstleistungen haben. Hier hilft uns Unternehmern die Eigenschaft, neugierig zu bleiben und wach und mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Auch sollten wir uns mit der Gesellschaft und ihrer Entwicklung beschäftigen. Wir sollten uns fragen: was geschieht gerade? Und warum? Was bedeutet das für die Gesellschaft im Allgemeinen und für unsere Kunden im Besonderen? Und was können wir tun, um in dieser Situation unseren Kunden den bestmöglichen Nutzen zu stiften? Was brauchen und wollen unsere Kunden gerade am meisten? Wie können wir diese Bedürfnisse befriedigen?
Auch ein Blick über den Tellerrand lohnt sich für uns. Was machen andere Branchen gerade? Oder was passiert gerade in unserer Branche in anderen Ländern? Und wie wird sich unsere Branche und die Gesellschaft in den nächsten 5, 10 oder 20 Jahren weiter entwickeln?
Diese Fragen müssen wir uns immer und immer wieder stellen. Wir dürfen unsere **kindliche Neugier **dabei nicht verlieren. Kinder sind überhaupt die größten Vorbilder für uns Unternehmer. Ist dir schon aufgefallen, dass Kinder immer wieder „Warum“ fragen? Das sollten wir auch tun. Wenn ein Kind auf die Frage nach dem Warum eine Antwort bekommen hat, dann kommt garantiert die nächste Frage und die lautet. „Und Warum“? Und dann fragt es wieder: „Und Warum“? Auch wir sollten bei der ersten, offensichtlichen Antwort weiter nach dem Warum fragen.
Eine weitere gute Unternehmereigenschaft, die wir uns von Kindern abschauen können, ist das Durchhaltevermögen.
Wenn ein Kind gehen lernt, dann ist es am Anfang noch ganz unsicher und wackelig auf den Beinen. Es fällt öfter hin, als tatsächlich einen Schritt zu gehen. Aber es versucht es immer und immer wieder. Aufgeben ist keine Option. Es weiß, dass es gehen kann. Immerhin gehen alle anderen ja auch. Es kommt gar nicht auf die Idee, es könnte nicht gehen lernen.
Und wie ist das bei uns? Wie oft müssen wir scheitern, bis wir aufhören. Tatsächlich viel zu selten. Wir geben viel zu schnell auf. Wir lassen uns von Einflüsterern, äußeren und inneren, viel zu leicht einreden, dass das eben nicht gehen kann.
Ein Kleinkind, das bei den ersten drei Gehversuchen jedes Mal hingefallen ist, würde niemals auf die Idee kommen zu sagen, „ok, ich habe es versucht, aber offensichtlich funktioniert das bei mir nicht. Gehen ist nichts für mich. Werde ich eben weiter auf allen vieren krabbeln.“
Thomas Alva Edison hat angeblich 10.000 Versuche gebraucht, um die Glühbirne zu erfinden. Ihm wird das Zitat nachgesagt, „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“
Warum war er so hartnäckig? Was hat ihn zum Durchhalten veranlasst, nach so vielen Fehlschlägen?
Er war von seinen Ideen nicht nur begeistert, seine **Leidenschaft **steigerte sich bis zur Besessenheit. Natürlich sind nicht alle Unternehmer so besessen. Aber Leidenschaft und Begeisterung sind weitere wesentliche Eigenschaften für Unternehmer. Leidenschaft und Begeisterung für die Kunden. Dafür, ihre Probleme zu lösen. Dafür, ein Unternehmen aufzubauen, das das Leben seiner Kunden verbessert, das die Gesellschaft und vielleicht sogar die Welt ein kleines Stück besser macht.
Ohne diese Leidenschaft, diese Begeisterung, werden wir oftmals viel zu leicht den äußeren und inneren Einflüsterern erliegen, wenn sie uns sagen, „das kann nicht funktionieren“.
Wenn wir diese Stimmen hören, egal ob das ein gut gemeinter Ratschlag eines Freundes oder vielleicht schlimmer, aus der Familie, ist oder ob das unsere innere Stimme ist, dann sollten wir an die Kleinkinder denken und an Thomas Alva Edison. Jeder gescheiterte Versuch führt uns ein Stück näher zum Erfolg.
Natürlich sollen wir dabei aber nicht blind sein für die Risiken. Denn jeder gescheiterte Versuch kann finanziell auch einer zu viel gewesen sein. Wir müssen immer auch abwägen, welche Risiken unseren Chancen gegenüber stehen und was wir aus eigener Kraft machen können, um diese Risiken zu begrenzen.
So, damit haben wir doch ein paar Eigenschaften zusammen getragen, die wichtig für Unternehmer sind. Da wäre einmal die Resilienz, die uns in die Lage versetzt, bei Krisen auf unsere Fähigkeiten und Stärken zu vertrauen und uns und unser Unternehmen aus eigener Kraft an veränderte Umstände anzupassen. Dann die Neugierde und Offenheit für Chancen, Durchhaltevermögen, Leidenschaft und Begeisterung.
Ob diese Eigenschaften jetzt ein besonderes Unternehmermindset ausmachen, darfst du liebe Hörerin, lieber Hörer, für dich entscheiden. Allemal sind es sicherlich gute Eigenschaften, die man als Unternehmer gerne pflegen darf.