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Mit seiner EP Black Boogie Neon (2018) und Songs wie „Penny Girl“ und „Buggy Tip“ wurde er schnell zum Geheimtipp für Fans nostalgischer Club-Sounds mit Haltung. Sein Debütalbum Prosthetic Boombox (2021) vereinte eingängige Melodien mit einem empowernden Selbstverständnis - ein Werk über Identität, Außenseitertum und Befreiung. Die Zusammenarbeit mit Größen wie MGMT, The Avalanches oder Nicolas Godin (Air) unterstrich seine künstlerische Vision.
Cola Boyy lebte mit Spina bifida, Kyphose und Skoliose. Themen, die er selbstbewusst in sein Schaffen einfließen ließ. Statt sich von Barrieren definieren zu lassen, nutzte er sie als kreative und politische Triebfeder. In Interviews sprach er offen über Inklusion, Ableismus und das Gefühl, nie wirklich „reinzupassen“. Er engagierte sich in Organisationen wie Todo Poder Al Pueblo und APOC und kämpfte für migrantische Rechte, faire Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit - immer mit Humor, Charme und Direktheit.
Cola Boyy starb am 17. März 2024 mit nur 34 Jahren. Doch seine Musik bleibt ein mutiges, klangvolles Manifest für Freiheit, Diversität und Widerstand. Mehr hört ihr, wenn ihr reinhört.
Funk ist das rhythmische Rückgrat der schwarzen Musikgeschichte. Seine Wurzeln reichen zurück in die 1960er-Jahre, als Soul und Rhythm and Blues begannen, sich neu zu erfinden – weg von gefühlvollen Balladen und himmlischen Arrangements, hin zu einer Musik, die direkt in die Hüften fährt. Funk war Ausdruck von Stolz, Freiheit und sozialem Wandel. Nicht von ungefähr war Funk eng mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung verknüpft: Musik für eine neue Generation.
„Say it loud, I’m Black and I’m proud“. Das Wort „Funk“ stammt aus der afroamerikanischen Umgangssprache – zunächst noch negativ konnotiert, wurde es ab dem frühen 20. Jahrhundert zu einem Begriff für etwas „Echtes“, „Rohes“, mitunter auch etwas „Körperliches“. In der Musik taucht es erstmals im Jazz der 1950er-Jahre auf. Das Wort „funky“ wurde verwendet, wenn es um einen erdigen, gefühlvollen Stil ging. Das Album Opus de Funk von Horace Silver nennt es bereits 1953. Doch nun zu einem Mann, der den Funk geprägt hat wie kaum ein anderer:
James Brown legte mit Songs wie Cold Sweat und Papa’s Got a Brand New Bag den Grundstein für eine völlig neue musikalische Sprache. Seine berühmte Anweisung an die Band: „On the one!“ Der erste Schlag im Takt wurde zur heiligen Betonung. Die Musiker in seiner Band spielten oft kurze, sich wiederholende Phrasen. Jeder einzelne Ton wurde Teil eines rhythmischen Puzzles. Alles war auf die „One“ ausgerichtet – den ersten Schlag des Taktes. Das war neu, roh, energisch – und vor allem: tanzbar.
Diese rhythmische Verschiebung erzeugte mehr Druck. Eine Zuspitzung des Soul, wenn man so will, mit dem Groove im Zentrum. Statt Harmoniewechseln: ein Akkord. Statt Melodien: Rhythmus. Dieses Denken war damals revolutionär – und James Brown zelebrierte es mit seinen Musikern. Bei ihm wurde jedes Instrument – auch Gitarre, Bass, Bläser und Gesang – wie ein Rhythmusinstrument behandelt.
„Papa’s Got a Brand New Bag“James Browns Musik verschob auch die Rolle des Basses. Statt harmonisch zu begleiten, wurde der Bass zur treibenden Kraft. Die Basslines sind oft synkopiert, das heißt: Sie betonen ungerade oder unerwartete Zählzeiten, was den Groove besonders spannend macht. Diese Dominanz prägte die Funk-Musik entscheidend – oft im Zusammenspiel mit dem Schlagzeug. Große Bedeutung hatten für James Brown die Live-Auftritte. Diese folgten einem äußerst präzisen Ablauf. Jede Bewegung war geplant. Brown gab Handzeichen, Fußbewegungen oder sogar Blickkontakte, mit denen er seine Musiker dirigierte. Das Ergebnis war ein unglaublich tightes, synchrones Rhythmus-Kollektiv, das fast mechanisch wirkte – und dabei einfach mitriss. Eine Struktur, die mehr auf Bewegung als auf Erzählung basierte.
James Brown hat den Funk nicht allein erfunden, aber er war der Katalysator. Mit seinem unnachahmlichen Stil und seiner visionären Band, den J.B.'s, hat er den Grundstein gelegt. Funk hat die Musikwelt für immer verändert.
Obongjayar ist zurück – und wie. Mit Paradise Now liefert der britisch-nigerianische Ausnahmekünstler ein Album voller Intensität, Intimität und musikalischer Vielseitigkeit. Geboren in Lagos, aufgewachsen in Calabar und seit seiner Jugend in London, verbindet Obongjayar kulturelle Einflüsse aus Nigeria mit der klanglichen Weite von UK-Electro, Soul, Afrobeat und Pop.
Sein neues Album ist ein 15-Track-Ritt durch die Höhen und Tiefen urbaner Identität. Zwischen Selbstzweifeln, Vergänglichkeit und der Suche nach Nähe entfaltet sich ein Klangkosmos aus warmen Synths, verspielten Gitarren und dramatischen Bläsern – produziert u.a. von Yeti Beats (Doja Cat) und Beach Noise (Kendrick Lamar). Songs wie „Sweet Danger“ oder „Just My Luck“ zeigen Obongjayar dabei von seiner sinnlich-düsteren Seite.
"Paradise Now" fühlt sich an wie ein langer Sommerabend in einer fremden Stadt: elektrisierend, melancholisch und voller Überraschungen. Besonders spannend: Bis auf einen Feature mit Little Simz trägt Obongjayar das ganze Album stimmlich allein – ein Beweis seiner Wandlungsfähigkeit. Mit Paradise Now etabliert sich Obongjayar endgültig als einer der spannendsten Künstler der UK-Szene.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Overton Vertis Wright, eine der eindringlichsten Stimmen des Southern Soul – roh, verletzlich, unvergesslich. Geboren 1939 in Lenow, Tennessee, begann seine musikalische Laufbahn im Gospelchor, was seinen Werken lebenslang eine spirituelle Tiefe verlieh. Anfang der 60er wechselte er zur Soulmusik – und seine Stimme fand ein Zuhause, das wie für sie gemacht war.
Mit Songs wie “A Nickel and a Nail” oder “Eight Men, Four Women” schrieb Wright Soulgeschichte - unterstützt vom legendären Produzenten Willie Mitchell. Die Musik ist tief verwurzelt im Blues und besticht durch elegante Orchestrierung und rohe Emotionalität, getragen von einer unverwechselbaren Stimme. Besonders in den 1970er Jahren prägte O. V. Wright mit seinen Aufnahmen bei Hi Records den Sound des Soul entscheidend mit.
Doch Wrights Karriere wurde immer wieder von persönlichen Rückschlägen überschattet: Drogenprobleme, Geldsorgen und Gefängnisaufenthalte warfen ihn zurück. Den ganz großen Durchbruch verpasste er – vielleicht auch, weil seine Musik zu ehrlich war, zu schwer, zu tief. Dennoch blieb er bis zu seinem frühen Tod 1980 ein prägender Einfluss für nachfolgende Generationen von Blues- und Soulkünstlern –auch im Hip-Hop wurde er vielfach gesampelt.
Heute gilt O. V. Wright als tragische Ikone des Soul: ein Künstler mit überragender Stimme, der nie den große Charterfolge feiern konnte, aber dennoch bleibenden Eindruck hinterließ. Seine Songs sind bewegende Zeugnisse des klassischen Southern Soul – rau, ehrlich und zutiefst menschlich.
Mit „The Masterplan“ bringt der österreichische Musiker RUHMER sein zweites Studioalbum auf den Markt und setzt die Reise fort, die mit seinem Debut Cherryland vor 2 Jahren begonnen hat. Indie Pop trifft auf 70s Glamour und lässt auch R&B durchblitzen. Retro Pop Rock? Vielleicht.
Ruhmers musikalische Entwirklickung ist von seiner DIY Herangehensweise geprägt. Vom Singwriting über die Produktion bis zur visuellen Gestaltung übernimmt er fast alle Arbeitsschritte selbst. So entstand ein unglaublich authentisches Album, dass immer wieder Momente zeigt, wo man ausprobiert hat. Ein bisschen Rock Nostalgie aus den 70ern schwingt ebenso mit, wie neue Indie Pop Einflüsse. Fuzzige Rock Riffs wechseln sich mit klassischen Pop Hooks ab.
Ruhmer selbst erklärte, dass die Songs direkt aus dem Kopf auf die Platte gewandert sind, ohne sich in Perfektion zu verlieren. Das Album ist in 6 Monaten entstanden. So behielt es diese charmante Roughness, und diese Ehrlichkeit. Keine glattgebügelten Tracks sondern Songs mit Charakter. „Ain’t used to talkin“ oder „I Tried“ sind zwei der Superfly Highlights.
The Masterplan zeigt einen der spannendsten Künstler des Landes der seine Vision konsequent verfolgt. Musikalisch vielseitig und künstlerisch eigenständig. Und immer mit einer starken visuellen Ästhetik. In Zusammenarbeit mit Nous Film Berlin entstanden die Musikvideos zum Album auf Fuerteventura. Die perfekte visuelle Ergänzung zu seiner Musik. Ruhmer ist gekommen um zu bleiben. Ruhmer – The Masterplan, ist auf Record Jet erschienen und ist auch als limitierte Crystal Blue Vinyl Edition erhältlich. Inklusive persönlicher Notiz, exklusivem Behind The Scenes Video und Einladung zu einem privaten Online Akktustik Gig.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Geboren 1975 in New Jersey, wurde Lauryn Hill schon als Teenager zur Ausnahmekünstlerin. Vom ausgebuhten Debüt am Apollo Theater bis zum „Joyful, Joyful“-Moment in Sister Act 2 – ihr Weg war nie glatt, aber immer echt. Mit den Fugees gab sie dem Hip-Hop Soul, Tiefe und Haltung. Ihr Soloalbum The Miseducation of Lauryn Hill (1998) veränderte die Musikwelt – fünf Grammys, ikonische Songs, ein Werk voller Wahrheit. Hill schrieb, produzierte, kämpfte – gegen ein System, das Künstler:innen formt und verschleißt. MTV Unplugged No. 2.0 wurde ihr Manifest: roh, spirituell, unbequem. Hill zog sich zurück, nicht aus Schwäche – sondern aus Prinzip. Ihr Weg: Integrität vor Image. Heute gilt sie als Pionierin – für weibliche Stimmen im Rap, für künstlerische Selbstbestimmung, für Musik mit Substanz. 2024 kürte Apple Music ihr Debüt zum besten Album aller Zeiten.
Lauryn Hill wird heute 50 – und bleibt eine Legende und ein Mysterium. Aber auch ein Leuchtfeuer: Für kreative Integrität, gegen das System, für Musik, die echt, roh, unbequem und einfach richtig gut ist.
Es gibt Geschichten, die sind zu schön, um sie nicht zu erzählen – und Infinity Song schreibt gerade eine davon. Vier Geschwister, geboren im pulsierenden Herzen New Yorks, aufgewachsen mit den Harmonien von Gospel, der Tiefe des Jazz und der Disziplin klassischer Musik. Und so hat Gerald Travnicek Infinity Song zum Gespräch geladen – anlässlich ihres baldigen Konzerts in Wien.
Wer in Harlem schon mal den Klang ihrer Stimmen auf dem Asphalt gespürt hat, der weiß: Diese Band ist mehr als Musik. Sie ist eine Bewegung. Eine, die trotz Widrigkeiten, Zweifel und Großstadthektik niemals aufgehört hat, an den eigenen Sound zu glauben – irgendwo zwischen Soft-Rock, Soul und urbaner Poesie. Jetzt setzen sie mit ihrer neuen Single „Haters Anthem“ ein Ausrufezeichen. Mehr als 200 Millionen Streams und prominente Unterstützung von niemand Geringerer als Doja Cat sprechen für sich. Eine Hymne, ein Manifest, ein klares Statement – an alle Zweifler, an alle Hater, an alle Träumer. Im besten Fall Interview anhören und am 28. Juli im Flex anhören.
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