
Sign up to save your podcasts
Or


Die Idee entstand, als Norah Jones in Los Angeles mit Produzent Gregg Wattenberg arbeitete, der bereits mit Legend Songs aufgenommen hatte. „Wir sollten unbedingt etwas zusammen machen“, meinte Wattenberg, und schon war der kreative Funke gezündet. Die Aufnahme im Studio von John Legend wurde mehr als nur ein Arbeitstreffen: Lachen, Musik und gemeinsames Ausprobieren ließen den Song ganz natürlich wachsen.
Musikalisch verneigt sich „Summertime Blue“ vor dem Soul der 70er. Josh Lattanzis Bass, Shawn Peltons feine Drums und ein Streicherarrangement von Dave Eggar und Chuck Palmer schaffen das Fundament, über dem sich die Stimmen von Jones und Legend verweben – intim, warm und zeitlos.
Ein Song, der den Sommer nicht laut feiert, sondern ihn zart in Erinnerung trägt – voller Wärme, Freude und dem Gefühl, dass er in uns nachklingt.
Bereits Anfang des Jahres kam das Solodebüt des Singer/Songwriters Charlie Bereal für Death Row Records heraus. „Walk with the father“ ist ein an Zeitlosigkeit nicht zu toppendes Meisterwerk eines Künstlers, der lange Zeit im Schatten anderer stand. Jetzt darf er selbst glänzen, und wie.
Als Session- und Tour-Gitarrist arbeitete der aus Los Angeles stammende Bereal bereits mit einer Vielzahl an Größen wie Janet Jackson, Mary J. Blige, Diddy, Snoop Dogg, Jay-Z, Beyoncé, Raphael Saadiq und vielen weiteren. Durch seine Vielseitigkeit, von Gospel über Soul bis Hip-Hop, wurde er zu einem der gefragtesten Musiker in der Branche. Mit „Walk with the Father“ präsentiert er einen hocherotischen Soulvibe der 70er Jahre.
Der Albumtitel kommt nicht zufällig. Er ist eine Hommage an seinen verstorbenen Vater, einem Mann mit vielen Rollen: Prediger, Boxer und Vorsitzender der NAACP in Pasadena. In Gesprächen betont Bereal, dass dieses Album der Ausdruck dessen ist, wer er wirklich ist, ganz im Stil und im großen Erbe seines Vaters. Vielleicht ist auch deshalb die Soundästhetik so, wie sie ist.
„Walk With the Father“ ist ein stilvolles, emotionales Debüt, das Charlie Bereals Wurzeln, seine Musikalität und seine persönliche Geschichte kraftvoll verbindet. Aus dem musikalischen Schatten großer Produktionen tritt er als Soul-Künstler hervor, mit charakterstarker Stimme, organischem Sound und fesselnder Stofflichkeit. Es ist das Album, das sein Vater sich gewünscht hätte - und wir auch.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Maloya ist mehr als nur Musik – es ist kultureller Widerstand, spiritueller Ruf und ein Stück Geschichte. Ursprünglich fern von den freudigen Tönen, wie man sie heute kennt, entstand Maloya aus den Rhythmen und Ritualen versklavter Menschen afrikanischer und madagassischer Herkunft. Auf den Plantagen zunächst Teil von Zeremonien, wurde er später Ausdruck von Protest und Identität.
Der Name stammt vom madagassischen maloy aho – „aussprechen“ oder „plaudern“. Unverkennbar ist der hypnotische 6/8-Rhythmus, gespielt auf Trommeln wie der Roulèr, die dem Sound seinen wellenartigen Fluss verleiht – mal wiegend, mal antreibend. Dazu kommen das metallene Kayamb, geschüttelt wie eine Maraca, und die Pikèr, ein Schlagholz. Kein Bling, keine Elektronik – nur rohe Energie, tiefe Emotion und oft improvisiert im Moment.
Über Jahrzehnte wurde Maloya von den französischen Kolonialbehörden als „subversiv“ verboten, zu eng war seine Verbindung zu politischer Unabhängigkeit und kreolischer Selbstbestimmung. Erst in den 1980ern durfte er wieder frei erklingen. Besonders spannend sind jedoch die Jahre 1975–1985, als Maloya sich von seinen Fesseln befreite und zur dominierenden Musik La Réunions wurde. Das englische Label Strut widmete dieser Aufbruchsstimmung die empfehlenswerte Compilation Ote Maloya.
Mitte der 1970er begann eine neue Künstlergeneration, traditionelle Lieder mit poetischen Texten, westlichen, afrikanischen und indischen Instrumenten sowie Jazz-, Funk-, Rock- und Psychedelia-Elementen zu verbinden – und brachte Maloya in die Mitte der Gesellschaft. Heute ist er UNESCO-Welterbe, Symbol kulturellen Überlebens und musikalischer Innovation.
Mit seinem zweiten Studioalbum "Beloved" kehrt der kalifornische R&B Sänger Givēon zurück, eindrucksvoll, verletzlich und musikalisch gereift. Bekannt wurde er durch seine tiefdunkle Baritonstimme und seine bittersüßen Balladen über gescheiterte Beziehungen. Nach dem Grammy nominierten "Give or Take" zeigt er sich nun noch reflektierter, intimer und näher an klassischen Soultraditionen als je zuvor.
Musikalisch verzichtet "Beloved" fast vollständig auf moderne R&B Klischees. Stattdessen dominieren warme Streicher, echte Drums und liebevoll arrangierte, oft nostalgisch anmutende Instrumentals. Givēon zitiert damit bewusst den Sound großer Vorbilder wie Al Green oder Mary J Blige, gleichzeitig bleibt seine Perspektive jedoch zeitgenössisch, ehrlich und persönlich.
Ein herausragender Moment des Albums ist „Twenties“. Der Song trifft einen Nerv bei Hörerinnen und Hörern aller Altersgruppen. Es geht um das Gefühl, Liebe, Zeit und Energie in jemanden investiert zu haben, der es nicht verdient hat, und die Erkenntnis, dass man seine besten Jahre dabei verloren hat. Eine bittere Wahrheit, die vielen aus dem Herzen spricht.
Auch „Rather Be“ bleibt im Gedächtnis. Givēon schildert darin die paradoxe Sehnsucht, lieber in einer ungesunden Beziehung zu bleiben als allein zu sein. Die minimalistische Produktion legt den Fokus ganz auf seine Stimme und den inneren Konflikt, der in jeder Zeile spürbar wird. "Beloved" ist kein lautes Album, aber ein nachhaltiges. Ein Album zum Fühlen und zum Nachdenken.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Geboren 1936 in der Bronx als Sohn puertoricanischer Einwanderer, war Palmieri mehr als nur ein Pianist. Er war ein musikalischer Visionär, ein Brückenbauer zwischen Kulturen, ein Rebell am Klavier. Sein Spiel war nie nur virtuos – es war wuchtig, kompromisslos, voller Energie. Er verband die Rhythmen afrokaribischer Traditionen mit dem Geist des Jazz, mit Funk, mit Soul – und schuf so seinen ganz eigenen Kosmos.
Schon früh war klar: Dieser Mann würde nicht bloß spielen. Er würde formen, verändern, aufbrechen. Während andere die kubanischen Wurzeln des Latin Jazz bewahrten, dekonstruierten Eddie Palmieri und seine legendäre Band Harlem River Drive in den 1960er-Jahren die gängigen Strukturen. Er tauschte glänzende Trompeten gegen donnernde Posaunen. Er verschmolz Clave-Rhythmen mit Jazzharmonien, mit politischem Bewusstsein, mit purer Energie. Seine Musik war nie nur für die Tanzfläche gedacht. Palmieri wollte, dass Menschen spüren, was möglich ist – wenn man Freiheit ernst nimmt.
Sein selbstbetiteltes Album „Harlem River Drive“ von 1971 war nicht nur Musik – es war ein Manifest: Ein urbanes Gebet zwischen Soul, Funk und Latin Jazz, mit Texten über Ungleichheit, Rassismus und Widerstand.
Der Mann, den Fans liebevoll „The Sun of Latin Music“ nannten, war einer der ersten Latin-Musiker, die einen Grammy gewannen – und er sollte viele weitere erhalten. Doch wichtiger als Auszeichnungen war ihm immer die Verbindung: Zu seiner Community, zur Diaspora, zu den spirituellen und musikalischen Traditionen, die seine Kunst durchzogen – Yoruba, Santería, Jazz, Salsa, Soul. Palmieri war ein Suchender. Einer, der sich nie mit dem Bekannten zufriedengab.
In den 70er- und 80er-Jahren wagte er sich an experimentelle Werke wie „Lucumi, Macumba, Voodoo“ und schuf dichte, mystische Klanglandschaften zwischen Spiritualität und Avantgarde. In über sieben Jahrzehnten musikalischen Schaffens wurde Eddie Palmieri zur Institution. Doch er blieb immer ein Unruhestifter – einer, der lieber neue Wege ging, als alte Erfolge zu wiederholen. Sein Spiel – kraftvoll, perkussiv, fast eruptiv – hat Generationen geprägt: Von Latin-Jazz-Pianisten bis zu Hip-Hop-Produzenten, von Salsa-Orchestern in Cali bis zu Jazzclubs in Wien. Jetzt ist seine letzte Note verklungen.
Was bleibt, ist ein Werk von unermesslichem Reichtum. Ein Feuer, das weiter brennt: In Aufnahmen, in Samples, in Erinnerungen. In jeder verschwitzten Nacht, in der seine Musik den Dancefloor übernimmt. Gracias, Maestro Eddie Palmieri.
Zwischen Bangkok und dem Isaan liegt nicht nur die Geografie eines Landes, sondern auch ein musikalisches Spannungsfeld, das in den 1970er Jahren eine ganz eigene Energie entlädt. Während auf den Straßen Mopeds knattern und Garküchen dampfen, entsteht in verrauchten Studios und improvisierten Proberäumen ein Sound, der gleichzeitig uralt und vollkommen neu klingt: Thai Funk.
Die Wurzeln reichen tief in den Nordosten Thailands. Molam und Luk Thung – Volksmusikstile voller Geschichten, überliefert von Generation zu Generation – treffen auf Soul, Funk und Psychedelia, die mit US-Soldaten während des Vietnamkriegs ins Land kommen. Die Musik von James Brown, Aretha Franklin, Curtis Mayfield liegt plötzlich in der Luft.
Daraus wächst etwas Eigenes. Keine Kopie des Westens, sondern eine Fusion. Produzenten wie Theppabutr Satirodchompu experimentieren mit neuen Klängen und mischen sie mit traditionellen Tonfolgen. Im Zentrum dieser Bewegung stehen Stimmen wie die von Pumpuang Duangjan. Ihre Lieder tragen Geschichten aus dem bäuerlichen Leben ins Radio, verpackt in Arrangements, die grooven, die glitzern, die swingen. Irgendwo zwischen Thai Funk, Soul und feministischer Landhymne.
Sroeng Santi kombiniert psychedelische Gitarren mit südostasiatischem Groove, Plearn Promdan lässt Funk tanzen und fliegen, während The Impossibles internationalen Pop-Appeal wagen – bis hin zu englischsprachigen Alben. Doch der Sound verschwindet fast so schnell, wie er gekommen ist. In den 1980ern dominieren synthetische Schlager die Charts, Thai Funk gerät in Vergessenheit. Viele Originalpressungen landen auf Märkten, verstauben auf Böden. Bis ein DJ in Bangkok beginnt, diese Vergangenheit wieder hörbar zu machen. Maft Sai. Er gräbt alte Singles aus, restauriert sie, gründet ZudRangMa Records. Seine Compilations wie „Thai Funk ZudRangMa“ oder „The Sound of Siam“ machen den Funk aus Thailand wieder hörbar, diesmal weltweit.
Heute läuft Thai Funk in Clubs von Berlin bis Brooklyn – nicht als Retro-Kuriosität, sondern als fester Teil der globalen Funkgeschichte. Ein Echo aus der Vergangenheit, das noch immer pulsiert.
From the publisher's feed

3 Listeners