Wofür benötigt ein Unternehmen eine Vision oder eine Mission und wie entwickelt man diese?
Das Wort Vision leitet sich aus dem lateinischen Wort visio ab. Visio bedeutet auf deutsch übersetzt Sehen, Anblick, übertragen Idee oder Vorstellung.
Nach dem Duden gibt es verschiedene Bedeutungen des deutschen Wortes Vision. Nämlich erstens die übernatürliche Erscheinung als religiöse Erfahrung, zweitens die optische Halluzination und drittens ein in jemandes Vorstellung in Bezug auf Zukünftiges entworfenes Bild.
In unserem Zusammenhang ist die dritte Bedeutung maßgeblich. Es geht um die Vorstellung eines Bildes der Zukunft.
Die Vision eines Unternehmens beschreibt einen idealen Zustand in der Zukunft, den das Unternehmen erreichen möchte. Sie ist eine wichtige Komponente der Unternehmensführung, weil sie in einer knappen und anschaulichen Formulierung allen Mitarbeitern deutlich macht, worum es geht. Die Vision des Unternehmens kann auch einzelne Elemente auf dem Weg zu diesem Idealzustand umfassen und benennen. Aus der Unternehmensvision lassen sich die wichtigsten Unternehmensziele und Unternehmensstrategien ableiten.
Viele Unternehmer haben mit den Begriffen Vision und Mission ein Problem, Weil nicht klar ist, wofür das eine und das andere steht. Oft werden die Begriffe vermischt.
Ich finde es selbst sehr hilfreich, sich die Vision als Vorstellung oder Bild über den zukünftigen Zustand des Unternehmens zu denken.
Michael Gerber unterscheidet die Rollen des Unternehmers, des Managers und der Fachkraft. Dabei ist der Unternehmer der einzige, der nicht im, sondern am Unternehmen arbeitet. Er ist buchstäblich derjenige, der das Unternehmen erschafft.
Wenn ein Architekt ein Haus plant, hat er am Anfang in seinem Kopf ein Bild des fertigen Hauses. Dann macht er einen Plan. Und dann beauftragt er einen Baumeister und andere Handwerker, die dann das Haus so bauen, wie es seinem Plan entspricht.
Der Unternehmer ist der Architekt des Unternehmens. Er hat das Bild des fertigen Unternehmens im Kopf. Er macht sich einen Plan, wie er dieses Bild in die Wirklichkeit umsetzen kann. Dieser Plan ist die Unternehmensstrategie. Dann braucht er Mitarbeiter, die das Unternehmen so bauen, wie der Unternehmer es sich ausgedacht hat.
Für mich ist also die Vision das Bild oder die Vorstellung des Unternehmers von seinem Unternehmen, wenn es einmal fertig ist.
Wie kommt man jetzt zu einer Unternehmensvision? Meiner Meinung nach wollen viele Unternehmer hier den ganz großen Wurf. Eine ganz tolle Vision. Etwas, das die Welt verändert und Mitarbeiter mitreißt und motiviert. Das ist eine so gewaltige Aufgabe, dass sie dann oft gar nicht ins Tun kommen. Dann sagen sie, bevor ich keine tolle Vision habe, kann ich mit meinem Unternehmen nicht starten.
Das sehe ich viel entspannter. Mit einem Unternehmen kann man immer und sofort starten. Die Vision entsteht sowieso nicht am Schreibtisch. Da kannst du dich noch so lange hinsetzen und grübeln. Die Vision entsteht unterwegs. So wie der Weg, der im Gehen entsteht.
Eine gute Möglichkeit, ist es sich Ruhe zu gönnen. Meditieren kann da helfen oder ein Spaziergang in der Natur. Schließe die Augen und stelle dir dein Unternehmen vor. Wiederhole das so lang, bis dein Bild immer klarer wird.
Natürlich kann ich mir dazu auch immer wieder Fragen stellen. Wo will ich damit hin? Welche Kunden werden wir haben? Was werden die Kunden von uns bekommen? Welche Mitarbeiter werden wir haben und wie viele? Was werden sie tun? Auf welchem Markt wird das Unternehmen tätig sein? Nur regional oder vielleicht sogar global? Wird es mehrere Standorte oder Filialen geben?
Bei der Vision geht es wie gesagt um die Zukunft. Da hilft es auch, sich mit der Zukunft zu beschäftigen. Welche Trends gibt es schon, die die Zukunft bestimmen oder verändern werden? Wie werde ich als Unternehmer selbst in dieser Zukunft leben?
Wenn ich mir diese Fragen immer wieder stelle, dann bekomme ich irgendwann Antworten. Nicht alle auf einmal, aber nach und nach. Und so entsteht dann ein Bild von meinem Unternehmen. Eben die Vision. Und dann ist es soweit, die Vision mit anderen zu teilen. Damit kann man beginnen, die Vision umzusetzen. Weil ich ja möchte, dass andere mir helfen, die Vision zu realisieren, muss jetzt die Vision andere Menschen begeistern.
Eine Vision sollte klar sein und zeigen, wohin der Unternehmensweg führt und wo der Unternehmer das Unternehmen in einigen Jahren sieht. Sie sollte mit den Werten und der Unternehmenskultur abgestimmt sein.
Die Mission beschreibt dagegen das Was, das Wie und das Warum des Unternehmens. Was machen wir? Wie machen wir es? Warum machen wir es überhaupt?
Die Mission beschreibt den
Zweck des Unternehmens.
Simon Sinek hat schon betont, dass die wichtigste Botschaft über ein Unternehmen die über das Warum ist.
Bei der Mission steht der Kunde im Zentrum. Die Mission beantwortet die Frage, warum es das Unternehmen gibt. Wer sind die Kunden des Unternehmens und warum wird die Welt, zumindest für diese Kunden besser? Hier geht es auch um die Werte des Unternehmens. Wofür steht das Unternehmen? Und warum ist das für die Kunden wichtig?
Die Mission hat mit der Vision nicht wirklich etwas zu tun. Die Vision entsteht im Kopf des Unternehmers. Die Mission entwickelst du am besten, wenn du mit deiner Zielgruppe sprichst. Frag deine Kunden, was ihre Bedürfnisse sind. Wo ist ihr Engpass oder Schmerzpunkt? Welche Probleme haben deine Kunden? Und wie kann dein Unternehmen diese Probleme am besten lösen?
Eine gute Mission zieht Kunden magisch an. Im besten Fall kann eine starke Mission nicht nur eine starke Marke erschaffen, sondern sogar einen Kult um das Unternehmen.
Auch eine Mission wirst du nicht in wenigen Stunden oder Tagen zu Hause am Schreibtisch entwickeln. Bis du eine stake, zugkräftige Mission hast, darf es auch länger dauern und das ist ok. Auch hier gilt, dass der Weg durch das Gehen entsteht.
Also lautet meine Empfehlung, erst einmal ruhig ohne Mission und Vision zu starten. Ein Unternehmen zu starten ist ja das Wichtigste. Such dir eine Zielgruppe, mit der du gerne arbeitest. Such dir Werte, die dir und deiner Zielgruppe wichtig sind. Und dann sprich mit deinen Kunden und frag sie, was sie wollen und brauchen. So kommst du Schritt für Schritt zu deiner Mission.
Und parallel wird sich in deinem Kopf eine Vision entwickeln. Und dann, wird sich das Puzzle zusammenfügen und du hast für dein Unternehmen eine Vision und eine Mission.