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Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Linke gezwungen, Position zu beziehen. Welche Haltung ist angesichts eines brutalen völkerrechtswidrigen imperialistischen Überfalls einer Großmacht angebracht, wenn sich dieser Angriff gegen ein Land richtet, in dem Oligarchen die Regierungspolitik bestimmen und Ultranationalisten Linke attackieren? Wie soll die Linke sich positionieren in einem Verteidigungskampf eines kapitalistischen Landes, das nicht von der Landkarte verschwinden möchte? In der Ukraine findet bekanntlich kein Aufstand der unterdrückten Klasse statt, so scheint es vielen Linken schwer zu fallen, für den Verteidigungskampf eines kapitalistischen Landes Partei zu ergreifen.
Ein Teil der Linken hatte seine Antworten auf diese schwierigen Fragen sehr schnell gefunden. Alle müssten ihre Waffen niederlegen, dann seien Krieg und Tod rasch vorbei, empfehlen die Pazifist:innen. Und die geopolitischen Strateg:innen haben sich auf die Rolle der USA respektive der Nato und ihres Anteils an diesem Konflikt fokussiert. Das eine hat mit der Realität jedoch wenig zu tun und vergisst, dass die Niederlegung der Waffen vor den faschistischen Schlächtern eines Ramsan Kadyrows und russischen Ultranationalist:innen Folter und Tod aller Aktivist:innen einer ukrainischen Identität bedeuteten. Das andere lässt außer acht, dass in Russland ein extrem autoritäres und nationalistisches, ideologisch am Zarenreich und der Neuen Rechten orientiertes Regime herrscht, ein imperialer Staat, der für die Unabhängigkeit aller Anrainerstaaten gefährlich ist.
Was diese und andere linke Kommentatoren des Krieges verbindet, ist, dass sie die Verhältnisse in Russland aus ihren Überlegungen weitgehend ausblenden und dass sie in ihre geopolitischen Analysen das begründete Recht der überfallenen Ukraine und ihrer Bevölkerung auf Eigenständigkeit völlig zu ignorieren scheinen.Viele Linke reden über diesen Krieg als globalem Ereignis, als Konkurrenzkampf zwischen Ost und West, so, als gäbe es da nicht noch dieses angegriffene Land und seine Menschen, die angesichts der Bedrohung durch die russische Armee eine nie gekannte Einigkeit zeigen. Linke Kommentatoren empören sich zurecht, dass die Bundesregierung die Gelegenheit beim Schopf packt und ein Milliardenprogramm für die Bundeswehr auflegt und dass nicht nur Rheinmetall Gewinne aus diesem Krieg zieht. Doch sie drücken sich vor der Frage, wie die Ukraine ohne westliche Waffenlieferung erfolgreich ihre Eigenständigkeit verteidigen kann. Sie verurteilen die beabsichtigten Nato-Beitritte Finnlands und Schwedens, ohne deren realistische Angst vor der aggressiven Politik des Putin-Regimes zu begreifen.
Am bedrückendsten aber ist, dass das Gros der Linken ihre eigenen Bündnispartner:innen in der Ukraine und in Russland nicht zur Kenntnis nimmt. Oder gar, was einer Ignoranz gleichkommt, sich anmaßt, ihnen Ratschläge zu erteilen, was jene zu tun oder zu lassen haben. Diese Sicht auf den Krieg wollen wir versuchen zu durchbrechen. Wir laden zu einer Veranstaltung ein, auf der den ukrainischen Linken eben keine weiteren Ratschläge erteilt werden sollen. Wir wollen erfahren, um welche Positionen sie selbst ringen, wir wollen ihre Fragen und Probleme zur Kenntnis nehmen, nicht zuletzt, um der Diskussion der Linken in Deutschland den internationalistischen Inhalt zu geben, der bisher weitgehend fehlt. Welche, auch unterschiedlichen, Haltungen nehmen ukrainische Linke zum „Kriegszustand“ ein, welche Funktion sehen sie für sich, welche Möglichkeiten solidarischer Unterstützung formulieren sie an uns? Redakteur*innen und Autor*innen der Zeitungen Analyse & Kritik und Jungle World haben in Lwiw an einem Treffen mit ukrainischen Linken teilgenommen, auf dem solche Fragen erörtert wurden. Uns scheint dies ein notwendiger Perspektivwechsel, der unsere eigene Haltung zu diesem Angriffskrieg auf den Prüfstand stellt.
Podiumsteilnehmer*innen:
Jan-Ole Arps, Redakteur Analyse & Kri
Für den Angriff der russischen Armee auf die Ukraine sind die politischen Eliten Russlands verantwortlich, aber entgegen der medialen Debatte nimmt das die NATO, die EU und Deutschland nicht aus der Verantwortung, an der vorherigen Eskalation beteiligt gewesen zu sein. In den letzten Jahren wurden NATO-Truppen in Nordost-, Zentral- und Südosteuropa deutlich aufgestockt und seit dem NATO-Gipfel vom 25. Februar 2022 wurde die Eingreiftruppe der NATO mit bis zu 40.000 Soldat*innen aktiviert.
Am 24. Februar verkündete das Verteidigungsministerium bereits: „Die Bundeswehr ist vorbereitet und erhöht derzeit weiter ihre Bereitschaft. Das bedeutet auch, dass die
„Deutsche Waffen, deutsches Geld…“
Die Initiative „Rheinmetall entwaffnen“ wird auf der Veranstaltung das geplante Camp im September in Kassel vorstellen.
In dieser Ausgabe von queer_gelesen widmen sich Miku Sophie Kühmel und Elisabeth R. Hager dem Thema Familie. Im Fokus stehen Familienkonstruktionen und Wahlverwandtschaften jenseits der cis-heteronormativen Kleinfamilie. Die Autor:innen stellen je drei Romane oder Sachbücher vor, lesen kurze Stellen daraus und gehen ins Gespräch miteinander und mit dem Publikum.
Die ausgewählten Texte kreisen um queere Begegnungen zwischen den Generationen, Mütter, die ihre Kinder neu kennenlernen (dürfen), Töchter*, die sich mit ihren Eltern auseinander setzen, Bücher, die Adoption thematisieren & den Wunsch, keine Kinder zu bekommen. – Eine abendliche Wanderung durch die Beziehungslandschaft jenseits heteronormativer Glücksvorstellungen.
Vorgestellte Titel
Meghan Daum (Hg.): Selfish, Shallow, and Self-Absorbed: Sixteen Writers on the decision not to have kids. Picador, 2015. (engl.)
Bernadine Evaristo: Frau, Mädchen, etc. Tropen, 2021.
Kim Hye-Jin: Die Tochter. Hanser, 2022.
Rudi Nuss: Die Realität kommt. Diaphanes, 2022.
Jayrome Robinet: Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund. Hanser, 2019.
Hanya Yanagihara: Das Leben der Bäume. Hanser, 2019.
Sowie je einen Bonustitel…
Bios:
ELISABETH R. HAGER
ist eine österreichische Schriftstellerin, Klangkünstlerin und Mitarbeiterin der Radiokunst von Dlf Kultur. Ihr Romandebüt Kometen erschien 2012 im Milena Verlag. Ihr Roman Fünf Tage im Mai (2019, Klett-Cotta) wurde mit dem Hilde-Zach-Literaturpreis der Stadt Innsbruck ausgezeichnet und stand auf der Shortlist zum Literaturpreis Alpha. Im Sommer 2022 erscheint bei Klett-Cotta der Roman Der tanzende Berg.
MIKU SOPHIE KÜHMEL
ist freie Schriftstellerin und produziert verschiedene Podcast-Formate. Nach dem Studium in Berlin und New York, sowie Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften, erschien 2019 ihr Debütroman Kintsugi bei S.Fischer. Er war auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und wurde sowohl mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2019, als auch dem aspekte-Literaturpreis 2019 ausgezeichnet. Sie erhielt unter anderem Stipendien des Alfred Döblin-Hauses der Akademie der Künste, des Künstlerhofes Schreyahn und der Stadt Gotha. Im August 2022 erscheint ihr zweiter Roman Triskele.
Mitschnitt der Tagung/Konferenz >>Häuserkampf ist Frauen*kampf
Schriftstellerinnen im Exil
Viele von ihnen fanden nach 1933 Zuflucht in Großbritannien: deutschsprachige und vorwiegend jüdische Schriftstellerinnen wie Veza Canetti, Hilde Spiel, Gabriele Tergit und Charlotte Wolff. Sie kamen anfangs aus Deutschland, später auch aus der Tschechoslowakei und aus Österreich. Einige von ihnen waren bereits berühmt, andere standen erst am Anfang einer möglichen – aber jäh abgebrochenen – Karriere oder fingen erst im Exil zu schreiben an.
Doris Hermanns widmet sich in ihrem Buch den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Autorinnen im britischen Exil zwischen 1933 und 1945 und entdeckt dabei auch Autorinnen, die von der Literaturgeschichte ignoriert werden, weil sie ihre Bücher auf Englisch schrieben. Sie fragt nach der Rolle von Herkunft und Sprache für das Leben im Exil und für die Identität als Schriftstellerin, beleuchtet Netzwerke und Veröffentlichungsmöglichkeiten und gibt aufschlussreiche Einblicke in historische und soziale Zusammenhänge. Sie zeigt, dass der Kreis gar nicht so klein war, wie man vermuten könnte, und macht deutlich, wie aktuell diese Fragestellungen immer noch und wieder sind.
Schriftstellerinnen im britischen Exil:
Veza Canetti
Lesung im Rahmen der Linken Buchtage
KollegInnen aus den Krankenhäusern, GewerkschafterInnen und Mitglieder der Bündnisse gegen die Profite mit der Gesundheit berichten aus ihren Arbeitsbereichen. Sie geben einen tiefen Einblick in haarsträubende Zustände, zu denen die Unterwerfung des Gesundheitswesens unter die Marktzwänge geführt hat. Personalnot, Lohndumping, Tempozwang und Operationenwettlauf schnüren der Gesundheit von Personal und Patienten die Luft ab. Zentraler Hebel zur Durchsetzung des ökonomischen Drucks ist die Finanzierung über Fallpauschalen. Corona hat uns die Zustände in den Krankenhäusern wie unter einer Lupe gezeigt.
Veranstaltungsaufzeichnung im Rahmen der Linken Buchtage
Innerhalb der politischen Linken hier und anderswo tobt ein Streit:
Welche Position soll sie gegenüber China und der dortigen Kommunistischen Partei einnehmen? Ist das Land noch auf dem Weg in den Sozialismus? Herrscht dort Kapitalismus?
Wird dieser von der Partei kontrolliert? Ist die Partei bzw. China ein Bollwerk gegen den US-amerikanischen Imperialismus? Oder ist China selbst imperialistisch? Was ist mit der linken Opposition im Land?
Wie soll die Linke woanders auf die Unterdrückung linker Aktivist*innen, Feministinnen und Arbeiter*innenkämpfe in China reagieren? Oder sollten sich Aktivist*innen außerhalb Chinas etwa heraushalten?
Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt #2
Ist es zulässig, Israel und den Zionismus – einschließlich der mehr als 50 Jahre währenden Besatzungsherrschaft im Westjordanland – als »kolonialistisch« zu bezeichnen und die Besatzungsherrschaft zur »Apartheid« und damit für rassistisch zu erklären?
Tut uns leid, die Audioqualität ist zu Beginn eher mäßig, das ändert sich jedoch nach Minute 1:05 und wird dann erträglicher. Wir geloben Besserung für die nächsten Audios.
Bereits vor der Pariser Kommune 1871 entwickelten sich in Städten wie Lyon, Marseille oder Le Creusot aufständische Bewegungen. Auch in etlichen anderen Orten kam es zu Erhebungen und wurden »Kommunen« ausgerufen. »Die Kommunen vor der Kommune 1870/71« spürt den emanzipatorischen Praktiken der Kämpfe in der französischen Provinz ebenso nach wie den Aufständen in den Kolonien und den Kämpfen migrantischer Arbeiter*innen. Das Buch weitet den Blick von unten und zeichnet ein tieferes und genaueres Bild der Klassenkämpfe des 19. Jahrhunderts.
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