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In dieser Folge geht es tiefer hinein ins Strom- bzw. Tomatenbusiness. Ich spreche mit Catherine Schwarz, die bei 50Hertz im „Front Office“ arbeitet und an den Strombörsen treuhänderisch den Strom verkauft, den hunderttausende von Photovoltaik-Dachanlagen erzeugen und ins Netz einspeisen. Und sie kauft auch Strom an, um Netzverluste auszugleichen, die beim Transport und bei der Umwandlung von Strom entstehen. Das „Front Office“ ist also der Handelsraum für den börslichen Handel mit verschiedenen Stromprodukten.
Auch in dieser Folge vergleichen wir den Strom- mit dem Wochenmarkt, auf dem mit Tomaten gehandelt wird. Und hier schauen wir uns das sogenannte Merit Order Prinzip etwas genauer an, nach dem am Day Ahead Markt geboten und bezuschlagt wird. Unsere fiktive Einkäuferin, Oma Krause, will dort Tomaten ersteigern. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen benötigen zusammen 100 kg. Auf der anderen Seite gibt es verschiedene Bauern, die ihre Tomaten anbieten. Die Ökobauern bieten 50 kg an. Sie sind – man staune – auf diesem speziellen Markt am günstigsten. Ihre Produktionskosten und Gewinne haben sie bereits vorab erhalten, weil sie aufgrund des Öko-Tomaten Gesetzes (ÖTG) für jedes Kilo Tomaten 20 Jahre lang einen staatlich garantierten Preis erhalten. Dieses Geld erhalten sie aus einem Gemeinschaftstopf.
Damit in diesen Topf Geld zurückfließt, werden die Tomaten sehr günstig auf dem Tomatenmarkt angeboten. Der Markt ist sogar durch das ÖTG verpflichtet, diese Tomaten zu verkaufen. Daher sind die Öko-Tomaten konkurrenzlos günstig.
An unserem fiktiven Markttag können die spanischen Gewächshausbauern weitere 30 kg liefern, weil sie mit viel Sonne und in großen Plantagen sehr effizient produzieren. Die Holländer könnten auch 30 kg liefern, aber sie sind heute etwas teurer als die Spanier. Daher werden sie nur 20 kg los. Alle anderen, noch teureren Anbieter, verkaufen heute keine Tomaten, da die Nachfrage nach den 100 kg bereits durch die Öko-Bauern, die Spanier und teilweise die Holländer gedeckt ist. Oma Krause bietet also bei der Versteigerung mit.
Die Auktion wird dann geschlossen, wenn die Nachfrage nach den 100 kg Tomaten gedeckt wird. Wenn die holländischen Tomatenbauern ihre wenigen Tomaten jetzt für beispielweise ein Euro pro Kilo verkauft haben, dann ist das der finale Preis für sämtliche Tomaten. Anders ausgedrückt: Auch die Öko-Bauern und die Spanier, die ihre Tomaten für 20 oder 50 Cent angeboten haben, bekommen ein Euro und machen damit einen sehr guten Gewinn. Die Holländer hingegen werden weder alle Tomaten los, die sie produziert haben, noch erhalten sie eine gute Gewinnmarge. Auf diese Weise werden diejenigen belohnt, die günstig Tomaten produzieren.
Nach diesem Prinzip funktioniert auch der Strommarkt. Dabei spielen die sogenannten „Grenzkosten“ eine entscheidende Rolle bei der Preisbildung. Solar- und Windkraftanlagen haben keine Grenzkosten, weil jede Kilowattstunde ohnehin vergütet wird und es kaum einen Unterschied macht, ob sie nur eine Stunde am Tag Strom erzeugen oder fünf Stunden. Atomkraftwerke haben ebenfalls relativ geringe Grenzkosten. Sie laufen schon sehr lange, die Investitionen sind abgeschrieben, die Brennstoffkosten niedrig und die Kraftwerke sind darauf ausgelegt, kontinuierlich Strom zu liefern.
Bei anderen fossilen Kraftwerken fallen jedoch Grenzkosten in unterschiedlicher Höhe an, weil sie für den Einkauf von Kohle, Erdgas oder Öl – außerdem für CO2-Emissionszertifikate – Geld bezahlen müssen. Und sie brauchen viel Personal zum Betrieb der Kraftwerke. Aus diesen unterschiedlichen Grenzkosten ergibt sich eine bestimmte Reihenfolge, welcher Strom aus welchen Kraftwerken an der Strombörse zum Zuge kommt. Das ist die sogenannte Merit Order – die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken.
Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es u.a. hier:
https://www.50hertz.com/de/Markt
Impressum:
50Hertz Transmission
Strom ist eine Ware, die auf ähnliche Weise gehandelt wird wie Obst, Gemüse, Aktien oder Gold. Allerdings gibt es gravierende Unterschiede. So ist Strom leitungsgebunden und daher an physikalische Rahmenbedingungen wie Frequenz- und Spannungshaltung gekoppelt. Das bedeutet, dass die Lieferkette ungleich komplizierter ist als bei einem Transportweg via Straße, Schiene oder übers Meer.
Um das Phänomen Strommarkt zu illustrieren, schicke ich in dieser Folge eine fiktive „Oma Krause“ auf den Wochenmarkt, um Tomaten zu kaufen. Und zwar nach den Handelsbedingungen, wie sie am Strommarkt üblich sind. Also an den Strombörsen EEX oder EPEX Spot. Da geht es um den OTC-Handel, den Day-Ahead-Handel und den Intraday-Handel und was Tomaten-Rudi damit zu tun hat.
Ich wünsche Euch viel Spaß beim Entdecken der wundersamen Welt des Stroms.
Impressum:
50Hertz Transmission
Am 7. Dezember 1990, also nur wenige Monate nach der deutschen Wiedervereinigung, wurde das sogenannte „Stromeinspeisegesetz“ vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Es war das erste Ökostromeinspeisegesetz der Welt. Zehn Jahre später wurde es abgelöst durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG).
Das Grundprinzip dieser Gesetze geht so: Der Staat bietet Geld, damit Menschen etwas produzieren, was gesellschaftlich sinnvoll ist, sie aber unter normalen Umständen nicht produzieren würden, weil es sich nicht lohnt, es zu produzieren. Dazu ist er zunächst bereit, die Ware zu höheren Preisen staatlich anzukaufen als man beim Wiederverkauf erzielen kann.
Man hofft darauf, dass durch diese Anschubförderung die Produktion der Ware irgendwann so preisgünstig wird, dass sie mit anderen konkurrieren kann und sie die Hilfe nicht mehr brauchen. Dadurch entsteht natürlich ein Loch in der Kasse. Dieses Loch gleicht man aus, indem der Staat bei (fast) allen Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Umlage erhebt.
Das geht eine ganze Weile gut. Aber irgendwann wird’s teuer. Und an diesem Punkt beginnt meine ganz persönliche Geschichte über die Eier und den Sozialismus.
Wer es ernsthaft und ausführlicher wissen will, der wird hier beim Umweltbundesamt fündig.
https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-gesetz#erfolg
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Manchmal habe ich das Gefühl, nur weil man Strom nicht sehen, riechen, hören oder schmecken kann, braucht es besonders viele Paragraphen, um ihn irgendwie in den Griff zu bekommen. Die Flüchtigkeit dieses merkwürdigen Produktes, das nur beim Anlegen einer Spannung zwischen Minus- und Pluspol vorhanden ist, steht in auffälligem Kontrast zur Fülle an Gesetzen, mit dem die Erzeugung, der Transport, der Handel und auch der Verbrauch von Strom geregelt wird.
Energierecht ist heute also fast so wichtig wie die Energie selbst. Doch im Gestrüpp der Richtlinien, Gesetze und Verordnungen kennen sich nur noch Spezialjuristen aus. Die nennen sich dann auch standesgemäß Energierechtler.
Zu Gast in dieser Folge ist Frank Hölzer und er leitet die Rechtsabteilung bei 50Hertz. Mit ihm spreche ich über meine ganz persönliche Top-10-Liste der wichtigsten Gesetze im Energiebereich. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Top 1. Das Energiewirtschaftsgesetz
Top 2. Das Erneuerbare Energien Gesetz
Top 3. Windenergie auf See-Gesetz
Top 4. Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz
Top 5: Energieleitungsausbaugesetz
Top 6: Netzausbaubeschleunigungsgesetz
Top 7: Bundesbedarfsplangesetz
Top 8: Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz
Top 9: Bundesimmissionsschutzgesetz
Top 10: Bundesnaturschutzgesetz
Wer sich ins Thema Energierecht einlesen will, dem empfehlen wir das Standardwerk zum Energierecht aus dem dtv-Verlag. Energierecht - Taschenbuch | dtv Verlag.
https://www.dtv.de/buch/energierecht-53265
Weitere Informationen zum Ausbau der Übertragungsnetze mit dem Status der einzelnen Projekte findet Ihr auf der Seite der Bundesnetzagentur. Ebenfalls viele Informationen beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).
https://www.netzausbau.de/home/de.html
Zu den Vorhaben der einzelnen Übertragungsnetzbetreiber gibt es weitere Informationen auf diesen Internetseiten von 50Hertz und Amprion, TenneT und TransnetBW:
http://www.50hertz.com/
Wer sich für noch mehr Zahlen, Daten, Fakten interessiert, dem empfehle ich die Energy-Charts des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme. www.energy-charts.info.
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Habt Ihr Euch schon mal gefragt, wie ein Stromübertragungsnetz geplant, entwickelt und ausgebaut wird? Wer macht eigentlich die Vorschläge, ob irgendwo eine neue Leitung gebaut oder eine bestehende Leitung verstärkt wird? Wie sieht dieser Prozess aus? Wer kann da alles wann mitreden? Und wer entscheidet am Ende?
Wer sich in das Thema einlesen möchte, hier geht es zum NEP-kompakt, der Kurzform des aktuellen Netzentwicklungsplan Strom 2037/2045 (2023).
Netzentwicklungsplan Strom: https://www.netzentwicklungsplan.de/
Weitere Informationen zum Ausbau der Übertragungsnetze mit dem Status der einzelnen Projekte findet Ihr auf der Seite der Bundesnetzagentur. Ebenfalls viele Informationen beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).
Zu den Vorhaben der einzelnen Übertragungsnetzbetreiber gibt es weitere Informationen auf diesen Internetseiten von 50Hertz und Amprion, TenneT und TransnetBW:
http://www.50hertz.com/
Wer sich für noch mehr Zahlen, Daten, Fakten interessiert, dem empfehle ich die Energy-Charts des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme. www.energy-charts.info.
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Der Kern eines Höchstspannung-Gleichstromkabels besteht aus ganzen Bündeln von Kupferdrähten. Aber das wirklich Besondere an einem solchen Turbo-Kabel ist die Ummantelung, oder auch Isolierung genannt. Wenn die Elektronen durchs Kabel rasen, dann darf sich ihnen kein einziges Fitzelchen in den Weg stellen. Es muss wirklich flutschen. Der kleinste Widerstand würde sofort zum Stau, zu extrem hohen elektrischen Feldstärken, zu Überhitzung und damit im Extremfall zumKabeldurchschlag führen. Oder anders ausgedrückt: zur Explosion.
Um so etwas zu vermeiden, kam der britische Elektroingenieur Sebastian Ziani de Ferranti (1864 –1930) auf die Idee, bei solchen Höchstpannungskabeln kunstvoll gefaltetes und mit Mineralöl durchtränktes Papier als Isolator zu verwenden. Dadurch werden kleinste Unebenheiten ausgeglichen. Aber in einem Ölkabel muss ein konstanter Druck herrschen, was die Sache aufwändig und wartungsabhängig macht. Und umweltfreundlich ist es auch nicht, wenn das Kabel einmal undicht wird. Dann läuft die ganze Ölsoße ins Erdreich -oder bei einem Seekabel -ins Meer.
Bei modernen neuen Erdkabeln besteht die Isolatorschicht dagegen aus einer speziellen Kunststoffmischung, dem sogenannten vernetzten Polyehtylen (VPE). Diese Super-Kunststoffe werden unter Reinraumbedingungen hergestellt, damit keine fremden Stoffe hineingeraten. Sie zeichnen sich unter anderem durch ihre thermodynamische Beständigkeit aus. Ob warm oder kalt, niemals verändern sie gravierendihre isolierenden Eigenschaften.
Solche Kabel werden zum Beispiel benötigt, um Strom von Windparks auf dem Meer an Land zu bringen, als Unterseekabel zwischen zwei Ländern und in Zukunft auch um Gleichstrom aus dem Norden Deutschlands in den Süden zu bringen. Die Bauarbeiten an den ersten „Stromautobahnen“ SuedOstLink, SuedLink und A-Nord haben jetzt begonnen. Mit Schwerlasttransportern Schwerlasttransportern oder Lastschiffen werden tonnenschwere Kabeltrommeln durch halb Deutschland gekarrt.
Aber was sind das eigentlich für Kabel, die in der Erde verlegt werden? Was ist das Besondere daran? Darüber spreche ich mit Maciej Jazgar aus dem Team Kabeltechnik von 50Hertz. Er war jahrelang Entwicklungsingenieur bei einem der führenden Hersteller der Welt, der dänischen Firma NKT mit Werken in Leverkusen und Karlskrona in Schweden. Er verrät, wie es im Inneren eines solchen Hochleistungskabels aussieht und was bei der Installation zu beachten ist.
Weitere Informationen zum Thema Strom und Stromnetze gibt es auf diesen Internetseiten von 50Hertz und den anderen deutschen Übertragungsnetzbetreibern Amprion, TenneT und TransnetBW.
http://www.50hertz.com/
Netzentwicklungsplan Strom : https://www.netzentwicklungsplan.de/
Wer sich für Zahlen, Daten, Fakten interessiert, dem empfehle ich die Energy-Charts des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme.
www.energy-charts.info
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In dieser Folge verlassen wir die elektrotechnischen Grundlagen und begeben uns auf eine Ebene höher - auf die Planungsebene. Jeder weiß inzwischen, dass unsere Stromnetze wegen der Energiewende ausgebaut werden sollen. Und zwar in einem ganz enormen Umfang. Der Grund dafür sind überwiegend die Erneuerbaren Energien. Aber nach welchen Kriterien erfolgt dieser Ausbau der Stromnetze? Wie wird ermittelt, welche Leitung von A nach B erforderlich ist? Und heißt Stromnetzausbau wirklich immer Neubau? Oder gibt es da auch so etwas wie das Auf-Pimpen bestehender Leitungen?
Darüber spreche ich heute mit einem neuen Gast. Es ist Dirk Biermann und er ist der Chief Operations Officer (COO) von 50Hertz. Außerdem geht es um Umspannwerke als wichtige Netzknotenpunkte und deren Rolle für das Gesamtsystem und die zukünftige Bedeutung der verschiedenen Speichersysteme und Speichermedien, um Batterien also und auch Wasserstoff.
Im Mittelpunkt der Folge steht ein aus vier Buchstaben bestehende Abkürzung: NOVA. Sie bedeutet, dass Engpässe in der Stromübertragung auf möglichst effiziente Weise in dieser Reihenfolge beseitigt werden: NetzOptimierung vor NetzVerstärkung vor NetzAusbau.
Ich selbst bin mit diesem Prinzip gewissermaßen aufgewachsen. Wenn ich als Kind vom Bolzplatz mit aufgerissenen Stellen an der Hose oder am Pullover zurückkam, trat das Prinzip O = Optimierung in Kraft. Anstatt bei Karstadt neue Sachen zu kaufen, nahm meine Mutter Nadel und Faden zur Hand und stopfte die kaputten Stellen mit wenigen Stichen. Das sah dann einigermaßen okay aus. Wurde diese Optimierungsmaßnahme jedoch an meine wegen eines grauen Stars fast blinde Oma delegiert, erinnerten die Hosenbeine danach an die Narben im Gesicht des Unholds aus dem Kinofilm „Frankenstein“. Optimierung ist also nicht immer die beste Lösung.
Erst wenn O und V vollständig ausgereizt waren, griff das Prinzip A = Ausbau. Endlich gingen wir zu Karstadt – oder noch besser zu Benetton – und kauften neue Hosen oder Sweatshirts.
Bei Stromleitungen funktioniert das ganz ähnlich. Bevor man mit großem Brimborium für teuer Geld und in einem gefühlt endlosen Genehmigungsverfahren eine ganz neue Stromleitung plant und baut, wird im übertragenen Sinne erst einmal zu Nadel und Faden gegriffen. Man schaut sich also die bestehenden Leitungen und die Systemprozesse an und sucht nach Möglichkeiten, diese so gut es geht weiterzunutzen und trotzdem mehr Strom übertragen zu können. Eine Möglichkeit ist der sogenannte witterungsabhängige Freileitungsbetrieb (WAFB), der bereits in Folge 8 Rechte Masche, linke Masche zur Sprache kam.
Beim V wie Netzverstärkung sind zum Beispiel neue Leiterseile das Pendant zum Lederflicken an der Hose. Oftmals ist es nicht erforderlich, eine ganz neue Leitung zu planen. Stattdessen kann man bestehende 220 kilovolt-Trassen auf Systeme mit 380 kilovolt aufrüsten und dadurch mit mehr Spannung mehr Strom transportieren. Erst wenn all diese Maßnahmen ausgereizt sind, so sieht es der Gesetzgeber vor, kommt A wie Netzausbau dran. Statt einer neuen Hose wie im privaten Beispiel wird dann eine nigelnagelneue Stromleitung geplant, genehmigt und gebaut.
Netzentwicklungsplan Strom : https://www.netzentwicklungsplan.de/
Wer sich für Zahlen, Daten, Fakten interessiert, dem empfehle ich die Energy-Charts des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme: www.energy-charts.info.
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Die Blindleistung ist so etwas wie die kleine Schwester oder der kleine Bruder der sogenannten Wirkleistung - eigentlich unnütz und nervig, aber irgendwie braucht man sie dann doch hin und wieder für allerlei niedere Tätigkeiten.
Über alle Spannungsebenen hinweg gehen in Deutschland rund sechs Prozent der elektrischen Energie beim Transport in den Leitungsnetzen verloren. Und um diese Verluste zu minimieren und dafür zu sorgen, dass möglichst viel Wirkleistung beim Verbraucher mit der richtigen Spannung und Frequenz ankommt, muss man das genau richtige Maß an Blindleistung hinzufügen.
Wie kann man das bloß erklären? Vielleicht sportlich. Jedes Jahr radeln bei der Tour de France über 150 Hochleistungssportler rund 3.500 km kreuz und quer durch Frankreich und benachbarte schöne Regionen. Sie wollen möglichst viele gelbe, grüne und gepunktete Hemden ergattern und am Ende in Paris oben auf dem Siegertreppchen stehen. Wer bummelt, wird vom sogenannten Besenwagen eingesammelt und scheidet aus. Das ist dann totaler Energieverlust.
Damit die Fahrer diese Kraftanstrengung bewältigen können, umschwärmen sie unsichtbare Helferlein. Diese reichen aus fahrenden Autos Bananen, Getränke, Vitaminpillen – früher häufiger auch mal andere Substanzen – und ölen nach jeder Etappe die Ketten, justieren die Schaltungen, optimieren den Reifendruck. Den Fahrern wird also ständig BLINDLEISTUNG hinzugeführt, damit sie WIRKLEISTUNG in die Pedalen bringen, nicht aus dem Tritt geraten (Frequenzhaltung), sprintfähig bleiben (Spannungshaltung) und genug Puste haben. (Energieausgleich). Dabei kommt es auf die richtige Dosierung und die richtigen Präparate und Methoden an. Den Fahrer vor einer Etappe mit Schokoriegeln vollzustopfen ist weniger sinnvoll, als ihm unterwegs zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge Kalorien zuzuführen.
Sie sind eine Art High-End-Servicestationen, an denen nicht nur Nahrung verabreicht und Ketten geölt, sondern gleich die Zahnkränze samt Hinterrad ausgetauscht werden.
Blog: https://www.linkedin.com/pulse/tour-der-blindleister-19-volker-gustedt/
Weitere Informationen zum Thema Strom und Stromnetze gibt es auf diesen Internetseiten von 50Hertz und den anderen deutschen Übertragungsnetzbetreibern Amprion, TenneT und TransnetBW.
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Stellen wir uns das Stromnetz wie eine Badewanne vor. Und zwar ohne Überlauf. Lässt man in die Badewanne unkontrolliert Wasser ein, schwappt es über den Rand. Wohnt man in einem Mehrfamilienhaus zur Miete, sind die Nachbarn von unten nicht gerade erfreut, wenn es durch die Decke tröpfelt. Beim ersten Mal geht das meistens glimpflich ab. Man entschuldigt sich kleinlaut für das Malheur, die Nachbarn heucheln Verständnis, Versicherungsnummern werden ausgetauscht, Handwerker kommen – erledigt.
Wenn das aber regelmäßig passiert, wird’s ungemütlich. Dann stehen auch die Mieter der darunterliegenden Wohnungen erbost auf der Matte. Anwälte werden eingeschaltet und der Vermieter droht mit Kündigung. So ähnlich war das vor einigen Jahren mit der deutschen Stromnetz-Badewanne. Windräder und PV-Anlagen haben nahezu unkontrolliert ihren Strom reingekippt – und unsere europäischen Nachbarn in Polen, Tschechien, Niederlande und Belgien bekamen nasse Füsse. Und das hat eine Kettenreaktion in Gang gesetzt: deren Stromnetzbetreiber haben sich bei ihren Regierungen beschwert, deren Regierungen bei unserer Bundesregierung, die bei der Bundesnetzagentur und die bei den ÜNBs. Am Ende landete der ganze Schlamassel bei der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Tisch, weil die bei irgendeinem EU-Dinnerabend blöd von der Seite angequatscht wurde. Und wenn Mutti böse ist, das kennen wir alle aus unserer Kindheit, dann sollte man besser handeln…
Jetzt könnte man natürlich gegenüber den europäischen Nachbarn einwenden: Was regt Ihr Euch so auf? Ist doch guter Ökostrom, der da kostenlos rüberschwappt. Dieses Argument zieht nur bedingt. Man würde ja auch nicht den Nachbarn von unten sagen: Freut Euch doch über unser Wasser, das direkt in Eure Zahputzbecher tropft. Es ist sehr gutes Wasser. Und wir zahlen sogar die Wasserrechnung. Ihr merkt. So funktioniert das nicht.
Vielleicht fragen Sie sich an dieser Stelle: es kann ja wohl nicht allzu schwer sein, ein Überlaufventil zu installieren? Stimmt - wenn man in die Badewanne Gleichstrom einfüllen würde. Der Gleichstrom ist von seinem Charakter her vollkommen anders als der Wechselstrom. Dem Gleichstrom sagst du: Du fließt jetzt von A nach B durch diese Leitung! Dann schlägt der Gleichstrom die Hacken zusammen und führt den Befehl exakt so aus. Er ist da sehr preußisch-deutsch.
Und jetzt kommt als Lösung für diesen Anarcho-Strom der Phasenschieber ins Spiel. Man nennt ihn auch Phasenschieber-Transformator oder auch Querregel-Transformator. Er funktioniert wie der Türsteher im nächtlichen Clubleben. Der Wechselstrom kommt, wie im Kapitel Generator beschrieben, über drei Leitungen, also drei Phasen sinuswellenförmig im Phasenschieber an. Wenn man jetzt in diese Leitungen solche Querregler einsetzt, dann werden diese Phasen manipuliert und so kann man die Leistung auf den einzelnen Leitungen anders aufteilen, also die Phasen verschieben. Auf diese Weise kann man regulieren, wie viel Strom ins Ausland oder in ein anderes Netzgebiet fließt. So macht es auch der Türsteher, wenn drei Leute vor ihm stehen: „Pass auf Alter. Dein Gesicht gefällt mir nicht. Du bleibst draußen. Dein Kumpel kann rein, steckt sich aber das Hemd in die Hose und Eure Tussi kann schon mal durchgehen.“ Sorry, ist jetzt etwas sexistisch, aber echt Phasenschieber-Realität.
Wie der Phasenschieber das genau macht und warum es noch einen zweiten Typus gibt, den rotierenden Phasenschieber, darüber spreche ich mit Claus Hodurek, der in seiner langen Laufbahn bei 50Hertz und den Vorgängerunternehmen und -betrieben schon viele Stationen durchlaufen hat. Von der Systemführung über den Netzbetrieb bis hin zum Energiemarktexperten.
Blog: https://www.linkedin.com/pulse/muttis-t%25C3%25BCrsteher-17-volker-gustedt/
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Und so geht’s. Notiert zu jeder Aussage, ob sie Eurer Meinung nach falsch oder richtig ist. Die 24 Antworten schickt Ihr an [email protected]. Bitte Namen und Adresse nicht vergessen. Für alle richtigen Einsendungen gibt es den wunderschönen 50Hertz-Wandkalender „Ode an die Freileitung“ mit Fotos, die unsere Kolleginnen und Kollegen aus den Regionalzentren aufgenommen haben. Einsendeschluss ist der Freitag, 13. Dezember 2024.
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