Eine Wüste wächst nicht einfach so, sagt Daniela Sauer, Professorin für Physische Geographie an der Uni Göttingen und Präsidentin der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft in SWR Aktuell: "Wenn die Degeneration der Böden so weit fortschreitet, dass es zu irreversiblen Schäden führt, kommt es zu Wüstenbildung." Das sei der Fall, wenn landwirtschaftliche Flächen aus der Nutzung genommen werden müssten oder die Vegetation sich auch nach einer vorübergehenden Trockenphase nicht mehr regenerieren könne.
Die größten Probleme im Mittelmeerraum
Solche Bedingungen gebe es bereits im Mittelmeerraum, so Sauer, beispielsweise in Spanien: "Dort liegen wir heute schon an der Grenze zwischen mediterranen Klimabedingungen und einer Trockenregion. Gerade diese Gebiete, die besonders fragil sind, weil sie schon zwischen zwei Vegetationszonen liegen, sind natürlich besonders anfällig."
Insbesondere im mediterranen Raum sagten die Wettermodelle übereinstimmend, dass die Niederschläge abnehmen würden - "und sie nehmen nicht nur ab, sondern sie werden auch noch fokussierter."
Das heißt, wir bekommen längere Trockenperioden und dann auch noch stärker fokussierte kurze Starkregenereignisse. Das zusammen führt zu dieser Konstellation, dass wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können, dass im Mittelmeerraum die größten Probleme in Europa auftreten werden."
Quelle: Daniela Sauer, Professorin für Physische Geographie an der Uni Göttingen und Präsidentin der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft
Land- und Forstwirte in Deutschland vor großen Herausforderungen
Auch in Deutschland ist es diesen Sommer extrem trocken: Viele Wiesen sind gelb, auf Feldern in der Rheinebene haben sich wegen der Trockenheit Risse gebildet. Im Moment haben wir eine akute Trockenheit, erklärt Sauer. Daraus ergeben sich längerfristige Probleme: Die Landwirte stünden vor großen Problemen, da auf den Feldern weniger Biomasse aufgebaut werden kann. Daraus ergebe sich ein Kreislauf.
Die Böden, die in diesem Jahr wegen der Trockenheit weniger Pflanzen produzieren können, werden dadurch auch weniger Humus aufbauen können - weil auch weniger Ernterückstände für den Humusaufbau bleiben.
Quelle: Daniela Sauer, Professorin für Physische Geographie an der Uni Göttingen und Präsidentin der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft
Der Humus sei für die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserspeicherung aber wichtig. "Wenn die Böden durch den Klimawandel Humus verlieren, sinkt die Wasserspeicherfähigkeit der Böden und das wiederum verstärkt das Problem. Der gleiche Boden wird dann mit weniger Humus nochmal weniger Wasser speichern können."
Das könne man bereits in Deutschland beobachten. Für die Land- und Forstwirtschaft sei das eine große Herausforderung. Eine Möglichkeit ist, die Felder stärker zu bewässern. Darüber hat SWR Aktuell-Moderator Andreas Fischer mit Daniela Sauer gesprochen.