In dieser Ausgabe werfen wir einen scharfen Blick auf den Nahen Osten und präsentieren euch die Analyse eines der profiliertesten geopolitischen Analysten der Gegenwart: Scott Ritter. Seine Einschätzungen zum Iran-Konflikt sind provokant, fundiert und weit entfernt vom Mainstream-Narrativ. Was steckt wirklich hinter dem wachsenden Druck auf Teheran? Welche Rolle spielen die USA, Israel und der Westen insgesamt? Und wie reagiert die Achse des Widerstands auf diese Entwicklungen? Abonniert unseren Kanal, teilt das Video mit euren Netzwerken – und vor allem: Lasst uns wissen, was ihr von Ritter’s Analyse haltet. Swissvox – weil Geopolitik zum Mitdenken ist.
Scott Ritter analysiert die aktuelle geopolitische Lage zwischen Iran, Israel und den Vereinigten Staaten als Ausdruck einer langfristigen Strategie der USA und Israels, die auf einen Regimewechsel im Iran abzielt. Dabei dient das iranische Atomprogramm lediglich als Vorwand. Die Methode sei bekannt: Es handle sich um eine Fortsetzung des Vorgehens, das bereits im Irak mit den angeblichen Massenvernichtungswaffen und in Syrien mit dem Vorwurf des Besitzes chemischer Waffen erfolgreich angewandt wurde.
Scott Ritter erklärt, dass der sogenannte „Inspektions-Falle“-Mechanismus erneut greife. Auch wenn der iranische Atomkomplex durch die jüngsten Angriffe beschädigt wurde, sei er nicht vollständig zerstört worden – und das sei so gewollt. Denn solange es keine vollständige Zerstörung gibt und gleichzeitig keine internationalen Inspektionen stattfinden, könne man jederzeit behaupten, Iran verfolge ein militärisches Atomprogramm.
Dadurch werde der politische Druck aufrechterhalten, die Sanktionen verlängert und ein fortgesetzter Konflikt legitimiert. Laut Scott Ritter sei der Iran schon lange Ziel westlicher Sanktionen und verdeckter Operationen. Es gehe aber nie wirklich um Atomwaffen, denn der Westen wisse sehr wohl, dass Iran kein nukleares Waffenprogramm betreibe. Vielmehr werde dieselbe Logik wiederholt wie im Irak, wo auch nach dem Ende von Saddam Hussein weiterhin behauptet wurde, es gäbe versteckte Massenvernichtungswaffen, obwohl das längst nicht mehr der Fall war. Ritter betont, dass dies eine langfristige Strategie sei – wie im Fall des Irak, wo der Regimewechsel von 1990 bis 2003 dauerte, oder in Syrien, wo das Ziel, Assad zu stürzen, über zwei Jahrzehnte verfolge wurde.
Auch im Iran setze man auf einen allmählichen Zerfall, durch wiederholte militärische Angriffe und gesellschaftliche Destabilisierung. Ziel sei es, das soziale Gefüge Irans zu zerschlagen und das Land von innen heraus kollabieren zu lassen. Scott Ritter beschreibt, dass der Westen gezielt versuche, die IAEA (Internationale Atomenergiebehörde) aus dem Land zu drängen, um den Zustand fehlender Inspektionen als Beleg für ein angeblich geheimes Waffenprogramm auszulegen.
So könne man einen ständigen Vorwand für wirtschaftlichen und militärischen Druck aufrechterhalten. Interessant ist Ritters Beobachtung, dass selbst Iraner im Westen – darunter auch Regimekritiker – sich zunehmend solidarisch mit der Regierung in Teheran zeigen, insbesondere nach den Angriffen. Das erinnere ihn an die Zeit des Iran-Irak-Krieges, als sich trotz innerer Differenzen die iranische Gesellschaft in einem Moment nationaler Bedrohung zusammengeschlossen habe.
Er glaubt nicht, dass der Iran unter diesem Druck einknicken werde. Zur Trump-Regierung äußert Ritter scharfe Kritik. Er ist überzeugt, dass es dort an echter Expertise über den Iran mangele. Zwar verfüge man über operative Kenntnisse zur Schwächung iranischer Strukturen, etwa durch Ausnutzung individueller Schwächen wie Geldnot, außereheliche Beziehungen oder Alkohol, aber dies sei keine strategische Tiefe.
Der israelische Mossad und die CIA nutzten diese Schwächen zur Rekrutierung und Unterwanderung, doch auch das führe nicht zum Zusammenbruch eines ganzen Systems. Ritter betont: Der Iran sei keine gescheiterte oder schwache Nation. Anders als der Irak oder Syrien sei Iran keine künstliche Schöpfung des Kolonialismus. Es sei ein historisch gewachsenes Staatswesen mit über 3000 Jahren persischer Geschichte und einer tief verwurzelten nationalen Identität.
Während der Irak mit der Herausforderung zu kämpfen hatte, ein Nationalgefühl zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden zu schaffen, verfüge Iran über eine kulturelle und gesellschaftliche Geschlossenheit, die es sehr widerstandsfähig mache. In Bezug auf den jüngsten Konflikt mit Israel erklärt Ritter, dass der Iran keineswegs besiegt sei. Die offizielle israelische Darstellung, der Angriff Irans sei gescheitert, sei Propaganda. Interne israelische Quellen, wie der TV-Sender Channel 13, berichteten über massive Schäden und zahlreiche Todesopfer, die aber öffentlich nicht eingeräumt würden. Begräbnisse im jüdischen Glauben müssten allerdings rasch erfolgen, daher sei eine vollständige Vertuschung fragwürdig.
Klar sei jedenfalls, dass mehr Ziele getroffen wurden, als Israel zugeben wolle, und dass der Iran erfolgreich zurückgeschlagen habe. Scott Ritter weist außerdem darauf hin, dass Iran noch nie einen Krieg verloren habe – im Gegensatz zu Irak oder Syrien. Auch habe Iran mit seiner Reaktion auf den israelischen Angriff Stärke demonstriert und dabei sogar die USA in ihrer Reaktion eingeschränkt. Als Beispiel nennt er den Vorfall auf der US-Basis Al-Udeid, wo Washington sich bewusst gegen eine Eskalation entschieden habe – aus Furcht vor weiterer iranischer Vergeltung.
Ein solches Drohpotenzial habe weder der Irak noch Syrien je gegen die USA ausüben können. Ritter zieht daraus den Schluss, dass Israel und die Vereinigten Staaten versuchen, ein Erfolgsmodell aus anderen Kontexten auf den Iran zu übertragen – jedoch ohne zu erkennen, dass Iran strukturell und kulturell nicht in das gleiche Schema passe. Ziel des ersten Angriffs, so Ritter, sei eindeutig gewesen: ein Regimewechsel durch Enthauptung der politischen Führung, Angriffe auf Nuklearanlagen, gezielte Tötung von Wissenschaftlern und das Schaffen von Chaos.
Doch der Iran habe das überstanden und sei nicht in ein Chaos verfallen. Eine Fortsetzung dieser Strategie sei zunehmend aussichtslos. Die Rolle der USA beschreibt Ritter nüchtern: Washington könne seine Stützpunkte in der Region nicht effektiv nutzen, da sie verwundbar seien. Selbst die entlegenere Basis Diego Garcia im Indischen Ozean sei erreichbar für iranische Raketen und verfüge über unzureichende Luftabwehr.
Das zeige, wie riskant ein Krieg gegen Iran für die USA wäre. Ein besonders kritischer Punkt ist laut Ritter die Übernahme der strategischen Analyse durch israelische Geheimdienste. Die CIA und andere US-Behörden seien weitgehend entmachtet worden. Stattdessen dominiere der israelische Nachrichtendienst mit seiner politischen Agenda. Ritter verweist auf das historische Konzept der „Concepcja“ aus dem Jahr 1973 – also die Vorstellung, dass Ägypten den Suez-Kanal niemals überqueren würde. Diese falsche Annahme führte damals zur Überraschung im Jom-Kippur-Krieg. Danach habe Israel einen Mechanismus eingeführt, den sogenannten „Doubting Thomas“, eine Art interner Skeptiker, der jede Analyse infrage stellen durfte, bevor sie in die politische Führungsebene gelangte. Unter Amos Gilad, so Ritter, sei dieser kritische Mechanismus jedoch abgeschafft worden. Stattdessen kehrte man zu ideologisch gefärbten Einschätzungen zurück, wie etwa der Falschbehauptung, dass Irak wieder über Massenvernichtungswaffen verfüge.
Seitdem sei der israelische Nachrichtendienst wieder politisiert und nicht mehr faktenorientiert. Die heutige Strategie Israels, sagt Scott Ritter abschließend, orientiere sich am sogenannten Nasrallah-Modell: gezielte Tötungen von Führungspersonen und massive Bombardierungen sollen eine feindliche Organisation oder einen Staat destabilisieren. Doch auch dieses Modell sei für den Iran nicht geeignet – ein Land, das nicht nur über stabile Strukturen verfüge, sondern sich zudem als äußerst widerstandsfähig erwiesen habe. Scott Ritter analysiert die geopolitische Strategie der Vereinigten Staaten und Israels gegenüber dem Iran und ordnet sie in einen historischen, politischen und strukturellen Kontext ein.
Er beginnt mit der Feststellung, dass Israel seit Beginn des aktuellen Konflikts versucht habe, das iranische System durch eine gezielte Tötung von Führungspersonen zu destabilisieren. Dabei sei insbesondere der sogenannte Nasrallah-Modell zur Anwendung gekommen – benannt nach Hassan Nasrallah, dem Anführer der libanesischen Hisbollah. Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass das gezielte Ausschalten von Führungspersönlichkeiten – insbesondere der mittleren und oberen Ebenen – zu einem Zusammenbruch des gesamten Systems führen würde.
Laut Ritter glaubte Israel, mit diesem Ansatz bereits bei der Hisbollah Erfolg gehabt zu haben, und übertrug ihn deshalb auf den Iran. Konkret nennt er den gescheiterten Versuch, den Obersten Führer Ali Khamenei in der ersten Nacht des Konflikts zu töten. Es habe intensive Jagdoperationen auf ihn gegeben, aber man habe ihn nicht lokalisiert.
Dennoch seien andere hochrangige und mittlere Führungsfiguren getötet worden. Scott Ritter kritisiert diese Strategie als zutiefst fehlerhaft und weist darauf hin, dass die Vereinigten Staaten diese israelische Denkweise vollständig übernommen haben. Er argumentiert, dass diese Sichtweise den Charakter des iranischen politischen Systems fundamental missversteht.
Der Iran sei keine Diktatur wie Saddam Husseins Irak oder das autoritäre Regime von Bashar al-Assad. Auch wenn der Oberste Führer eine zentrale Rolle spiele, sei er durch die Verfassung und durch institutionelle Mechanismen beschränkt. Ritter betont, dass selbst der Oberste Führer abgesetzt werden könne – durch die sogenannte Expertenversammlung (Assembly of Experts), sollte er gegen den Willen des Volkes handeln. In einem funktionierenden System wie dem iranischen existierten zudem andere Machtzentren wie das Parlament, die Präsidentschaft, der Wächterrat und der Schlichtungsrat. Ritter betont explizit, dass es sich beim Amt des Obersten Führers um eine institutionelle Position handelt, nicht um eine Person. Sollte Ali Khamenei sterben – er sei über 90 Jahre alt –, existiere bereits eine Liste mit 3 bis 5 Nachfolgekandidaten. Diese werde von der Expertenversammlung geführt, wie es die Verfassung vorsieht.
Das System sei also auf eine Nachfolge vorbereitet und könne nicht einfach durch den Tod einer Einzelperson zerstört werden. Scott Ritter unterstreicht, dass das iranische System trotz aller Mängel seit Jahrzehnten stabil funktioniere. Es sei kein junges, unausgereiftes Regime, sondern ein System, das durch Krisen und Stressphasen erprobt sei. Zwar gebe es eine sinkende Wahlbeteiligung bei nationalen Wahlen, was die Führung beunruhige, aber er prognostiziert, dass angesichts der aktuellen Lage das Bewusstsein für nationale Souveränität zunehme – und damit auch die politische Mobilisierung.
Für Ritter ist der zentrale Fehler des Westens gewesen, den Iran immer wieder zurückzuweisen. Der Iran habe über viele Jahre versucht, sich dem Westen anzunähern – ein Verlangen, das Ritter als verwundbaren Punkt bezeichnet. Hätte der Westen dem Iran diese Öffnung gewährt, hätte es durchaus zu einem tiefgreifenden Wandel kommen können, vielleicht sogar zur Destabilisierung der Islamischen Republik. Doch durch ständiges Zurückweisen habe der Westen genau das Gegenteil erreicht: Er habe den Iran dazu gezwungen, sich zu konsolidieren und in eine alternative, multipolare Weltordnung zu integrieren.
Scott Ritter zieht an dieser Stelle eine Parallele zu Russland. Auch dort habe der Westen nach dem Ende der Sowjetunion versucht, Russland über wirtschaftliche und kulturelle Einflussnahme zu steuern – nur um schließlich durch Sanktionen und Konfrontation genau das Gegenteil zu erreichen: Russland habe sich abgeschottet, konsolidiert und sei nicht mehr bereit, den Westen in das eigene politische System einzulassen. Gleiches sei nun im Iran der Fall. Laut Ritter werde der Iran Teil der multipolaren Weltordnung, etwa durch BRICS.
Daraus folge, dass der Iran sowohl die Vereinigten Staaten als auch Israel in einem langfristigen geopolitischen Ringen überdauern werde. Ritter bezweifelt, dass die Vereinigten Staaten oder Israel bereit oder fähig seien, in einen offenen Krieg mit dem Iran einzutreten. Für Donald Trump wäre dies politisch katastrophal, und Israel sei bereits durch die jüngsten Entwicklungen schwer getroffen – mit gebrochenen Rippen, wie Ritter es metaphorisch ausdrückt.
Für ihn sei der „Regimewechsel-Fantasie“ gescheitert. Dennoch werde weiterhin versucht, den Iran durch eine Mischung aus dem Inspektionsfallenmodell, dem Nasrallah-Modell sowie Erfahrungen aus den Irak- und Syrienkonflikten zu schwächen. Er verweist auf iranische Reformer und westlich orientierte Eliten wie Mohammad Javad Zarif, den früheren Außenminister. Diese hätten einst geglaubt, durch Annäherung an den Westen eine positive Entwicklung anzustoßen. Ritter sieht jedoch, dass diese Gruppen – in Iran wie zuvor in Russland – von westlicher Seite als schwach und ausnutzbar betrachtet worden seien. Dadurch hätten sie in der eigenen Gesellschaft an Einfluss verloren und seien zunehmend isoliert. Diese Entwicklung vergleicht er mit der politischen Transformation von Dmitri Medwedew in Russland, der vom westlich orientierten Hoffnungsträger zur radikal antiwestlichen Figur geworden sei.
Ritter erläutert, dass viele westliche Iran- und Russlandexperten auf falschen Vorstellungen beruhen. In den USA gebe es kaum noch echte Russlandexperten – stattdessen habe sich eine Expertenschicht etabliert, deren Russlandbild auf den 1990er Jahren basiere, einer Zeit, in der Russland ein von außen ausgebeutetes, zusammengebrochenes Land war. Diese Generation von Experten – etwa Michael McFaul – habe nicht verstanden, was der Aufstieg Putins bedeutete: das Ende der Ausbeutung und die Wiederherstellung staatlicher Souveränität. Barack Obamas sogenannte Reset-Politik sei nicht als ehrliche Versöhnung gedacht gewesen, sondern habe ein Ziel verfolgt: die dauerhafte Entfernung Putins von der Macht.
Ritter beschreibt, wie der Plan vorsah, Dmitri Medwedew als Präsidenten zu halten, da dieser als offener gegenüber dem Westen galt. Putin jedoch kehrte zurück und beendete sofort die westliche NGO-Präsenz in Russland. Die Parallele im Iran sei ähnlich: Es gebe keine echten Iran-Experten im Westen. Die Debatte werde dominiert von Exilgruppen, die das Mullah-Regime stürzen und die Monarchie zurückbringen wollen, was jedoch mit der Realität im Iran nichts zu tun habe.
Ritter betont, dass Personen wie Zarif westlich geprägt, aber zugleich iranische Patrioten seien. Er geht davon aus, dass solche Personen – wenn sie erkennen, wie sehr sie vom Westen getäuscht und ausgenutzt wurden – sich vom Westen abwenden und sogar radikaler auftreten könnten als die bisherigen Hardliner, ähnlich wie Medwedew in Russland. Scott Ritter schließt mit einer Analyse des psychologischen Effekts dieser westlichen Zurückweisung: Der Westen habe viele dieser Akteure in Iran und Russland wie nützliche Idioten behandelt – formbar, ausnutzbar, letztlich aber entbehrlich.
Diese Erfahrung führe zu einem tiefsitzenden Misstrauen und einer Hinwendung zur nationalistischen, souveränitätsorientierten Position, auch unter denen, die einst dem Westen zugewandt waren. Die Folge sei nicht die Öffnung, sondern die endgültige Abschottung gegenüber dem Westen. Scott Ritter betont, dass es in Iran keine nennenswerte Bewegung von pro-westlichen Kräften gebe, die versuchen könnten, das Land von innen heraus zu destabilisieren. Stattdessen beobachtet er eine gegenteilige Entwicklung: Viele Iraner, die zuvor mit dem Westen sympathisiert hätten, seien nun aufgrund der westlichen Haltung gegenüber Iran desillusioniert.
Diese Menschen würden sich nun eher hinter das theokratische System und insbesondere hinter die nationale Identität Irans stellen. Ritter sieht darin eine zunehmende nationale Geschlossenheit gegenüber äußeren Einflüssen, insbesondere aus dem Westen. Bezogen auf die Situation in Israel äußert sich Scott Ritter äußerst kritisch über das Verhalten von Donald Trump gegenüber Benjamin Netanjahu.
Aus Ritters Sicht wäre es für Trump eigentlich der ideale Moment, sich von Netanjahu zu distanzieren und ihn politisch zu entmachten, doch stattdessen versuche Trump, ihn zu retten – was Ritter als unverständlich und beschämend empfindet. Er kritisiert die Tatsache, dass Trump offen Forderungen an das israelische Justizsystem unterstütze, die eine Schwächung der Gewaltenteilung bedeuten würden. So fordere Trump etwa indirekt die Freilassung Netanjahus trotz laufender Gerichtsverfahren und drohe bei Nichtbefolgung mit Sanktionen. Ritter sieht darin einen krassen Widerspruch zu den grundlegenden Prinzipien der amerikanischen Verfassung, die eine Trennung der Gewalten vorsieht. Dieses Verhalten Trumps sei zutiefst unamerikanisch und kompromittiere die demokratischen Werte der Vereinigten Staaten. Scott Ritter stellt zudem die These auf, dass Trumps Verhalten möglicherweise so extrem sei, dass es gezielt ins Gegenteil umschlagen solle – dass Trump durch sein übertriebenes Unterstützen Netanjahus in Wahrheit dessen politisches Ende beschleunigen wolle. Diese Strategie erinnert Ritter an ein absurdes Filmskript – so unrealistisch, dass es kaum glaubwürdig sei.
Trumps Handeln sei „kindlich“, unausgereift und in hohem Maße peinlich für die Vereinigten Staaten. Im Hinblick auf Trumps Position gegenüber Israel erkennt Ritter widersprüchliches Verhalten: Einerseits stütze Trump Netanjahu, andererseits spreche er sich für Waffenruhen und Druck auf Israel aus. Ritter glaubt, dass Trumps Vorgehen nicht auf einem durchdachten strategischen Plan beruht, sondern vielmehr auf opportunistischem, impulsivem Verhalten. Trumps Haltung sei stark von Taktik, Manipulation und kurzfristigem Machtkalkül geprägt.
Dies untergrabe die Glaubwürdigkeit der USA in internationalen Verhandlungen, weil niemand mehr sicher sein könne, welche Position Trump tatsächlich vertrete. Diese Unberechenbarkeit habe andere Mächte, insbesondere Iran, Russland und China, dazu veranlasst, eigene Strategien zu entwickeln. Ritter interpretiert das jüngste sicherheitspolitische Zusammenkommen der Verteidigungsminister Russlands, Chinas und Irans in Peking als Zeichen einer neuen Sicherheitsarchitektur im Osten. Er sieht darin eine Reaktion auf das von den USA betriebene Prinzip „Teile und Herrsche“ (divide and conquer), das darauf abzielt, einzelne Staaten wie Iran zu isolieren und zu destabilisieren. Iran sei für Russland und China ein zentraler geopolitischer Partner – auch im Rahmen von BRICS und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO).
Insbesondere der Ausbau der Nord-Süd-Transportkorridore und der Neuen Seidenstraße seien entscheidende strategische Projekte, bei denen Iran eine zentrale Rolle spiele. Da BRICS und SCO bisher keine ausreichenden sicherheitspolitischen Schutzmechanismen bieten, erwartet Ritter neue bilaterale oder multilaterale Sicherheitsabkommen zwischen Iran, Russland und China, die mögliche Angriffe durch die USA oder Israel abschrecken sollen. Er glaubt allerdings nicht, dass SCO zu einem östlichen Gegenstück der NATO werde – vielmehr sei eine flexiblere Koordination zu erwarten, die dennoch effektiv sei, um Iran zu schützen. Zur Ukraine-Frage äußert sich Scott Ritter ebenso klar: Er sieht keine realistische Chance für eine diplomatische Lösung, solange die Positionen zwischen Russland und der Ukraine derart unvereinbar bleiben.
Die USA seien nicht willens oder fähig, als Vermittler aufzutreten. Trumps Kritiken an Putin hätten der Sache zusätzlich geschadet. Ritter betont, dass sich jede politische Strategie der Realität einer russischen militärischen Überlegenheit anpassen müsse – andernfalls werde man scheitern. Die Tatsache, dass Russland nun auch Zugriff auf große Vorkommen seltener Erden im Donbass erlangt habe, sei ein Rückschlag für die USA. Trumps politische Position sei widersprüchlich und inkonsistent – er habe etwa große Anstrengungen für Israel unternommen, gleichzeitig aber bei der Ukraine eine eher lauwarme Haltung eingenommen. Trotz positiver öffentlicher Äußerungen Putins über Trump – was Ritter als gezielte psychologische Einflussnahme interpretiert – werde Russland niemals von seinen strategischen Zielen abweichen. Trump könne sich dadurch in eine Lage manövrieren, in der er keine handlungsfähige Option mehr habe.
Ritter betont: Russland habe keine Hoffnung mehr auf eine diplomatische Lösung mit den USA oder der Ukraine – der militärische Sieg sei das erklärte Ziel. Russland werde Städte wie Odessa, Charkiw und Dnipro einnehmen, die Donbass-Region komplett befreien, sich eventuell auch das rechte Ufer von Cherson sowie Sumy zurückholen. Die einzige Form von „Verhandlung“, die Ritter am Ende dieses Krieges sieht, sei die vollständige und bedingungslose Kapitulation der Ukraine. Er vergleicht dies mit dem Treffen zwischen General Hans Krebs und General Wassili Tschuikow 1945 in Berlin, wo keine Bedingungen mehr akzeptiert wurden – nur die Kapitulation. Ritter betont, dass die Ukraine keinen Einfluss mehr auf die Bedingungen haben werde. Der Friedensschluss werde einseitig von Russland diktiert.
Auch eine mögliche überraschende Wende durch Trump, wie etwa ein militärischer Eingriff oder eine plötzliche diplomatische Lösung in der Ukraine, hält Ritter für ausgeschlossen. Anders als im Iran-Konflikt sei die USA in der Ukraine kein direkter militärischer Akteur. Russland habe seine Fähigkeit bewiesen, westliche Waffenhilfe zu neutralisieren. Ritter sieht keine Maßnahme, die die USA jetzt noch ergreifen könnten, um Russlands militärischen Erfolg zu verhindern. Ausführliche, detaillierte Zusammenfassung der Aussagen von Scott Ritter Scott Ritter betont abschließend, dass die Vereinigten Staaten in der aktuellen geopolitischen Lage keinerlei wirksame Mittel zur Verfügung haben, um den Kriegsverlauf in der Ukraine zu ihren Gunsten zu beeinflussen oder Druck auf Russland auszuüben. Aus seiner Sicht gibt es keinen politischen, diplomatischen oder militärischen Hebel, den Washington derzeit einsetzen könnte, um die strategische Entwicklung in der Region zu verändern.
Die Dynamik des Konflikts habe sich bereits so weit verfestigt, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr als Akteur auftreten könnten, der das Gleichgewicht in Richtung Kiew kippt. Was jedoch möglich wäre, so Ritter, wäre Druck auf die Ukraine selbst und auf die NATO-Staaten auszuüben, um den Krieg auf eine Weise zu beenden, die für Russland akzeptabel ist.
Das bedeutet: Die USA könnten theoretisch eine Führungsrolle einnehmen, indem sie sowohl Kiew als auch ihre europäischen Verbündeten zu Kompromissen zwingen, die auf die Bedingungen Moskaus eingehen. Doch das würde erfordern, dass Washington bereit ist, sich offen gegen den Widerstand aus Kiew und aus Europa zu stellen und dort seinen Willen durchzusetzen. Scott Ritter hält dies jedoch für äußerst unwahrscheinlich.
Besonders im Hinblick auf Donald Trump zweifelt er daran, dass dieser bereit oder fähig wäre, einen solch radikalen Kurswechsel einzuleiten. Ritter glaubt nicht, dass Trump entschlossen genug wäre, sowohl die ukrainische Führung als auch die europäischen Staaten unter Druck zu setzen, um das amerikanische Ziel eines Kriegsendes in Moskaus Interesse durchzusetzen. Vielmehr sieht er Trumps bisheriges außenpolitisches Verhalten als sprunghaft, widersprüchlich und taktisch motiviert – nicht aber als langfristig strategisch fundiert. Damit schließt Ritter seine Analyse mit einer nüchternen Einschätzung: Es sei nicht realistisch zu erwarten, dass die Vereinigten Staaten – weder unter Trump noch unter einem anderen Präsidenten – in naher Zukunft eine Führungsrolle übernehmen könnten, die diesen Krieg zu einem für Russland akzeptablen Ende bringt. Damit stellt er die geopolitische Wirksamkeit amerikanischer Außenpolitik grundsätzlich in Frage, zumindest in ihrer aktuellen Ausprägung gegenüber Russland und im Kontext des Ukraine-Krieges.
Scott Ritter war früher Geheimdienstoffizier beim US Marine Corps und UN-Waffeninspektor im Irak.
Seine Analysen beruhen oft auf militärstrategischen, geopolitischen und nachrichtendienstlichen Einschätzungen. Er vertritt seit Jahren eine sehr kritische Sicht auf die NATO-Politik, den Einfluss der USA im globalen Süden und besonders auf die westliche Haltung gegenüber Russland. In Bezug auf den Ukrainekrieg geht Ritter davon aus, dass Russland militärisch gewinnen wird und der Westen keine kohärente Strategie besitzt, um diesen Trend aufzuhalten.
Seine Forderung nach einem amerikanischen Strategiewechsel – der realistisch betrachtet eine Kapitulation westlicher Ambitionen in Osteuropa bedeuten würde – zielt auf die Anerkennung der neuen Machtverhältnisse auf dem eurasischen Kontinent. Ritter sieht in Donald Trump weder einen ernstzunehmenden Vermittler noch eine Figur mit geopolitischer Weitsicht, um diese tiefgreifenden Umbrüche zu gestalten. Damit endet seine Einschätzung mit einer ernüchternden Botschaft: Die Vereinigten Staaten verlieren an Einfluss, weil sie unfähig sind, die geopolitischen Realitäten anzuerkennen und entsprechend zu handeln.
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