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Aufgewachsen ist der heute 38-Jährige in Kansas City. Er spielte zunächst Bass bei der Indie-Folk-Band Woods, später gründete er gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Cassie Ramone die Garage-Rock-Band The Babies. Doch irgendwann wurde ihm klar: Die Geschichten, die er erzählen wollte, brauchen mehr Platz. Seit 2013 veröffentlicht Kevin Morby deshalb Soloalben, inzwischen acht an der Zahl. Vergleiche mit Bob Dylan oder Lou Reed begleiten ihn seit Jahren. Verständlich. Seine Stimme hat etwas Raues und gleichzeitig Vertrautes, seine Songs bewegen sich irgendwo zwischen Folk, Indie-Rock und Americana. Doch Morby klingt nicht wie eine Kopie. Er sammelt Einflüsse wie andere Leute Souvenirs und macht daraus seinen ganz eigenen Sound. Einen, in dem selbst ein Straßenschild oder eine Tankstelle plötzlich nach Poesie klingen.
Dabei sucht er gar nicht nach den ganz großen Wahrheiten. In Interviews erzählt Morby immer wieder, dass ihn die kleinen Beobachtungen faszinieren. Zufällige Begegnungen, vorbeiziehende Landschaften oder dieses eigenartige Gefühl, gleichzeitig Fernweh und Heimweh zu haben. Seine Beziehung zu Amerika beschreibt er bis heute als romantisch, trotz aller politischen Widersprüche. Nicht, weil er das Land verklärt, sondern weil ihn seine Geschichten nicht loslassen.
Genau dort setzt auch sein neues Album Little Wide Open an, das im Mai erschienen ist. Produziert wurde es von Aaron Dessner, der zuletzt unter anderem mit Taylor Swift, Gracie Abrams und Ed Sheeran gearbeitet hat. Gemeinsam schaffen sie einen Sound, der größer wirkt als auf früheren Morby-Platten und trotzdem nie den Blick fürs Detail verliert. Morby selbst beschreibt das Album als eine Reise zwischen Vergangenheit und Zukunft. Es geht ums Älterwerden, ums Weiterziehen und um die Erkenntnis, dass Heimat manchmal weniger ein Ort ist als ein Gefühl. Vielleicht bleibt seine Musik genau deshalb so lange hängen: Weil sie nie laut werden muss, um etwas auszulösen.
Und wer Kevin Morby live erleben möchte, hat schon bald Gelegenheit dazu: Am 17. Juli macht der US-Singer-Songwriter mit seiner Little Wide Open Tour Halt in der SimmCity in Wien.
Gerald Travnicek hat Sophie Ellis-Bextor beim Butterfly Dance Festival in Eisenstadt getroffen. Im Interview spricht sie über ihr Familienleben abseits der Bühne, darüber, welche Botschaft sie mit Perimenopop vermitteln möchte, und warum sie den Ruf genießt, einer der freundlichsten und zugänglichsten Stars der Popwelt zu sein. Hört rein!
Nach einer Reihe gefeierter Singles und ersten internationalen Erfolgen wirkt Naturally wie genau der richtige nächste Schritt für Nectar Woode. Kein Album, das beeindrucken will, sondern eines, das sich ganz selbstverständlich entfaltet. Offiziell ist "Naturally" ein Mixtape. Beim Hören spielt diese Unterscheidung allerdings kaum eine Rolle. Mit viel Soul, feinen Jazzfarben und einer Stimme, die nie mehr sagt als nötig, greifen die neun Songs ganz selbstverständlich ineinander.
Die Sängerin mit britisch ghanaischen Wurzeln hat sich in den vergangenen Jahren leise, aber ziemlich konsequent einen Namen gemacht. Erst einzelne Singles, dann Festivalauftritte, schließlich Unterstützung von niemand Geringerem als Elton John, der ihre Musik in seiner Rocket Hour spielte und auf Wine Into Water sogar selbst am Klavier zu hören ist. Für "Naturally" arbeitete Nectar Woode erneut eng mit Produzent Sam Okpara zusammen. Viele Ideen entstanden ohne Zeitdruck, wurden wieder verworfen, weiterentwickelt und erst dann aufgenommen, wenn sie sich wirklich richtig angefühlt haben. "Naturally" eben.
Das Mixtape erzählt von Veränderung, Vertrauen, Selbstzweifeln und davon, den eigenen Weg nicht ständig erklären zu müssen. Während viele Soul-Platten heute gerne größer und opulenter werden, entscheidet sich Nectar Woode bewusst für das Gegenteil. "Naturally" beweist, dass es manchmal gar nicht die großen Gesten braucht. Manchmal reicht eine Künstlerin, die genau weiß, wann und wie sie etwas sagen möchte.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Tatsächlich kann unser Gehirn Urlaub hören. Die Forschung beschäftigt sich schon länger damit, wie Naturgeräusche auf uns wirken. Wasserrauschen, Wellen oder Vogelgesang können dabei helfen, Stress abzubauen, die Stimmung zu verbessern und unsere Aufmerksamkeit zu erholen. Ein Grund dafür könnte sein, dass solche Klänge unsere Aufmerksamkeit beschäftigen, ohne sie zu überfordern. Der Kopf darf zuhören, muss aber nichts lösen.
Vielleicht ist genau das ein Teil dieses typischen Urlaubsgefühls. Am Meer, im Wald oder irgendwo auf einem Balkon hören wir plötzlich wieder Dinge, die im Alltag zwischen Verkehr, Terminen und Benachrichtigungen untergehen. Dazu kommt: Geräusche sind eng mit Erinnerungen verbunden. Das Kreischen von Möwen, ein Moped in einer kleinen Gasse oder ein bestimmter Song können uns deshalb innerhalb von Sekunden zurück an einen Ort oder in einen Sommer versetzen.
Und hier kommt die Musik ins Spiel. Auch sie kann nachweislich Stress reduzieren. Besonders vertraute Songs funktionieren wie kleine akustische Zeitmaschinen. Ein paar Takte, und plötzlich sind wir wieder am Strand, auf einer langen Zugfahrt oder in diesem einen Sommer, der sich besonders gut angefühlt hat. Ganz festhalten lässt sich das Urlaubsgefühl leider nicht. Die Forschung zeigt, dass die Erholung nach der Rückkehr oft schneller verblasst, als uns lieb ist. Aber ein bisschen lässt sich der Kopf vielleicht austricksen. Wasser kann beruhigen, Vogelstimmen können unsere Aufmerksamkeit sanft umlenken und Musik holt ganze Orte und Erinnerungen zurück.
Denn manchmal braucht unser Gehirn keinen Flug. Manchmal braucht es nur den richtigen Superfly-Sound.
Sammy Lorenz für Radio Superfly
Gegründet wurde das Kollektiv 2004 vom Bassisten Michael League, damals als Studentenprojekt in Texas. Mehr als zwanzig Jahre später gehören fünf Grammys und unzählige Musikerinnen und Musiker zur Geschichte von Snarky Puppy. Die Besetzung verändert sich ständig, doch genau das macht ihren Sound lebendig. Jede Person bringt ihre eigene musikalische Sprache mit. Und eigentlich beginnt Snarky Puppy sowieso erst auf der Bühne.
Ihre Alben entstehen oft live, gemeinsam mit Publikum im Raum. Nicht, weil das spektakulärer aussieht, sondern weil genau dort ihre Musik entsteht. Im Moment. Ohne doppelten Boden. Michael League nennt Live-Musik die ehrlichste Form des Musizierens. Man hört, wie Musiker einander zuhören, reagieren und Ideen weiterspinnen. Fast so, als würde ein Gespräch stattfinden, nur eben ohne Worte.
Deshalb gleicht auch kein Konzert dem anderen und manchmal entstehen auf der Bühne Momente, die nie wieder genau so passieren werden. Genau das macht den Zauber von Snarky Puppy aus: Man hat nie das Gefühl, einer perfekten Kopie eines Albums zuzuhören. Sondern etwas Einmaligem beizuwohnen. Vielleicht ist Snarky Puppy deshalb bis heute kaum in ein Genre einzuordnen. Und vielleicht wollen sie das auch gar nicht. Statt sich musikalisch festzulegen, bleiben sie lieber in Bewegung.
Wer erleben möchte, wie sich das anhört, hat diesen Sonntag Gelegenheit dazu. Snarky Puppy spielen am 12. Juli beim Arena Open Air in Wien. Und wenn alles nach Plan läuft, wird dort genau das passieren, was ihre Musik seit über zwanzig Jahren ausmacht: Dass etwas entsteht, das sich nicht planen lässt.
Schweiß auf der Haut, klebrige Stühle, Salzwasserlippen, Nähe, Verlangen. „Do you remember, how the chair stuck to the backs of your legs and neck?“ – selten hat eine Textzeile die Erfahrung eines heißen Sommertags so präzise und sinnlich eingefangen. Cohen's Stimme haucht sich durch das Stück, begleitet von einem weichen, fast hypnotischen Arrangement. Es geht nicht um große Refrains, sondern um Stimmung: eine leicht verwischte Erinnerung an einen Sommer, in dem Begehren und Temperatur untrennbar verschmelzen.
„I need your love, I can’t stop, can’t get enough“ – das wiederholt sich fast wie ein Mantra, als würde das Verlangen mit der Hitze steigen. Und wenn sie von „salty lips like candy“ singt, wird klar: Hier geht es um das Süße und das Rohe des Sommers zugleich. Der Soundtrack für die langsamen Stunden zwischen Nachmittag und Abend, wenn die Welt glüht, aber alles in Zeitlupe scheint.
Sammy Lorenz für Radio Superfly.
Bei Jessie Reyez war Liebe nie nur romantisch. Sie kann wunderschön sein, aber auch chaotisch, schmerzhaft und manchmal ziemlich wütend. Genau dort setzt ihr neues Album „A Little Vengeance“ an. Der Titel bedeutet so viel wie „Ein bisschen Rache“ und geht auf ein Zitat des Philosophen Friedrich Nietzsche zurück: Ein bisschen Rache sei menschlicher als gar keine.
Die kanadisch kolumbianische Sängerin aus Toronto gehört seit ihrem Durchbruch mit „Figures“ zu den eigenwilligsten Stimmen des Alternative R&B. Sie singt, rappt, flüstert, kratzt und kippt manchmal mitten im Satz von verletzlich zu angriffslustig. Genau diese Unberechenbarkeit zieht sich auch durch ihr mittlerweile viertes Album.
Auf 17 Tracks verarbeitet Reyez vor allem die emotionalen Trümmer komplizierter Beziehungen. Da geht es um Untreue, nächtliche Gedanken an Menschen, die man längst vergessen wollte, um verletzten Stolz und all die Dinge, die man nach einer Trennung theoretisch tun könnte…und dann vielleicht doch lieber lässt. Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Alternative R&B, Soul, HipHop und intimen Balladen. Dazwischen stehen gesprochene Interludes, trockener Humor und Momente, in denen sie den Blick plötzlich auf sich selbst richtet.
„A Little Vengeance“ ist tatsächlich weniger Rachefeldzug, sondern viel mehr ein inneres Streitgespräch. Zwischen Wut, Vernunft, Ego und Selbstkritik. Am Ende steht nicht der große Triumph über jemand anderen, sondern etwas Schwierigeres: das eigene Ego loszulassen.
Anspieltipps der Musikredaktion:
Zu Hause ist das Trio in Brooklyn, musikalisch allerdings überall dort, wo Soul, Funk und Disco Menschen zusammenbringen. Say She She nennen ihren Sound selbst "discodelic soul", eine Mischung aus warmen Siebzigerjahre Grooves, psychedelischem Soul, mehrstimmigem Gesang und jeder Menge Funk. Inspiration finden sie dabei unter anderem bei Künstlerinnen und Künstlern wie Rotary Connection, ESG oder Liquid Liquid. Das Ergebnis klingt vertraut nostalgisch und trotzdem unglaublich modern. Statt alte Sounds einfach zu kopieren, holen sie den Spirit dieser Zeiten ins Heute.
Auch inhaltlich haben Say She She etwas zu erzählen. Viele ihrer Songs verbinden Leichtigkeit mit Haltung. Sie singen etwa über Zusammenhalt, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Themen, ohne dabei den Groove aus den Augen zu verlieren. Schon ihr Debütalbum "Prism" brachte ihnen viel Aufmerksamkeit und begeisterte Kritiken. Mit dem zweiten Album "Silver" festigten sie dann ihren Ruf als eine der spannendsten neuen Bands. Das Album schaffte es auf mehrere Bestenlisten des Jahres und auch live machten sie mit Auftritten beim Glastonbury Festival und vielen internationalen Tourneen auf sich aufmerksam.
All das macht Say She She so besonders. Ihre Musik lädt zum Tanzen ein und schafft gleichzeitig Raum zum Zuhören. Drei Stimmen, die perfekt ineinandergreifen, eine Band, die den Geist von Disco, Soul und Funk ins Heute holt, und Songs, die genauso viel Herz wie Haltung haben. Wer modernen Soul mit Vintage Seele liebt, sollte Say She She unbedingt auf dem Schirm haben.
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