Geht es rein nach den Zahlen, gibt es eine klare Wahlgewinnerin: die "Alternative für Deutschland". Sie hat gut zehn Prozentpunkte mehr geholt und ihr Ergebnis verbessert. Die SPD, die FDP und die Grünen dagegen stehen mit Verlusten da - nur Union und Linke haben nennenswerte Zugewinne um die vier Prozentpunkte. Vor allem bei den Erststimmen war die AfD in Ostdeutschland enorm erfolgreich. Wer auf die Karte schaut, sieht überall nur AfD-Erfolge - bis auf wenige Ausnahmen im Raum Berlin und zwei Direktmandate für die Partei "Die Linke" in Sachsen und Thüringen.
Mäßigung bei AfD unwahrscheinlich
Jan Philipp Thomeczek ist Politikwissenschaftler und Populismusforscher an der Uni Potsdam. Er erklärt den Erfolg der AfD in Ostdeutschland unter anderem damit, dass sich der Osten der Bundesrepublik nicht mit dem europäischen Ausland vergleiche. Stattdessen schaue man dort natürlich auf den Westen Deutschlands, wo deutlich mehr Arbeitsplätze in der Industrie zur Verfügung stehen. Das schaffe Unzufriedenheit, die allerdings, so wundert er sich, von der AfD gar nicht explizit aufgegriffen werde. Stattdessen betreibe die AfD weiter Radikalisierung:
Die AfD wartet eigentlich nur darauf, dass die CDU selbst radikaler wird und dann mit ihr koalieren könnte.
Quelle: Jan Philipp Thomeczek, Politikwissenschaftler und Populismusforscher an der Uni Potsdam
Die voraussichtliche Oppositionsführerin im neuen Bundestag, die AfD, verdankt ihr Ergebnis vor allem den Ergebnissen in Ostdeutschland. In den westdeutschen Ländern konnte die AfD dagegen kein Direktmandat gewinnen. Ihr bestes Erststimmen-Ergebnis erzielte sie im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen mit 27,5 Prozent.
Die meisten Zweitstimmen bekam die AfD im Westen im bayerischen Deggendorf mit 29,2 Prozent. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Laura Koppenhöfer deutet Jan Philipp Thomeczek das Ergebnis der Bundestagswahl und benennt Stärken und Schwächen der Parteien in ihrem Abschneiden bei der Bundestagswahl.