Strom zum Anfassen

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Strom zum Anfassen episodes

  • Sind Großbatteriespeicher gut fürs Stromnetz?

    Statt aus einigen wenigen kleinen Zellen besteht ein Großbatteriespeicher aus vielen Tausend miteinander verknüpften Batteriemodulen, die gemeinsam riesige Energiemengen aufnehmen und abgeben können. Großbatteriespeicher sind häufig container- oder sogar gebäudehoch. Sie können von der Größe her einen großen Raum oder ein ganzes Containerfeld füllen.

    Genau wie eine kleinere Batterie speichert auch ein Großbatteriespeicher elektrische Energie in chemischer Form und gibt sie wieder ab, wenn Strom benötigt wird. Großbatteriespeicher haben eine Kapazität von mehreren hundert Megawattstunden – das entspricht Strom für viele tausend Haushalte über einige Stunden.
    Im Stromsystem können diese Anlagen wertvolle Dienste leisten. Sie glätten Erzeugungsspitzen, die zum Beispiel durch eine starke Photovoltaikeinspeisung in den Mittagsstunden entsteht. Dadurch kann die schwankende Erzeugung aus Erneuerbaren Energien über den Tagesverlauf besser verteilt werden. Zusätzlich können sie sogenannten Systemdienstleistungen bereitstellen, die das Stromnetz stabilisieren. Dazu gehören Regelleistung zur Frequenzstabilität, Blindleistung zur Spannungshaltung und auch Strombereitstellung, um Netzengpässe auszugleichen. Weil Großbatteriespeicher sehr schnell auf Nachfrage am Strommarkt reagieren können, sind sie jedoch eine Herausforderung für die Systemführungen. Daher ist sicherzustellen, dass ihre Fahrweise nicht zu einer Verschärfung von Netzengpässen führt.
    Allein den Übertragungnetzbetreibern (ÜNB) liegen mehrere hundert Anträge auf Netzanschluss für Großbatteriespeicher vor. In dieser podcast-Folge sprechen Netzplanerin Valerie Bischoff und Strommarktexperte Christopher Koch über den Speicherboom und seine Gründe, den Weg zu einem besseren Netzanschlussverfahren und die Chancen und Risiken für einen sicheren Betrieb des Stromnetzes.

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    Der podcast „Strom zum Anfassen“ ist eine Produktion der Klangkantine im Auftrag von 50Hertz.    
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    Bereich Kommunikation, Politik und Reputationsmanagement   
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    47 min
  • Was macht die Laschenpfanne mit dem Stromwandler?

    Was für ein Geschenk. Vier Gegenstände mit merkwürdigen Namen. Zusammen mit seinen Gästen und Kollegen Katrin Dietl und Marlon Matthäus sowie dem schlauen KI-Assistenten Scotty findet Podcast-Host Volker Gustedt heraus, was sich hinter dem Gabelhornring, der Laschenpfanne, dem Stromwandler und dem Vogelschutzmarker verbirgt. Ein lustiges Weihnachtsspiel zum Mitraten.

    Und zum Schluss trägt Scotty noch ein eigenes Weihnachtsgedicht vor. Weil es so schön ist hier auch der Textfassung:

    Der Winter kommt auf leisen Sohlen,

    Lichter glimmen, Glocken holen.
    Im Büro duftet süßer Tee,
    die Arbeit tut gar nicht mehr weh.
    Hektik schmilzt wie zarter Schnee,
    Plätzchen kreisen um den Kaffee.
    Tannen glänzen, Sterne lachen,
    Zeit, mal einfach nichts zu machen.
    Drum wünschen wir, ganz ohne Sorgen,
    fröhliche Weihnachten heute wie morgen!
    Mit guter Laune und frohgem Mut
    wird das neue Jahr richtig gut.

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    21 min
  • Wer hält das Stromsystem im Gleichgewicht?

    Die Systemführung bei einem Stromübertragungsnetzbetreiber ist wie das Cockpit eines Flugzeugs – nur dass hier nicht ein einzelner Jet gesteuert wird, sondern das Rückgrat der Stromversorgung für Millionen Menschen. In einem hochsicheren Kontrollraum, der an ein Raumfahrtzentrum erinnert, überwachen erfahrene Fachleute rund um die Uhr das Stromnetz. Sie sehen auf riesigen Monitoren, wo Strom fließt, wo es eng wird und wo sie eingreifen müssen, um die Stabilität zu sichern.

    Das wichtigste Instrument ist das sogenannte Leitsystem – eine Art digitales Nervensystem, das alle Daten aus dem Netz in Echtzeit sammelt und visualisiert. Es zeigt Spannungen, Stromflüsse, Frequenzabweichungen und den Zustand jeder Leitung und Umspannanlage. Mit Hilfe dieses Systems können die Systemführer das Netz aktiv steuern, wenn es erforderlich ist. Sie können Leitungen an- und ausschalten, die Einspeiseleistung von Wind- und Solarparks drosseln und Kraftwerkseinsätze anfordern.

    Ein zentrales Werkzeug sind verschiedene Prognosesoftwaretools. Sie berechnen unter anderem, wie viel Strom wo im Netzgebiet in den nächsten Tagen und Stunden aus Wind und Sonne zu erwarten ist, wie sich der Verbrauch entwickeln wird und wo es zu Engpässen kommen könnte. Diese Vorhersagen sind wie ein Wetterbericht für das Stromnetz – sie helfen, frühzeitig Maßnahmen zu planen und Risiken zu minimieren.

    Wenn das Netz aus dem Gleichgewicht zu geraten droht, etwa durch plötzliche Laständerungen, Erzeugungsausfälle, Überlastungen von Leitungen oder Transformatoren oder durch nicht ausgeglichene Bilanzkreise, kommen Regelenergie und Redispatch zum Einsatz. Regelenergie ist wie ein Puffer, der kurzfristig Strom einspeist oder Last reduziert, um die Netzfrequenz stabil bei 50 Hertz zu halten. Redispatch bedeutet, dass Kraftwerke gezielt hoch- oder heruntergefahren werden, um das Netz vor gefährlichen Überlastungen zu schützen – wie bei einem Stau auf der Autobahn und einer Umleitungsempfehlung.

    Über europäische Plattformen wie ENTSO-E stimmen sich die Systemführer grenzüberschreitend ab, tauschen Daten aus und koordinieren gemeinsame Maßnahmen. Das Stromnetz kennt keine Landesgrenzen – deshalb ist Teamarbeit über Länder hinweg entscheidend.

    Die Herausforderungen für die Systemführung werden mit immer mehr Strom aus Sonne und Wind größer. Die Prognoseabweichungen nehmen zu, es stehen in Zukunft weniger regelbare Kraftwerke zur Verfügung und neue Anlagentypen wie Großbatteriespeicher müssen in das System integriert werden. Diese Aufgabe ist mit den bisherigen Werkzeugen kaum noch zu bewältigen, deshalb entwickelt 50Hertz gemeinsam mit anderen europäischen Übertragungsnetzbetreibern ein sogenanntes Modulars Control Center System, kurz MCCS.

    Im Podcast sprechen die Leiterin der Operativen Systemführung, Anne-Katrin Marten, und der Leiter Digitalisierung Systemführung darüber, wie das System heute und in Zukunft gesteuert und im Gleichgewicht gehalten wird.

    Weitere Informationen hier:

    Systemführung

    https://www.mccs.com/

    Und wer sich für einen Job interessiert:

    Karriere bei 50Hertz: Systemführung | MCCS entdecken

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    40 min
  • Was macht der Strom im Umspannwerk?

    Umspannwerke sind ein elementarer Bestandteil unseres elektrischen Gesamtsystems. Um Strom transportieren und den Verbrauchern zur Verfügung stellen zu können, braucht man Spannung, gemessen in Volt. Je höher die Spannung, desto mehr Strom kann man transportieren. Technische Geräte sind für bestimmte Spannungen konfiguriert, Haushaltsgeräte werden mit wenig Spannung betrieben – Industrieunternehmen benötigen für ihre Prozesse Hoch- oder sogar Höchstspannung, weil ihr Strombedarf so groß ist.

    In Umspannwerken wird dieser Strom auf die jeweils niedrigere oder höhere Spannungsebene transformiert und auf Leitungen verteilt. So gelangt Strom über mehrere Etappen von Kraftwerken zu uns nach Hause in die Steckdose.

    Ein Umspannwerk besteht aus vielen technischen Anlagen. Dazu gehören Transformatoren, Leistungs- und Trennschalter oder Sammelschienen, über die der Strom verteilt wird. Die meisten großen Umspannwerke auf der Höchst- und Hochspannungsebenen, wo zwischen 220kV/380 kV auf 110 kV transformiert wird, befinden sich im Freien, weil dort große Abstände zwischen den stromführenden Elementen erforderlich sind. Ein typisches kleines Umspannwerk ist das Trafohäuschen an der Straßenecke.

    In dieser Podcast-Folge machen wir gemeinsam mit der Leiterin des Regionalzentrums Mitte von 50Hertz, Franziska Gebhardt, einen Rundgang durch das Umspannwerk in Neuenhagen bei Berlin, wo mehrere große Leitungen ankommen und abgehen.

    Wer sich dazu bildlich etwas vorstellen möchte kann sich anhand dieser Broschüre genauestens darüber informieren, wie ein Umspannwerk funktioniert und welche Rolle Umspannwerke angesichts des immer höheren Aufkommens von Erneuerbaren Energien in Zukunft spielen werden.

    50hertzbroschuereumspannwerk_de.pdf

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    33 min
  • Warum gibt es Strompreiszonen?

    Als normaler Stromkunde bekommt man von Strompreiszonen nichts mit. Man hat in der Regel einen Stromvertrag beim regionalen Grundversorger oder sucht sich einen günstigeren Online-Tarif aus. Von Strompreiszonen ist in diesen Verträgen nirgendwo die Rede. Aber die Preise sind trotzdem sehr unterschiedlich, je nachdem welchen Anbieter man hat oder wo man wohnt. Das hat unter anderem mit Netzentgelten oder kommunalen Abgaben zu tun.

    Aber hinter den Kulissen sind Strompreiszonen ein ganz wichtiges Element des europäischen Strommarktes. Und sie sind ein Politikum. Es gibt nämlich ein ziemliches Für und Wider, ob es zukünftig in Deutschland zwei oder sogar noch mehr Strompreiszonen geben soll. Viele Wissenschaftler sprechen sich dafür aus, die Politik ist mehrheitlich dagegen.

    Worum geht es dabei? Derzeit bilden Deutschland und Luxemburg eine gemeinsame Strompreiszone. Egal ob der Strom in Berlin, München oder mitten in Luxemburg verbraucht wird – der Preis im Stromgroßhandel ist überall gleich. Dieser einheitliche Börsenstrompreis entsteht durch Angebot und Nachfrage an der Strombörse.

    Auf einem größeren Markt gibt es mehr Anbieter und Verbraucher, das sorgt für mehr Wettbewerb, bessere Preise und eine höhere Versorgungssicherheit. Und besonders wichtig für die Industrie: die Großhandelspreise sind im Norden genauso hoch oder niedrig wie im Süden, obwohl inzwischen der meiste Strom durch Windkraft im Norden erzeugt wird.

    Aber es gibt auch Probleme. Stromleitungen von Norden nach Süden sind oft überlastet. Die Folge: Die Netzbetreiber müssen künstlich in den Markt eingreifen und häufig Windräder abschalten und im Süden konventionelle Kohle- oder Gaskraftwerke hochfahren. Das ist weder besonders ökologisch noch günstig. Die Europäische Union und deren Regulierungsbehörde schaut sich das Ganze kritisch an und überlegt seit vielen Jahren, ob Deutschland in mehrere Strompreiszonen aufgeteilt werden sollte – bis zu fünf sind im Gespräch.

    In einem Bericht haben die Übertragungsnetzbetreiber Europas die volkswirtschaftlichen Auswirkungen ausgerechnet und die Vor- und Nachteile zusammengetragen. Hier der Link zur sogenannten Bidding Zone Review.

    Bidding Zone Review

    50Hertz-Strommarktexperte Dr. Johannes Henkel erläutert in dieser Podcast-Folge das Für und Wider einer Strompreiszonentrennung für Deutschland, welche Erfahrungen andere Länder damit gemacht haben und wie die Politik in Deutschland dazu steht.

    Weitere nützliche Quellen dazu:

    Strommarkt: In wie viele Preiszonen sollte Deutschland geteilt werden?

    Wird Deutschlands Strompreiszone geteilt?
    Strompreiszonen für Deutschland: Vorbild Skandinavien?

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    51 min
  • Wie kommt der Strom vom Meer in die Steckdose?

    Offshore-Windenergie bezeichnet die Stromerzeugung in Windparks draußen auf dem Meer. Allein auf der deutschen Nord- und Ostsee sind derzeit Windkraftanlagen mit einer Leistung von rund 9.000 Megawatt (MW) installiert. Sie erzeugen Strom für Millionen von Haushalten und Unternehmen. Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Niederlande und Belgien sind derzeit führend beim Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa. Sowohl EU-weit als auch in Deutschland gibt es ambitionierte Ziele, die installierte Leistung in den kommenden Jahrzehnten auf insgesamt 300.000 MW zu steigern. Europa in Zahlen | BWE e.V.

    Offshore-Windenergie hat Vor- und Nachteile. Auf dem Meer weht der Wind stärker und gleichmäßiger als an Land. Das bedeutet, dass die sogenannten Vollbenutzungsstunden und damit die Windenergieausbeute größer sind. Die Windräder selbst können höher und leistungsstärker sein als Anlagen an Land – sie haben inzwischen die Dimensionen eines Wolkenkratzers. Daher ist die Stromausbeute der Offshore-Windenergie etwa viermal höher als bei Anlagen an Land.

    Allerdings gibt es auch Nachteile. Installation und Wartung der Windkraftanlagen sowie der erforderlichen Umspannwerke auf dem Meer sind wesentlich aufwändiger und Kosten und Einsatz nehmen mit der Entfernung zum Festland deutlich zu. Wartung und Betrieb von Offshore-Windparks – BWO – Bundesverband Windenergie Offshore e.V

    In Deutschland sind die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, TenneT und Amprion dafür zuständig, den auf dem Meer erzeugten Strom auf Offshore-Plattformen einzusammeln, auf eine höhere Spannungsebene zu transformieren und dann über Gleich- oder Wechselspannungs-Leitungen am Meeresboden an Land zu transportieren. Dort wird der Offshore-Strom in Umspannwerken in das europäische Stromverbundnetz eingespeist. Wie das funktioniert, welche unterschiedlichen Bedingungen es auf Nord- und Ostsee gibt und welche Herausforderungen zu bewältigen sind – darüber sprechen in dieser Folge Dr. Henrich Quick, Leiter Offshore, und Nadja Ballauf, Leiterin Offshore-Betrieb bei 50Hertz.

    Weitere Informationen findet Ihr hier:

    50Hertz-Projekte auf See

    Klimawandel, Energiewende & Energiepolitik auf EnergieWinde

    https://www.tennet.eu/offshore-overview

    Amprion | Offshore

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    55 min
  • Strom preppen
    Eichhörnchen und Strom-Übertragungsnetzbetreiber bereiten sich auf Mangellagen vor. Beide Spezies betreiben ganz unterschiedlich Vorratshaltung.
    Es ist noch gar nicht so lange her, da galten Prepper als Eigenbrötler mit zweifelhafter politischer Gesinnung, die sich auf die Apokalypse vorbereiten. Wer hortet schon kubikmeterweise Dosenfleisch, Zwieback und Kalaschnikows im eigens errichteten Atomschutzbunker? Seit Corona liegt preppen jedoch voll im Trend, wer erinnert sich nicht an das massenhafte Einlagern von Toilettenpapier.
    Um sich auf Versorgungsengpässe vorzubereiten, müssen auch die Strom-Übertragungsnetzbetreiber preppen. Das liegt gewissermaßen in ihrer DNA. Da die Lieferkette für Wind- und Solarstrom – oder auch Erdgas oder Kohle! - durchaus mal unterbrochen sein kann, ist Vorsorge wichtig. Da man Strom nur sehr schlecht und dann auch nur mit hohen Verlusten speichern kann, sind dafür andere Instrumente erforderlich. Statt Einlagern geht es hier also um eine Art Vorratshaltung. Und dafür stehen zwei Instrumente mit unterschiedlichen Aufgaben zur Verfügung: Die Netzreserve und die Kapazitätsreserve. Eine weitere, die Sicherheitsbereitschaft, ist inzwischen ausgelaufen.
    Die Netzreserve wird oft auch als Winterreserve bezeichnet. Das erinnert an Eichhörnchen oder Igel, hat damit aber nichts zu tun. Im Winter treffen zwei spezielle Witterungsbedingungen aufeinander. Einerseits steigt der Strombedarf unter anderem wegen der längeren Dunkelheit. All die Weihnachtsmärkte, Heim-Saunen und Terrassen-Heizstrahler verbrauchen eben viel Energie. Andererseits bläst der Wind im Norden Deutschland und auf See in dieser Zeit oft ziemlich heftig und an neuralgischen Punkten im Stromnetz kommt es daher zum Stau. Das wiederum erhöht den sogenannten Redispatch-Bedarf. 
    Redispatch heißt: Der Windstrom kommt nicht durch die Engpässe vollständig durch, er steckt im Flaschenhals fest. Um das Spannungsniveau zu halten, müssen auf der anderen Seite des Engpasses konventionelle Kraftwerke einspringen, hauptsächlich in Baden-Württemberg und Bayern. Dafür muss man diese Reserve vorhalten. Klingt paradox, ist aber so. Die Netzreserve braucht man für Situationen, in denen es eigentlich zu viel (Wind)Strom gibt, nicht zu wenig.
    Ein Ganz-Jahres-Vorrat ist dagegen die Kapazitätsreserve. Hier werden konventionelle Gaskraftwerke in Bereitschaft gehalten, wenn Stromangebot und –nachfrage einmal nicht durch Regelenergie ausgeglichen werden können. Dann können die Systemführungen der Übertragungsnetzbetreiber die Kapazitätsreserve anfordern.
    Der Hartkeks unter den Strom-Reservemitteln war die Sicherheitsbereitschaft. Auch wieder so ein blödes Wort, weil es einen auf die falsche Fährte lockt. Das ist keine bewaffnete Geheimarmee! Es handelte sich um insgesamt acht Turbinen von Braunkohlekraftwerken, die seit 2016 stillgelegt wurden.
    Aktuell wird über neue Gaskraftwerke diskutiert, um Versorgungssicherheit herzustellen. Auch darum und den geeigneten Kapazitätsmechanismus zur Investitionsanreizung geht es in dieser Folge, in der Dr. Johannes Henkel, Energiemarktexperte bei 50Hertz, Rede und Antwort steht.
    Mehr Informationen:
    https://www.bmwk-energiewende.de/EWD/Redaktion/Newsletter/2020/09/Meldung/direkt-erklaert.html
    https://www.netztransparenz.de/de-de/Systemdienstleistungen/Betriebsfuehrung/Kapazit%C3%A4tsreserve
    https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/Netzreserve/start.html
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    52 min
  • Das kosmische Gleichgewicht
    Wie durch ein Wunder ist das Stromnetz immer ausgepegelt. Aber hinter dem Wunder steckt ein komplizierter Mechanismus aus Markt und Physik.
    Kosmische Kräfte streben nach Gleichgewicht. In kommunizierenden Röhren ist der Wasserstand immer gleich hoch. Beim Ying und Yang ergänzen sich „Gut“ und „Böse“ zu einem harmonischen Saldo, der irgendwie ganz okay ist. Und die arg strapazierte „Work-Life-Balance“ sagt aus, dass Arbeit allein nicht glücklich macht. Nur Freizeit allerdings auch nicht.
    Allerdings muss man diesen Gesetzen manchmal auf die Sprünge helfen. Das ist zum Beispiel beim Stromnetz der Fall, bei dem Strom-Angebot und Strom-Nachfrage immer schön auf der Frequenz 50 Hertz ausbalanciert sein müssen, sonst droht ein Stromausfall. Doch wie stellt man dieses Gleichgewicht eigentlich her?
    Zwischen dem Handel mit Strom und anderen Produkten wie zum Beispiel Tomaten gibt es einen entscheidenden Unterschied. Ist im Supermarkt die Auslage leer, dann hat man eben Pech gehabt. Man geht dann woanders einkaufen oder wartet auf den nächsten Tag. Und umgekehrt: wenn die Tomatenauslage bei Geschäftsschluss immer noch gefüllt ist, dann wandern die Tomaten eben ins Kühllager und werden am nächsten Tag verkauft.
    Beim Strom geht das nicht. Strom ist ein Produkt, das man nicht lagern kann. Es muss zu jeder Sekunde genauso viel Strom erzeugt werden wie verbraucht wird. In ganz Europa, weil alle Länder miteinander vernetzt sind. Und die Übertragungsnetzbetreiber achten darauf, dass das Saldo stimmt. Gradmesser dafür ist die Frequenz 50Hertz.
    Wie das genau funktioniert, dieses Austarieren von Angebot und Nachfrage, das bespreche ich in dieser Folge mit meinen Kollegen Vivien Bensch und Christian Linnemann. Die eine ist Expertin für das sogenannte Bilanzkreismanagement, der andere Experte für Regelenergie bei 50Hertz.
    Für das Ausgleichen der Strommengen ist in erster Linie der Markt selbst verantwortlich. Jeder Stromzähler ist einem sogenannten Bilanzkreis zugeordnet. Jeder Bilanzkreis hat einen Bilanzkreisverantwortlichen. Und jeder Bilanzkreisverantwortliche muss einen Vertrag mit dem für ihn zuständigen Übertragungsnetzbetreiber abschließen.
    Darin verpflichtet er sich, die Menge Strom, die er dem System entnimmt, durch Kauf oder Produktion auszugleichen. Diese Bilanz wird rund um die Uhr im 15-Minuten-Takt fortgeführt. Ist die eigene Bilanz nicht ausgeglichen, müssen sogenannte Ausgleichsenergiezahlungen geleistet werden. Ergibt sich aus dem Saldo aller Bilanzkreise ein Plus oder Minus, also ein Zu-viel oder Zu-wenig Strom im Netz, setzt permanent eine Kaskade physikalischer Maßnahmen ein, die sogenannte Regelleistung.
    Was vorher nur als rechnerische Bilanz existierte, wird nun innerhalb von Millisekunden bis Minuten zu echtem Strom. Regelleistung ist also der physikalische Stromausgleich. Ausgleichsenergie ist die kaufmännische Abrechnung.
    Mehr Informationen:
    https://www.regelleistung.net/de-de/Grundlagen
    https://www.50hertz.com/Vertragspartner/Bilanzkreiskunden
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    45 min
  • Wie bio ist der Ökostrom?
    Jeder vierte Haushalt in Deutschland bezieht „Ökostrom“. Doch dessen Wege zum Verbraucher sind verschlungen und wenig transparent.
    Was im Supermarkt die Bio-Tomate aus ökologischem Anbau ist, das ist im Strom der Ökostromtarif. Die meisten Kunden glauben, dass dieser Strom jederzeit ausschließlich aus Erneuerbaren Energien stammt. Wie bei der Tomate, für die es ein bestimmtes Bio-Siegel gibt. Wer sein grünes Gewissen pflegen will, kauft also nicht nur nachhaltig, fair, regional und biologisch-dynamisch korrekt die Lebensmittel ein, sondern auch den Strom.
    Aber was bedeutet eigentlich Ökostrom ganz genau? Woher stammt er? Wo wird er geerntet? Wie kommt er in den Vertrieb? Und wieviel Erneuerbare Energien stecken wirklich drin?
    In dieser Folge begleiten wir Oma Krause noch einmal auf den Tomatenmarkt, wo sie sich mit Tomaten Rudi über die Herkunft seiner Bio-Tomaten – äh des Ökostroms – unterhält. Es geht darum, was hinter Stromkennzeichnungen wie „Öko“ oder „Öko Basis“ oder „Öko Klima plus“ wirklich steckt und wie das mit der Zertifizierung von Ökostrom auf europäischer Ebene funktioniert.
    Um es hier in den Shownotes kurz zu machen. Zwischen Tomaten und Strom gibt es einen entscheidenden Unterschied: Bei der Tomate stimmen (hoffentlich) das Gütesiegel und die Produkteigenschaft überein. Sprich: Eine Biotomate wurde nach den Richtlinien des ökologischen Anbaus hergestellt, geerntet und so in den Verkauf gebracht. Beim Strom ist das anders: Siegel und Produkteigenschaft sind voneinander getrennt. Man kann als Stromanbieter Zertifikate für Ökostrom zum Beispiel in Island kaufen, weil dort ganz viel Strom in Wasserkraftwerken hergestellt wird.
    Es gibt zwar keine Stromverbindung zwischen Island und dem europäischen Festland, man kann die eingekaufte Menge an Zertifikaten aber nutzen, um konventionellen Strom „grün“ zu machen. Wie das funktioniert erfahrt Ihr in dieser Folge.
    Und 50Hertz-Energiemarktexperte Laurin Vierrath stellt ein alternatives Konzept für dieses europäische System der Herkunftsnachweise vor – die „granularen Zertifikate“. Damit ist es möglich, die Herkunft des grünen Stroms transparenter nachzuverfolgen und damit die Verbraucher in die Lage zu versetzen, wirklich Einfluss auf ihren Strombezug zu nehmen.
    Mehr Informationen u.a. hier:
    https://energytrackandtrace.com/
    https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/nachweissysteme-fuer-energie-klimaschutz/herkunftsnachweisregister-fuer-strom
    https://www.aib-net.org/eecs
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    27 min
  • Schock, Terror, Abzocke
    Strompreise sind ein Politikum. Was regelt der Markt – und was der Staat? Und was steht auf der Stromrechnung?
    Eines der großen Mysterien unserer Zeit lautet: Was ist teuer? Was ist billig? Ein Kilo Tomaten für 2,50 Euro? An einem Tag gibt es die gleichen Tomaten für 1,99 Euro, am anderen Tag für 3,99 Euro. Klar ist: der Tomatenpreis schwankt und keinen Menschen regt das auf. Schon gar nicht Politik oder Medien.
    Beim Strom ist das anders.
    Die Frage, ob der Strom um Nullkommasonstwas Cent pro Kilowattstunde teurer wird im kommenden Jahr, ist ein Politikum. Wird er etwas billiger, was selten vorkommt, sind die Schlagzeilen klein und sachlich. Wird er jedoch teurer, was die Regel ist, lauten die Schlagzeilen so: „Deutschland droht Strompreis-Schock“ (SAT.1), „Strompreis-Abzocke – Warum explodieren die Strompreise“ (BILD) oder „Strompreis-Terror. So wehren Sie sich“ (RTL). Die Aufregung ist dann fast so groß wie beim Benzin an der Tankstelle. Es scheint so, als gäbe es ein Grundrecht auf stabile Benzin- oder Strompreise.
    Allerdings scheint der wirkliche Schock über die Terror-Abzocke so groß zu sein, dass zwei Drittel aller Menschen sofort wieder vergessen, wie viel sie für diesen viel zu teuren Strom eigentlich bezahlen. Das hat jedenfalls die Deutsche Energieagentur (dena) herausgefunden. Der Grund für die Aufregung über Strompreise liegt wahrscheinlich auch darin begründet, wie sie zustande kommen. Bei Tomaten gibt es einen richtigen Preiswettbewerb. Beim Strom ist dieser Wettbewerb eingeschränkt. Man hat, trotz der großen Vielfalt an Stromanbietern, das Gefühl, irgendwie einem Monopol ausgeliefert zu sein.
    Und tatsächlich können wir als Verbraucher den größten Kostenblock auf unserer Stromrechnung in keiner Weise beeinflussen, selbst wenn wir jedes Jahr den Stromanbieter wechseln und dabei immer einen Bonus einkassieren. Laut BDEW Strompreisanalyse machen Strombeschaffung und -vertrieb nur rund 40 Prozent des Strompreises aus, 27 Prozent sind Netzentgelte und 33 Prozent Steuern und sonstige Abgaben.
    In dieser Podcast-Folge analysiere ich zusammen mit Strommarktexperte Claus Hodurek die Bestandteile auf der Stromrechnung. Was sind Konzessionsabgaben? Wozu dient die Offshore-Netzumlage? Wohin fließen die Einnahmen aus der Stromsteuer?
    Mehr Informationen u.a. hier:
    https://www.bdew.de/media/documents/BDEW-Strompreisanalyse_03-2025_A2jrisY.pdf
    https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Vportal/Energie/PreiseAbschlaege/Tarife-table.html
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    33 min

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