Die Rangerin, die nur Spanisch spricht, hält das Teppichmesser an den Arm meines Mannes und deutet mit einer Bewegung an, dass wir den auch abschneiden könnten. Währenddessen biegt ihr Kollege einen stabilen Pappkarton zurecht. Dann lachen wir. Wir sind mitten in den Anden, am Hirsch der Welt, kein Handysignal – und fünf Tage lang mit Zelt und Rucksack trekken, auf dem W Trek im Torres del Paine National Park in Patagonien. Jetzt auch mit gebrochenem Arm.
Der W Trek gehört zu den großen Fernwanderwegen in Patagonien. 70 Kilometer, insgesamt ungefähr 3.000 Höhenmeter, Winde seitwärts in Orkanstärke, Granittürme, türkise Seen, rote Blumen, Gletscherzähne, Eisberge, knorrige Wälder und Verzweiflung immer ganz dicht neben Verzauberung.
Diese Geschichte erzählt, wie wir Stürzen, blauen Augen, Nierensteinen, Stürmen, Hitze, Füchsen und einem monumentalen Anstieg über einen Geröllhang die Stirn geboten haben. Wie wir durch eine der schönsten Landschaften der Welt gewandert sind und einige Tage in ihr leben durften. Wie uns diese Erfahrung an unsere Grenzen und darüber hinausgetragen hat – und wir nicht als dieselben Personen zurückgekommen sind.