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Superfly Selected episodes

  • Superfly Musikgeschichten | 30 Jahre: Brown Sugar - D'Angelo

    D’Angelo war aber nicht nur ein einfacher neuer R&B Sänger – er arrangierte seine Songs in einer Zeit, in der viele Produktionen steril und digital klangen. Sein Sound war das Gegenteil: warm und roh. Beeinflusst von Marvin Gaye, Prince und Curtis Mayfield aber mit dem Rhythmusgefühl eines Hip-Hop-Produzenten. 

    30 Jahre später klingt Brown Sugar nicht nach Retro – sondern nach Revolution. Es war das Album, das in einer von Hip-Hop-Giganten wie Tupac, Biggie, Wutang-Clan und Nas dominierten Zeit den Soul wieder zurück ins Zentrum der Popmusik holte. Und gezeigt hat was entstehen kann, wenn Handwerk und Gefühl sich treffen...mehr hört ihr nur, wenn ihr reinhört.

    5 min
  • Superfly Musikgeschichten | Mit Superfly um die Welt: Saigon Soul Revival

    Soul aus dem pulsierenden Herzen Vietnams - Stell dir vor, wir landen gemeinsam mitten in Saigon, oder heute Ho-Chi-Minh-Stadt, der vibrierenden Metropole Vietnams. Die Straßen sind voll, die Luft ist feucht und schmeckt nach frisch gebrühtem vietnamesischem Kaffee, und aus den Restaurants dringt der Sound von Soul. Aber nicht irgendeinem Soul, sondern dem einzigartigen Groove von Saigon Soul Revival. 

    Saigon Soul Revival knüpfen an das Musikgenre Nhac Vàng an, das in den 1960er Jahren Soul und Rock’n’Roll mit vietnamesischen Texten verband. Nach dem Sieg des sozialistischen Nordens im Bürgerkrieg 1975 wurde Nhac Vàng wie die gesamte westliche Kultur verboten, viele der Protagonist*innen flohen in den Westen. Die neuen Machthaber wollten positive, fröhliche Volksmusik anstatt der oft melancholischen Nhac-Vàng-Songs, in denen Frauen beklagten, dass ihr Geliebter sie verlassen musste, um in den Krieg zu ziehen. Was in den Texten so nicht ausdrücklich ausgesprochen wurde, aber für die Hörerschaft eindeutig war. Saigon Soul Revival schaffen die Balance genau richtig. Sie  bringen mit ihrer Musik die Stadt zum Leben, als wäre jede Note ein kleiner Spaziergang durch die bunten Gassen, in denen Tradition und Moderne aufeinandertreffen.

    Mit Superfly sind wir sofort dabei, wenn Huyền Chip die Bühne betritt. Ihre Stimme füllt den Raum mit Wärme, als würde sie dir persönlich Geschichten aus den Herzen der Menschen erzählen. Und während die Band Jazz, Funk, Rock und elektronische Beats mischt, kannst du fast den leichten Wind, der durch die Palmen an der Saigon River Promenade weht, spüren. Ein Song fühlt sich ein bisschen an, wie ein Abend auf der Dachterrasse, die bunten Lichter der Stadt glitzern im Hintergrund, das Treiben der Menschen liegt in der Atmosphäre.

    Saigon Soul Revival spielte ihre ersten Gigs in kleinen Bars, wo die Tische fast auf der Bühne standen und die Nähe zu ihrem Publikum so richtig spürbar war. Vielleicht ist es auch heute noch genau das, was ihre Musik so echt und greifbar macht. Es ist fast so, als wäre man mitten in eine Szene geworfen worden, umgeben von vietnamesischen Sounds, Eindrücken und einer ausgelassenen Stimmung, zu hören in jedem Takt.

    Also, schließ die Augen und lass dich mit Superfly auf diese musikalische Reise entführen. Saigon Soul Revival bringt den Sound Asiens über alle Grenzen bis zu dir: soulig, urban, belebend.

    4 min
  • Superfly Album der Woche | Durand Jones & The Indications - "Flowers"

    Durand Jones & The Indications sind zurück und blühen auf wie nie zuvor. Mit ihrem vierten Studioalbum, "Flowers", präsentieren sich die Neo-Soul-Helden aus den USA in voller Blüte: gereift, selbstbewusst und mit einem Sound, der seine Wurzeln kennt, und doch immer weiter floriert.

    Nach ihrer von Disco durchzogenen Platte "Private Space" zieht es die Band wieder zurück zu den Anfängen. Genauer gesagt in den Keller von Bloomington, Indiana, wo alles begann. "Flowers" ist ein Album, das die gemeinsame musikalische Sprache feiert, irgendwo zwischen klassischem 70s Soul, psychedelischen Klängen und butterweichem Funk.

    Die Tracks klingen ein bisschen wie in warmes Licht getaucht: samtige Streicher, fließende Grooves, glitzernde Keys. Songs wie „Really Wanna Be With You“, versprühen eine sommerliche Lässigkeit, die genau zur Jahreszeit passt. Und wenn Durand Jones auf „If Not For Love“ mit vibrierender Dringlichkeit singt, als ginge es um alles, schmiegt sich seine Stimme perfekt an den Cinemascope-Soul der Band.

    Doch so soft und smooth das alles klingt, "Flowers" ist keine glatte Retro-Kopie. Es lebt von echtem Zusammenspiel, spürbarer Intimität und cleverer Zurückhaltung. Selbst bei dramatischen Momenten wie dem fast hymnischen „Rust & Steel“, bleibt die Balance gewahrt. "Flowers" ist der perfekte Soundtrack für laue Nächte und tiefe Gespräche. Durand Jones & The Indications zeigen: Soul ist in seiner vollen Blüte.

    Anspieltipps der Musikredaktion:

    • Been So Long (feat. Aaron Frazer)
    • If Not For Love
    • Really Wanna Be With You
    • Without You
    • Rust and Steel
    3 min
  • Superfly Buchkultur | "Wir waren Heldinnen". Wie Frauen den Fußball eroberten
    Wussten Sie, dass Frauenfußball in Deutschland von 1950 bis 1970 verboten war? Zuvor, vor fast 100 Jahren, gründete Lotte Specht die erste Frauenfußballmannschaft – eine wahre Pionierin. Von ihr wie auch von einigen Pionierinnen mehr erzählt Torsten Körner in seinem großartigen Sachbuch.
    Torsten Körner
    »Wir waren Heldinnen«. Wie Frauen den Fußball eroberten
    Kiepenheuer & Witsch, 336 S.
    2 min
  • Superfly Musikgeschichten | Female Funk Power

    Den Anfang machte in den frühen 70ern Betty Davis, die wohl kompromissloseste Funk-Künstlerin ihrer Zeit. Sie kombinierte rohe Energie mit radikaler Selbstbestimmtheit. Während andere noch in engen Genre-Grenzen arbeiteten, brach Betty mit allem – klanglich wie gesellschaftlich. In Songs wie „If I'm in Luck I Might Get Picked Up“ feierte sie offen weibliches Begehren. Ihre Bühnenpräsenz war explosiv, ihre Texte provokant. Sie ebnete den Weg für ein neues, feministisches Selbstverständnis im Funk.

    Darauf baute Chaka Khan auf, die ab Mitte der 70er mit „Tell Me Something Good“ und „Ain’t Nobody“ die Funklandschaft prägte. Wo Betty wild war, kam Chaka mit technischer Brillanz, tiefem Soul und großer Bühnenautorität. Sie verband Selbstbestimmtheit mit spiritueller Tiefe – als Stimme einer verletzlichen, unbesiegbaren Frauengeneration.

    Zeitgleich schufen Labelle um Patti LaBelle ein eigenes Funk-Universum. Outfits zwischen Glamrock und Afrofuturismus, ein Hit wie „Lady Marmalade“ und Texte über Lust, Freiheit und schwarze Identität machten klar: Frauen können alles sein, was sie wollen.

    Später brachte Sharon Jones den Funk ins 21. Jahrhundert zurück – mit The Dap-Kings, ihrer unerschütterlichen Stimme und grenzenloser Energie. Als spät entdeckte Künstlerin und unermüdliche Performerin trotz Krebserkrankung verkörperte sie, dass Funk kein Trend ist, sondern ein Lebensgefühl. Und dass weibliche Stärke kein Verfallsdatum kennt.

    Was diese vier Künstlerinnen verbindet, ist mehr als ihr Talent. Sie alle haben Räume geschaffen, für sich selbst und für kommende Generationen. Räume, in denen Weiblichkeit nicht reduziert, sondern gefeiert wird. In denen alle sich so fühlen dürfen wie sie wollen, und Feminismus vorangetrieben wurde. Räume, in denen Funk nicht als Stil, sondern als Haltung verstanden wird: laut, frei, unbequem und für alle Geschlechter. Mehr hört ihr nur, wenn ihr reinhört!

    6 min
  • Superfly Musikgeschichten | Summersongs: Summertime

    Die Hafenstadt Charleston in South Carolina, 1870 Wir sind in der Catfish Row einer Wohnstraße für Afroamerikaner, Bettler und Kriminelle. Die Einwohner tanzen am Sommerabend zum Sound des Klaviers, während Clara das Wiegenlied für ihr Kind singt...

    Summertime ist die berühmteste Arie aus der Oper Porgy & Bess von George Gershwin, die 1935 im New Yorker Colonial Theatre uraufgeführt wurde. Der als Sohn russisch-jüdischer Immigranten 1898 in Brooklyn geborene Gershwin hat sich für den Song von einem ukrainischen Wiegenlied beeinflussen lassen, welches er 1926 vom Ukrainischen National Chor gehört hat. Das Lied selbst kommt in der Oper in allen drei Akten vor, insgesamt 4 mal. Ein Klassiker war geboren.

    Die erste kommerzielle Schallplatte ist 1935 entstanden. Doch richtig an Popularität hat der Song durch die unzähligen Coverversionen gewonnen. Die Sopranlage wurde meist verlassen, die Intensität gesteigert. Erstmals in den Charts taucht der Song 1936 auf. Die Interpretin dieser Version. Billie Holiday. Die Vielzahl der Coverversionen ist unüberschaubar. Zwischen 1955 - 1992 ist Summertime 59 mal in den Charts aufgetaucht. Kurz danach wurden 254 Versionen gelistet. Doch die Realität sieht doch etwas beeindruckender aus. Eine internationale Gesellschaft von Sammlern, welche sich The Summertime Connection nennt, verzeichnet aktuell 48.220 komplette Aufnahmen von Summertime und ungefähr 5200 Samples. Bei einem Großteil davon handelt es sich allerdings um keine kommerziellen Aufnahmen.

    Auch wenn Summertime in seinen vielen Versionen weder einen ersten Chartplatz erreicht hat noch ein Millionseller geworden ist. Er gehört zu einem stilübergreifenden Evergreen in 30 Sprachen und ist eines der meistinterpretierten Lieder aller Zeiten.

    4 min
  • Superfly Album der Woche | Djeuh Djoah & Lieutenant Nicholson - "Danses Divine"

    Der Sommer hat gerade erst begonnen und schon gibt es den Soundtrack dazu. Das Pariser Duo Djeuh Djoah & Lieutenant Nicholson hat uns schon mit den letzten Alben auf so charmante Art mitgerissen, und tut dies auf ihrem viertel Album erneut. Himmlische Tänze werden uns mit dem Albumtitel versprochen. Und „Danses Divine“ hält, was es verspricht. 

    Die beiden bleiben in ihrem Vibe. Funk trifft auf Electro, Zouk trifft auf House. Ein meist roher Groove fügt sich mit den französisch gesungenen und kreolischen Spoken-Word-Elementen zu einem Ganzen. Die Arrangements sind kreativ aber nicht vorlaut. Djeuh Djoah & Lieutenant Nicholson treiben an, ohne hektisch zu werden. Der Soundtrack für eine bessere Welt. Und das sprichwörtlich. Das Duo behandeln in ihren Texten nämlich seit jeher ernste Themen. Mal sind es zugebaute Städte, dann der Klimawandel oder sexuelle Orientierung. Auf Danses Divine wird noch ein anderes Thema behandelt. Die Inflation.

    Auch wenn die Texte Missstände aufzeigen, so sind sie nie moralisch dozierend oder belehrend. Der erhobene Zeigefinger zeigt nur den Takt an. Ernste Themen bleiben durch die Musik locker verpackt, und schaffen so einen direkten Weg zu den Hörern. Ein intelligentes Tanzmanifest bringt einen globalen Flair, dem man sich nicht entziehen kann.

    Danses Divine ist ein triumphales Statement. Wir nenne es „Afropäischer“ Funk . Erschienen auf Hot Casa Records Paris.

    Anspieltipps der Musikredaktion:

    • Danses Divine
    • Inflation
    • La Go Kitoko
    • Redessiner
    3 min
  • Superfly Buchkultur | Abschied
    Dieser Roman ist schon allein deshalb ein kleines Ereignis, weil die Veröffentlichungsgeschichte so ungewöhnlich ist. »Abschied« erscheint jetzt posthum, 90 Jahre nachdem der Autor Sebastian Haffner, der vor seiner Flucht 1938 aus Deutschland Raimund Pretzel hieß, es geschrieben hat.
    2 min

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