SWR Aktuell Im Gespräch

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SWR Aktuell Im Gespräch episodes

  • Wieder Anschläge mit Autos: Haben die Behörden versagt?
    Es war Schlamperei, vermutet der Geschäftsführer des deutschen Ablegers des internationalen "Counter Extremism Project" im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich. Die Behörden in Deutschland und in den USA hätten bei der Umsetzung der Sicherheitskonzepte ihre Hausaufgaben nicht gemacht.
    Offensichtlich hat der Magdeburg-Angriff keine ausreichende Wirkung gehabt, um Sicherheitskonzepte im Ausland zu überprüfen.

    Quelle: Sicherheitsexperte Hans-Jakob Schindler

    Lückenhafte Absperrungen in Magdeburg und New Orleans
    Die Rettungsgasse auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg war zum Zeitpunkt des Anschlags offen. Eigentlich hätte dort ein Polizeifahrzeug stehen sollen. Auch die Poller an der Bourbon Street in New Orleans funktionierten nicht und sollten erst im Februar für den Super Bowl wieder repariert sein. Solche lückenhaften Absperrungen seien wirkungslos, "wenn sich ein Täter auf den Anschlag vorbereitet, wie es wohl an beiden Orten der Fall war", sagt Schindler.
    Ein möglicher Grund für die Nachlässigkeit ist nach Auffassung des Experten, dass in beiden Ländern Anschläge mit Fahrzeugen schon länger zurückliegen würden: 2016 auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz - 2017 in New York auf einem Radweg im Hudson River Park.
    Warum die Behörden die Täter nicht auf dem Schirm hatten
    Ein generelles Versagen der Behörden sieht Schindler weder in Magdeburg noch in New Orleans. "Auch Sicherheit ist menschlich", ergänzt er. In Magdeburg habe der Täter mehr als zehnmal Gewalt angekündigt. Möglicherweise hätten die Sicherheitsbehörden den Mann deshalb nicht ernst genug genommen - nach dem Motto: "Der redet nur und setzt es nicht um." Diese Einschätzung habe sich nachträglich als schwerwiegender Fehler herausgestellt.
    Im Fall des Täters von New Orleans müsse jetzt untersucht werden, wie der Radikalisierungsprozess komplett an den Behörden vorbeigehen konnte. "Er war auf keiner Terrorliste. Er stand nicht unter Beobachtung."
    Auch wenn es keine absolute Sicherheit gebe, könnten die Behörden die beiden Anschläge nutzen, um die Konzepte zum Schutz der Bevölkerung zu verbessern. Damit verbindet Hans-Jakob Schindler die Hoffnung, dass Angriffe mit Fahrzeugen endlich der Vergangenheit angehören.
    6 min
  • Trotz Beschäftigungs-Boom: "Dramatische" Lage in Industrie und Baugewerbe
    "Das ganz besonders Dramatische ist, dass wir in das eingetreten sind, was die Ökonomen als Deindustrialisierung bezeichnen", sagt der Arbeitsmarktexperte der Hochschule Koblenz im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Gerhard Leitner. Im Industriebereich würden jeden Monat mehrere tausend gut bezahlte Jobs verloren gehen. Insgesamt ging die Zahl der Beschäftigten in der Industrie im Jahr 2024 um 50.000 zurück.
    Wir haben Beschäftigungsverluste im Industriebereich.

    Quelle: Stefan Sell, Arbeitsmarktexperte an der Hochschule Koblenz

    Bei den Industrie-Arbeitsplätzen ist ein "Kipppunkt" erreicht
    Bisher hätten sich die Firmen mit Entlassung zurückgehalten. Die Arbeitgeber wollten ihre gut qualifizierten Arbeitskräfte für einen möglichen wirtschaftlichen Aufschwung behalten. "Doch offensichtlich haben wir jetzt einen Kipppunkt erreicht, dass die Industrieunternehmen die Hoffnung aufgegeben haben", ergänzt Stefan Sell. Und deshalb würden Beschäftigte in steigendem Maße ihren Arbeitsplatz verlieren.
    Baden-Württemberg von Jobverlusten besonders betroffen
    Die Automobilindustrie und die mittelständischen Zulieferer in Baden-Württemberg müssten sich auf besonders harte Zeiten einstellen. "Es gibt Studien für den Großraum Stuttgart, dass mindestens ein Drittel der heute dort noch im Automobilbereich vorhandenen Arbeitsplätze wegfallen wird", warnt der Arbeitsmarktexperte. Gleiches gelte für den Maschinenbau. Die Unternehmen würden zunehmend auch im Hochpreis-Segment von der chinesischen Konkurrenz unter Druck gesetzt. "Das ist eine zweite, sehr beunruhigende Entwicklung."
    Auch Baugewerbe entlässt Beschäftigte
    Fast noch dramatischer bewertet Stefan Sell die Lage im Baugewerbe. 2024 gingen 28.000 Stellen verloren und das vor dem Hintergrund, dass wir laut Bundesregierung 400.000 neue Wohnungen pro Jahr bräuchten. Mit Glück würden 250.000 entstehen. Es werde zu wenig gebaut und jetzt fielen auch noch Jobs weg. "Das ist eine sehr alarmierende Entwicklung", resümiert der Arbeitsmarktexperte.
    6 min
  • Mutmach-Geschichte: Wie ein Sonntags-Spaziergang Menschen in Stuttgart zusammenbringen will
    Das Angebot richte sich an "Frauen mit Sternchen" - also an alle FLINTA*. Das steht für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen. Es gehe darum, andere Menschen zu treffen, neue Perspektiven kennenzulernen oder öfter mal rauszukommen und sich mehr zu bewegen, erläutert Juliane Brosz im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex. Ziel sei es, einen "Safe Space" zu schaffen, "in dem man sich nicht bedrängt fühlt, in dem man kommen kann, wie man ist und in dem man so akzeptiert wird, wie man sich fühlt".
    Wir haben die unterschiedlichsten Personen, die mitlaufen.

    Quelle: Juliane Brosz, Gründerin von "Women Walk and Talk Stuttgart"

    Die Sonntags-Spaziergänge seien mal länger, zum Beispiel durch die Weinberge in Hedelfingen oder kürzer und barrierefrei durch den Stuttgarter Schlossgarten. Das Faszinierende an "Women Walk and Talk Stuttgart" ist für Juliane Brosz, dass so viele verschiedene Menschen zusammenkommen. "Das macht die Unterhaltung spannend." Sie freue sich über alle, die mit dabei sind: Egal ob Singles oder Familien, ob Zugezogene oder Alteingesessene. "Bei uns ist jeder willkommen."
    7 min
  • "Wir sind voll": Warum die Lage in den Tierheimen immer schlechter wird
    Die Tierarztkosten seien explodiert, klagt Schröder im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich. Teilweise seien die Behandlungen dreimal so teuer wie früher. Viele Privatleute könnten sich die Haltung deshalb nicht mehr leisten, obwohl die Tiere in den Haushalten gut untergebracht seien.
    Scharfe Kritik an der Politik
    Die Verantwortung für die hohen Tierarztkosten trage der noch amtierende Bundesminister Cem Özdemir (Grüne). Er habe in Verhandlungen mit der Bundestierärztekammer die Gebührenordnung verändert.
    Die Bundesregierung hat uns ganz viel versprochen und nichts geliefert.

    Quelle: Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes

    Leidtragende seien die Tierheime. Dort würden immer mehr Tiere abgegeben - mit der Konsequenz, dass nichts mehr gehe: "Wir haben Aufnahmestopps. Wir sind über die Kapazitäten belegt", sagt der Präsident des Tierschutzbundes. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien überlastet, auch weil immer mehr Tiere "ganz viel Betreuungsbedarf haben und dabei werden wir von der Politik völlig im Stich gelassen".
    Hohe Hürden für das Einschläfern von Tieren
    Als letzten Ausweg mag manch ein Halter darüber nachdenken, sein Haustier einschläfern zu lassen. Doch das Tierschutzgesetz mache klare Vorgaben für einen solchen Schritt: "Aus Geld- und Platzgründen darf kein Tier eingeschläfert werden." Und deshalb befürchtet Schröder, dass der Tierschutz aus finanziellen Erwägungen auf der Strecke bleibt: "Wir wissen nicht, wie viele Tiere in den Wohnzimmern stumm leiden, weil der Tierarztbesuch verschoben wird."
    5 min
  • Zerstörerische Baggerfahrt im Main-Tauber-Kreis: "Dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist"
    Nach der zerstörerischen Fahrt in Grünsfeld und Tauberbischofsheim im Main-Tauber-Kreis sucht die Polizei nach einem Motiv. Mutmaßlicher Täter ist ein 38-jähriger Deutscher. Er hatte am Silvesternachmittag einen Bagger in Grünsfeld in seine Gewalt gebracht, Fahrzeuge und Gebäude gerammt und drei Polizisten bei einer rund einstündigen Verfolgungsjagd verletzt.
    Lob für Polizeieinsatz
    Die Bürgermeisterin von Tauberbischofsheim Anette Schmidt (parteilos) lobt im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich das professionelle Eingreifen der Polizei. "Es ist gar nicht auszudenken, was mit so einem Bagger auf öffentlichen Straßen anzurichten ist. Das hätte viele Menschenleben kosten können." Auch die Bevölkerung sei dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist.
    Es ist unbegreiflich und nicht nachvollziehbar.

    Quelle: Anette Schmidt, Bürgermeisterin von Tauberbischofsheim

    Am Ende blieb der Polizei keine andere Möglichkeit, als von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Die Beamten eröffneten in Tauberbischofsheim das Feuer auf den Mann, der nach Polizeiangaben trotz Reanimierungsversuchen noch vor Ort an seinen Verletzungen starb.
    Fassungslosigkeit über die Tat
    Auch zwei Tage nach der Tat ist die Tauberbischofsheimer Bürgermeisterin fassungslos und kann nicht nachvollziehen, warum sich der 38-Jährige zu dieser Tat hat hinreißen lassen. "Die Polizei hat in verschiedenen Eskalationsstufen versucht, den Amokfahrer aufzuhalten. Aber er war getrieben - von was auch immer." Insgesamt habe der Mann mit dem Bagger eine Strecke von acht Kilometern zurückgelegt. "Er ist durch mehrere Polizeisperren durchgefahren, hat diese umfahren und sich von nichts aufhalten lassen."
    Keine politisch motivierte Tat
    Erleichtert äußerte sich Anette Schmidt darüber, dass es sich bei der zerstörerischen Baggerfahrt nicht um eine politisch motivierte Tat gehandelt habe. "Das ist wichtig für uns in Tauberbischofsheim, dass es nicht gegen die Zivilbevölkerung ging", ergänzt die Bürgermeisterin. Wichtig sei jetzt, dass die Hintergründe der zerstörerischen Baggerfahrt aufgeklärt würden.
    6 min
  • Todesfahrt von New Orleans: Wie Trump den Anschlag für seine Zwecke ausnutzt
    Man habe das "pure Böse" am Werk gesehen, so schildert ARD-USA-Korrespondentin Julia Kastein im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich die erste Reaktion Trumps. Er habe die Todesfahrt von New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana erneut für Stimmungsmache gegen Migranten genutzt. Für Trump seien die Kriminellen, die jetzt in die USA kämen, schlimmer als die Kriminellen, die schon im Land sind, ergänzt Kastein. Bei dem Täter von New Orleans handelt es sich laut US-Behörden jedoch um einen amerikanischen Staatsbürger.
    Todesfahrer war in der US-Armee
    Das FBI geht von einem islamistisch motivierten Anschlag in New Orleans aus. Der mutmaßliche Täter habe viele Jahre in der Armee gedient, ergänzt die USA-Korrespondentin, sei dann ehrenhaft entlassen worden und als Reservist tätig gewesen. Laut US-Medien habe sich der Mann erst in den letzten Monaten radikalisiert, nachdem er zum Islam konvertiert sei.
    Diskussion über Sicherheitsvorkehrungen
    Nach der Todesfahrt in New Orleans hat in den USA eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Der Bereich des Anschlags in der Bourbon Street im historischen Viertel French Quarter könne zwar durch versenkbare Poller geschützt werden. Doch diese seien nicht hochgefahren gewesen, weil sie schon seit Jahren kaputt sind, sagt Julia Kastein.
    Ein Polizeiauto habe die Zufahrt gesichert, doch der mutmaßliche Attentäter sei über den Bürgersteig auf die Bourbon Street gelangt. "Es sind also noch viele Fragen offen, wie das passieren konnte", ergänzt die USA-Korrespondentin. Denn aufgrund ähnlicher Anschläge in den vergangenen Jahren hätten die Behörden auf ein solches Szenario vorbereitet sein müssen.
    6 min
  • Mutmach-Geschichte: Wie kann Syrien wieder aufgebaut werden?
    In Syrien haben über 50 Jahre Diktatur und 13 Jahre Bürgerkrieg Terror und Leid gebracht. Mehr als eine halbe Million Menschen wurden getötet, fast sieben Millionen sind geflohen. Machthaber Baschar al-Assad ist nun weg. Die von den Rebellen angeführte Übergangsregierung will mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten. Wie groß die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist, darüber hat SWR-Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch mit Sadiqu Al-Mousllie gesprochen. Der ist Zahnarzt in Braunschweig und war früher Mitglied des Syrischen Nationalrats.
    6 min
  • Mutmach-Geschichte: Warum erkennen wir viele positive Entwicklungen nicht?
    Auch wenn es in den Nachrichten oft anders klingt: Die Welt ist nicht nur grau, negativ, teuer und unberechenbar. Deswegen sprechen wir gegen Jahresende und am Jahresanfang über die Dinge, die viel besser laufen als man meint. Warum aber finden so viele Menschen, dass es eigentlich immer schlechter werde, zum Beispiel beim Thema E-Mobilität? Darüber hat SWR-Aktuell-Moderator Stefan Eich mit dem Kognitionspsychologen und Autor Christian Stöcker gesprochen. Der beschreibt in seiner Kolumne „Der Rationalist“ immer wieder, dass das berühmte halbvolle Glas oft noch viel voller ist als selbst die Optimisten ahnen.
    10 min
  • 2024 – zu warm und zu nass "Klimawandel ist ungebremst am Wirken"
    Das Jahr 2024 war das wärmste Jahr seit dem flächendeckenden Messbeginn im Jahr 1881. Das zeigt die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes. Demnach wurde das Vorjahr um 0,3 Grad übertroffen.
    "Insbesondere das Frühjahr war zu warm", sagt Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst. Weil es im Sommer keine extreme Hitzewelle gegeben habe, hätten viele Menschen das vergangene Jahr nicht als zu warm empfunden. Doch die Zahlen belegten laut Fuchs sehr deutlich die Abweichungen.
    Auch Extremwetterereignisse hätte es gegeben. "Wir hatten drei sogenannte Jahrhundert-Regenereignisse im letzten Jahr, die zu extremen Hochwassern geführt haben", so Fuchs. Laut dem Wetter-Experten ist der Klimawandel ungebremst am Wirken.
    Wir müssen damit rechnen, dass sich der Klimawandel weiterhin in deutlich zu warmen Temperaturen und deutlich zu warmen Jahren fortsetzt.

    Quelle: Tobias Fuchs, Deutscher Wetterdienst

    Was es braucht, um den Klimawandel abzubremsen beschreibt der Wetter-Experte im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Gerhard Leitner.
    6 min
  • "Klimaschutz tut nicht weh - davon profitiert ein Unternehmen"
    In Zeiten von Kriegen rücken andere Krisen in den Hintergrund. Verschiedene Erhebungen zeigen, wir sind für das Thema Klimawandel weniger sensibel. Dennoch wird der Kampf weitergeführt, auch wenn er nicht die volle Aufmerksamkeit genießt. Die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima ist ein Beispiel dafür. Sie setzt sich dafür ein, alle hinter der Idee zu versammeln, dass wir im globalen Kampf gegen die Erderwärmung gemeinsam handeln müssen.
    "Wir merken, dass unsere Gemeinschaft gewachsen ist – auch in diesem Jahr. Und dass die, die dabei sind, sich wirklich stark machen für den Klimaschutz und sich dafür einsetzen, dass nachhaltige Entwicklung hier stattfindet und dass auch Menschen auf der anderen Seite der Erdhalbkugel profitieren", sagt Dr. Olivia Henke, sie ist Vorständin der Allianz. Es gebe viele gute Beispiele, wo sich Unternehmen engagieren: vor Ort, innerhalb der Lieferkette und im globalen Kontext. Das mache Mut.
    Wenn sich viele engagieren, schaffen wir es auch den Klimawandel zu mindern. Aufhalten können wir ihn nicht, aber mindern.

    Quelle: Dr. Olivia Henke, Vorständin der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima

    Die Allianz für Entwicklung und Klima könne zeigen, wie Klimaschutz funktionieren kann, so Henke. "Klimaschutz tut gar nicht weh, er funktioniert, davon profitiert das Unternehmen." Wichtig sei es, ins Handeln zu kommen, so Henke im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Simon Dörr.
    5 min

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