
Sign up to save your podcasts
Or


Nach zwei gefeierten Ausgaben kehrt Plattensammler, DJ und Musikvermittler Miche mit Volume 3 seiner With Love-Serie zurück und zieht auf dem Londoner Label Mr. Bongo noch größere Kreise als davor. Eine weltumspannende Liebeserklärung an rare Soul Juwelen, jazzige Exkursionen und neue Horizonte. Musik ist unendlich.
Die neue Compilation ist mehr als eine Fortsetzung, sie ist eine Weiterentwicklung. Miche öffnet das Fenster weiter, blickt tiefer und entdeckt neue Farben in seinem musikalischen Kaleidoskop, ohne dabei den Kern aus den Augen zu verlieren. Die Liebe zur oft übersehenen Musik aus aller Welt. Mit einem Fokus im Jazz. Man hört das etwa in Tracks wie „Sundance“ von der Late Nite Music Band oder im eleganten Souljazz der Gruppe Spectrym im Song „in Flight“.
Was die dritte Ausgabe besonders macht, ist der Blick über den Tellerrand. Samba Grooves mit viel Energie von Carlos Bivar und seinem Stück „Amargo Amar“, Türkischer Soul mit brasilianischen Vibes wie bei Nükhet Ruacans Stück Gölge, oder elegant treibender Jazzfunk wie bei Gülden Karaböceks „Dokunma Kyefine Yalan Dünyarin“.
Miche lebt die Musik, die er spielt. Seine With Love Reihe hat ihn als DJ rund um den Globus geführt. Von Rumänien über China bis zu langen Nächten auf dem bereits legendären We Out Here-Festival. Volume 3 ist eine Einladung. Für Neugiereige, für Sammler, für Tänzer und vor allem für Zuhörer. Ein sorgfältig kuratierter Trip, der sich genauso gut in der Küche wie auf dem Dancefloor entfaltet.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Ihre Musik spiegelt ihre Identität wider: eine Mischung aus schwarzer, karibischer und britischer Kultur. Geboren wurde die Künstlerin in East London, zog aber später nach Nottingham. Dort begann nicht nur ihre Arbeit als Sozialarbeiterin, sondern auch ihre musikalische Karriere. Denn in Nottingham trifft Yazmin Lacey auf eine lebendige Musikszene. Sie tritt bei Open-Mic Shows auf, beginnt zu Hause Songs zu schreiben und tut sich schließlich mit lokalen Musikern und Musikerinnen zusammen, um die Band The Running Circle zu gründen aus der nachher das gleichnamige Label entsteht.
2017 veröffentlichte Yazmin Lacey ihre erste EP Black Moon. Aufgenommen wurden die Songs im Wohnzimmer, ohne große Mittel, aber mit großer Wirkung. Die BBC wurde aufmerksam und ernannte Black Moon zum Record oft the Week. Zwei weitere EPs folgen bis die Künstlerin 2023 schließlich ihr Debutalbum Voice Notes herausbringt. Der Titel hält, was er verspricht. Es klingt als hätte sie die Songs direkt in ihr Handy gesprochen, mit all den kleinen Störungen, Pausen und leisen Atmern. Es ist eine Sammlung von Momentaufnahmen in denen nichts gestellt wirkt. Produziert wurde das Album von Dave Okumu, der durch seine Arbeit bei der Band The Invisible bekannt ist.
Yazmin Lacey findet Schönheit im Unvollkommenen – ein Leitmotiv, das sich durch ihre Musik zieht. In ihren Aufnahmen fängt sie intime, unausgesprochene Momente des Lebens ein. Ihr Sound bewegt sich zwischen Soul, R&B, Jazz und Pop. Mus , die nicht glatt ist, sondern ehrlich. Und genau das macht Yazmin Lacey aus...
Das war nicht Detroit. Nicht Harlem. Das? Das war Teheran in den 70ern. Eine Stadt im Aufbruch zwischen Modernisierung und Tradition. Damals entstand eine Szene, die man heute fast vergessen hat: Iranischer Funk, Soul und sogar Psychedelic Rock. Die persische Hauptstadt wurde zu dieser Zeit zur kulturellen Schaltzentrale. Clubs wie das Café Couchini waren Hotspots für junge Musikerinnen und Musiker – inspiriert von James Brown, The Animals oder Ray Charles. Gleichzeitig floss orientalische Lyrik und klassische Melodik mit ein. Das Ergebnis ein Sound der den westlichen Groove mit persischer Poesie verband und das tanzbar, rebellisch aber auch gefühlvoll.
Sänger wie Farhad Mehrad, verkörperten diesen kulturellen Spagat wie kaum ein anderer. Mit seiner rauen, melancholischen Stimme sang er gesellschaftskritische Lieder, aber auch brillante Coverversionen dabei machte er die westlichen Hits zu etwas Eigenem, denn bei manchen Songs übersetzte er nicht nur die Sprache, sondern auch das Gefühl. Zu seinen Vorbildern zählten die Bee Gees, Frank Sinatra oder wie hier Ray Charles.
Aber auch starke weibliche Persönlichkeiten waren in der iranischen Kulturszene kaum wegzudenken. Stars wie Googoosh waren weit mehrt als Musikerinnen – sie waren Ikonen, die ganz selbstverständlich auf den großen Bühnen des Landes standen. Aber Googoosh sang nicht nur, sie war Stilvorbild, Trendsetterin und Hoffnungsträgerin für eine ganze Generation iranischer Frauen. Mit ihrem Kurzhaarschnitt, ihren modischen Outfits und ihrer charismatischen Bühnenpräsenz prägte sie das Bild junger Frauen im Iran. Ihre Stimme war das Gesicht einer kulturellen Öffnung – nicht radikal, nicht angepasst, sondern einfach zeitgemäß.
Doch 1979 kam mit der islamischen Revolution die Wende. Die neue Regierung verbot fast alle Formen westlich geprägter Musik. Viele Künstlerinnen und Künstler emigrierten, Platten verschwanden aus den Regalen oder wurden zerstört. Eine Ära brach ab und lange Zeit blieb es still um das Wirken der damaligen Artists die noch heute im Exil leben. Einige enden sogar als Todesopfer des iranischen Geheimdienstes.
Doch die jüngsten Ereignisse zeigen: iranische Musik ist ein Sound der wiederentdeckt wird, weiterlebt. US-Rapper Nas zum Beispiel hat den Song „Gole Yakh“ von Kourosh Yaghmaei, der im Iran als King of Persian Psychedelic Rock bekannt ist, für seinen Song Adam and Eve gesampled. Die markante, melancholische Klaviermelodie geht auf Social Media viral. Ein Song aus einer fast vergessenen Zeit – plötzlich wieder in der Gegenwart. Wie man sieht ist iranischer Funk und Soul aus den 70ern mehr als Nostalgie. Es ist der Sound einer offenen Gesellschaft im Übergang – energiegeladen, voller Sehnsucht und top aktuell. Wer genau hinhört, fühlt mehr als nur Musik. Man hört eine Erinnerung an das was war und vielleicht auch an das was wieder sein könnte.
Mit "On Our Way" liefern die Wiener Produzenten Urbs & Cutex ein Album ab, das gleichermaßen retrospektiv wie zukunftsgewandt klingt, eine rare Qualität in der heutigen Beatlandschaft. Ich möchte die beiden gerne als Produzentenlegenden bezeichnen, tief verwurzelt in der Geschichte des österreichischen Downtempo und Hip-Hop. Sie spannen auf diesem Werk den Bogen von soulgetränktem Instrumental-Breaks bis hin zu cineastischen Momenten. Großes Kino, im wahrsten Sinne.
Das Album lebt von einer Intimität, die sich langsam, aber ausdauernd entfaltet. Vibes, denen man sich nur schwer entziehen kann, noch besser: will. Urbs & Cutex sind Meister des Samplings und begeben sich auf die Suche nach Perfektion. Eine Welt zwischen Soul, Jazz, Easy Listening und Filmmusik breitet sich hier wie ein großer Klangteppich aus. Doch dieser Teppich ist keiner dieser industriellen Teppiche vom Möbeldiskonter, das ist ein handgeknüpftes Kunstwerk.
Die beiden ergänzen sich auf äußerst kreative Weise: Urbs, bekannt für sein Faible für Scores und große, verträumte Klangflächen, und Cutex, der begnadete DJ und Rhythmusverliebte, der hier seinen Part beiträgt. Eine perfekte Kombination, die die goldenen Jahre des Downtempo ins Jahr 2025 bringt. Keine unnötigen Eskapaden, sondern purer Ausdruck. Ein Feature-Track findet sich dann aber doch gemeinsam mit Rapper T.R.A.C.
Leichtigkeit mit Tiefgang, ein Album zum Abdriften und Eintauchen. Für Tagträumer und relaxte Groover. Der Soundtrack für einen Kurzurlaub im Kopf. Urbs & Cutex mit einem grandios produzierten Seelenbalsam in Zeiten digitaler Überreizung. "On Our Way", rezeptfrei erschienen auf Compost Records.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Mit "Midnight Ragas" liefert Eric Hilton, Mitgründer von Thievery Corporation, ein Album, das wie eine sorgfältig zusammengestellte Compilation klingt, obwohl alle Tracks neu und von ihm selbst produziert sind. Zwölf Stück, gesungen in Englisch, Französisch und Spanisch, wechseln zwischen entspanntem Groove, Trip Hop, Dub-Einflüssen und instrumentaler Atmosphäre.
Hiltons Handschrift ist klar erkennbar: eine vielschichtige Produktion, warme Bässe, und cineastische Klangflächen. Unterstützt wird er von drei Vokalistinnen, Natalia Clavier, Puma Ptah und Kristina Westernik-Dandridge. Sie verleihen dem Album zusätzliche Dynamik und sprachliche Vielfalt. Es entstehen immer wieder stimmige Brüche im Flow, die das Album wie eine musikalische Reise wirken lassen.
Trotz seiner Vielseitigkeit wirkt Midnight Ragas nie beliebig. Die Tracks greifen ineinander, wechseln organisch zwischen Stimmungen und Tempi. Mal reduziert und zurückgelehnt, mal rhythmisch und groovend. Ein Album, das sich durch Hören entfaltet und dabei stets angenehm unaufdringlich bleibt.
Hilton zeigt, wie ein modernes Downtempo-Album klingen kann: abwechslungsreich, international und dennoch kohärent. Eine Hommage an die Ästhetik früher Compilation-Alben …nur eben aus einer Hand.
Anspieltipps der Musikredaktion:
From the publisher's feed

3 Listeners