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Radio Superfly's Album der Woche
Titel: Hope Handwritten
Artist: Hope Tala
Label: PMR Records
Die aufstrebende West-Londoner Künstlerin, Hope Tala, beweist mit ihrem Debütalbum “Hope Handwritten” eindrucksvoll, warum sie als eine der spannendsten Stimmen im R&B/Neo-Soul gilt. Seit ihrem Durchbruch 2018, unterstützt durch prominente Auftritte und wiederholte Platzierungen in Barack Obamas Sommer-Playlist, verkörpert Tala Authentizität und poetische Tiefe in einer modernen Musiklandschaft.
Auf “Hope Handwritten” entfaltet sie eine intime musikalische Sprache, die organische, live gespielte Elemente mit Einflüssen aus Bossa Nova, Latin und klassischem Neo-Soul verschmilzt.
Mit einem ominösen, verführerischen Bass und einer verspielten Melodie thematisiert Tala in "Bad Love God" das Dilemma zwischen Verlangen und Reue – und macht es zu einem musikalischen Zwiespalt. "Thank Goodness" hingegen präsentiert sich als eingängige Breakup-Hymne, die trotz melancholischer Untertöne mit befreiender Leichtigkeit strahlt.
Erschienen auf PMR Records ist “Hope Handwritten” mehr als nur ein Debütalbum – es ist eine emotionale Reise durch die Höhen und Tiefen des Herzens, ein ehrliches Porträt einer jungen Frau, die in einer unsicheren Welt ihre eigene Wahrheit findet.
Anspieltipps der Musikredaktion:
In den 70ern war die Welt für queere Menschen alles andere als offen. Öffentliche Akzeptanz? Kaum. Doch in den Underground-Clubs von New York, San Francisco und Chicago entstanden geschützte Räume – Orte der Freiheit, an denen Menschen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder sexueller Orientierung einfach sein konnten. Der Soundtrack dieser Befreiung? Disco! Hier entstand das, was wir heute als Clubkultur kennen. Die queere Ballroom-Szene, vor allem in Harlem, war ebenso eng mit der Disco-Kultur verwoben. Die Tanzstile, die später in den 80ern durch Voguing bekannt wurden, hatten ihre Wurzeln in den Disco-Clubs der 70er.
Ein Name, den wir nicht vergessen dürfen: Sylvester. Mit "You Make Me Feel (Mighty Real)" lieferte er nicht nur einen absoluten Dancefloor-Klassiker, sondern ein Aushänge-Lied für die ganze Queer-Community. Die unverkennbare Stimme, das extravagante Auftreten – Sylvester war eine Ikone durch und durch, er starb leider an den Folgen von Aids, doch seine Musik und Revolution lebten weiter. Er arbeitete auch eng mit seinem Freund, Patrick Cowley, zusammen. Cowley galt als einer der Pioniere des Hi-NRG-Sounds, welcher Disco mit futuristischen, elektronischen Beats bereicherte. Auch er verstarb an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung. Sein Song "Menergy" wurde zur queeren Clubhymne und ebnete den Weg für spätere Dancefloor-Hits.
Doch nicht alle feierten Disco. 1979 eskalierte die "Disco Demolition Night" in Chicago – ein Baseballspiel, bei dem tausende Disco-Platten verbrannt wurden. Auf den ersten Blick eine Ablehnung der Musik – doch dahinter steckte mehr. Die Anti-Disco-Bewegung hatte oft rassistische und homophobe Untertöne, denn Disco war die Musik Schwarzer, Latinx- und queerer Kunstschaffenden. Ihr Erfolg bedrohte die weißen Rock-dominierten Charts – und damit bestehende Machtstrukturen.
Genauso wie die Queere Community schweißte jeder Tiefschlag die Disco Szene mehr zusammen und machte sie stärker. Lauter. Disco überlebt bis heute – in House, in elektronischer Musik oder im modernen Pop. Künstlerinnen wie Lady Gaga, Beyoncé oder Dua Lipa brachten den Sound zurück in den Mainstream. Offen queere Artists wie Róisín Murphy oder Jake Shears von den Scissor Sisters zelebrieren alles an Disco und zeigen, wie laut, bunt und vielfältig der queere Einfluss im Genre weiterlebt. Ein ebenso legendärer Track, der das glamouröse und selbstbewusste Disco-Feeling zurückbrachte, stammt von Todrick Hall mit "Nails, Hair, Hips, Heels".
Disco war mehr als nur ein Musikgenre – es war eine Bewegung der Befreiung, Selbstentfaltung und Akzeptanz. Die LGBTQIA+-Community prägte den Sound, die Ästhetik und die Clubkultur entscheidend. Viele der großen Disco-Hits wurden in queeren Clubs geboren und gefeiert. Und so lebt Disco weiter – auf der Tanzfläche, in den Herzen der Community und in der Musik, die wir heute hören. In diesem Sinne: Keep dancing, keep shining, keep Disco! Mehr hört ihr, wenn ihr reinhört!
Als Sohn einer Musikerfamilie wurde Roy Edward Ayers 1940 in Los Angeles geboren. Musik war in seinem Leben immer allgegenwärtig, doch entscheidend war, als er mit 17 Jahren sein erstes eigenes Instrument bekam. Von da an war der Grundstein für seine außerordentliche Karriere gelegt. In den 1960ern machte er sich als Jazzmusiker schnell einen Namen. Doch Jazz alleine reichte ihm nicht. In den 70er Jahren erfand er sich neu und wurde zu einer Schlüsselfigur des Jazz-Funk. Mit seiner Band "Ubiquity" veröffentlichte er eine Reihe an bahnbrechenden Alben. Songs wie "Everybody Loves The Sunshine", "Running Away" oder "Love Will Bring Us Back Together" vermittelten das neue Gefühl von Groove, Sonne und Urbanität.
Roy Ayers war ein Brückenbauer zwischen Genres und Generationen. In den 1980er Jahren zeigte er mit einer Zusammenarbeit mit dem nigerianischen Afrobeat-Pionier Fela Kuti seine globale Offenheit. Gleichzeitig bedienten sich zahlreiche Hip-Hop-Produzenten an seinem Repertoire.
Roy Ayers war mehr als ein Musiker – er war eine Lebenseinstellung. Sein unermüdlicher Groove, seine Neugier und seine Fähigkeit, Musik neu zu denken, machen ihn unsterblich. Am 4.März ist er nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben. Wir von Radio Superfly verneigen uns vor einer Legende. Rest in Groove, Roy.
Für die einen „Schwarzes Gold“, für das Jetlag schlicht Lebenselixier. Seit 10 Jahren gibt es den Club Analog, wo DJs ausgesuchte Platten spielen: Funk, Soul, Jazz, Afro Beat, Hip Hop, Trip Hop, Dope Beats und Verwandtes. Exakt dies findet man in Vinylecke als Neuware & 2nd Hand. Mehr hört ihr NUR, wenn ihr reinhört!
Einer der wichtigsten Namen in der Geschichte des DJings ist Francis Grasso. Als Resident-DJ des legendären "Sanctuary" – einer ehemaligen Kirche, die zu einem Tanztempel wurde – revolutionierte er das Auflegen. Die Plattenspieler standen auf dem ehemaligen Altar, von dem aus der DJ wie ein Priester durch die Nacht führte. Grasso kam eher zufällig zu diesem Job: Eines Abends fiel der eigentliche Resident-DJ aus, und kurzfristig wurde Ersatz gesucht. Er war der erste DJ, der Kopfhörer verlangte, um den nächsten Song vorhören zu können. Durch geschickte Übergänge ließ er die Titel ineinanderfließen und bestimmte das Tempo mit den Fingern – denn damals hatten Plattenspieler noch keine Geschwindigkeitsregler. Der Grundsatz, keine Pausen zwischen den Songs zu lassen und die Energie von einem Track in den nächsten mitzunehmen, hat sich bis heute nicht geändert. Die Technik hat sich jedoch weiterentwickelt – etwa durch Plattenspieler mit Geschwindigkeitsreglern, die das Beatmatching erleichtern.
Mitte der 1970er Jahre sollte eine weitere, wegweisende Erfindung folgen: Tom Moulton, ein Musikproduzent aus Albany, störte sich daran, dass die damals durchschnittlich drei Minuten langen Songs bereits nach kurzer Zeit wieder gemixt wurden. Seine Lösung: Er verlängerte Tracks, indem er Beats und Instrumentalpassagen loopte.
Diese neuen, teils bis zu zehn Minuten langen Versionen ermöglichten es, den Charakter eines Songs voll zur Geltung zu bringen. Eines Tages fragte er im Studio einen Kollegen, ob sie einen zehnminütigen Song auf das Rohling-Format einer Langspielplatte pressen könnten. Ein einzelner Track auf einer ganzen Seite? Zunächst galt das als Verschwendung – doch die überragende Soundqualität setzte sich schnell durch. So erfand Tom Moulton die Maxi-Single. In der Disco-Ära war das Label "A Tom Moulton Mix" ein echtes Qualitätssiegel. Obwohl Moulton selbst nie als DJ auflegte, ist er eine Schlüsselfigur für die Szene. Maxi-Singles wurden zum unverzichtbaren Format in den Clubs. Heute ist das selten geworden: DJs bringen Festplatten oder USB-Sticks voller Musik mit in den Club – nur wenige schleppen noch Vinyl. Doch genau wie das Radio entwickelt sich auch die Kunst des DJings immer weiter. Mehr hört ihr, wenn ihr reinhört!
Als Spiegel- oder auch Disco-Kugel bezeichnen wir eine mit kleinen Spiegeln beklebte Styropor- oder Schaumstoffkugel. Der Beleuchtungseffekt zahlreicher kleiner, sich langsam bewegender Lichtpunkte, die an einen Sternenhimmel erinnern, ist mit Sicherheit der beliebteste Lichteffekt in Tanzlokalen – und das Synonym für die glitzernde Welt der Discos. Spiegelkugeln gab es bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. In einer Beschreibung eines Ballsaals in Boston wurde 1897 bereits darauf hingewiesen.
Etabliert wurde sie vor allem in den Tanzpalästen Berlins der 1920er Jahre. In Filmen wie Der blaue Engel (1929) oder Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (1927) entdeckt man sie ebenfalls. Die funkelnden Bälle – doch ihre Blütezeit war die glanzvolle Disco-Ära der 70er und frühen 80er Jahre. Keine Disco kam ohne ihre Spiegelkugel aus. Sie wird sich weiter drehen – und findet mittlerweile nicht nur in Tanzlokalen Verwendung. Sie hängt als Miniatur-Kopie an Weihnachtsbäumen, und sogar Pizzaöfen wurden hier und da zur Disco-Kugel. Mehr hört ihr, wenn ihr reinhört!
Schon zu Beginn des Hip-Hop setzte sie als Lead-Stimme der weiblichen Rap-Gruppe The Sequence stilprägende Akzente. Ihr Song Funk You Up aus dem Jahr 1979 war einer der ersten Hits einer rein weiblichen Rap-Gruppe und wurde später von Dr. Dre und anderen Künstlern gesampelt – ein Beweis für ihren nachhaltigen Einfluss auf das Genre. Doch ihre musikalische Reise endete hier nicht. In den 90er Jahren war sie Teil der R&B-Gruppe Vertical Hold, bevor sie schließlich mit ihrem Soloalbum Black Diamond (1999) den Durchbruch schaffte. Songs wie No More Rain (In This Cloud) und später Wish I Didn’t Miss You wurden zu Hymnen des Neo-Soul und machten sie zu einer Ikone des Genres.
Am 01. März ist Angie Stone bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen. Sie war 63 Jahre alt. Mit ihrem Tod verliert die Musikwelt eine Künstlerin, die es verstand, Vergangenheit und Gegenwart der Black Music miteinander zu verweben – eine Brücke zwischen Soul und Hip-Hop, zwischen Tradition und Innovation. Wish we didn’t miss you…
Radio Superfly's Album der Woche
Titel: Stardust
Artist: Spitting Ibex
Label: Spitting Records
Das bereits vierte Studioalbum der österreichischen Band Spitting Ibex verbindet den Mikrokosmos des Menschen mit dem Makrokosmos des Universums. Was sich zunächst kompliziert anhört, entpuppt sich erneut als genreübergreifendes Meisterwerk. Die Spitting Ibex Formel geht auf „Stardust“ voll und ganz auf.
Die Band ist dafür bekannt, dass sie ausprobieren, offen für Neues sind und mutig bleiben. Wer sich in Schubladen stecken lässt, der hat oft das Problem, dass man etwas von ihnen erwartet. Bei Spitting Ibex erwartet man das Unerwartete. Wo andere auf den fahrenden Zug aufspringen, steuert die Gruppe ihren ganz eigenen Zug, und der streift an Funk und Disco ebenso, wie am Indie- und Streckenweise sogar an Krautrock. Auch zeigt sich Spitting Ibex hier stellenweise gelassener als bei den Vorgängern. Musikalische Reife? Vielleicht.
Insgesamt 10 Songs zeigen die ganze Bandbreite und Vielseitigkeit der Band. Immer wieder bewegen sich Songs in neue Richtungen wo improvisiert wird. Einige Freunde des Hauses geben dem Album als Gäste noch eine weitere Energie. Jason the Scientist, Elena Shirin oder Harry Dean Lewis, jeder für sich in einem eigenen Klangkosmos, bei Spitting Ibex führt es zu einem großen Ganzen.
Insgesamt ist „Stardust“ ein beeindruckendes Album, welches das musikalische Talent der Band in den Vordergrund stellt.
Anspieltipps der Musikredaktion:
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